Jungfraubahn Holding: Irankrise verhindert ein erneutes Rekordjahr

Durchschnittsertrag pro Gast nimmt zu – Nettocashbestand steigt auf 155 Mio. CHF

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Das Jungfraujoch wurde von Januar bis Juni 2026 von 389’600 Gästen besucht – 17,6% weniger als im Vorjahr. Bild: jungfrau.ch

Der Geschäftsverlauf der Jungfraubahn Gruppe kannte seit der Pandemie nur eine Richtung: nach oben. Doch seit Beginn des Konflikts zwischen den USA und dem Iran hat die positive Dynamik einen Dämpfer erlitten. Gäste aus Indien und Südostasien blieben wegen der eingeschränkten Reiserouten aus. Ihr Fehlen konnte auch durch mehr Schweizer Gäste sowie Touristen aus Nord- und Südamerika nicht kompensiert werden. Die Besucherzahlen auf dem Top of Europe brachen in der Folge um 17,6% ein, der Umsatz ging insgesamt um 8,6% auf 137.0 Mio. CHF zurück. Unter dem Strich verblieb ein Gewinn von 28.9 Mio. CHF – 22,0% weniger als im Vorjahr. Für die 2. Jahreshälfte zeigt sich CEO Oliver Hammel «vorsichtig optimistisch».

Umsatz auf dem Jungfraujoch geht um 9,7% zurück

Hammel verwies bei der Präsentation der Semesterzahlen auch darauf, dass der Halbjahresgewinn trotz des deutlichen Rückgangs immer noch höher ausgefallen sei als in der Vor-Covid-Zeit. Die schwache Entwicklung zieht sich durch sämtliche Segmente. Denn nicht nur beim Flaggschiff «Top of Europe» ging der Nettoumsatz zurück (–9,7%). Auch die Erlebnisberge (–1,9%), der Wintersport (–4,8%) und die Nebengeschäfte (–10,7%) brachten weniger Erträge. Hammel wies darauf hin, dass der Umsatz weniger stark als die Besucherzahlen eingebrochen sei, was zu einem höheren Durchschnittsertrag pro Gast von 135 CHF geführt habe.

Den Umsatzrückgang bei den Nebengeschäften erklärte Finanzchef Christoph Seiler mit den geringeren Erträgen aus dem Energieverkauf des eigenen Wasserkraftwerks. Beim Wintersport sprach Hammel von Marktanteilsverschiebungen innerhalb der Jungfrau Ski Region in Richtung Mürren aufgrund der neuen Schilthornbahn.

Die Segmente Jungfraujoch und Wintersport verzeichneten im 1. Halnjahr 2026 einen Rückgang, Abb. Präsentation Halbjahresergebnis 2026

Personalaufwand steigt um 2,3%

Für die Jungfraubahn Gruppe verblieb ein operativer Gewinn vor Abschreibungen (EBITDA) von 56.8 Mio. CHF (-13,8%), wobei die grössten EBITDA-Rückgänge in den Segmenten Jungfraujoch (-20,8%) und Wintersport (-13,6%) zu verzeichnen waren. Beim Blick in die Erfolgsrechnung fällt auf, dass der Rückgang des Betriebsaufwands um rund 4 Mio. CHF vor allem auf die variablen Kosten zurückzuführen ist. Der Personalaufwand erhöhte sich trotz der rückläufigen Umsätze hingegen um 2,3% oder 1 Mio. CHF auf 43.9 Mio. CHF. Christoph Seiler begründete den Anstieg einerseits mit Lohnerhöhungen von 1,5%, andererseits mit Neubesetzungen.

