Erwartetes Finanzierungsumfeld und innovative Therapiedurchbrüche signalisieren Dynamik im Biotechsektor

Dr. Daniel Koller über die Chancen von Biotech-Aktien im aktuellen Marktumfeld

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Dr. Daniel Koller; Leiter Investment Management. Bild: zvg

Die Zinspolitik der US-Notenbank hat die Finanzierungskosten der Biotechs und damit auch die enttäuschende Kursentwicklung der vergangenen zwei Jahre entscheidend beeinflusst. Doch nun haben sich die Vorzeichen geändert, wie Dr. Daniel Koller, Leiter Investment Management Team BB Biotech bei Bellevue Asset Management, in seiner Einschätzung erläutert.

Wir erwarten für dieses Jahr ein dynamischeres Finanzierungsumfeld für den Biotech-Sektor, auch wenn der genaue Fahrplan für Zinssenkungen noch unklar ist und massgeblich von der Inflationsentwicklung abhängt. Dies wird sich in verstärkten Kapitalbeschaffungsaktivitäten, vermehrten PIPE-Transaktionen und möglicherweise auch mehr Börsengängen niederschlagen. Nicht zuletzt zwingt die drohende Patentklippe, durch die viele Unternehmen bis 2028 ihre Exklusivrechte an bestimmten Medikamenten verlieren, die Pharmariesen und grosse Biotechunternehmen zu strategischen Übernahmen. Branchenanalysten unterstreichen die beträchtliche Finanzkraft dieser grossen Unternehmen und das Zusammentreffen von Leverage-Möglichkeiten mit prognostizierten robusten Cashflows, angesichts deren praktisch jedes unserer Portfoliounternehmen als potenzielles Übernahmeziel infrage kommt.

Aus diesem Grund halten wir es für wichtig, die Mittelzuflüsse in öffentliche Biotech-Investmentfonds im Auge zu behalten, da wir angesichts des wiedergewonnenen Marktvertrauens und der vielversprechenden Renditen mit Mittelzuflüssen rechnen. Insbesondere die Risikokapitalfinanzierung, die auf ein Mehrjahrestief gefallen ist, birgt das Potenzial für eine Trendwende.

Unsere Gespräche mit den Management Teams der Biotech-Unternehmen zeigen, dass ihr strategischer Fokus der Navigation durch volatile Kapitalmärkte gilt, wobei sich Unternehmen auf anhaltend höhere Kapitalkosten einstellen und ihre Finanzen stärken, um für anhaltende Investitionen in Pipelineprojekte und Produkteinführungen gewappnet zu sein. Kooperationsvereinbarungen und M&A-Aktivitäten, die Ende 2023 zugenommen haben, dürften eine wichtige Rolle dabei spielen, den Kapitalbedarf des Sektors zu decken.

2024 wird aber auch bahnbrechende klinische Fortschritte mit sich bringen. Thematisch ist die klinische Weiterentwicklung modernster Geneditierungstechniken einschliesslich Base- und In-vivo-Editing besonders vielversprechend.

Ein Highlight ist die Markteinführung von Casgevy, einer von Crispr Therapeutics und Vertex entwickelten Geneditierungstherapie, die kürzlich für die Behandlung von Sichelzellanämie und Beta-Thalassämie zugelassen wurde.

Alnylam, unser Investment im Bereich RNAi, wird voraussichtlich wichtige Daten aus einer spätklinischen Studie mit Vutrisiran bei Patienten mit TTR-Kardiomyopathie vorlegen, die dem Unternehmen neben dem Markt für extrem seltene Krankheiten auch den Zugang zum Markt für häufigere Krankheiten ermöglichen könnten.

Neu aufkommende Substanzen, wie etwa PROTACs und LYTACs, treiben die klinische Entwicklung voran. Sie zielen auf den intrazellulären bzw. extrazellulären Proteinabbau ab und bieten als oral verabreichte Therapien vielversprechendes Potenzial.

Unterdessen werden zellbasierte Behandlungsmethoden, einschliesslich CAR-T-Therapien, über die Onkologie hinaus zur Behandlung schwerer Autoimmunerkrankungen erforscht, wobei erste klinische Ergebnisse Investitionen in die weitere klinische Entwicklung vorantreiben, wie im Falle von Fate Therapeutics.

Ungeachtet der Volatilität an den Aktienmärkten setzt BB Biotech seine attraktive Dividendenpolitik fort. So wird an der kommenden Generalversammlung vom 21. März 2024 eine Dividende von CHF 2.00 vorgeschlagen, was einer unverändert hohen Dividendenrendite von 5% auf dem volumengewichteten Durchschnittskurs der Aktie im Dezember 2023 entspricht. In dieser Höhe ist die Dividende nicht nur im Schweizer Aktienmarkt, sondern auch im internationalen Vergleich eine Ausnahme.

Wir stehen vor einer Phase, die durch grundlegende Verschiebungen und beachtliches Potenzial geprägt ist. Für 2024 erwarten wir bedeutende Produktzulassungen und gehen davon aus, dass sich biotechnologische und plattformbasierte Produkte sehr positiv auf den Patientennutzen und das Umsatzpotenzial auswirken werden.

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