Marc E. Possa, SaraSelect: «Ich suche keine guten Aktien, sondern gute Unternehmen»

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Der SaraSelect ist ein reiner Aktienfonds und gehört zur Flagship-Palette der Bank J. Safra Sarasin AG. Der Anlagefonds wurde im Jahr 1996 aufgelegt und investiert in Schweizer Nebenwerte, mit Fokus auf Qualität und Stabilität und hat deshalb einen hohen Bezug zum Small-Cap-Segment. Mit rund 640 Mio. CHF gehört der Fonds zu den Schwergewichten in diesem Bereich. Im Gegensatz zu vielen anderen Small&Mid-Cap-Fonds wird ein von der Benchmark unabhängiger Ansatz verfolgt.

Marc E. Possa (53), verantwortet seit Mitte 2011 das Portfoliomanagement des Fonds SaraSelect und ist Geschäftsführer der VV Vermögensverwaltung AG in Zug, deren Leitung er von Peter J. Lehner übernahm. Der Ökonom stiess nach Stationen bei der Credit Suisse First Boston, Deutsche Bank, Lombard Odier Darier Hentsch und Zürcher Kantonalbank 2009 zur VV Vermögensverwaltung AG.

Herr Possa, zum Abschluss des Börsenjahrs 2018 zitieren Sie in Ihrem Monatsbericht John Maynard Keynes: „Drei Dinge treiben den Menschen zum Wahnsinn. Die Liebe, die Eifersucht und das Studium der Börsenkurse“. Warum dieses Zitat?

Banken zum Beispiel haben die Gabe, für ihre Produkte komplizierte Namen zu wählen: CDO-Strukturen, Asset Backsecurities, Mortgage back – am Schluss sind das ganz einfache Sachverhalte, kompliziert verpackt. So hat der Anleger das Gefühl, die Banken wissen, was sie machen, er selbst versteht es ja sowieso nicht. Darum wählen wir solche Zitate aus, weil die Realität meist sehr simpel ist. Bei der Anlage sind die richtige Personalauswahl und Strategie des Unternehmens entscheidend. Wenn ich dann damit einverstanden bin, kann ich die Pferde laufen lassen.

Das Timing spielt keine Rolle?

Nein, überhaupt nicht. Es ist verheerend, was man mit Timing verpassen kann. Wenn ich in der Schweiz in Small und Mid Caps, unsere Benchmark, investiere, habe ich pro Jahr eine Rendite von durchschnittlich 10%. Es gibt natürlich auch Jahre wie das letzte, da ist sie negativ. Aber mehrheitlich liegt die Rendite bei über 10%. Wenn ich die besten 2% von etwa 5’600 Handelstagen über die letzten zwei Dekaden (Anmerkung: Der Fonds SaraSelect wurde 1996 aufgelegt) verpasse, bin ich bei einer Performance von -2,4%. Das zeigt, wenn ich kaufe und halte, bei allen Nieten, die im Index sind, dann habe ich immer noch eine anständige Rendite. Wenn ich time, ist das ein Glücksspiel.

Quelle: VV Vermögensverwaltung AG

Inwiefern spiegelt sich diese Anlage-Philosophie im SaraSelect Fonds wider?

Bei Interroll hatten wir eine längere Phase der Seitwärtsbewegung, und auf einmal haben wir eine Performance von 20% im Markt; beim SaraSelect haben wir in 2017 41% gemacht, auch das konnten wir nicht timen. Entgegen der Interessen von vielen Marktteilnehmern, die Volatilität wollen, weil es Kommissionen bedeutet, wollen wir selektieren, kaufen, halten und dann laufen lassen. Ich gehe davon aus, dass wir die meisten Perlen schon in unserem Portfolio haben. Das unterscheidet uns von den Trüffelschweinen, die gute Aktien suchen – ich suche die guten Unternehmen.

Ihre negative Performance von -21% in 2018 macht Sie also, um bei Keynes zu bleiben, nicht wahnsinnig?

Im Gegenteil. Es bestätigt, dass die Börse ausgesprochen prozyklisch ist. Unsere Performance von 26,5% in 2016 und der schon angesprochenen 41% in 2017 muss verdaut werden. Das ist 2018 passiert. Die heisse Luft ist jetzt draussen. Es gibt immer wieder die Abstürze von 50%, die den Leuten Angst macht, obwohl sie wissen, dass sie längerfristig 10% Gewinn machen, wenn sie nicht zur Unzeit verkaufen müssen. Der unten stehende Chart zeigt, dass ich, wenn ich nur ein Jahr Zeit habe, mit Kursverlusten von bis zu 50% rechnen muss. Wenn ich mir aber 7 Jahre Zeit nehme, bin ich nie im Verlust. Warren Buffet sagt, wenn du eine Aktie nicht zehn Jahre halten kannst, solltest du sie keine 10 Sekunden halten.

