Martin Lehmann, 3V Asset Management: «Es ist beeindruckend, wie VAT die Profitabilität auch im Abschwung schützt»

0
1074

Der 3V Invest Swiss Small & Mid Cap Fonds investiert in Schweizer Nebenwerte und misst sich am SPI Small & Middle Companies Index. Maximal 20% des Fondsvermögens werden in grosskapitalisierte Werte aus dem Swiss Market Index (SMI) investiert.

Bei der Auswahl der Unternehmen fokussiert sich 3V Invest auf Markt-, Technologie- und Kostenführer in den jeweiligen Märkten. Die Spezialität des Fonds ist das Übergewicht in Investments in Technologiefirmen. Das Fondsvermögen ist in einem Mix aus Value- und Growth-Aktien in 25 bis 30 Gesellschaften angelegt (High Conviction Portfolio).

Martin Lehmann, 38, ist seit 2016 für den 3V Invest Swiss Small & Mid Cap Fonds mit einem Volumen von ca. 100 Mio. CHF verantwortlich. Er arbeitet seit 2008 bei 3V Asset Management, davor war er bei der UBS im Bereich Equity Sales tätig.                                Im Videointerview mit schweizeraktien.net äussert sich der Portfoliomanager zu den Investments in Logitech, VAT, Also, Schindler und Stadler Rail und gibt seine Einschätzung zum geplanten IPO von SoftwareONE wieder.  

Herr Lehmann, vor einem Jahr betrug der Anteil der Tech-Aktien in Ihrem Fonds knapp 25%. Jetzt sind es über 30%. Warum haben Sie diesen Sektor so stark ausgebaut?

Wir haben den Sektor nicht aktiv ausgebaut, der gestiegene Anteil ist eher das Resultat der relativen Performance. Wir hatten letztes Jahr ein für den Sektor sehr schwieriges viertes Quartal, im 2019 haben sich die Werte glücklicherweise etwas erholt. Bei den Industrietiteln ist zum Beispiel aus Rezessionsängsten das Gegenteil passiert, sie haben eher underperformed.

Der Kurs unserer grössten Position, Logitech, steht ca. 30% höher als Anfang Jahr, VAT hat 50% zugelegt. ALSO, ebenfalls unter den fünf Titeln, in die wir am stärksten investiert sind, hat ein Plus von 30% erzielt, Temenos ist bei 35%.

Ihre grösste Position im Tech-Sektor ist Logitech. Wie sind Sie mit der Entwicklung des Kursverlaufs über das aktuelle Jahr zufrieden?

30% Kursgewinn seit Anfang Jahr, das klingt nach sehr viel, jedoch hat Logitech auch stark unter Einbruch der sogenannten FAANG-Aktien im Schlussquartal 2018 gelitten.

Operativ läuft es bei Logitech sehr gut, das Unternehmen konnte die Mittelfrist-Guidance sogar anheben. Das Unternehmen ist nach wie vor sehr gut aufgestellt im Bereich Tastaturen und Mäuse, was sozusagen den Sockel der Geschäftstätigkeit darstellt. Dazu kommen die stark wachsenden Kategorien Video-Collaboration und Gaming. Ich bin überzeugt, dass die Penetration noch weiter zunehmen wird und man in absehbarer Zukunft in mehr Sitzungszimmern die Möglichkeit für Videokonferenzen haben wird. Die Entwicklungen rund um E-Sports sind ungebremst.

Welche anderen Technologie-Aktien bereiten Ihnen derzeit Freude?

An erster Stelle möchte ich VAT erwähnen. Aktuell bereitet zwar der Investitionszyklus der Halbleiterindustrie Probleme, die Aufträge sind Mitte 2018 stark eingebrochen. Aber VAT ist meiner Meinung nach ein in dieser Wertschöpfungskette äussert stark positioniertes Unternehmen und verfügt darüber hinaus über eine sehr starke Bilanz sowie ein hervorragendes Management-Team. Es ist beeindruckend, wie VAT die Profitabilität auch im Abschwung gut schützen kann, was wiederum erlaubt, weiterhin eine schöne Dividende auszuzahlen.

