Manuel Gygax und Stefan Fuhrer, BEKB: «Eine Neukalibrierung des Fonds findet nicht wirklich statt»

Der geldpolitische Rückenwind wird künftig nachlassen

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Der BEKB Aktien Schweiz Investitionsansatz besteht aus einer Kombination von quantitativer und qualitativer Titelselektion sowie einem umfassenden Risikomanagement. Im quantitativen Teil werden statistisch signifikante und ökonomisch begründbare Renditetreiber – unterteilt in die Faktorgruppen Value, Quality und Momentum – eruiert und übergewichtet. Das daraus resultierende faktoroptimierte Portfolio wird auf Einzeltitelebene einer Fundamentalanalyse unterzogen. Die systematische Kontrolle des relativen Risikos, eine höhere Diversifikation sowie eine tiefere ex-ante-Volatilität als der Vergleichsindex bilden das defensive Fundament des Investitionsansatzes.

Der BEKB Aktien Schweiz Small & Mid Caps-Fonds mit einem Volumen von 243 Mio. CHF wird von den Portfoliomanagern Manuel Gygax, Stefan Fuhrer und José Altisent geführt.

Die Portfolio-Manager Stefan Fuhrer und Manuel Gygax zeichnen verantwortlich für den Fonds BEKB Aktien Schweiz Small & Mid Caps. Bild: zVg.

Als wir das letzte Mal miteinander gesprochen hatten, im Juni 2024, war Joseph Biden noch Präsident in den USA und die Politik noch nicht so hysterisch, wie wir es seit dem Amtsantritt von Donald Trump erleben. Was hat sich für Sie im letzten Jahr geändert, was Ihren Fokus auf die Märkte neu kalibrieren lässt?

Die Wiederwahl von Donald Trump hat die geopolitische Unsicherheit weiter verschärft, wobei die Debatte um neue Zölle das vergangene Jahr massgeblich prägte. In diesem volatilen Umfeld zeigte sich einmal mehr der Wert einer soliden Portfoliodiversifikation. Während binnenorientierte Werte wie Galenica, SPS, die Jungfraubahn oder die Kantonalbanken trotz der Zollankündigungen Stabilität bewiesen oder gar zulegten, zahlte sich bei den vermeintlichen Verlierern Geduld aus: Nach der Aufschiebung und anschliessenden Reduktion der Handelsbarrieren erholten sich auch viele dieser Positionen deutlich. Eine Neukalibrierung findet deshalb nicht wirklich statt.

Welche Erwartungen liegen Ihren Investitionsentscheidungen im Fonds zugrunde mit Blick auf das Jahr 2026?

Für Europa erwarten wir positive Impulse aus der Fiskalpolitik, die das Marktumfeld stützen dürften. Vor diesem Hintergrund blicken wir insgesamt sowie speziell für das Segment der Schweizer Small & Mid Caps zuversichtlich nach vorne. Demgegenüber müssen wir jedoch berücksichtigen, dass der geldpolitische Rückenwind künftig nachlassen wird, da wir davon ausgehen, dass die EZB und die SNB ihren Zinssenkungszyklus beendet haben. Diese Rahmenbedingungen fliessen aber nur am Rande in unsere Investitionsentscheide ein, und wir halten an unserer bewährten Anlagephilosophie fest: Die Portfoliosteuerung erfolgt weiterhin Bottom-up sowie über unsere Faktorallokation in Qualität, Bewertung und Momentum.

«Der geldpolitische Rückenwind wird nachlassen»

Ihre grösste Position im Fonds ist Sandoz mit einem Anteil von etwas über 8%. Wie gehen Sie mit Sandoz weiter um?

Sandoz bleibt ein Kerninvestment mit einem deutlichen Übergewicht. Das Unternehmen wird insbesondere bei den Biosimilars stattlich wachsen, und die Aktie ist aus dieser Warte immer noch nicht teuer bewertet. Ungeachtet der positiven Aussichten haben wir bei den jüngsten Kurssteigerungen selektiv Gewinne mitgenommen und sehen auf diesem Niveau von Zukäufen ab.

Kursverlauf der Sandoz-Aktie. Quelle: six-group.com

Sie haben in den vergangenen Jahren die Benchmark SPI EX stets etwas underperformed. Was sind die Gründe dafür?

Nachdem wir die Benchmark in den Jahren 2022 und 2023 leicht übertreffen konnten, blieben wir 2024 und 2025 hinter dem Vergleichsindex zurück. Die Ursachen hierfür liegen primär in der Titelselektion: Im Jahr 2024 belasteten insbesondere das Untergewicht in Galderma sowie das Übergewicht in LEM die Performance. Auch im Jahr 2025 erwies sich das Untergewicht in Galderma erneut als Performance-Bremse. Zusätzlich wirkten sich die Übergewichte in Georg Fischer und Siegfried negativ aus.

«Das untergewicht in galderma erwies sich als performance-bremse»

Neben Sandoz gehört Lindt & Sprüngli zu einer Ihren grössten Positionen. Die Aktie liegt zur Zeit deutlich unter ihren Höchstständen von Mitte 2025. Wie gehen Sie weiter mit L & S um?

