CKW: Ergebnis leidet kurzfristig unter Last der hohen Strompreise

Vorreiterrolle im Ausbau der erneuerbaren Energien angestrebt

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Rund 450 Dach- und Fassadensolaranlagen installierte CKW bisher jährlich. Künftig soll mit grossflächigen Photovoltaikkraftwerken eine neue Dimension dazukommen. Bild: CKW AG

Energiedienstleister profitieren von den stark gestiegenen Energiepreisen. Könnte man meinen; im Fall der CKW AG ist im ersten Semester des Geschäftsjahres 2021/22 jedoch das genaue Gegenteil eingetreten. Trotz deutlich höherer Gesamtleistung belasten die Verwerfungen an den Energie- und Finanzmärkten das Resultat. So muss die CKW in der Medienmitteilung zum Halbjahresabschluss aufgrund der hohen Beschaffungskosten über ein negatives Betriebsergebnis informieren. Trotz des negativen Halbjahresabschlusses erwartet die CKW für das gesamte Geschäftsjahr 2021/22 operativ ein positives Betriebsergebnis.

Wegfallende Einmaleffekte trüben Ergebnis weiter

Auf Stufe EBIT resultierte im per Ende März abgeschlossenen Halbjahr ein Verlust von 38.6 Mio. CHF, nachdem in der Vorjahresperiode noch ein operativer Gewinn von 105.3 Mio. CHF hatte verzeichnet werden können. Nebst den höheren Beschaffungskosten wirkte sich im Segment Energie die Verlängerung der Grossrevision des Kernkraftwerkes Leibstadt mit 41 Mio. negativ auf das Ergebnis aus, da die fehlende Energiemenge zu den hohen Marktpreisen beschafft werden musste. Zudem belasteten im Vorjahresvergleich die Stilllegungs- und Entsorgungsfonds (STENFO) das Betriebsergebnis mit 50.6 Mio. CHF. Das Ergebnis der CKW wird jeweils stark beeinflusst von Sonderfaktoren. Gegenüber den ersten sechs Monaten 2020/21 fielen deshalb in der Berichtsperiode weitere 24.3 Mio. aus der Entschädigung für die Überführung der ehemaligen Übertragungsnetzanlagen von CKW an Swissgrid aus der Rechnung. Unter dem Strich verschlechterte sich das Unternehmensergebnis der CKW auf -42.2 Mio. CHF nach einem Gewinn von 97.4 Mio. in der Vorjahresperiode.

Steigende Gesamtleistung

Die hohen Energiepreise erlauben es der CKW aber auch, die eigenen Produktionsmengen der nächsten Jahre gewinnbringend zu vermarkten. Dies wird mittelfristig zu einem positiven Beitrag der hohen Marktpreise auf das Ergebnis führen. Da die Tarife in der Grundversorgung jeweils für ein Jahr im Voraus festgelegt werden, hatte die Teuerung auf die Stromkunden der CKW bisher noch keinen Einfluss. Für 2023 ist jedoch auch bei der CKW mit deutlichen Tariferhöhungen zu rechnen.

Zumindest auf Umsatzebene verzeichnete die CKW im ersten Halbjahr 2021/22 einen deutlichen Anstieg. So steigerte die Innerschweizer Energiedienstleisterin die Gesamtleistung um satte 26,3% auf 560.8 Mio. CHF. Erfreulich ist dabei, dass das Wachstum im Segment Gebäudetechnik mit einem Anstieg der Gesamtleistung um 25% auf 103.8 Mio. fortgesetzt werden konnte. Nebst der Solartechnik, welche das Unternehmen bereits seit einiger Zeit als strategisches Wachstumsfeld definiert hat, trugen auch die Geschäftsfelder Elektro, E-Mobilität und Wärmetechnik massgeblich zu dieser Entwicklung bei.

Photovoltaikkraftwerke als Schlüssel zur Energiewende?

Im Bereich der erneuerbaren Energien will die CKW in Zusammenarbeit mit dem Mutterkonzern Axpo in den nächsten Jahren eine Schweizer Vorreiterrolle übernehmen. Erhöhe sich das Ausbautempo der erneuerbaren Energieproduktion im Inland nicht, müsse ab 2035 fast ein Drittel des Stroms importiert werden, erklärt die CKW die Beweggründe. Die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine hätten deutlich gezeigt, wie gefährlich eine solche Abhängigkeit vom Ausland sein könne. Um das Vorhaben in die Tat umzusetzen, will die CKW bis 2030 Ausbauprojekte mit einem Volumen von bis zu einer Mrd. CHF realisieren, verteilt über die Bereiche Wasserkraft, Biomassekraftwerke, Windkraft und grossflächige Photovoltaikkraftwerke.

