Im Brennpunkt: Portfolio Reset – Warum Healthcare-Aktien weiter steigen

Outperformance-Trend im Healthcare-Sektor, bis ein Ende der Pandemie in Sicht kommt

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Zu den besten Aktien seit Beginn der Covid-Zäsur zählen Vertreter der Healthcare-Industrie – ob Biotech, Big Pharma, Medtech oder Contract Manufacturing. Die Rückkehr zur „Normalität“, wie wir sie aus der Vor-Pandemie-Zeit kennen, ist zwar in den letzten 18 Monaten oft ausgerufen worden, doch gegenwärtig weist nichts auf ein Abklingen der globalen Infektionswelle hin – im Gegenteil! Eine gute Zeit für eine kritische Zwischenbilanz mit Blick auf Pandemie und Perspektiven im Healthcare-Universum.

Zu den besten Aktien seit Beginn der Covid-Zäsur zählen Vertreter der Healthcare-Industrie. (Fotomontage)

Es geht in der gegebenen Herausforderung durch das Virus eben nicht um die Wünsche, Vorstellungen, Zwänge oder Hoffnungen von Einzelnen, Gruppen oder der Gesellschaft als Ganzes, sondern einzig und allein darum, das Virus zu schlagen, indem seine Verbreitung effektiv eingeschränkt wird. Dänemark sorgt im positiven Sinn für Schlagzeilen an der Virus-Front, weil mit einer Impfquote von nahe 75% plus 6% Genesene eben Herdenimmunität erreicht ist – und das öffentliche Leben deshalb zur „Normalität“ zurückkehren kann.

Schwache globale Zwischenbilanz

In Frankreich, Deutschland, Italien, UK und Israel bewegen sich die Quoten im Bereich 62% – 65%. In Japan, den USA und in der Schweiz sind es 51% – 55%. In Brasilien 34%, in Neuseeland 30%. In Indien sind es nur 13%, in Indonesien 15%, in Pakistan 10% in Vietnam 5%. In Afrika als Kontinent betrachtet liegt die Quote unter 3%! Hier eine aktuelle Übersicht.

Impfquoten und Impfverweigerung

Länder, die gegenwärtig stark betroffen sind wie Australien, USA, Mexiko und Japan zeichnen sich durch eher geringe Impfquoten aus. Die relative Abschottung nach aussen hat zu einer Vielzahl von teils nur lokal verbreiteten Mutationen geführt, die sich dann zu vorherrschenden Varianten entwickeln und weiter ausbreiten können. Nach heutigem Wissensstand ist wohl auf Sicht der nächsten Jahre mit jährlichen Impfungen zu rechnen, um den Varianzen des Virus Rechnung zu tragen. Das ist nicht unbedingt erfreulich, aber über die jährlichen Grippe-Schutzimpfungen, die demselben Prinzip folgen, regt sich kaum jemand auf. Von vielen Patientinnen und Patienten mit geschwächtem Immunsystem wird sie regelmässig zum Schutz ihres Lebens genutzt. Vor dem Auftreten des Covid-Virus war allerdings auch nicht von Chips die Rede, die Bill Gates den Impflingen implantieren lässt, um so die Weltherrschaft zu erringen. Vor allem hätten wohl nur die wenigsten gedacht, dass in unserer aufgeklärten Zeit solch abstruse Ansichten weite Teile der Bevölkerung in die teils aggressive und überwiegend irrational begründete Impfverweigerung führen können.

Pseudo-Akademisierung und Vakzin-Nationalismus

Die Probleme waren durchaus vorherzusehen. Statt die Pandemie zu pseudo-akademisieren wie durch “Inzidenzwerte“ und ähnliche Fachtermini, wäre schlichte Aufklärung ohne den unwirklichen Triage-Eindruck staatlichen Pandemie-Managements angebracht gewesen. Statt Kooperation und globaler Planung, wurde kurzsichtig und natürlich national gehandelt. „Vakzin-Nationalismus“ ist das Unwort des Pandemie-Jahres 2020, es wird zweifellos in die Annalen der kritischen Geschichtsschreibung eingehen. Jetzt ist die Situation so, dass die Länder der ersten Welt mehr Vakzin-Dosen haben, als die Bevölkerung zu nutzen bereit ist. Es werden sogar Dosen vernichtet. In zahlreichen Ländern der Dritten Welt dagegen sind die Aussichten schlecht, selbst 2022 zu einer Impfung zu kommen.

Relative Opferzahlen

Bisher fast 4,7 Mio. an Covid Verstorbene mag wie viel oder wie wenig anmuten, je nach Betrachtungsweise. Es ist mehr als bei jeder Pandemie der letzten hundert Jahre ausser der Spanischen Grippe, die weltweit bis zu 500 Mio. Menschen dahinraffte. Die Todes- oder Letalitätsrate bewegt sich bei Covid global betrachtet um die 2%, in gut ausgestatteten und eher rational agierenden Ländern wie Dänemark aber nur bei 0,74%.

