Kursaal Bern: Dividende trotz geplanter Grossinvestitionen ins Hotel Allegro

Onlinecasino kann gestartet werden

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Die Kongress- Kursaal Bern AG konnte das Geschäftsjahr 2017 eigenen Angaben zufolge mit einem Rekordergebnis abschliessen. Es dürfe – so schreibt das Unternehmen im neuesten Geschäftsbericht– nicht vergessen werden, dass in den nächsten drei Jahren grosse Herausforderungen im Bereich der Hotellerie auf das Unternehmen zukommen. Die Erweiterung des Angebots in Bern um 400 Hotelzimmer wird bei den anstehenden erheblichen Investitionen in das Hotel Allegro, deren Summe bislang nicht bekannt ist, berücksichtigt werden. Trotz der Belastungen nimmt die Gesellschaft die ausgesetzten Dividendenzahlungen wieder auf.

Per 10. Juni 2018 wurde die Unsicherheit über das Inkrafttreten des neuen Geldspielgesetzes beendet. Dieses kann nun wie geplant im 2019 in Kraft treten. Der von der gesamten Schweizer Casinobranche erhoffte Ausgang der Abstimmung ist zur Realität geworden. Die Schweizer Casinos können zukünftig in das Geschäft des Onlinespiels einsteigen. Dennoch wachsen auch mit dieser Möglichkeit die Bäume nicht in den Himmel. Bevor in diesem Geschäft der erste Franken verdient werden kann, sind hohe Investitionen notwendig. Auch dürften die Schweizer Betriebe auf Unterstützung aus dem Ausland zugreifen müssen. In den nächsten Wochen und Monaten werden die Casinos die Investitionen in das Onlinegeschäft forcieren, um so die Einnahmen, die sie in den vergangenen Jahren an die ausländischen Betreiber verloren haben, zurückzugewinnen. Auch das Casino in Bern hat den Einstieg ins Onlinegeschäft angekündigt.

Casino kann sich negativem Branchentrend nicht entziehen

Sowohl das Grand Casino Bern als auch das ebenfalls von der Gesellschaft betriebene Casino Neuenburg konnten sich dem negativen Branchentrend nicht entziehen. So fielen die Erträge aus dem Spielbetrieb beider Häuser um 4.4% auf 42.5 Mio. CHF. Stärker vom Rückgang betroffen war offenbar der Betrieb in Bern. Deutlich wird dies beim Minus der Spielbankenabgabe: Im Vorjahr betrug die Abgabe des Berner Hauses gemäss Angaben der Eidgenössischen Spielbankenkommission ESBK 24.1 Mio. CHF, während im Berichtsjahr nur noch 22.9 Mio. CHF an die AHV abgeführt wurden. Der Rückgang der Spielbankenabgabe fiel in Neuenburg mit 0.3 Mio. CHF auf 9.6 Mio. CHF deutlich geringer aus. Zudem konnte in Neuenburg mit fast 177’000 Gästen ein neuer Besucherrekord aufgestellt werden.

Hotel und Kongress im Aufwind

Die neuen Seminarräume (hier der Boardraum) sorgen für Mehreinnahmen. Quelle: Kongress- + Kursaal Bern AG

Die Einkünfte aus dem Hotelgeschäft konnten im 2017 einen neuen Rekordwert erreichen. Geholfen hat dem Hotel Allegro das günstige Umfeld mit einem abgeschwächten Schweizer Franken, aber auch die Tatsache, dass in Bern einige Hotels vorübergehend geschlossen waren, was zu einer Verknappung des Angebots führte. Im Gastronomiebereich wurde das neue Restaurant auf dem Dach, der Rooftop Grill, der während der Sommerzeit geöffnet ist, sehr gut aufgenommen. Im Meeting&Events- Geschäft zeigten die Investitionen der Vorjahre ihre positiven Auswirkungen: So hat die Auslastung der Räumlichkeiten dank der neuen Sopra-Räume deutlich zugenommen. In der Arena fanden unzählige Grossveranstaltungen statt. Auch hier konnte die Gesellschaft von einer Sondersituation profitieren: Das bekannte Kulturcasino in Bern ist renovationsbedingt noch bis in den Sommer 2019 geschlossen. Auch die Wälchli Feste blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr mit höheren Umsätzen und einer Verbesserung aller Kennzahlen zurück.

