HealthCare Investors Meeting 2026: Vier privat finanzierte Life-Sciences-Unternehmen im Porträt

Börsengang eine Option für weitere Kapitalbeschaffung

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Das Zürcher Start-up CUTISS arbeitet an personalisierter Haut u.a. bei der Behandlung von Brandwunden. Bild: zvg

Am 31. März 2026 findet in Genolier erstmals das HealthCare Investors Meeting (HCIM) statt. Vier privat finanzierte Schweizer Life-Sciences-Unternehmen präsentieren den Stand ihrer klinischen Entwicklung: CUTISS, Topadur Pharma, OM Pharma und AB2Bio. Keines ist kotiert. Für zwei davon ist ein Börsengang erklärtes Ziel, für OM Pharma und CUTISS eine Option. Was den Zeitplan bestimmt, ist bei jedem Unternehmen ein anderer Meilenstein.

Privat finanziert: Rekordkapital, aber kein täglicher Kurs

Private Schweizer Biotech-Unternehmen sammelten 2024 gemäss Swiss Biotech Association einen Rekordwert von 833 Mio. CHF ein. Die Unternehmen dahinter bleiben weitgehend unsichtbar: kein täglicher Kurs, keine regulatorische Publikationspflicht. Das HCIM ist eine der wenigen Gelegenheiten im Jahr, solche Firmen und ihre Teams persönlich einzuschätzen.

CUTISS: Zulassung oder neue Finanzierungsrunde bis Ende 2026

Bei schweren Verbrennungen und anderen Hautoperationen, etwa bei Narbenkorrektur, fehlt es an Spenderhaut. Der Chirurg entnimmt gesunde Haut von einer anderen Körperstelle, transplantiert sie auf die verletzte Fläche und hinterlässt dabei eine zweite Wunde. Narbenbildung und Folgeoperationen sind häufige Konsequenzen. CUTISS, 2017 aus dem Kinderspital Zürich hervorgegangen, hat mit denovoSkin™ einen anderen Ansatz entwickelt. Aus einer kleinen Biopsie der eigenen Haut wird im Labor ein vollwertiges, zweischichtiges Transplantat gezüchtet, das Zellen der äusseren Hautschicht (Epidermis) und der darunter liegenden Dermis enthält. Das Ergebnis soll weniger Spenderstellen und bessere Narbenqualität bedeuten.

denovoSkin™ befindet sich in einer laufenden Phase-3-Studie in der Schweiz und der EU für Erwachsene und Jugendliche mit schweren Verbrennungen. Parallel stehen Phase-2-Programme kurz vor dem Abschluss: eines für rekonstruktive Eingriffe wie Hautaufbau nach Tumorentfernungen oder Unfällen, sowie eines für pädiatrische Patienten. Swissmedic, EMA und FDA haben den Orphan-Drug-Status erteilt, der zehn Jahre Marktexklusivität in der EU sowie sieben in den USA bringt. Der erste Phase-3-Datensatz wird bis Ende 2026 erwartet.

Im September 2025 schloss CUTISS die Series-C-Runde mit 56 Mio. CHF ab, das Gesamtkapital stieg auf über 125 Mio. CHF. Co-Lead-Investoren: Family Office Giammaria Giuliani und eine US-Familie via Shiloh Advisors. Weitere Beteiligte: Wyss Foundation, Zürcher Kantonalbank, UZH Life Sciences Fund und das Brandverletztenzentrum RKZ (NL), das zugleich Studienzentrum und potenzielles künftiges Produktionszentrum ist. CUTISS entwickelt zudem Maschinen zur Automatisierung der Produktion, die derzeit gemeinsam mit Tecan industrialisiert werden.

Topadur Pharma: Neue Therapieansätze für die Gefässregeneration

Chronische Wunden entstehen oft dort, wo die Durchblutung versagt. Wenn die kleinsten Blutgefässe, die sogenannte Mikrovaskulatur, nicht mehr ausreichend funktionieren, heilen Gewebeschäden kaum ab. Topadur Pharma aus Schlieren hat eine Wirkstoffplattform entwickelt, die erstmalig lokale Gefässerweiterung und die Neubildung von Blutgefässen, die sogenannte Angiogenese, kombiniert.

Das Leitprodukt TOP-N53 wird als neuartiger Therapieansatz zur Behandlung digitaler Ulzera bei Sklerodermie-Patienten entwickelt. Sklerodermie ist eine seltene Autoimmunerkrankung, bei der das Bindegewebe verhärtet und die kleinen Blutgefässe geschädigt werden. An den Fingern entstehen dadurch offene Wunden, die kaum abheilen. Topadur hat dafür in Europa und den USA den Orphan-Drug-Status erhalten. Aktuell läuft eine Phase-2a-Studie, die Sicherheit und Verträglichkeit prüft. Anschliessend ist eine Wirksamkeitsstudie geplant, die erstmals gezielt die therapeutische Wirksamkeit von TOP-N53 bewerten soll. Beide Schritte werden in den nächsten 12 bis 18 Monaten wichtige klinische Erkenntnisse liefern. Das Unternehmen adressiert zudem diabetische Fussulzera, die weltweit etwa alle 20 Sekunden zu einer Fussamputation führen.

Ein zweites Programm zielt auf Alopezie ab, also krankhaften Haarausfall. Auch dort spielt die Durchblutung eine Rolle: Eine verminderte Durchblutung der Haarfollikel gilt als einer der Treiber von Haarausfall, was den Ansatz von Topadur für diese Indikation relevant macht. Zu den Kapitalgebern zählen Pharmaunternehmen, Family Offices, Banken sowie private Investoren, darunter die Oshen Holding, verschiedene Kantonalbanken sowie der frühere Novartis-CEO Daniel Vasella. Das Unternehmen plant, noch dieses Jahr mit der klinischen Entwicklung zu starten. Eine Series-C2-Runde ist in Vorbereitung. Einen Börsengang macht Topadur von drei Bedingungen abhängig: positive Daten aus zwei Programmen, eine globale Pharmapartnerschaft und gesicherte Liquidität.

