Regiobank Männedorf: Geschäftszahlen legen Fehlentwicklungen offen

Geplante Fusion wird im Geschäftsbericht 2025 mit keinem Wort erwähnt

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Zufriedene Gesichter: Regiobank-CEO André Häberling und VRP Thomas Stäheli mit Stephan Weigelt, VRP der Acrevis Bank, und CEO Michael Steiner. Biild: PD

Vor etwas mehr als einer Woche kündigte die Regiobank Männedorf an, mit der Ostschweizer Acrevis Bank fusionieren zu wollen. In der Medienmitteilung zur Fusion hiess es, dass die «Stärken beider Institute gebündelt werden» sollen. Der nun publizierte Jahresabschluss der RBM zeigt jedoch, dass es sich nicht um eine Fusion aus einer Position der Stärke handelt. Die Bank ist 2025 nicht mehr gewachsen: Fast 10 Mio. CHF an Kundengeldern sind abgeflossen, der Zinsertrag ist um nahezu 30% eingebrochen. Da den sinkenden Einnahmen stark gestiegene Kosten gegenüberstanden, musste die kleine Regionalbank einen operativen Verlust von über 1 Mio. CHF ausweisen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass diese Entwicklung nicht neu ist. Während sich die Ertragssituation in den letzten zehn Jahren wenig verändert hat, haben sich die Kosten nahezu verdoppelt.

Keine Fusion aus einer Position der Stärke

Liest man den Geschäftsbericht der RBM aufmerksam, könnte man kaum vermuten, dass die Bank aufgrund der miserablen Geschäftsentwicklung im Geschäftsjahr 2025 ihre Eigenständigkeit aufgeben muss. Von «Stabilität und Verlässlichkeit» ist die Rede, ebenso davon, künftig wieder ein «substanzielles Wachstum» anzustreben und darauf aufzubauen. Ein Blick in die Zahlen legt jedoch die Schwächen des Instituts schonungslos offen. Zwar blieben die Hypothekarforderungen mit 346.4 Mio. CHF stabil. Doch die Kundengelder gingen um 3,4% auf 266.0 Mio. CHF zurück – der tiefste Stand der letzten fünf Jahre. Weniger als 80% der Ausleihungen sind noch durch Kundengelder gedeckt, was die Bank zu einer teureren Refinanzierung zwingt.

Zinserfolg bricht um 29,3% ein

Dies spiegelt sich auch in der Erfolgsrechnung wider: Der Netto-Erfolg aus dem Zinsengeschäft brach um 29,3% ein. Obwohl die Erträge aus dem Kommissionsgeschäft um rund 8% auf knapp 1 Mio. CHF stiegen, konnten diese sogenannten indifferenten Erträge den Einbruch im Zinsengeschäft nicht kompensieren. Dass die gesamten Erträge «nur» um 7,6% auf 5.2 Mio. CHF zurückgingen, ist auf Erträge aus einem Immobilienfonds sowie auf den Verkaufserlös einer Immobilie zurückzuführen. Erstaunlich ist, dass bei einem derart massiven Ertragseinbruch nicht rechtzeitig auf der Aufwandseite gegengesteuert wurde. Im Gegenteil: Der Geschäftsaufwand kletterte um 8,1% auf 5.5 Mio. CHF – so hoch wie noch nie in der Geschichte der ehemaligen, 1903 gegründeten «Gewerbebank». Begründet wird der Anstieg mit höheren Rechts- und Beratungskosten, IT-Investitionen sowie Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Neubau des Bankgebäudes in Männedorf. Unter dem Strich resultierte ein operativer Verlust von 1 Mio. CHF, der ohne den Immobilienverkauf noch höher ausgefallen wäre. Nur dank der Auflösung von Rückstellungen und der Entnahme von Reserven für allgemeine Bankrisiken konnte die RBM für 2025 einen kleinen Gewinn von 101’000 CHF ausweisen – die Dividende fällt aus.

Aufwand steigt stetig an

Die schwache Geschäftsentwicklung der Regiobank Männedorf hält jedoch bereits seit Jahren an. Ein Blick in die Jahresabschlüsse der letzten zehn Jahre zeigt, dass die Bank ertragsseitig kaum gewachsen ist. Bereits 2019 musste sie im Zinsengeschäft Wertberichtigungen in Höhe von 5.5 Mio. CHF vornehmen, was zu einem operativen Verlust von über 2 Mio. CHF führte. Gleichzeitig sind die Kosten förmlich explodiert: Betrug der Geschäftsaufwand im Jahr 2015 noch 2.8 Mio. CHF, lag er im vergangenen Jahr nahezu doppelt so hoch. Ein Grund dafür sind auch die in anderen Medien kritisierten hohen Personalkosten. Diese stiegen innerhalb von fünf Jahren von 1.6 Mio. CHF auf 2.4 Mio. CHF – ein Plus von 50% in nur fünf Jahren. Auch die Cost/Income-Ratio, ein wichtiger Gradmesser für die Effizienz von Banken, erhöhte sich in diesem Zeitraum von 58,6% auf zuletzt über 90%.