Wenn man davon ausgeht, dass der Tiefpunkt im Tal der Tränen des Halbleiterzyklus durchschritten ist, wird man an dieser Aktie noch viel Freude haben, auch wenn in diesem Jahr bereits Kursgewinne von 50% zu Buche stehen.

ALSO, welche ihr Geschäftsmodell zu Services hin ausbaut, ist von den Bewertungskennzahlen her sehr attraktiv. Temenos mit ihrer hohen Visibilität ist ebenfalls ein Investment, das uns Freude macht, auch wenn die Bewertung der Papiere sehr hoch ist.

Wir erleben also einen Aufschwung im Halbleitermarkt?

Die strukturellen Wachstumstreiber sind sicherlich intakt: Alle reden jetzt von der industriellen Revolution 4.0, Digitalisierung, IoT und autonomem Fahren, da gibt es keinen Weg an der Halbleiterindustrie vorbei. Natürlich gibt es auf diesem Markt besser und schlechter positionierte Unternehmen. In der Schweiz sticht VAT mit seiner Dominanz der attraktiven Nische von Vakuumventilen wie erwähnt klar heraus. Wann der Zyklus drehen wird, ist natürlich schwer zu sagen, aber es deutet einiges darauf hin, dass die Talsohle durchschritten sein könnte.

Sie waren auch stark im österreichischen Halbleiterhersteller ams engagiert, haben sich aber von dieser Position getrennt. Warum?

Im Kontrast zu VAT ist ams hoch verschuldet und darüber hinaus zu wesentlich kürzeren Produktzyklen exponiert. Die Kurserholung in den letzten Monaten, die vor allem auch durch Hoffnung getrieben war, haben wir zum Ausstieg genutzt. Wenn ich jetzt aus der Distanz die geplante Übernahme von Osram verfolge bin ich nicht unglücklich, dass wir nicht mehr in diesem Titel investiert sind. Das Ganze ist einfach zu unvorhersehbar und risikobehaftet. Das Management ist sehr sportlich unterwegs und scheut nicht davor zurück, mit Osram ein grösseres Unternehmen, als es ams selbst ist, zu übernehmen. Da schaue ich lieber von der Seitenlinie aus zu.

Wie stehen Sie zu dem geplanten IPO von SoftwareONE?

Wir haben das Management von SoftwareONE noch nicht befragen können, haben uns aber mit Analysten zu diesem Thema auseinandergesetzt. Ich gehe davon aus, dass das Unternehmen zu relativ hohen Multiples auf das Parkett kommt. Noch ist keine Valuation-Spanne bekannt und es gibt in der Schweiz auch keine sinnvolle Peergroup, in die SoftwareONE wirklich reinpasst.

Einen fairen Preis sehe ich bei 3.2 bis 3.3 Mrd. CHF, aber man hört auch – und das ist wahrscheinlich realistischer – dass die Bewertung eher Richtung 4 Mrd. CHF gehen könnte.

Wir stellen hohe Ansprüche an IPOs, denn die Leistungsausweise und die Performance vieler Unternehmen, die in den letzten Jahren an die Börse kamen, sind nicht wirklich berauschend.

Punkto IPO: Konnten Sie sich beim Börsengang von Stadler im April wie gewünscht eindecken?

Da muss ich Stadler ein Kränzchen winden. Peter Spuhler musste ja Kritik einstecken wegen der vermeintlich irreführenden Bezeichnung „Volksaktie“. Ich habe aber querbeet beobachtet, dass Schweizer Investoren gute Zuteilungen erhalten haben. So ist es auch uns ergangen, weshalb wir auch nicht über den Markt zukaufen mussten.

Der Börsengang von Stadler ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Preis beim IPO nicht ausgereizt werden muss. Jetzt haben alle, die sich beim IPO beteiligt haben, schöne Buchgewinne zu verzeichnen.

Die Wachstumsperspektiven sind nach wie vor intakt, und Stadler hat ein im Marktvergleich überragendes Produktportfolio. Die Megatrends wie Bevölkerungswachstum, Urbanisierung sowie das zunehmende Umweltbewusstsein spielen Stadler also voll in die Karten.

