schweizeraktien.net: Favoriten 2020 – Update März

Pandemie lässt weltweit Aktienkurse purzeln – Ist die kräftige Erholung nachhaltig?

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Die unbekümmerte Rekordstimmung, die bis 20. Februar reichte, scheint angesichts der aktuellen Realitäten „gefühlt“ schon eine Ewigkeit zurückzuliegen. Meldungen über Kurzarbeit, staatliche Hilfsprogramme, unterbrochene Lieferketten und Dividendenkürzungen oder -streichungen bestimmen nun den Nachrichtenfluss der Wirtschafts- und Finanzpresse. Sollte man jetzt überhaupt noch Aktien haben?

Da sich der allgemeine Kurssturz äusserst schnell und brutal vollzogen hat, ist nach Indexverlusten von teilweise über 30% zumindest sicher, dass ein erheblicher Teil der Korrektur schon gelaufen ist. Bestimmt wäre es richtig gewesen, auf dem Rekordniveau in der ersten Februarhälfte zu verkaufen und jetzt entspannt auf wirklich günstige Einstiegskurse zu warten. Manche Investoren haben ja verkauft, und an Warnungen vor den Folgen des irrationalen Überschwangs zum Jahresbeginn hat es auch nicht gemangelt. Auch in unserer Macro Perspective wurde rechtzeitig auf eine mögliche Corona-Baisse hingeweisen. Die teilweise beeindruckenden Erholungsbewegungen – Boeing stieg um 70% in der letzten Woche – bestätigen dennoch, dass offensichtlich viele Investoren den hysterischen Ausverkauf schon wieder zum Einstieg auf dem ermässigten Kursniveau nutzen.

Korrektur greift auf ausserbörslichen Aktienmarkt über

Die Favoritenliste von schweizeraktien.net bildet jedoch kein aktiv gemanagtes Portfolio ab, sondern soll zeigen, dass die Aktienauswahl für ein Kalenderjahr, in welchem Umfeld auch immer, besser als die Referenzindizes performt. Obwohl lange vor dem Ausbruch der Pandemie konstruiert, erscheint das ausgewählte Aktienportfolio insgesamt nach wie vor widerstandsfähig, auch wenn die Performance nach drei Monaten beim OTC-X-Portfolio mit durchschnittlich -15,1% schwächer als beim Liquidity Index mit -10,5% ausfällt.

Denn inzwischen ist auch am ausserbörslichen Aktienmarkt das Kursniveau tiefer. Der OTC-X Liquidity Index gab im März auf nun 1’111.96 Indexpunkte nach. Relativ gut konnten sich WWZ und Bad Schinznach halten, die nur im einstelligen Prozentbereich gegenüber den Vormonatswerten nachgaben. Deutlicher abwärts ging es mit Bernexpo auf zunächst 360 CHF. Allerdings war dafür ein Verkauf von nur 10 Aktien als einzige Transaktion seit 18. März verantwortlich. Doch am Monatsultimo wurden 75 Aktien gehandelt, zumeist und auch zuletzt bei 395 CHF. Klar ist aber auch, dass die Eventaktivitäten bis auf Weiteres ausfallen müssen. Bernexpo steuert mit digitalen Angeboten gegen. Angesichts eines Buchwertes von 765 CHF und einer Eigenkapitalquote von 63% sind übertriebene Sorgen wohl unangebracht.

Verlierer auf OTC-X

Anders liegt der Fall bei Weleda. Der PS ist sehr liquide, und so haben zahlreiche Verkäufe von meist nur 1 Stück, manchmal auch 10, in vielen kleinen Schritten für den Kursrückgang gesorgt, wohl um für die Verkäufer Liquidität zu schaffen. Mit einem Umsatz von fast 0.9 Mio. CHF in den letzten 30 Tagen war Weleda wiederum unter den am aktivsten gehandelten Titeln. Auch bei Metall Zug sorgten Verkäufe für eine kräftige Korrektur, die die Aktie deutlich unter 200 CHF fallen liess. Metall Zug veröffentlichte zudem die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2019, die von hohen Investitionen, Restrukturierungskosten und einer Rückstellung von 13.1 Mio. CHF für die Bodensanierung geprägt war. Positiv ist, dass der Bereich Infection Control den Break-Even erreicht hat. Die Tochter V-Zug soll nun abgespalten und als Sachdividende an die Aktionäre verteilt werden, um so die Schlagkraft zu erhöhen. Die neue Metall Zug wird dann zu 67% aus Medtech und Infection Control sowie zu 33% aus Wire Processing bestehen.

