Infrastruktur Investment (IV): Wasserversorgung und -aufbereitung

Wasser-Aktien mit Chancen und Risiken

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In der Schweiz und weiten Teilen der Ersten Welt ist es schwer vorstellbar, doch die Hälfte der Menschheit, das sind über 3,6 Mrd. Menschen, hat keinen unbeschränkten Zugang zu sauberem Wasser. Infrastrukturen für die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie -aufbereitung sind ein Milliardengeschäft. Doch seit der ersten Privatisierungswelle durch Margaret Thatcher bleibt die Frage heiss umstritten, ob der Zugang zu Wasser nun ein Grundrecht darstellt oder die Bereitstellung der lebenswichtigen Ressource doch nur ein Geschäft wie jedes andere ist.

Tatsache ist, dass Wasser in der globalen Betrachtung nicht mehr ausreichend zur Verfügung steht, da die dramatisch gestiegene Weltbevölkerung auch einen erhöhten Bedarf an Nahrung hat. Ob Spanien, Kalifornien, Ägypten oder Jemen: Die Versorgung mit Wasser ist kritisch. Faktoren sind die schnell wachsende, industriell betriebene Landwirtschaft, die globale Temperaturerwärmung, die zu mehr Verdunstung und Dürreperioden führt, sowie zahlreiche neue Mega-Staudämme und erschöpfte Grundwasserbassins.

Aber Wasser gibt es doch genug, sagen manche, der Planet ist ja zu zwei Dritteln von Wasser bedeckt. Ja, aber es ist Salzwasser. Und dessen Aufbereitung zu Trinkwasser ist immer noch kostspielig und verbraucht viel Energie. Im industriellen Massstab wird eigentlich nur in den Golfstaaten Meerwasserentsalzung betrieben. Gleichwohl weisen neue Verfahren und Technologien auf zukünftig günstigere Produktionsbedingungen hin.

Aus Strömen werden Rinnsale

Wasser wird knapp, weil immer grössere Mengen aus den Flüssen für Landwirtschaft, Industrie und die Versorgung von Städten abgeleitet werden. In der Wüstenstadt Las Vegas werden die Touristen und Spieler mit Wasserspielen unterhalten, während der einst mächtige Colorado River unter anderem deshalb heute nur noch ein Rinnsal ist. Dasselbe gilt zunehmend für die Ströme Chinas, und selbst der Nil und damit die Nahrungsmittelversorgung von bald 100 Mio. Ägyptern ist in Gefahr, wenn im äthiopischen Hochland das Wasser des Blauen Nils für Bewässerungsprojekte abgezweigt wird. Auf die vielfältigen Gefahren und Herausforderungen weist die UN in ihrem World Water Development Report 2018 hin.

In den Industrienationen und weltweit sind Wasserwerke überwiegend Sache lokaler und regionaler Versorgungsunternehmen und werden daher oft von Energieversorgern mitbetrieben. Seltener sind landesweite staatliche Wasserversorger. Instandhaltung, Erweiterungsinvestitionen, Reinigung und Kontrolle erfordern zwar hohe Investitionen, die bleiben jedoch überschaubar, sofern sie kontinuierlich getätigt werden.

Schweiz mit Ressourcenreichtum

In der wasserreichen Schweiz fällt die Wasserversorgung in die Hoheit der Kantone und ist deshalb regional organisiert. In der Praxis ist es die Angelegenheit der Gemeinden, die Versorgungsunternehmen wie WWZ oder das Stadtwerk Winterthur beauftragen. Der jährliche Verbrauch in der Schweiz liegt bei über 2 Mrd. Kubikmeter Wasser – etwa das Doppelte des Bielersees. Drei Viertel des Verbrauchs entfällt auf Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft, die allerdings ihren Verbrauch zu 80% aus eigenen Quellen decken. Insgesamt werden in der Schweiz lediglich 1,5% der verfügbaren Wasserreserven genutzt, ein internationaler Spitzenwert. Damit dies so bleibt, wird langfristig geplant, wie in den „Grundlagen für die Wasserversorgung 2025“ durch das Bundesamt für Umwelt beschrieben.

Privatisierung schlägt keine Wellen

Die Privatisierung der Wasserversorgung hat sich als problematisch erwiesen. Das Paradebeispiel war die Welle von Privatisierungen regionaler Wasserversorger am Ende der Thatcher-Ära auf den britischen Inseln. War schon vor den Verkäufen über Börsengänge ein Investitionsstau festzustellen, so verschlechterte sich danach die Qualität durch mangelnde Investitionen bei gleichzeitigen Preiserhöhungen weiter. Das britische Beispiel fand daher keine internationalen Nachahmer, wie es zuvor bei den Privatisierungen von British Telecom, BP und British Gas der Fall gewesen war.

Zugang zu Wasser in Emerging Markets

Doch in etlichen Emerging Markets, die keine oder nur rudimentäre Wasserversorgungssysteme zur Verfügung haben, wurden Quellen und Wasserrechte an private Unternehmen verkauft. Ein wichtiger internationaler Player ist Nestlé. Abgefülltes Mineral- und Quellwasser wird zum Segment Nahrungsmittel und Getränke gezählt. Und obwohl es ökologisch sinnvoll für internationale Anbieter wie Nestlé ist, Quellwasser in den Märkten abzufüllen, in denen sie konsumiert werden, so brachte das Engagement auch schwierige Konstellationen mit sich.