Lindt & Sprüngli unterstreicht seinen Status als Qualitätsunternehmen auch im aktuellen Marktumfeld: Trotz der Belastungen durch Rekordpreise beim Kakao und einer verhaltenen Konsumstimmung präsentierte die Gesellschaft beachtliche Ergebnisse.

Kursverlauf der Aktie von Lindt & Sprüngli: Quelle: six-group.com

Aufgrund der anspruchsvollen Bewertung agieren wir bei diesem Titel jedoch schon länger zurückhaltend. Den jüngsten Kursrücksetzer haben wir zu Jahresbeginn zwar für leichte Zukäufe genutzt, das hohe Gewicht ist aber zu relativieren: Wir sind weiterhin gegenüber unserem Vergleichsindex, dem SPIEX, untergewichtet in Lindt & Sprüngli.

Sie haben im letzten Jahr eine Position in Galderma aufgebaut. Die Aktie ist in der Vergangenheit sehr gut gelaufen. Zu welchem Preis haben Sie zugelangt? Haben Sie da etwas den Zeitpunkt zum Einstieg verpasst?

«Angesichts der aktuellen Bewertung sehen wir ein erhöhtes Enttäuschungspotenzial»

Wir haben unsere Position in Galderma im Dezember 2024 initial bei rund 90 CHF aufgebaut. Nach einem Rücksetzer im März 2025 nutzten wir die Kurse um 90 CHF sowie im Mai bei rund 100 CHF für Zukäufe – deutlich unter dem heutigen Niveau von 148 CHF. Im Rückblick betrachtet haben wir die Positionierung jedoch nicht genügend ausgebaut, da sich die Aktie als klarer Outperformer erwies. Entsprechend sind wir gegenüber unserer Benchmark weiterhin untergewichtet. Die Wachstumsperspektiven, insbesondere dank potenzieller Blockbuster wie Nemluvio gegen chronische Hauterkrankungen, bleiben vielversprechend. Angesichts der aktuellen Bewertung sehen wir jedoch auch ein erhöhtes Enttäuschungspotenzial, weshalb wir von einer weiteren Aufstockung absehen.

Kursverlauf der Galderma-Aktie seit dem Börsengang. Quelle: six-group.com

Huber+Suhner haben Sie abgebaut, allerdings ist die Position immer noch übergewichtet (zur Benchmark SPI EX). Von welcher Entwicklung gehen Sie bei Huber+Suhner aus? Hat die Aktie ihren Peak erreicht?

Der Investment Case hat sich mit den Grossaufträgen für optische Switches, welche u.a. bei Rechenzentren zum Einsatz kommen, fundamental verändert. Die Wachstumsaussichten sind nun deutlich besser, weshalb wir davon ausgehen, dass der Zenit der Aktie noch nicht erreicht ist. Da die positiven Erwartungen jedoch bereits zu einem signifikanten Kursanstieg und einer entsprechend höheren Bewertung geführt haben, haben wir uns für erste Gewinnmitnahmen entschieden.

Welche anderen Veränderungen im Fonds haben Sie im vergangenen Jahr vorgenommen?

Unsere Positionierung blieb im vergangenen Jahr weitgehend stabil, was sich in einem eher niedrigen Turnover widerspiegelt. Neben dem Aufbau der bereits erwähnten Galderma-Position haben wir unsere Übergewichte in Siegfried und Inficon weiter ausgebaut. Neu in das Portfolio aufgenommen wurden Sonova; nachdem die Titel 2025 aus dem SMI ausgeschlossen wurden und nun im SPIEX vertreten sind, haben wir eine erste, wenn auch untergewichtete Position aufgebaut. Reduziert haben wir hingegen unsere Bestände bei Schindler sowie bei den erwähnten Huber+Suhner, wobei wir in beiden Werten weiterhin übergewichtet bleiben.

«Übergewichte in Siegfried und Inficon weiter ausgebaut»

Es fällt auf, dass ein Berner Unternehmen wie die Jungfraubahn nicht prominent in Ihrem Portfolio vertreten ist. Warum?

Unsere Investitionsentscheidungen basieren auf einer fundierten Fundamentalanalyse, faktorspezifischen Kriterien sowie der relativen Abweichung zu unserem Vergleichsindex. Die Kantonszugehörigkeit ist dabei kein Entscheidungskriterium – ungeachtet dessen blicken wir mit Anerkennung auf die starke operative Entwicklung von Berner Unternehmen wie der Jungfraubahn oder Ypsomed. In beiden Titeln halten wir derzeit ein Übergewicht; aufgrund der Marktkapitalisierung sind diese Positionen jedoch nicht gross genug, um in unseren Top-10-Holdings zu erscheinen.

Ihr Motto für 2026 in einem Satz!

Das Motto sollte jedes Jahr das gleiche sein: Ein fundierter Ansatz, Disziplin, Risikomanagement und harte Arbeit führen zum Erfolg!

Ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

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