
Schon seit 2007 ist Cosmo Pharmaceuticals an der SIX, und doch ist die Aktie nur selten aus ihrem Schattendasein hervorgetreten. Das könnte sich bald ändern, denn das schuldenfreie Unternehmen tritt nun in eine neue Phase im Unternehmenslebenszyklus ein. Nicht nur das Umsatzwachstum beschleunigt sich durch innovative Produkte, auch die EBITDA-Marge dürfte überproportional steigen.
Für Schlagzeilen in Wissenschafts- und Börsenpublikationen sorgten im letzten Dezember und erneut im April die Studienergebnisse zum innovativen Haarwuchsmittel für Männer mit Namen «Clascoterone 5%». Die Forschungsergebnisse des Rezeptor Antagonisten wurden als «bahnbrechend» beschrieben. Zwischen Dezember und Februar 2026 konnte sich der Kurs auf über 120 CHF glatt verdoppeln, fiel dann zurück und gewann im April wieder 40%. Gegenwärtig bewegt sich der Kurs um die 66 CHF und damit auf dem Niveau des Mittelwertes der Periode seit 2020.
Kursverlauf der Aktie von Cosmo Pharmaceuticals in den letzten 5 Jahren. Chart: six-group.comErste Innovation bei Haarausfall seit 30 Jahren
Die Studienergebnisse zu Clascoterone 5% kommen von klinischen Phase-III-Studien, und das heisst, dass die ersten Hürden vor der Zulassung durch die Arzneimittelbehörden bereits genommen wurden. Es heisst auch, dass die Wahrscheinlichkeit der Zulassung sehr hoch und in absehbarer Zeit zu erwarten ist. Es gibt praktisch keine Nebenwirkungen. Bis zu 2 Mrd. Männer leiden an der Männlichen Androgenetischen Alopezie – also Haarausfall. Es handelt sich um eine genetische Disposition, die keine Krankheit darstellt. Das von Cosmo entwickelte Therapeutikum stellt die erste nennenswerte Innovation in der Behandlung des Haarausfalls nach über drei Jahrzehnten dar. Die zwei Phase-III-Studien zeigen, dass nach 12 Monaten Therapie die relative Anzahl der Haare um 539% respektive 168% gegenüber der Placebo-Gruppe gesteigert wurde. Das sind wirklich signifikante Verbesserungen bei einer «Volkskrankheit». Der Markt ist bedeutend. Nach Analystenschätzungen sind allein in den USA 65 Mio. Männer betroffen, von denen ein Viertel Behandlung sucht.

Marktpotenziale
Da es sich im eigentlichen Sinne nicht um ein medizinisches Problem handelt, sondern um ein kosmetisch-ästhetisches, ist die Marktdynamik ähnlich einzuschätzen wie die GLP-1-Wirkstoffklasse im Bereich der Gewichtsreduktion wie bei Eli Lilly oder Botox-Therapien zur Hautstraffung wie bei Galderma. Deshalb plant Cosmo die Kooperation mit einem internationalen Player, der die Distribution und Marktbearbeitung global in dem Massenmarkt übernimmt. Cosmo erhält üppige Royalty-Zahlungen, die sich im deutlich zweistelligen Bereich bewegen werden.
Game-Changer Clascoterone 5%
Der Launch von Clascoterone 5% ist nach Einschätzung von Cosmo der stärkste Wachstumstreiber in den kommenden Jahren. Die Projektionen sehen in den USA und Europa bei relativ moderater Maktpenetration ein Umsatzpotenzial von 2.6 Mrd. Euro. Schon ein Royalty-Satz von 10% entspricht dann 260 Mio. Euro Einnahmen, denen vergleichsweise geringe Aufwendungen entgegenstehen. Analysten erwarten eher 12% bis 20%, da das Produkt starke Alleinstellungsmerkmale aufweist. So könnte die EBITDA-Marge von Cosmos von historisch 1% bis 3% tatsächlich bis 2030 auf 40% ansteigen – und damit die Ertragsstrukturen und auch die Bewertungsgrundlagen fundamental verändern.