Eigenkapitalquote bei hohen 78,6%

Solide präsentiert sich weiterhin die Bilanz. Trotz der schwächeren Ertragslage und der getätigten Investitionen erhöhte sich der Free Cashflow auf 18.7 Mio. CHF. Dies führte auch zu einem Anstieg der flüssigen Mittel auf über 100 Mio. CHF. Die Nettoliquidität erreichte mit 155 Mio. CHF einen Höchstwert. Oliver Hammel zeigte in seiner Präsentation zwar auf, dass sich zwei der drei Grossprojekte – die Firstbahn und der Ausbau der Bergstation auf dem Jungfraujoch – in einem Vorprojekt befänden, mit einer Realisierung allerdings nicht vor 2030 zu rechnen sei. Der Cashbestand wird für die grossen Investitionen daher wohl erst in wenigen Jahren benötigt.

Frequenzen im Juli und August besser

Für den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres 2026 zeigte sich Oliver Hammel zuversichtlich. In den Monaten Juli und August hätten sich die Frequenzen gegenüber dem 2. Quartal leicht verbessert, lägen aber immer noch rund 10% unter den Werten von 2025. Aufgrund der Situation im Nahen Osten bleibe die Lage weiterhin unsicher. In Bezug auf die Marge erwartet die Jungfraubahn in der 2. Jahreshälfte eine leichte Verbesserung, da das margenschwächere Wintersportgeschäft weniger ins Gewicht fällt. Auch sollen im Personalbereich keine weiteren Einstellungen mehr erfolgen, um den Aufwand unter Kontrolle zu halten.

«Wir sind jedoch zuversichtlich, dass sich der internationale Tourismus wieder erholen wird», so Hammel. Daher hält das Unternehmen auch an den mittelfristigen Finanzzielen fest: eine EBITDA-Marge von über 45% (1. Halbjahr: 41,5%), eine Umsatzrendite von über 25% (1. Halbjahr: 21,1%), ein kumulierter Cashflow von über 300 Mio. CHF bis 2030 und ein ROIC von über 10% (1. Halbjahr: 3,9%). Die Ausschüttungsquote soll weiterhin bei 50 bis 67% liegen.

Fazit

Die Jungfraubahn Gruppe ist es mittlerweile gewohnt, mit Krisen umzugehen, die den internationalen Tourismus treffen. Diesmal haben der Gästemix und höhere Preise einen grösseren Umsatzeinbruch verhindert. Mit einer EBITDA-Marge von 41,5% gehört das Unternehmen weiterhin zu den stärksten Bahnen der Schweiz. Wann der internationale Tourismus allerdings wieder auf das Niveau von 2025 zurückkehren wird, ist derzeit offen.

Seit den Höchstkursen von 310 CHF hat der Kurs der Jungfraubahn-Aktie knapp 20% verloren. Chart: six-group.com

Der Aktienkurs der Jungfraubahn hat im vergangenen Jahr und bis zum Beginn des Irankriegs viel vom künftigen Wachstumspotenzial des Tourismusunternehmens vorweggenommen, ist aber seit Ende Februar auf zuletzt 255 CHF gefallen. Aufgrund der hohen Fixkosten, vor allem im Personalbereich, dürfte der Gewinn je Aktie im Jahr 2026 den Vorjahreswert von 13.60 CHF nicht mehr erreichen. Bei einem leicht tieferen Gewinn je Aktie von 12.50 CHF würde das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei eher hohen 20 liegen. Bei einer Ausschüttung von 8 CHF je Aktie (Vorjahr: 8.50 CHF) liegt die Dividendenrendite bei über 3%. Damit sind die Aktien auf dem aktuellen Kursniveau fair bewertet.

Erst wenn sich der internationale Tourismus und insbesondere die wichtigen asiatischen Märkte China und Indien erholen, dürfte auch der Aktienkurs der Jungfraubahn wieder anziehen. Sollte sich die geopolitische Lage allerdings weiter zuspitzen, könnte sich dies nochmals negativ auf den Aktienkurs auswirken.

Hinweis in eigener Sache: Am 29. Oktober findet in Engelber der Branchentalk Tourismus statt. Im Fokus steht auch die Ganzjährigkeit im Schweizer Bergtourismus. Mehr Infos unter: www.schweizeraktien.net/branchentalk-tourismus-29-oktober-2026-2/

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