Quelle: VV Vermögensverwaltung AG

Sie haben mit über 60% in Ihrem Portfolio einen sehr hohen Industrieanteil. Warum?

Wir könnten morgen eine Bank eröffnen – Eintrittsbarriere gleich null. Ok, Sie brauchen 20 Millionen. Aber ansonsten kein Problem. Für meine Anlageentscheidung ist aber wichtig, wie die Wettbewerbssituation aussieht, also über welche Konkurrenten, Abnehmer, Zulieferer, Kunden und Technologie ein Unternehmen verfügt. VAT zum Beispiel hat über die Jahre steigende Marktanteile, hohe Marktanteile, deshalb gehe ich davon aus, dass diese Burg uneinnehmbar ist. Wenn es ein Mass für meine Entscheidung gibt zu investieren, ist es die Marktanteilsentwicklung. Dann ist es mir auch egal, wenn der Kurs von 170 auf 90 CHF runtergeht, weil ich weiss, ich habe den Marktleader, der mehr in Forschung und Entwicklung investiert als der nächste Konkurrent Umsatz macht.

Was sind die Gründe für Ihre Investitionen in Bell und Also, die grössten Positionen in Ihrem Portfolio?

„Bell ist eine der besten Aktien der letzten zwei Dekaden.“ Kursentwicklung der Bell-Aktie seit 1998. Quelle: six-group.com

Beide Unternehmen haben einen Grossaktionär, bei Bell ist es Coop mit 67%, bei Also die Droege Group mit 51%, die garantieren, dass sich die Unternehmen evolutionär entwickeln. Da werden keine unnützen Akquisitionen gemacht, weil man Umsatzwachstum sehen will. Beides sind langfristig orientierte Grossaktionäre, das sind die besten Garanten für eine nachhaltige Entwicklung. Das ist genau das Setting, das ich suche. Bell ist notabene eine der besten Aktien über die letzten zwei Dekaden mit einer jährlichen Rendite von fast 15%.

Welchen Aktien aus Ihrem Portfolio trauen Sie die beste Performance in den kommenden Monaten zu?

Ich gehe davon aus, dass die AMS-Aktie rein vom prozentualen Potenzial her eine Kursfantasie vom Zwei- bis Dreifachen gegenüber heute hat. In letzter Zeit wurde die Aktie regelrecht abgeschlachtet, aber AMS stellt einen integralen Bestandteil einer wachsenden Industrie dar. Auch bei Bobst und Also sehe ich Kurspotenzial. Also entwickelt sich zu einem Marktplatz à la Amazon, was noch unterschätzt wird. Auch Logitech ist in einem Sweetspot, sie ist von 45 CHF auf unter 30 CHF zurückgegangen, aber vom Mindset her, das in dem Unternehmen vorhanden ist, wird Logitech noch viel Wert schaffen können.

Können Sie sich auch Investments in auf OTC-X gelistete Unternehmen vorstellen?

Wir waren mit dem Fonds vor einigen Jahren in Montana Tech investiert. Ich offeriere täglich unlimitierte Liquidität, damit sind OTC-X-Titel, aber auch Orell Füssli, CPH oder sogar auch Interroll nur begrenzt geeignet. Ich jongliere mit einigen Bällen, mit der Illiquidität und der Zyklität bzw. Industrielastigkeit, die ich allerdings auch suche, weil sie mein Burggraben ist.

Sie gehen von einem Wachstum Ihres Fonds im zweistelligen Prozentbereich für 2019 aus. Was sind die Gründe für Ihren Optimismus?

Verlauf der Zinsentwicklung der 10j-US-Staatsanleihen in den letzten zwölf Monaten. Quelle: finanzen.net

Beim zweistelligen Wachstum handelt es sich um den Total Return, also Dividenden von ca. 3% mit eingerechnet. Das heisst, ich muss in diesem Jahr noch 7% reinholen. In den nächsten Quartalen werden die Aktien greifen, davon bin ich überzeugt. Es ist so vieles Negatives bereits eingepreist, es ist so viel Vorsicht da bei wenig Übertreibung im Markt, dass es am Schluss nur auf die Zinsen ankommt, und die werden, ja können in der Schweiz nicht steigen. Zuerst müssten sie in Europa steigen, das heisst, sie müssten davor in den USA gestiegen sein, wo der Zins der 10j-US-Staatsanleihen zwar auf 3,3% anzog, dann aber auf 2,6% zurückfiel und jetzt bei 2,7% liegt.

Herr Possa, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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