BVZ Holding: Weiteres Wachstum in Aussicht, aber nicht um jeden Preis

Walliser Bahn- und Tourismusunternehmen erzielt Rekordgewinn von 29.6 Mio. CHF

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Aufwärts soll es bei den Bahnen der BVZ weiter gehen, aber nicht ganz so rasant. Bild: zvg

Dass die Schweizer Tourismusindustrie wieder brummt, ist schon fast ein no-brainer. Und es ist wenig überraschend, dass dies auch für Destinationen wie Zermatt, Andermatt und Walliser Berggemeinden wie beispielsweise Goms zutrifft, die an den Bahnstrecken der BVZ-Gruppe liegen. Patrick Z’Brun, Verwaltungsratspräsident des Walliser Unternehmens, brachte es an der Bilanzmedienkonferenz denn auch auf den Punkt: «Die BVZ ist wieder in voller Fahrt.» Die Zahlen des Tourismus- und Bahnunternehmens sind eindrücklich. In nahezu allen Geschäftsfeldern wurden im Geschäftsjahr 2023 neue Rekordwerte erzielt. Der konsolidierte Ertrag kletterte um 13,3% auf 205.9 Mio. CHF, und der Reingewinn stieg überproportional um 6 Mio. CHF oder 25,6% auf 29.6 Mio. CHF. 2023 transportierte die BVZ-Gruppe über 10 Mio. Reisende. Auch für die Aktionäre zahlt sich der gute Geschäftsverlauf aus: Der Verwaltungsrat beantragt der Generalversammlung vom 12. April eine um 1 CHF höhere Dividende von 16 CHF je Aktie.

Gornergratbahn steigert Ertrag um einen Drittel

Die Erträge setzen sich bei der BVZ-Gruppe aus privaten und öffentlichen Transportdienstleistungen, Mieteinnahmen und Beteiligungserträgen zusammen. In fast allen vier Geschäftsfeldern legten diese im vergangenen Jahr zweistellig: Die private Gornergratbahn erzielte mit 44.9 Mio. CHF einen um 34,4% höheren Umsatz, die Immobilien einen Ertrag von 6.2 Mio. CHF (+ 7,8%) und die Beteiligungen 47.5 Mio. CHF (+ 20,75), darunter ein 22%iger Anteil an der Zermatt Bergbahnen AG und 50% am Joint Venture Glacier Express. Im öffentlichen Personenverkehr mit der Matterhorn Gotthard Bahn (MG Bahn) lagen die Erträge mit 75.4 Mio. CHF um 17,7% über dem Vorjahreswert. Finanzchefin Alice Kalbermatter machte allerdings auch darauf aufmerksam, dass die Beiträge der öffentlichen Hand um 18,5% auf 31.9 Mio. CHF gesunken sind.

Den grössten Anteil zum Gewinn steuerte mit 13.4 Mio. CHF (+47,9%) die Gornergratbahn bei. Allerdings legten auch die Gewinnbeiträge der anderen drei Geschäftsfelder zu, wobei dem Ergebnis im Geschäftsfeld Immobilien bereits die Planungskosten für die nächste Bauetappe von Andermatt Central belastet wurden. Im Bereich des öffentlichen Verkehrs («Mobilität») darf die BVZ-Gruppe allerdings keine Gewinne erzielen. Der Überschuss von 7.3 Mio. CHF (+10,5%) werde daher zweckgebunden in die Reserven eingestellt, so Kalbermatter. Insgesamt stieg der Anteil am Konzerngewinn aus den privaten Geschäftsfeldern auf 22.2 Mio. (+31,4%) und trug drei Viertel zum Gesamtergebnis des Unternehmens bei.

Höhere Abschreibungen und Finanzierungskosten

Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass die Erträge deutlich stärker als die Kosten gestiegen sind. Der Material- und Dienstleistungsaufwand war sogar um 3,8% rückläufig. Hingegen fiel der Personalaufwand mit 73.2 Mio. CHF (+4,0%) höher aus, was auch auf den Personalausbau um 28 FTEs auf 685 Mitarbeitende zurückzuführen ist. Gestiegen sind auch der übrige Betriebsaufwand (+23,7%) und die Abschreibungen (+32,3%). Beim übrigen Betriebsaufwand waren es vor allem die höheren Kosten für Marketing sowie für Infrastruktur und Fahrzeuge. Letztere sind ebenso wie die höheren Abschreibungen auf die in den letzten Jahren getätigten Investitionen zurückzuführen. Das Betriebsergebnis (EBIT) kletterte um 33,6% auf 36.9 Mio. CHF.

Aufgrund der grossen Investitionen – im Geschäftsjahr 2023 wurden allein 146.6 Mio. CHF in Sachanlagen investiert – erhöhte sich auch die Verschuldung. Das verzinsliche Fremdkapital lag per Ende 2023 bei 387.1 Mio. CHF (+38,7%), was zu einem Rückgang der Eigenkapitalquote auf nur noch 33,9% (36,9%) führte. Allerdings sind von den Darlehen 324.6 Mio. CHF durch eine Solidarbürgschaft des Bundes abgesichert. Mit den höheren Schulden stiegen auch die Finanzierungskosten auf 5.3 Mio. CHF (+57,4%). Allein für die Finanzierung der neuen Züge fielen Zinsaufwendungen in Höhe von 4.4 Mio. CHF an.