Ambitionierte Ziele für 2030
Bis 2030 will Cosmo das Ziel von 480 Mio. Euro Umsatz erreichen. Dies entspricht einem jährlichen Wachstum von 39%. Das EBITDA soll dann bei 195 Mio. Euro liegen. Die eine Hälfte des Wachtums liefert das bereits bestehende Portfolio, die andere kommt durch die neuen Produkte. Neben Clascoterone 5% sind dies GI Genius, eine KI-gestützte Innovation für die Koloskopie zur Früherkennung von Darmkrebs und weiteren Krankheiten, sowie das in den USA und Europa bereits zugelassene Akne-Therapeutikum Winlevi.
Unabhängigkeit und Stärken
Eine der Besonderheiten von Cosmo ist die finanzielle Unabhängigkeit, die es erlaubt, Wirkstoffe, Technologien und Therapien selbst zu entwickeln und herzustellen. Bestehende Produktionskapazitäten ermöglichen die Optimierung und kommerzielle Herstellung. Je nach Fall kann aber auch die Produktion outgesourct werden. Eine weitere Nutzungsmöglichkeit besteht in der Auftragsproduktion für Dritte als sogenannter CDMO-Partner. Diese Flexibilität versetzt Cosmo in die Lage, die Resourcen bestmöglich einzusetzen. Mit Spezialitäten wie den zugelassenen Medikamenten Ulceris und Lialda gegen gastrointestinale Krankheiten hat Cosmo Erfahrungswerte gewonnen, wie die Produktion preiswert und effizient gestaltet werden kann.
Roll-out mit Medtronic als Partner
Doch innovative Produkte wie GI Genius werden mit starken Partnern wie in diesem Fall Medtronic an den Markt gebracht. Bereits mehr als 3000 Geräte sind installiert. Ein Vorteil ist, dass die Technologie kompatibel mit den in den USA 115’000 installierten Geräten in Koloskopie-Untersuchungszentren ist. Die Diagnose-Treffsicherheit ist drastisch erhöht, was zur Vermeidung tödlich verlaufender Darmkrebsfälle wesentlich beiträgt. Auch Nvidia ist durch Real-Time KI-Chips an der Technologie beteiligt. Über neue Partnerschaften wird mit Apple verhandelt. Der Smartphone-Riese hat grosse Ambitionen, im digitalen Healthcare-Bereich eine Führungsrolle einzunehmen. Nach Analystenschätzungen könnten die Umsätze für Cosmo in der Spitze mehr als 250 Mio. Euro jährlich betragen.
Die KI-gestützte Plattform GI Genius von Cosmo Pharmaceuticals unterstützt Ärzte. Quelle: Investor Präsentation 2025Meistverordnetes Akne-Therapeutikum in den USA
Winlevi ist in den USA seit der Zulassung 2021 zum meistverordneten Akne-Therapeutikum geworden. In Europa erfolgte die Zulassung durch die Arzneimittelbehörde EMA erst 2026. Winlevi wird in Kürze in insgesamt 40 Ländern verfügbar sein. Bis 2030 zeichnet sich ein jährliches Erlöswachstum von 15% auf dann 35 Mio. Euro ab. Das Arzneimittel wird über Partner vertrieben, sodass sich die Erlöse für Cosmo aus der Produktion und Royalty-Einnahmen zusammensetzen.
Erfolgreiche Langfrist-Strategie
Die Strategie von Cosmo zeichnet sich dadurch aus, dass aktiv Wirkstoffe und Therapien mit Alleinstellungsmerkmalen und Blockbuster-Qualitäten in den Indikationsgebieten Gastrointestinal, Medtech und Dermatologie entwickelt werden, was durch die CDMO-Aktivitäten ergänzt, beschleunigt und unterstützt wird. Die zweite Priorität der Unternehmensentwicklung ist die Fokussierung auf nachhaltig hohe Margen. Die sind bisher nicht unbedingt visibel. Das liegt daran, dass die neuen Produkte erst höhere Kosten verursachen, was die anfängliche Marge drückt. In der Skalierungsphase dreht sich das Verhältnis um. Die anfallenden Kosten der Marktpenetration trägt der Distributionspartner, während Cosmo steigende Royalties zufliessen, denen ab der Markteinführungsphase nur noch geringe Kosten gegenüberstehen.
