Raurica Wald: In stürmischen Zeiten schlagen Bäume tiefere Wurzeln

Das Holzunternehmen aus der Nordwestschweiz zahlt eine Dividende von 20 CHF/Aktie

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In schwierigen Zeiten wie diesen, in denen die Pandemie so manches Unternehmen heftig durchschüttelt, bemühen die Verantwortlichen gerne Sprichwörter und Analogien, um den Zustand ihrer Gesellschaft zu beschreiben. So auch Stephanie Oetterli Lüthi, VR-Präsidentin der Raurica Wald AG. «Stürme lassen Bäume tiefer wurzeln», betitelt sie ihr Vorwort im Geschäftsbericht 2021, weil die Raurica Gruppe die Turbulenzen des letzten Jahres gut gemeistert habe und jetzt sogar noch besser dastehe als zuvor.

Umsatzsteigerung und Gewinnrückgang

Tatsächlich konnte der Holz-Konzern, der vielfältige Tätigkeiten entlang der gesamten Holz-Wertschöpfungskette entwickelt, die Umsätze im letzten Jahr auf 21 Mio. CHF steigern (Vorjahr: 20.3 Mio. CHF). Da aber insbesondere der Material- und Logistikaufwand deutlich zunahmen, ging das EBITDA von 4.8 auf 4.3 Mio. CHF zurück. Unter dem Strich ist deshalb auch ein leicht geringerer Gewinn von 1.7 Mio. CHF gegenüber 1.9 Mio. CHF in 2020 zu verzeichnen.

Ein unruhiger Holzmarkt, steigende Nachfrage und Preise, die mitunter durch die Kämpfe um das knappe Schnittholz im nordamerikanischen Markt beeinflusst wurden, seien ursächlich für die Turbulenzen, schreibt die VR-Präsidentin. Ebenso volatil habe sich der Energieholzmarkt gezeigt: Im ersten Quartal 2021 seien – als Folge der Trockenheit des Vorjahrs – noch grosse Mengen verfügbar gewesen. Diese Reserve hätten aber schnell abgenommen, als europaweit die Nachfrage dramatisch zunahm und sich der Angebots- in einen Nachfragemarkt verwandelte, so Oetterli-Lüthi.

Ungewöhnlich hohe Nachfrage

Schlagzeilen zu den Holzpreisen, die durch die Decke gingen, gab es reichlich im letzten Jahr. Das Interesse an einer Branche, die normalerweise nicht im Fokus der breiten Bevölkerung steht, sei unüblich. Es spiegle aber die aussergewöhnliche Situation und das freue ihn, schreibt Stephan Rüdlinger, CEO der Raurica Wald, im Lagebericht zum Geschäftsjahr 2021. «Bei der Holzvermarktung erlebten wir eine derart grosse Nachfrage, wie sie in den vergangenen Jahrzehnten kaum vorgekommen war. Dadurch konnten wir einerseits die Lager leeren und das uns angebotene Holz meist problemlos platzieren», so Rüdlinger.

Erfolgreiche Beteiligungen

Neben dem tragenden Geschäftspfeiler, der Energieholz-Versorgung, das organisch ausgebaut werden soll, lieferte die 51%-Beteiligung am Holzkraftwerk Basel mit guten Zahlen stabile Erträge. Fagus Suisse, an der Raurica mit 18% beteiligt ist, konnte 2021 das erste volle Geschäftsjahr als Produktionsbetrieb abschliessen. Die Bilanz zeige, dass das Engagement für die Verwertung von einheimischem Laubholz ein richtiger Entscheid gewesen sei, auch wenn die Produktion und Vermarktung von Stabbuche stets neue Herausforderungen biete, sagt Stephan Rüdlinger.

Bei einer Kapitalerhöhung der Fagus SA im letzten Jahr hat die Raurica zugunsten anderer interessierter Neuaktionäre nicht vollumfänglich von ihren Bezugsrechten Gebrauch gemacht.

Alles rund ums Holz: die Beteiligungsstruktur der Raurica Wald AG. Bild: Geschäftsbericht Raurica Wald.
Ausblick

Raurica Wald will sich weiter als Anbieter für Lösungen im Bereich energetische Nutzung von Holz in der Region etablieren, deshalb erarbeitet das Unternehmen Konzepte, um Heizungen und Heizkraftwerke zu realisieren oder sich an solchen Projekten zu beteiligen.

Die verfügbare Menge von Altholz hat sich in 2021 markant verändert. Im ersten Halbjahr noch im Überfluss vorhanden, kam es im zweiten Halbjahr zu Engpässen, insbesondere durch Probleme in den Lieferketten. Diese erschwerte Beschaffungslage halte auch in 2022 an, so CEO Rüdlinger. Grosse Dynamik an den Holzmärkten erwarte er deshalb auch für die kommenden Jahre.

Punkto Dynamik: Die Holzpreise (Lumber) sind laut agrar.heute seit Jahresbeginn am Terminmarkt um fast 50% gefallen. Allerdings ist die Frage offen, wann der Preisrückgang an den physischen Märkten ankommt. Raurica Wald spürt die Turbulenzen an den Holzmärkten sehr stark, wie Stephan Rüdlinger gegenüber schweizeraktien.net sagt. «Aktuell ist jedoch im Rundholz noch immer eine steigende Tendenz zu verzeichnen, bisher ist die Trendwende noch nicht im Wald angekommen, auch weil das Angebot in unserer Region eher knapp ist.»

Fazit

Die Ablösung fossiler Brennstoffe durch nachhaltige Energie wie Sonne, Wind und Wasser ist das Thema unserer Gegenwart und Zukunft. Auch Holz gehört zu den nachhaltigen Energieträgern. Und das nicht nur bezüglich Verbrennung, sondern auch z.B. im konstruktiven Holzbau, den Fagus Suisse mit Raurica als grösstem Aktionär anbietet. Mit der weiteren Diversifikation des Angebots von Konzepten im Heizungsbau und Heizkraftwerksbau setzt Raurica auf eine Zukunft, die nach CO2-armen Lösungen ruft.

Wie gross das Interesse der Aktionäre an dieser Zukunft ist, zeigte sich bei der Kapitalerhöhung der Fagus Suisse, bei der Raurica Wald aufgrund der hohen Nachfrage anderer Aktionäre ihre Bezugsrechte nicht vollständig ausschöpfen konnte und wollte.

Erfreulich für die Aktionärinnen und Aktionäre ist der Blick auf die Wertentwicklung der Raurica Gruppe, die sich im Aktienkurs widerspiegelt: Der aktuelle Kurswert der auf OTC-X gehandelten Aktie von 1100 Franken pro Anteil hat sich gegenüber dem Nominalwert von 500 Franken mehr als verdoppelt. Raurica Wald zahlt den Aktionärinnen und Aktionären eine Dividende von 20 CHF/Aktie, das entspricht einer Dividendenrendite von knapp 2%.

Der Kurs der Aktie von Raurica Wald widerspiegelt die Diskussion um Nachhaltigkeit. Quelle: otc-x.ch

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