OM Pharma: 90 Jahre Bacterial Lysates, jetzt auf dem Weg in die USA

Atemwegsinfektionen und Harnwegsinfekte gehören zu den häufigsten Gründen für Antibiotikaverordnungen. Die Standardtherapie behandelt den Infekt, verhindert aber nicht den nächsten. OM Pharma aus Genf verfolgt seit fast neun Jahrzehnten einen anderen Ansatz: Bacterial Lysates, Präparate aus inaktivierten Bakterienstämmen, die das Immunsystem trainieren. Das Prinzip gleicht dem sogenannten Farm-Effekt: Kinder mit frühem Kontakt zu Mikroorganismen erkranken seltener an Asthma und Allergien. OM Pharma will diesen Effekt pharmakologisch replizieren. Das Unternehmen wurde 1937 in Genf gegründet und betreibt in Meyrin nach eigenen Angaben mit 38’000 m² die weltweit grösste Anlage für Bacterial Lysates.

Das Leitprodukt Broncho-Vaxom® ist in rund 100 Ländern zugelassen. Zwei Schritte sollen das Wachstum beschleunigen: Asthma bei Kindern als neue Indikation und die USA als neuer Markt, der 40% des globalen Pharmamarkts ausmacht. Die unabhängige ORBEX-Studie der University of Arizona, NIH-mitfinanziert, und eine eigene Phase-2b-Studie laufen parallel. Beide Resultate werden noch 2026 erwartet.

2020 übernahm Optimus Holding SA das Unternehmen. Hauptaktionär und treibende Kraft dahinter ist Etienne Jornod, früher Konzernchef von Galenica und Vifor sowie Verwaltungsratspräsident der NZZ. Seither läuft ein Investitionsplan über 250 Mio. CHF, vollständig aus reinvestierten Gewinnen, ohne Fremdkapital, ohne Verwässerung. Ob ein Börsengang folgt, lässt das Unternehmen offen. Für Jornod wäre ein IPO nach wertschaffenden Meilensteinen wie positiven Studiendaten oder dem US-Markteintritt eine mögliche Option.

AB2Bio: Klinische Phase abgeschlossen, FDA-Einreichung steht an

Bei bestimmten seltenen Erkrankungen löst ein genetisch bedingter Regulationsfehler des Botenstoffs IL-18 schwere systemische Entzündungsreaktionen aus, die bei Kindern ohne Behandlung lebensbedrohlich werden können. AB2Bio aus Lausanne hat mit Tadekinig alfa einen Therapieansatz entwickelt, der IL-18 auf physiologischem Weg normalisiert. IL-18 ist ein Botenstoff des Immunsystems, der Entzündungsreaktionen steuert. Die Therapie setzt nicht auf einen monoklonalen Antikörper, also ein gezielt hergestelltes Eiweiss, das den Botenstoff blockiert. Stattdessen nutzt sie eine rekombinante Version des körpereigenen IL-18-Bindungsproteins, also eine im Labor hergestellte Form eines natürlichen Regulatorproteins, das IL-18 auf natürliche Weise reguliert.

Die klinischen Registrierungsstudien sind abgeschlossen. Tadekinig alfa wäre damit die erste IL-18-Therapie, die Phase 3 durchläuft und in Richtung Zulassung geht. In den nächsten 12 bis 18 Monaten stehen zwei Meilensteine an: das Pre-BLA-Meeting mit der US-Zulassungsbehörde FDA und die anschliessende BLA-Einreichung. Die Vermarktung soll über externe Lizenzpartner erfolgen. In Japan und den USA ist Nippon Shinyaku aktiv, weitere Regionen sind offen. Der Investorenkreis wird nicht offengelegt. Vi Partners ist im Verwaltungsrat vertreten. Einen Börsengang schliesst AB2Bio nicht aus, hält einen Trade Sale mittelfristig aber für wahrscheinlicher.

Fazit: Unterschiedliche Reifegrade, ein gemeinsamer Zeithorizont

CUTISS hat das kapitalintensivste Profil: über 125 Mio. CHF eingesammelt, Phase-3-Studie läuft, Produktionspartnerschaften stehen. Die Daten bis Ende 2026 entscheiden. OM Pharma ist das einzige profitabel und ohne Fremdkapital finanzierte Unternehmen. Sein Risiko ist kein Finanzierungsrisiko, sondern ein Marktrisiko: Die US-Studiendaten 2026 entscheiden über den Eintritt in den grössten Pharmamarkt der Welt. Topadur hat den längsten klinischen Weg: Die laufende Studie prüft erst Sicherheit, nicht Wirksamkeit. Der erste Wirksamkeitsbeleg kommt frühestens in 12 bis 18 Monaten. AB2Bio ist klinisch am weitesten: Die Registrierungsstudien sind abgeschlossen, der nächste Schritt ist die FDA-Einreichung. Das Risiko liegt nicht mehr in der Klinik, sondern in der kommerziellen Produktion und im Lizenzierungserfolg.

Ein Börsengang ist eine Absicht, keine Zusicherung. Der Zugang zu diesen Unternehmen kommt früh. Das Risiko, klinisch oder finanziell zu scheitern, ebenfalls.

Anmeldungen zum HealthCare Investors Meeting sind hier möglich.

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