Höhere Hotel- und Kongresserträge kompensieren Minus der Spieleinkünfte

Die Gesamteinnahmen des Berichtsjahres erreichten 86.4 Mio. CHF, was gegenüber dem Vorjahr einem Plus von 1.8% entspricht. Zuzulegen vermochte die Gesellschaft bei den Restaurationserträgen, die um 4.8% auf 25.4 Mio. CHF anstiegen. Ein noch deutlicheres Plus verzeichneten, vor allem dank der neuen Sopra-Räume, die Dienstleistungs- und Mieterträge, die um 22% auf 9.7 Mio. CHF anschwollen. Ein ansehnliches Plus von 10.9% auf 9.4 Mio. CHF erwirtschaftete das Beherbergungsgeschäft. Den Mehreinnahmen steht ein leichter Anstieg der Personalkosten um 0.3 Mio. CHF auf 37.8 Mio. CHF gegenüber. Auch die Aufwendungen für Waren und direkte Kosten zogen als Folge der Mehrumsätze um 0.5 Mio. CHF auf 10.4 Mio. CHF an. Hingegen konnten die anderen betrieblichen Aufwendungen wegen der deutlich tieferen Verwaltungskosten um 0.1 Mio. CHF auf 18.3 Mio. CHF gesenkt werden. In der Summe führte dies zu einem Plus des Betriebsgewinns vor Abschreibungen (EBITDA) um 0.9 Mio. CHF auf 19.9 Mio. CHF. Nach Abschreibungen in Vorjahreshöhe legte das EBIT ebenfalls um 0.9 Mio. CHF respektive 10.2% auf 9.3 Mio. CHF zu. Tiefere Steueraufwendungen von 1.6 Mio. CHF nach 2.1 Mio. CHF wirkten sich ebenso wie die von 2.7 Mio. CHF auf 2 Mio. CHF gesunkenen Anteile der Minderheiten am Ergebnis positiv auf den Reingewinn aus. Dieser legte daher deutlich um 83.9% auf 4.7 Mio. CHF zu. Die Aktionäre erhalten wieder eine Dividende, die für das Berichtsjahr 5 CHF pro Aktie beträgt. Die Ausschüttung erfolgt in der für Schweizer Privatanleger steuerfreien Form der Auszahlung von Kapitaleinlagereserven.

Die Geschäftszahlen der Gesellschaft für 2017 fallen erfreulich aus. Trotz der deutlichen Rückgänge der Spielerträge konnten die Ergebniskennzahlen markant verbessert werden. Als sehr positiv aus Aktionärssicht zu bewerten ist die Wiederaufnahme der Dividendenzahlungen. Auch wenn die Höhe der Ausschüttung mit 5 CHF pro Aktie im Vergleich zu den früheren Werten bescheiden ausfällt, kann die Wiederaufnahme als ein klares positives Signal des Verwaltungsrats an die Anteilseigner angesehen werden. Dies reflektiert die sich bereits im Vorjahr abzeichnende Verbesserung der Kennzahlen.

Auch die neuen Akzente des Direktoriums sind im Geschäftsbericht erkennbar. Zwar fehlen nach wie vor detaillierte Informationen zu den Ergebnissen der einzelnen Sparten. Allerdings liefert der Hinweis im Geschäftsbericht, wonach dank der Einführung der Spartenrechnung für jeden Bereich Vergleiche möglich sind, zumindest ein Indiz für eine erhöhte Transparenz. Es bleibt zu hoffen, dass diese Informationen zukünftig auch den Aktionären mitgeteilt werden. Zumindest an der GV wurde dies im letzten Jahr bereits gemacht.

Als grundsolide angesehen werden können die Bilanzkennzahlen mit einer Eigenmittelquote von gut 55% der Bilanzsumme. Allerdings dürfte sich diese durch die anstehenden Investitionen in den Hotelbetrieb verschlechtern. Ihren Tribut fordern dürfte auch der geplante Einstieg in das Onlinespielgeschäft, der zu nicht unerheblichen Ausgaben führen dürfte.

Die Aktien der Gesellschaft werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 515 CHF weisen die Titel eine sehr tiefe Dividendenrendite von knapp 1% auf. Deutlich günstiger erscheinen die Titel auf der Basis des Kurs-Buchwert-Verhältnisses KBV mit einem ansehnlichen Discount auf den ausgewiesenen Buchwert von fast 47% inklusive und von rund 42% exklusive der Minderheitsanteile. Auch das KGV für 2017 ist mit knapp 9 keinesfalls überteuert. Damit erscheinen die Titel für Anleger wiederum interessant und können zumindest als Depotbeimischung in Betracht gezogen werden. Die Herausforderungen in der Form grosser Investitionen bleiben allerdings zumindest für die nächsten Jahre bestehen, so dass sich die Papiere vor allem wegen der hohen Substanz zur Anlage mit geringen Verlustrisiken eignen. Die Realisierung dieses Werts erscheint für die Kleinanleger ausgeschlossen.

Transparenzhinweis: Der Autor hält Aktien des Unternehmens.

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