Schweizer Sustainability Leaders: Warum es sich auszahlt, auf nachhaltige Marktführer zu setzen

Schweizer Nachhaltige Anlagen mit 72% Marktwachstum in 2018

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Ob Luft- und Wasserverschmutzung, Waldbrände, Hitzewellen oder die beschleunigte Gletscherschmelze – die Auswirkungen der Klimakatastrophe sind allgegenwärtig. Politik und Medien sind aufgewacht, und auch an der Börse sind Carbon- und Klima-Risiken sowie nachhaltiges Investieren nun zu beherrschenden Themen geworden.

Einmal mehr hat der britische Notenbankchef Mark Carney nachdrücklich vor den Risiken für Wirtschaft, Börse und Unternehmen hingewiesen, die daraus erwachsen, dass nicht hinreichend Vorsorge für den Klimawandel getroffen ist und auch die Transparenz für Investoren meist zu wünschen übrig lässt.

Anpassen oder Aussterben?

Der britische Notenbankchef Mark Carney. Bild: bankofengland.co.uk

In der Stunde der Wahrheit könnte dies zu einem Minsky Moment führen, einem plötzlichen Zusammenbruch der Kapitalmärkte. Unternehmen, die sich nicht an den Klimawandel anpassen, inklusive Finanzunternehmen, so Carney wörtlich, werden ohne Frage Bankrott gehen. Auf der anderen Seite werden grosse Vermögen entstehen bei den Marktteilnehmern, die mit grünen Investments das schaffen, was die Gesellschaft will.

Der gebürtige Kanadier und vormalige Chef der kanadischen Notenbank wird ab Januar 2020 voraussichtlich Nachfolger von Christine Lagarde an der Spitze des IWF. Er wird wohl auch dort Akzente setzen, dieses Mal auf globaler Ebene.

Politik setzt Akzente

Inzwischen wird zunehmend nicht mehr nur geredet, sondern auch gehandelt. Die European Investment Bank wird ab 2020 keine Entwicklungsprojekte im Bereich fossiler Brennstoffe mehr finanzieren. Mit Blick auf das Problem der Plastikmüllflut hat die EU das Ziel formuliert, dass bis 2025 bereits 50% der verwendeten Plastikverpackungen aus recyceltem und recyclingfähigem Material sein müssen und 2030 dann 100%. Die Schweiz verfolgt einen ähnlichen Kurs. Selbst die sakrosankte deutsche Haushaltspolitik mit Budgetdisziplin ohne Neuverschuldung seit fünf Jahren wird wohl zum Zwecke des Klimaschutzes aufgeweicht. Bis zu 10 Mrd. Euro jährlich sollen schuldenfinanziert in Massnahmen zum Klimaschutz investiert werden. Und trotz Brexit-Debakel und der Gefahr der Zersplitterung des „Vereinigten Königreiches“ haben die Briten als erstes Land das Ziel formuliert, ihre Wirtschaft bis 2050 zu 100% CO2-neutral zu gestalten!

Kahlschlag im Amazonasbecken

Leider führt die gesellschaftliche und politische Polarisierung auch zu gravierenden Rückschritten mit Folgen, die sofort wirksam werden, während die oben genannten Committments erst in den Folgejahren greifen. Besonders gravierend ist das Beispiel Brasilien unter dem Präsidenten Bolsonaro. So zeigen Bilder der eigenen und weltweit beispielhaften Satellitenüberwachung durch die Raumfahrtbehörde INPE, dass sich die Zerstörung des Regenwaldes am Amazonas dramatisch beschleunigt. Als sich der langjährige Chef der Behörde damit an die Öffentlichkeit wandte, wurde er kurzerhand entlassen und diskreditiert. Auf die rapide Abholzung von ausländischen Journalisten angesprochen, bellte Bolsonaro zurück: “Der Amazonas gehört uns, nicht euch!“ Es ist kein Geheimnis, dass Bolsonaro die Interessen der Rinderzüchter, Sojabarone und Minenunternehmen über Artenschutz, den Erhalt der grünen Lunge und das Überleben indigener Völker stellt. Die Warnungen der brasilianischen Intelligenzia sind eindeutig. Und viele kritische Köpfe gehen ins Exil, da Umweltaktivisten in Brasilien wie ganz Lateinamerika eine extrem hohe Sterblichkeitsquote aufweisen.