Die drittgrösste Position in Ihrem Portfolio ist Valora. Was ist das Interessante an diesem Unternehmen?

Im Kontrast zu unserem sonstigen Fokus auf Technologie haben wir hier einen Titel, der eher defensiv ist und über ein lokales Geschäftsmodell verfügt. Die Position ist relativ neu, wir haben sie Anfang Jahr aufgebaut. Die Titel hatten während der Ausschreibung der Verkaufsflächen an den SBB-Bahnhöfen unter der Ungewissheit der Vergabe in den letzten anderthalb Jahren stark gelitten. Die Befürchtung vieler Analysten war es, dass Valora Flächen verlieren könnte. Es kam aber anders, denn Valora ging als grosser Gewinner aus diesem Prozess hervor.

Wenn man die Pendlerströme anschaut, ihre Verpflegungsgewohnheiten, die sich gegenüber früher stark verändert haben, wird ersichtlich, dass Valora im Retailsektor dort ist, wo man heutzutage sein sollte.

Ist Valora auch ein möglicher Übernahmekandidat?

Ja, definitiv. Migros und Coop hatten selbstverständlich auch Interesse an den ausgeschriebenen Flächen. Valora würde gut zum einen oder anderen passen. Auch wenn das nicht heute oder morgen passieren mag, irgendwann wird sich aber sicherlich die Best-Owner-Frage stellen.

Sie haben kürzlich eine neue Position in Evolva aufgebaut. Was gefällt Ihnen an dieser Firma?

Uns gefällt, dass Evolva über eine vielversprechende Technologie verfügt und globale Probleme wie gesunde Ernährung und Zuckerüberfluss adressiert.

Nachdem unterdessen das operative Team erneuert wurde, ist der einzige Wermutstropfen, dass der Verwaltungsrat noch nicht mit neuen, frischen Köpfen besetzt wurde.

Bisher waren Sie nicht in Versorgern investiert. Jetzt haben Sie ganz neu eine Position in BKW aufgebaut. Warum der Sinneswandel?

Bisher waren wir eher etwas zurückhaltend bei Geschäftsmodellen, die von politischen Rahmenbedingungen dominiert sind. Versorger sind in einem stark regulierten Umfeld tätig und haben oft staatliche Instanzen im Aktionariat, was nicht immer ein Vorteil ist, wie man beispielsweise am Flughafen Zürich oder MCH vor nicht allzu langer Zeit gesehen hat.

Für BKW  spricht aktuell einiges: BKW ist über eine grosse Beteiligung an Swissgrid ein natürlicher Monopolist im Betreiben des Schweizerischen Stromnetzes und wird es trotz Vollliberalisierung des Strommarktes bleiben. Die letzte Stunde des Betriebes des KKW Mühleberg wird zudem noch dieses Jahr schlagen und das Unternehmen in der Folge finanziell entlasten. Kombiniert mit erstmalig spürbaren Effekten aus höheren Strompreisen und einem wachsenden Servicegeschäft sollte dies auch künftig für steigende Gewinne sorgen.

Von welcher Performance gehen Sie für Ihren Fonds in 2019 aus?

Ich bin froh, dass wir über den Jahreswechsel nicht in Aktionismus ausgebrochen sind. Weil wir unserer Strategie treu geblieben sind, konnten wir 2019 einen grossen Teil der Verluste aus dem letzten Jahr wieder wettmachen.

Ich bin positiv gestimmt, was den weiteren Jahresverlauf anbelangt. Die Zutaten dafür sind vorhanden: Die Zinsen werden tief bleiben, die Marktteilnehmer sind überwiegend pessimistisch, die Ängste vor einer wirklich schweren Rezession sind wohl übertrieben, und – wer weiss – vielleicht sehen wir sogar eine Entspannung im sino-amerikanischen Handelskonflikt.  Gerade unter den Small und Mid Caps, die im letzten Jahr so heftig Prügel bezogen haben, gibt es noch so einige Perlen. Eine Wiederholung der Situation im letzten Jahr werden wir 2019 wohl nicht erleben.

Herr Lehmann, herzlichen Dank für dieses Gespräch.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here