Prognosen und Realitäten

Die allgemeinen Prognosen zur Erholung der Wirtschaft sind nur teilweise eingetroffen. Die massiven Stützungsprogramme haben zwar die Konjunktur stimuliert, andererseits aber die ohnehin strapazierten Staatsfinanzen weiter belastet. Gleichzeitig sind durch die überschäumende Liquiditätsschöpfung der Notenbanken sowie pandemie- und klimabedingte Engpässe zahlreiche Preissteigerungen losgetreten worden – von Rohstoffen über Container und Transportraten, Micro-Chips und Energie bis hin zu ersten Zeichen der Lohn-Preis-Spirale. Bleibt die Inflation temporär, wie die Notenbanken versichern?

Unsicherheiten dominieren

Vieles bleibt, wie es ist, denn die Verunsicherung bleibt. Die Prioritäten wandeln sich. Gesundheit und Wohlbefinden stehen obenan. Das Gute am Schlechten ist, dass die (un-)freiwilligen Einschränkungen zu einer Rückbesinnung auf das Wesentliche führen können. Das gilt auch für den Zustand des Planeten. Kaum eine Informationssendung kommt inzwischen ohne Umweltschäden und -katastrophen in der Berichterstattung aus. Der Wandel hier ist, dass nun das Wetter nicht mehr als „gottgegeben“ dargestellt wird, sondern zunehmend und wissenschaftlich fundiert als Folge des menschlichen Wirkens. Und die Kommentatoren fragen sich, wie eine Verschlimmerung vermieden und eine Besserung erreicht werden kann. Laut einer aktuellen Studie, die in 10 Ländern mit 16- bis 26-Jährigen durchgeführt wurde, wollen nur sechs von zehn Kinder bekommen.

Lösungen für unerfüllte medizinische Bedürfnisse als Wachstumstreiber

Die Life Sciences spielen eine zentrale Rolle in einer solchen Welt, denn die Überalterung nimmt zu, die Pandemie-Bedingungen führen zu zahlreichen psychischen und physischen Störungen, vor allem bei Kindern und Jugendlichen sowie isoliert Lebenden. Die Biotechnologie hat mit der rekordschnellen Entwicklung wirksamer Vakzine gezeigt, dass die „Wissenschaften vom Leben“ heute Lösungen bieten können, die noch vor ein oder zwei Generationen bestenfalls als Science Fiction abgetan worden wären. Mit Alzheimer und sonstigen degenerativen Krankheiten, Krebs, Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- und mentalen Krankheiten bleiben viele Indikationsgebiete, die noch von der Wissensexplosion in Form wirksamer Therapien profitieren werden.

Relative Attraktivität

Während der Healthcare-Sektor also Rückenwind hat, gilt das für die meisten anderen Sektoren nur begrenzt oder gar nicht. Zwar gibt es bestimmt auch Maschinenbauer, die vor einem Turnaround stehen können oder Tourismus-Aktien, die unter dem Substanzwert liegen, doch die nachhaltige Dynamik im Gesundheitsbereich erreichen diese Branchen nicht. Die Konklusion kann somit lauten: Healthcare bietet höhere Chancen bei geringerem Risiko.

Aufwärtstrend von Healthcare-Aktien ungebrochen

Das wissen viele Investoren, denn Healthcare-Aktien befinden sich in einem ungebrochenen Aufwärtstrend. Natürlich gibt es auch Ausnahmen.

Der Nasdaq Health Care Index legte seit 2017 um über 90% zu. Chart: nasdaq.com

Die positive Entwicklung zeigt sich sowohl im Nasdaq Biotech Index (NBI), der in den letzten 12 Monaten um 24,5% stieg, als auch im Nasdaq Healthcare Index, der in den letzten 5 Jahren um über 90% zulegte, und auch im 27 Aktien umfassenden SXI Life Sciences Index der SIX, der in den letzten 12 Monaten um 35% in die Höhe schoss und in den vergangenen fünf Jahren auf 158% Performance kommt. Das abgebildete Chart-Bild sagt mehr als tausend Worte!

Der SXI Life Sciences Index erreichte in den letzten 5 Jahren eine Performance von 158%! Chart: six-group.com

In Kürze blickt schweizeraktien.net daher gezielt auf die besten Aktien und Segmente des Healthcare-Sektors an der SIX. Der repräsentiert eine Gewichtung von 33% der in Europa börsenkotierten Aktien des Sektors.

Die bedeutendsten Börsenplätze für Life-Sciences-Unternehmen in Europa: Life-Sciences-Gesamtmarktkapitalisierung (in EUR Mrd.). Quellen: SIX und STOXX

Dazu zählen Big Pharma, Biotech, Medtech und börsenkotierte Beteiligungsgesellschaften – sowie ein Blick auf den grössten Gesundheitsmarkt der Welt, die USA. Dort werden für gewöhnlich auch die wichtigsten Trends bei Healthcare-Aktien geprägt.

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