Letztere sind in der Schweiz nach wie vor Seltenheit. Hinter Projekten in der Photovoltaik ist heutzutage meist der Eigenverbrauch massgeblicher Treiber. Mit dem Bau von Grossanlagen auf Freiflächen, im alpinen Bereich und der vollständigen Ausnutzung von grossen Industrie-, Landwirtschafts- und Gewerbeflächen will die CKW dies ändern. Bereits hat sich das Unternehmen Flächen gesichert, wo künftig Photovoltaikanlagen bis zu 9’000 Haushalte versorgen sollen. Insbesondere auch im alpinen Bereich will die CKW Grossanlagen realisieren, da diese effizienter sind und im Winter gar mehr Strom produzieren können als im Sommer. Ein entscheidender Faktor, wenn man bedenkt, dass die Stromproduktion hierzulande im Winter bereits heute nicht mit dem Verbrauch mithalten kann.

Mit einer Erhöhung des Dammes beim Göscheneralpsee will CKW Speicherreserven schaffen und die wetterbedingten Schwankungen in der Solar- und Windenergieproduktion kompensieren. Bild: CKW AG
Bessere Rahmenbedingungen von Nöten

Nebst dem Bau der Photovoltaikkraftwerke verfolgt die CKW sechs Windparkprojekte, hat fünf Holzheizkraftwerke in Planung, betreibt Wärmeverbünde und prüft eine Dammerhöhung des Göscheneralpsees. Ein Selbstläufer wird der Ausbau der Erneuerbaren jedoch nicht. So müsse laut CEO Martin Schwab die Politik dringend bessere Rahmenbedingungen schaffen und insbesondere die Bewilligungsverfahren beschleunigen. Zudem brauche es die Bereitschaft aller Seiten, Kompromisse einzugehen. Nur so können die Ziele der Energiestrategie 2050 erreicht werden. Bei erfolgreichem Abschluss der geplanten Investitionen würde die CKW dereinst klimafreundlichen Strom für 165’000 Haushalte und Wärme für 55’000 Haushalte produzieren.

Fazit

Im Normalfall gestaltet sich der Vergleich der CKW-Ergebnisse über die Jahre hinweg aufgrund vieler Sondereffekte als schwierig. Das erste Semester 2021/22 war jedoch auch unter Berücksichtigung von wegfallenden Sondereffekten aus dem Vorjahr klar schwächer. Während die höheren Energiepreise aufgrund der Festlegung der Tarife für ein Jahr im Voraus noch nicht bei den Stromkunden angelangt sind, musste CKW deutlich gestiegene Beschaffungskosten tragen. Mittelfristig wird der Effekt der hohen Marktpreise auf das Resultat der CKW aber positiv sein. Zudem werden temporäre Bewertungsverluste aus Absicherungsgeschäften in den kommenden Monaten und Jahren wieder ausgeglichen werden. Mit einem Eigenkapital von 1.5 Mrd. CHF, entsprechend einer Eigenkapitalquote von 50,5%, ist die CKW genügend solide aufgestellt, um das kurzfristige Tief unbeschadet zu überstehen und bei einem mittelfristigen, positiven Effekt der hohen Strompreise auf das Resultat auch die anstehenden Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energien stemmen zu können. Der konkrete Investitionsplan ist klar positiv zu werten. Für eine erfolgreiche Energiewende ist der Ausbau der Erneuerbaren unabdingbar, je früher desto besser.

Nach einem kurzen Taucher zu Beginn der Covid-Pandemie hat sich der Kurs der CKW-Aktie wieder erholt. Die YTD-Performance 2022 liegt bei -4,2%. Chart: otc-x.ch

Die Aktien der CKW AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Der letztbezahlte Kurs liegt bei 320 CHF. Damit sind die Titel mit einem KBV von 1.3 moderat bewertet. Potenzial bietet vor allem der Ausbau der erneuerbaren Energien, sowie der mittelfristige Profit aus den heutigen, hohen Strompreisen.

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