Weitere Investitionen geplant

Auch in den kommenden Jahren wird das Bahnunternehmen weiter in den Ausbau der Infrastruktur und des Immobilienportfolios investieren. Grösstes Projekt ist dabei der neue Tunnel zwischen Täsch und Zermatt, der über 300 Mio. CHF kosten wird. Die Finanzierung stellen allerdings Bund und Kanton sicher. Ab 2028 soll mit dem Bau begonnen werden. Fernando Lehner, CEO der BVZ Holding, bezeichnet den Tunnel als «Meilenstein für die Reisenden und für uns». Die Fahrtzeit soll um 6 Minuten reduziert werden und Zermatt so immer zu 100% erreichbar sein. Bisher führten Lawinen, Sturm und Murgänge immer wieder zu Unterbrücken auf dieser Strecke.

11 Monate Hochsaison angestrebt

Ist «nach dem Rekord vor dem Rekord?» könnte man angesichts der weiterhin guten Entwicklung im Schweizer Tourismus fragen. Der Start ins neue Geschäftsjahr ist nach Aussagen von Lehner jedenfalls sehr gut verlaufen, man befinde sich auf Vorjahresniveau. Künftig strebe das Unternehmen «11 Monate Hochsaison» an. Von Mitte Oktober bis Mitte November soll noch Zeit bleiben für Unterhaltsarbeiten. An der Kapazitätsgrenze scheinen die Gornergratbahn und auch die MG Bahn noch nicht angelangt zu sein. Fernando Lehner betont allerdings, dass es nicht das Ziel sei, die Kapazitäten auszulasten, sondern den Durchschnittsertrag pro Gast zu erhöhen.

In der neuen Strategieperiode ab 2025 will der Verwaltungsrat daher den Fokus auf Qualität statt Quantität legen. 2023 gehörten nach den Schweizern (mit 25%) die Gäste aus Nordamerika und Deutschland zu den grössten Gästegruppen, gefolgt von Korea, Thailand und Singapur. «Reisende aus China und Japan sind nach dem Ende der Pandemie noch nicht wieder zurückgekehrt», so Patrick Z’Brun. Hier sehe er noch deutliches Potenzial.

Nachhaltigkeitsziele sollen bis 2030 erreicht werden

Dass das Bahn- und Tourismusunternehmen nicht auf Wachstum um jeden Preis setzt, spiegelt sich auch in der Nachhaltigkeitsstrategie wider. Allen Angeboten liege die einzigartige alpine Bergwelt und der Bezug zur Region zugrunde, so VR-Präsident Z’Brun. Dies werde sich auch in der Strategieperiode 2025 bis 2028 niederschlagen. Den Geschäftsbericht 2023 hat die BVZ Holding AG bereits um einen Nachhaltigkeitsbericht ergänzt und fünf der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) herausgegriffen. Bis 2030 will die Unternehmensgruppe die ökologischen, ökonomischen und sozialen Ziele erreichen. «Wir wollen kein Disneyland in der Natur sein, sondern naturnahe Erlebnisse anbieten», fasst es Patrick Z’Brun zusammen.

Fazit

Die BVZ Holding ist nicht nur zurück auf der Erfolgsspur. Sie hat auch die guten Zahlen aus dem Rekordjahr 2019 längst überholt. Und dies, obwohl Gäste aus China und Japan, welche vor der Pandemie für einen Boom sorgten, noch nicht wieder zurück sind. Auch der starke Schweizer Franken war kein Grund für Gäste aus dem Euro- und Dollarraum, den Destinationen Zermatt und Andermatt den Rücken zu kehren. Im Gegenteil: In Andermatt erschliesst offenbar auch die Übernahme des Skigebietes durch den US-Konzern Vail Resorts der Destination neue Gästesegmente.

Angesichts der guten Ausgangslage könnte man in Euphorie verfallen. Doch Verwaltungsrat und Geschäftsleitung setzen zwar auf weiteres Wachstum. Dies soll aber nicht zulasten der Ressourcen und der Angebotsqualität gehen. Für die Aktionäre bedeutet dies, dass keine kurzfristigen Sprünge bei Gewinn und Dividende, hingegen allerdings ein kontinuierliches, nachhaltiges Wachstum zu erwarten sind.

Auch wieder zurück auf Kurs: die Aktie der BVZ Holding AG: Chart: six-group.com

Der Aktienkurs hat in den letzten Monaten bereits zugelegt. Zuletzt wurden 995 CHF für eine Aktie bezahlt. Bei einem Gewinn pro Aktie von 133 CHF liegt das Kurs-/Gewinn-Verhältnis gerade einmal bei 7.5. Der Buchwert (ohne Minderheiten) per Ende 2023 beträgt 1’089 CHF je Aktie. Obwohl die Dividendenrendite trotz der beantragten Erhöhung mit 1,6% nicht üppig ist, bleibt die BVZ-Aktie weiterhin moderat bewertet. Eine Rückkehr zu früheren Höchstkursen von mehr als 1’200 CHF erscheint nicht ausgeschlossen. Grösste Risiken bleiben die geopolitische Lage sowie externe Einflüsse wie eine neue Pandemie, welche die internationalen Tourismusströme wieder zum Erlahmen bringen könnten. Im Auge behalten sollten Investoren auch die Finanzierung. Im Vergleich mit anderen Bahngesellschaften, wie der Jungfraubahn, ist die Verschuldung hoch.

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