Nachhaltigkeit als irreführende Marketingbotschaft

Da Nachhaltigkeit inzwischen auch ein wichtiges Investmentthema ist, gilt es auch hinter die Marketingbotschaften zu blicken, um Etikettenschwindler von echt um Nachhaltigkeit bestrebten Unternehmen unterscheiden zu können. Ein Negativbeispiel hierfür ist, leider, Coca-Cola. Während die PR-Sprecher und die gesamte Aussendarstellung das Unternehmen stets als Vorreiter in der Nachhaltigkeit darstellen, ist es in Wirklichkeit das Gegenteil davon. 2007 versprach Coca-Cola, bis 2015 bei den Plastikflaschen 25% Recyclingmaterial einzusetzen, ein eher bescheidenes Ziel für den Weltkonzern, doch 2018 sind es lediglich 7%! Darauf angesprochen verwies der Pressesprecher auf die „neue Strategie“ und den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft. Es ist bekannt, dass das Unternehmen Vorreiter bei der Einführung von Plastikflaschen war und seit jeher systematisch gegen Mehrweg- und Pfandlösungen sowie verpflichtendes Recycling lobbyiert.

Die Rolle der Medien

Es ist natürlich bedauerlich, dass weder über die positiven noch die negativen Entwicklungen mit Blick auf die Gesundheit des Planeten und seiner diversen Bewohner hinreichend berichtet wird, so dass die Bevölkerungen den ungefilterten falschen und teilweise dümmlichen Scheinargumenten der Leugner der wissenschaftlichen Beweise für den menschgemachten Klimawandel ausgesetzt bleiben. Solange jedoch Trump, Bolsonaro und weitere „Strongmen“ mit ihrer zerstörerischen Politik ohne Sanktionen davonkommen und die Medien ihrer Rolle als vierte Macht in der Demokratie nicht gerecht werden, dürfte die Klimakatastrophe ungebremst ihren Lauf nehmen. Es ist ja bezeichnend, dass es Jugendliche wie Greta Thunberg und Greise wie David Attenborough sind, die nachhaltig und nachdrücklich auf eine Änderung der destruktiven globalen Praktiken und Usanzen hinwirken. Die Mehrheit der 20- bis 90-Jährigen scheint sich dagegen höchst irrational und fatalistisch mit dem Selbstzerstörungskurs auf dem Planeten abzufinden.

David Attenborough bei einer parlamentarischen Anhörung. Quelle: theguardian.com

Schweiz als Leader im Sustainable Asset Management

Unterdessen steigt die Nachfrage nach nachhaltigen Investments weiterhin exorbitant. Die Schweiz spielt dabei auf globaler Ebene eine führende Rolle. Laut dem Bericht 2019 der FNG (Forum Nachhaltige Geldanlagen) sind inzwischen 233 Mrd. EUR oder 18,3% der börsenrelevanten Anlagen nach ESG-Kriterien investiert, eine Steigerungsrate von 72%! Und die Tendenz bleibt steigend. Zum Vergleich: in Deutschland sind es 219 Mrd. EUR, entsprechend 4,5% Marktanteil, und in Österreich 22 Mrd. EUR und 13%. Hierbei geht es jedoch überwiegend um globale Anlagen. Auf private Investoren entfällt in der Schweiz rund ein Drittel, ein Spitzenwert, der wohl daher rührt, dass es einerseits eine lange Tradition im nachhaltigen Investieren gibt und andererseits ein grosser Teil der Investoren sich gut informiert.

Nachhaltige Investmentfonds und Mandate in der Schweiz (in Mrd. EUR)

Quelle: forum-ng.org

Sustainability Leader in der Schweiz

Im Gegensatz zum passiven Investment über entsprechende Fonds oder ETFs ist die Identifikation auf der Ebene der Unternehmen nicht ganz so einfach. Das dürfte sich bessern, denn auch die EU verlangt seit 2018 in ihrem Aktionsplan, dass ESG-relevante Informationen für Investoren abrufbar sein müssen. Immer mehr börsenkotierte Unternehmen erstellen und veröffentlichen ihren Sustainability Report. Es erfordert jedoch Zeit, sich damit fundiert und kritisch auseinanderzusetzen. Um Licht ins relative Dunkel des ausserbörslichen und wenig regulierten Aktienmarktes zu bringen, hat Zern & Partner bereits 2017 eine Studie zu den Sustainability Leaders auf OTC-X erstellt und seinerzeit neun OTC-Aktien von Nachhaltigkeitsführern identifiziert. Darunter waren auch die mittlerweile übernommenen Leader Thurella und Biella – jeweils mit profitablen Prämien. In Kürze folgt eine Nachfolgestudie, die auf der OTC-X-Homepage veröffentlicht wird.

schweizeraktien.net veröffentlicht daraus schon vorab einige der spannendsten Sustainable Equity Stories, ergänzt um einige Kandidaten aus dem börsenkotierten Bereich. Den Beginn macht der aus Governance-Gründen nicht unbedingt repräsentative Marktführer in der Naturkosmetik – Weleda respektive der Weleda PS.

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