Unabhängig durch eine starke Bilanz
Ein Vorteil ist die starke Bilanz, die Cosmo weitgehend unabhängig von Kapitalerhöhungen, Bankkrediten oder Anleiheemissionen macht. Die Gesellschaft ist schuldenfrei und verfügte per 31.12.2025 über liquide Mittel von 128 Mio. Euro. Für Ende 2026 sind 200 Mio. Euro avisiert. Im Gegensatz zu den meisten Biotech-Gesellschaften zahlte Cosmo bereits 2016 und 2017 eine Dividende und hat seit 2022 ohne Unterbrechung eine steigende Dividende von zuletzt 2.10 Euro ausgeschüttet. Dies entspricht auf aktueller Kursbasis einer Dividendenrendite von immerhin 2,8%.
Beeindruckende Zulassungsstatistik
Die Eigenständigkeit von Cosmo hat zwar bisher noch nicht zu den ganz grossen Blockbustern geführt, dafür wurde ein Umsatzstrom aus kleineren Marktsegmenten generiert, der das Unternehmen dauerhaft in die Lage versetzt hat, seine Forschung und Entwicklung nach eigenen Regeln fortzuführen. In diesem Zusammenhang ist auch bemerkenswert, dass Cosmo bei sechs von sieben insgesamt gestellten Zulassungsanträgen erfolgreich war. Eine Statistik, die viel über Konzentration auf das Wesentliche als Erfolgskomponente aussagt.
Risiken des Zulassungsprozesses
Trotz des Erfolgsnachweises und der ermutigenden Vorzeichen wie die Kooperation mit Medtronic bei GI Genius und die hervorragenden Studienergebnisse des Zulassungskandidaten Clascoterone 5% bleiben auch Risiken. Die Arzneimittelbehörden agieren nicht immer im Gleichklang. In Europa wurde beispielsweise Winlevi zunächst kritisch bewertet, obwohl die FDA in den USA schon vor fünf Jahren die Zulassung erteilt hatte. Das Wachstum im KI-Umfeld führt zwangsläufig auch zu einer Intensivierung des Wettbewerbs, denn es geht um potenziell sehr profitable neue Märkte.
Opportunität und Wettbewerb
Obwohl alles für eine Zulassung und dann eine internationale Partnerschaft zum Vertrieb von Clascoterone 5% spricht, könnte es auch nicht zu einer Einigung kommen, und die Opportunität würde möglicherweise verstreichen. Da es sich um einen innovationshungrigen Multi-Milliardenmarkt handelt, ist Cosmo nicht der einzige Akteur, wie die umfangreiche Wiki-Übersicht zeigt.
Kurskorrektur und -potenziale
Im Jahr 2024 hatte Cosmo eine Meilenstein-Zahlung für GI Genius von 186 Mio. Euro erhalten. Das erhöhte die relevanten Zahlen im Jahresabschluss 2024, liess jedoch aufgrund der erhöhten Basis die Vergleichswerte 2025 schwach erscheinen. Das erklärt zumindest teilweise die erratischen Kursbewegungen der Aktie. Aktuell wird Cosmo an der Börse mit 1.1 Mrd. CHF bewertet. Zum letzten Hoch vom Februar errechnet sich bei aktuell 66 CHF ein Potenzial von nahe 95%, zum historischen Hoch in 2014 bei 191 CHF liegt das Potenzial bei 190%.
Fazit
Gerade Biotech-Unternehmen sind nicht gleich geschaffen. Die 1997 gegründete Cosmo Pharmaceuticals hat bereits einen langen Weg hinter sich, der von erfolgreichen eigenen Entwicklungen geprägt ist, die dann auch die Zulassungshürden genommen haben. Die Bilanz ist mit einer EK-Quote von 78,7% stark, die Liquidität hoch. Insbesondere Clascoterone 5% und GI Genius haben ein globales Potenzial. Deren Distribution starken Partnern gegen einen angemessenen Royaltysatz zu überlassen, ist klug, da die Erfolgsaussichten dadurch verbessert und die Einführung am Markt beschleunigt werden. Andererseits bleibt dem Management vieles erspart und setzt dadurch Kapazitäten frei, die sich primär auf die Entdeckung der nächsten Innovationen fokussieren können. Aufgrund der Volatilität ist die Aktie nicht für jeden Anlegertyp geeignet. Für Investoren mit Geduld und Risikobereitschaft könnte sich ein Engagement jedoch auszahlen. Die Zahlen sprechen für Cosmo: Aus 379 Mio. Euro Investments wurde bisher ein kumulativer Umsatz von 1.3 Mrd. Euro generiert, und mehr als 150 Mio. Euro wurden bereits als Dividende ausgeschüttet.