Dass die Kostenexplosion nicht mit der Grösse der Bank erklärt werden kann, zeigt die Spar- und Leihkasse Wynigen eindrücklich: Mit einer Bilanzsumme von etwas mehr als 300 Mio. CHF erwirtschaftete die Bank mit ihren elf Mitarbeitenden einen Geschäftserfolg von 1.7 Mio. CHF. Die Cost/Income-Ratio lag 2024 bei 52,8%. Auch die SLK Wynigen ist dem Zinsumfeld, der zunehmenden Regulierung und steigenden IT-Kosten ausgesetzt. Es liegt daher nahe, dass für die Fehlentwicklungen bei der Regiobank Männedorf weniger das Umfeld als vielmehr Management und Verwaltungsrat verantwortlich sind.

Fazit

Der Jahresabschluss 2025 der Regiobank Männedorf grenzt an einen Offenbarungseid der kleinen Regionalbank. Seit Jahren scheint es nicht gelungen zu sein, das durchaus vorhandene Potenzial am rechten Zürichseeufer in der wachsenden Gemeinde Männedorf für die Entwicklung der Bank zu nutzen. Ebenso erscheint es fragwürdig, dass den verantwortlichen Personen und auch den Aktionären über einen Zeitraum von zehn Jahren nicht aufgefallen ist, dass die Erträge stagnieren, während die Kosten deutlich steigen.

Verwaltungsrat und Geschäftsleitung haben nun offenbar erkannt, dass ein Alleingang der Bank künftig nur schwer möglich sein dürfte. Die Fusion mit Acrevis erscheint daher folgerichtig. Interessant ist, dass die Gespräche offenbar schon länger angedauert haben müssen. Im Geschäftsbericht der Acrevis Bank heisst es jedenfalls, dass «in den letzten Monaten intensiv an den Vorbereitungen der Integration der Regiobank Männedorf AG gearbeitet» wurde. Bemerkenswert ist, dass beide Banken im Anhang des Berichts unter dem Punkt «Ereignisse nach dem Bilanzstichtag» die geplante Fusion mit keinem Wort erwähnen.

Angesichts der Ertragsschwäche der RBM und der Tatsache, dass ein erneuter Wachstumskurs wohl mit zusätzlichen Kosten verbunden wäre, dürfte der von Acrevis gebotene Preis für Altaktionäre eine gute Ausstiegsmöglichkeit darstellen. Dies gilt auch, obwohl der Buchwert einer RBM-Aktie per Ende 2025 mit 8’610 CHF deutlich über dem gebotenen Preis von rund 5’385 CHF liegt. Da der Übernahmepreis zum grössten Teil in Aktien der Acrevis Bank gezahlt werden soll, stellen sich weiterhin Fragen zur unterschiedlichen Bewertung der beiden Titel, insbesondere was den Abschlag (RBM) bzw. Aufpreis (Acrevis) auf den Buchwert betrifft. Die mittlerweile publizierten Fusionsunterlagen bringen hier auch keine neuen Erkenntnisse. Die Aktionäre der RBM müssen nun an der Generalversammlung entscheiden, ob sie das Angebot annehmen. Ob es weitere Angebote gegeben hat, ist nicht bekannt. Ein Alternativszenario wäre die Weiterführung der Bank mit neuen Eigentümern oder eine Liquidation. Ob dies jedoch einen Mehrwert für Aktionäre und Mitarbeitende schaffen würde, erscheint fraglich. Die über 100-jährige Geschichte der Regiobank Männedorf ist also noch nicht ganz beendet.

1 Kommentar

  1. Sagen wir es doch so, wie es ist: Diese Bank wurde in den Grund und Boden gewirtschaftet.
    Und jetzt wird sie zu einem miserablen Preis verkauft, weil viel zu spät.
    Das Management und der VR haben sich mit Vinkulierungen abgesichert, dass keine Opposition entstehen konnte. Die Aktionäre wurden wie überall mit „Brot, Wurst und billigem Weisswein“ ruhig gestellt.
    Man weiss ja, wie es an den GVs zu und her geht. Wer hat schon den Mut, nach vorne ans Podium zu gehen und Kritik zu üben? Vor allem, wenn man nicht vom Fach ist – da stimmt man lieber mit den Füssen ab und zieht die Gelder halt ab.
    Und Management und VR sich sicher jetzt ob der negativen Medienberichte und den Rückmeldungen der Aktionäre sicher als unschuldige Opfer der Umstände.

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