Ypsomed und SIG Combibloc mit relativer Stärke
Die Ypsomed-Aktie musste auch in der Krise etwas Federn lassen. Chart: https://www.six-group.com/

Besser sieht die durchschnittliche Performance der kotierten Aktien aus, die mit -14,6% weniger dramatisch ausfällt beim SPI Extra mit -19,3%. SIG Combibloc und Ypsomed haben ihre vor kurzem gesehenen Tiefs bereits hinter sich gelassen und weisen lediglich prozentual einstellige Verluste auf. Ypsomed meldete zuletzt mit Teva Pharmaceuticals einen neuen Kunden für die selbst entwickelten und produzierten Autoinjektoren. Die Versorgung der Diabetiker ist trotz Corona-Krise gesichert.

Aktie der TX Group stürzt
Die Aktie der TX Group leidet besonders stark unter der Corona-Krise. Chart: https://www.six-group.com/

Während Vetropack und Idorsia mit Verlusten in den High-Teens im ersten Quartal besser als der Referenzindex liefen, traf die Krise die TX Group in extremem Ausmass. Die Aktie stürzte bis auf 60 CHF und erholte sich zwischenzeitlich wieder bis auf 68.20 CHF. Einer der vier Geschäftsbereiche besteht aus den Pendlerzeitungen, die nun angesichts kaum ausgelasteter Züge nur noch wenige Leser finden. Und das erste, was Unternehmen in aussergewöhnlichen Krisensituationen tun, ist die Streichung von Werbung und Marketingkosten. Auch die Digital-Plattformen für Jobs, Umzüge, Immobilien werden im aktuellen Umfeld weniger frequentiert.

Die Ankündigung der Einschnitte war nicht ganz glücklich, was zu negativer Presse führen musste. Erst nach Protestaktionen wurden die betroffenen Mitarbeitenden auf 100% Vergütung zurückgestuft. Das Management verzichtet zudem im zweiten Schritt auf 20% der Vergütung. Die am 10. März veröffentlichten Zahlen des Geschäftsjahres 2019 sind allerdings weit besser ausgefallen, als es der Kurssturz vermuten lässt. Doch angesichts des unsicheren Ausblicks sollen auch die Aktionäre eine Dividendenkürzung hinnehmen.

Aktiensplit bei Vetropack

Vetropack hat nicht nur gute Zahlen für 2019 gemeldet, sondern plant auch eine Änderung der Kapitalstruktur sowie einen Aktiensplit im Verhältnis 50:1. Das könnte auch neue Aktionäre bringen, denn optisch hohe Kurse schrecken manche Anlegergruppen regelrecht ab.

Timeline durch das Virus bestimmt

Der Dow-Jones Index hat das schlechteste Quartal seit 1987 hinter sich – trotz der zuletzt gesehenen Erholung. Wie es wohl weitergeht an den Börsen, hängt wesentlich davon ab, ob, wie allgemein erhofft, der „Peak“ der Infektionswelle im zweiten Quartal überwunden werden und die Wirtschaft somit allmählich zur Normalität zurückkehren kann. Unabhängig von der Dauer des Ausnahmezustandes kommt es für Investoren vor allem darauf an, in solide finanzierte, wachsende und auch profitable Unternehmen investiert zu sein.

Kurs 03.01.2020 Kurs 31.03. Performance
SIG Combibloc 15.50 14.48 -6.6%
Vetropack 3070 2570 -16.3%
TX Group 94 68.20 -27.4%
Idorsia 30.52 25.20 -17.4%
Ypsomed 131.80 125 -5.1%
SPI Extra 4 667.89 3 781.61 -19.3%
WWZ 14000 13300 -5.0%
Bernexpo 465 395 -15.0%
Metall Zug A 215 160 -25.6%
Bad Schinznach 2275 2100 -7.7%
Weleda N-PS 4500 3500 -22.2%
OTC-X Liquidity 1 242.02 1 111.96 -10.5%

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