Dokus „Tapped“ und „Bottled Life“ haben Nestlé im Visier

So war Nestlé als Weltmarktführer nicht unwesentlich daran beteiligt, dass überall nach und nach Plastikflaschen zum Einsatz kamen, die jedoch, wie wir heute wissen, sehr oft in den Ozeanen endeten. PET benötigt 500 Jahre, bis es abgebaut ist. Der Dokumentarfilm „Tapped“ beschäftigte sich bereits 2009 mit der Problematik. Zehn Jahre später sind Plastikmüll und die Verschmutzung der Ozeane ein zentrales und dringliches Thema rund um den Globus geworden.

Ein weiterer Dokumentarfilm widmete sich 2012 dem Geschäft mit dem Trinkwasser von Nestlé. Titel: „Bottled Life“. Beide Filme sind mehrfach preisgekrönt und sehr sehenswert. Bottled Life ist ein Schweizer Film. Hier wird der Blick auf Länder gerichtet, in denen der Staat die Wasserversorgung der Bevölkerung nicht gewährleistet. Ein Beispiel des Films in Südafrika zeigt, dass durch den Verkauf einer bisher für alle zugänglichen Quelle an Nestlé zwar einige neue Arbeitsplätze in der Abfüllanlage und der Distribution entstanden sind, die lokale Bevölkerung jedoch kein kostenfreies Trinkwasser mehr hat und gezwungen ist, für den alltäglichen Bedarf die Wasserflaschen zu erwerben.

Wasser und Gesundheit

Überalterte oder mangelhafte Infrastrukturen bei der Wasserversorgung haben fatale Folgen und können nicht nur zu Bleivergiftungen führen, sondern der Ausbreitung von Epidemien Vorschub leisten, gefährliche Chemikalien in den menschlichen Nahrungsmittelkreislauf einbringen und schwere Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung haben. Immerhin sollte nicht vergessen werden, dass die neuzeitlichen Kanalsysteme erst erbaut worden sind, nachdem die ersten Mikrobiologen in den 1850er Jahren nachgewiesen hatten, dass Cholera durch Mikroorganismen verursacht wird und die Verbreitung über verseuchtes Wasser erfolgt. Bis dahin war die Wasserversorgung unreguliert, und die Entsorgung fand über die Flüsse statt. Choleraepidemien hatten in vielen Städten Zehntausende Opfer gefordert, vor allem in London, aber auch in Wien und München sowie Zürich mit 500 Todesopfern.

Angesichts der hohen transkontinentalen Mobilität können sich heute Erreger in Windeseile verbreiten. Dazu kommen neue Gefahren wie schädliche Nanopartikel und Mikroplastik sowie Arzneimittelrückstände und Hormone, die zu klein für übliche Wasserreinigungsanlagen sind und spezielle Aufbereitungstechnologien erfordern. Diese Beispiele zeigen, dass es einen hohen Bedarf an Investitionen gibt, um langfristig die Versorgung mit sauberem Wasser sicherzustellen.

Water Bonds

Eine Möglichkeit für die Finanzierung sind sogenannte Water Bonds. Gebietskörperschaften, aber auch Unternehmen emittieren Anleihen, deren Erträge dezidiert in Projekte investiert werden, die Qualität, Sauberkeit, schonenden Verbrauch und ähnliche nachhaltige Ziele verfolgen. Bei dieser Art von Green Bonds akzeptieren nachhaltig orientierte Investoren Zinsen, die unter den marktüblichen Sätzen liegen.

Aktien der Wasserwirtschaft

Kursverlauf der an der NYSE kotierten Xylem-Aktie in den letzten drei Jahren in USD. Quelle: moneynet.ch

Weiterhin findet sich in den Kurslisten eine ganze Reihe Aktien von börsengehandelten Unternehmen aus der Wasserwirtschaft. Das sind einerseits die Hersteller von Pumpen, Filtern, Röhren, Aufbereitungsanlagen und dergleichen, andererseits die Wasserversorger und Umweltdienstleister, die Wasser reinigen und verteilen. Zu Ersteren zählen u.a. Danaher (Wasserreinigungssysteme), Ecolab (Aufbereitungsservices), Xylem (Technologie), Tetra Tech (Engineering) und Roper Industries (diversifiziert). Zu Letzteren zählen Wasserver- und entsorger wie American Water Works, Aqua America oder York Water in UK sowie Veolia, früher Générale des Eaux, und Suez in Frankreich. Eine positive Performance in 2018 zeigen allerdings nur Ecolab und Tetra Tech mit einem Anstieg von je 5%.

Im weiteren Sinn ist auch Geberit, wenngleich der Sanitärwirtschaft zugeordnet, eine für Wasserinvestoren relevante Aktie. Die Produkte von Geberit zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie wassersparend sind.

ETH Spin-off Novamem mit Crowdfunding

Für Schlagzeilen sorgt im vergangenen Jahr das Schweizer Start-up Novamem, ein spin-off der ETH Zürich. Ein Team von Wissenschaftlern hatte eine neuartige Membran entwickelt, die Bakterien sowie auch Mikroplastik und Rost herausfiltern kann. Das Endprodukt ist mit 24 USD erschwinglich und wird einfach am Wasserhahn befestigt. Eine Crowdfunding-Kampagne beschaffte das notwendige Kapital.

Überblick

Infrastrukturen sind für Wirtschaft und Handel so notwendig wie der Blutkreislauf für den Menschen. Ohne gut funktionierende Energie- und Transportindustrien wäre der Stillstand der Entwicklung absehbar und ohne sauberes Wasser ist der Fortbestand der Menschheit nicht gesichert. Investitionen in die Infrastruktur sind somit sinnvoll, doch aufgrund der besonderen Bedingungen nicht immer profitabel. Die vierteilige Serie konnte das Thema zwar nicht bis in jedes Detail erhellen, zeigt jedoch wo Engpässe zu erwarten sind, welche Trends und Usancen vorherrschen. Ein Kompass zur Orientierung.

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