Hoher Kasten: Coronabedingte Schliessung optimal genutzt

Das Unternehmen bleibt bei seiner Abschreibungspraxis und vermeldet einen Verlust

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Mystische Klänge zu farbigen, bewegten Projektionen auf den Wänden des verbreiterten Tunnels setzten völlig neue akustische und visuelle Akzente, wirbt das Unternehmen Hoher Kasten nach dem Neubau des Tunnels, der 2021 fertiggestellt wurde. Bild: hoherkasten.ch

Dass die Pandemie ein glücklicher Zufall war, das werden Bergbahnbetreiber landauf landab ganz und gar nicht unterschreiben. Mit einer Ausnahme. Die Hohe Kasten Drehrestaurant und Seilbahn AG aus Brülisau, Appenzell Innerrhoden, schreibt in ihrem Geschäftsbericht, dass die durch Corona verursachte Betriebseinstellung im richtigen Moment gekommen sei, man hätte die Baustelle kaum in eine passendere Zeit planen können. Die Baustelle – damit ist die Verbreiterung des bestehenden 29 Meter langen Tunnels in zwei Etappen gemeint, um für einen neuen Schräglift Platz zu schaffen. Mit dem neuen Lift ist der Hohe Kasten nun von der Talstation bis ins Drehrestaurant durchgehend barrierefrei begeh- und befahrbar. Aber der glückliche Zufall ist natürlich nur die eine Seite der Medaille.

Deutlich weniger Gäste als vor Corona

Die andere, und da geht es den Appenzellern nicht anders als allen anderen Bergbahnbetreibern, ist ein sehr schwieriges Geschäftsjahr 2021 mit Verlust und immer noch weit unterdurchschnittlichen Besucherzahlen. Die Gästebeförderungen blieben bis zum Jahresende mit 146’260 Frequenzen um 22,6% unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Dass das Jahrestotal um 17’863 Beförderungen oder 13,9% höher als im Vorjahr lag, sei ein schwacher Trost, schreiben die Verantwortlichen im Geschäftsbericht. Nebst den teilweise zögerlich reagierenden Gästen infolge Corona sei das Wetter der Hauptgrund für den Gästerückgang gewesen. Das Gruppengeschäft z.B. auch mit Schulen sei im Zuge der Covid-Einschränkungen praktisch komplett weggefallen und nach Einführung von 2G vollständig zusammengebrochen.

Verlust gegenüber Vorjahr leicht zurückgegangen

Der betriebliche Ertrag konnte gegenüber dem «miserablen Vorjahr» 2020, so der Geschäftsbericht,  zwar um gute 340’000 CHF auf 2.14 Mio. CHF gesteigert werden. Aber weil der Personalaufwand gegenüber dem Vorjahr deutlich höher ausfiel und auch der übrige Aufwand von 509’000 auf 673’000 CHF stark anzog, fiel das EBITDA mit 641’000 CHF nur leicht besser aus als 2020. Im Durchschnitt der letzten drei Vor-Corona-Jahre lag das EBITDA jeweils bei 1.36 Mio. CHF. Die EBITDA-Marge liegt bei 30%. Sie betrug im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019 stolze 47%.  Mit der Inbetriebnahme des neuen Verbindungstunnels stiegen die betriebsnotwendigen Abschreibungen um rund 130’000 CHF auf rund 980’000. Der Verwaltungsrat entschied, diese im vollen Umfang zu tätigen, woraus ein Jahresverlust von CHF 284’500 resultiert.

Dass Tunnelbauten nicht zwingend ein Mehrfaches kosten müssen als geplant, haben die Appenzeller bewiesen. Bei einem Kostenvoranschlag von 2.7 Mio. CHF resultierte in der Schlussabrechnung ein Aufwand von 2.72 Mio. CHF. Eine Punktlandung, wie die Verantwortlichen stolz bemerken.

Doch auch bei den Investitionen schlugen die Folgen der Pandemie zu. So liess die Firma die Kabine der Seilbahn von einem Unternehmen in Italien produzieren, welches seinerseits einen Teil der Produktion nach Ungarn ausgelagert hatte. Mit dem Lockdown standen dann in Italien alle Räder und Firmen still. Trotz mehrmaligem und frühzeitigem Nachfassen sei an eine rechtzeitige Lieferung der Kabine nicht zu denken gewesen. So musste der Schräglift am 8. Mai 2021 mit einem Provisorium aus Holz eröffnet werden. Die neuen Türen der Kabine wurden erst im Juni in Einzelteilen geliefert und vor Ort montiert. Danach konnte der neue Schräglift endlich in Betrieb genommen werden. Allerdings bereiteten die Türen noch einige Zeit lang Probleme. Immer wieder sei der Schräglift nicht betriebsbereit gewesen und hätte gewartet werden müssen, so das Unternehmen.

Künstlerische Inszenierung im Tunnel

Jetzt hat man im Appenzell die Hoffnung, dass sich die Investitionen gelohnt haben und mehr Besucher angezogen werden. So werden die Gäste nach der Ankunft in der Bergstation der Kastenbahn neu von einer künstlerischen Tunnel-Inszenierung empfangen. Mystische Klänge zu farbigen, bewegten Projektionen auf den Wänden des verbreiterten Tunnels setzten völlig neue akustische und visuelle Akzente, schreibt das Unternehmen. Neu wird auch ein Blick hinter sowie in den Schacht mit dem Spanngewicht der Seilbahn gewährt.

Ausblick

Die Lage hätte nach Abflauen der Omikron-Variante im Frühjahr dieses Jahres zu viel Zuversicht geführt, schreibt der Verwaltungsrat. Allerdings bleibt er für das kommende Jahr vorsichtig und budgetiert auch für das laufende Jahr 2022 einen Verlust von rund 460’000 CHF. Die betriebsnotwendigen Abschreibungen sollen wie im letzten Geschäftsjahr in voller Höhe getätigt werden.

Fazit

Auch wenn das Unternehmen die betriebsbedingten Schliessungen durch Corona gut zu nutzen wusste  – die negativen Auswirkungen der Pandemie und der damit einhergehenden Beschränkungen des Bergbahnbetriebs haben den Hohen Kasten voll getroffen. Lieferverzögerungen, Gästerückgang gegenüber normalen Jahren bei gleichzeitig höherem Personalaufwand, das alles führt unter dem Strich zu einem Ergebnis, das weder die Verantwortlichen noch die Aktionärinnen und Aktionäre freuen dürfte.

Das Unternehmen hat 2021 Härtefallgelder in Höhe von 62’000 CHF vom Kanton Appenzell Ausserrhoden erhalten, eine Dividendenzahlung ist deshalb nicht möglich.

Der Eigenkapitalanteil ging von 58% auf 52% zurück. Damit präsentiert sich die Bilanz der Gesellschaft etwas weniger solide als im Vorjahr. Im Jahr 2000 bezeichnete eine Studie der Universität St. Gallen einen Anteil von mindestens 40% als notwendig für ein wirtschaftlich nachhaltiges Überleben von Bergbahnen. Immerhin dies ein Versprechen für die Zukunft.

Kursverlauf der auf OTC-X gehandelten Aktie des Hohen Kasten während der letzten fünf Jahre. Quelle: otc-x.ch

Die Aktionärinnen und Aktionäre sind durchaus zuversichtlich, was die Zukunft des Ostschweizer Bergbahnunternehmens anbelangt. Der Kurs der auf OTC-X der BEKB gehandelten Aktie stieg in den vergangen fünf Jahren und auch während der beiden zurückliegenden Pandemiejahre kontinuierlich und notiert derzeit bei 145 CHF.

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