
Stabilität der Währung und der Kaufkraft – das sind die zentralen Aufgaben der Zentralbanken. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erfüllt ihr Mandat in der Schweiz vorbildlich. Kein anderes Land kann eine dauerhaft tiefere Inflationsrate vorweisen. Der Weg dahin erfordert ganz besondere und auch unkonventionelle Massnahmen für einen Währungsraum, der nur 0,1% der Weltbevölkerung entspricht.
Als einzige der wichtigsten Zentralbanken der Welt hält die SNB ganz offiziell einen signifikanten Anteil der Währungsreserven in Aktien. Das international diversifizierte Aktien Portfolio hat zum Ende März einen Wert von 173 Mrd. USD und macht einen Anteil von 28% an den gesamten Währungsreserven aus. Der Rest verteilt sich zu 61% auf Staatsanleihen, darunter 33% Frankenanleihen, sowie 11% Anleihen sonstiger Emittenten, davon zwei Drittel Frankenanleihen. 95% der Anleihen verfügen mindestens über ein A-Rating. Die durchschnittliche Laufzeit beträgt sechs Jahre.

Diversifikation der Währungsreserven
Die Währungsreserven entfallen zu 37% auf den USD, zu 39% auf den Euro, zu 7% auf den Yen, 6% auf das GBP und 3% auf den Can-Dollar. Daneben hält die SNB unverändert 1040 Tonnen Gold, dessen Marktwert in den letzten beiden Jahren markant auf 120 Mrd. CHF angestiegen ist.
Aktienanteil erhöht
Im ersten Quartal 2026 wurden der Aktienanteil der Währungsreserven um 3% angehoben und der Anteil der Bonds um 3% reduziert. Das Portfolio wurde im ersten Quartal einerseits bereinigt und andererseits konzentriert. Insgesamt umfasst es geschätzte 6300 bis 6700 Aktien. Detailaufstellungen werden nicht veröffentlicht. Die SNB kauft keine Schweizer Aktien, um Interessenkonflikte gar nicht erst zu ermöglichen. Ebenfalls ausgeschlossen sind die Aktien von systemrelevanten Banken, wie in Europa BNP, BBVA und Intesa Sanpaolo. Die Aktienanlage erfolgt international, wenn auch mit unvermeidlichem Schwerpunkt USA. Der Grund ist die global dominierende Marktkapitalisierung der US-Börsen. Die Auswahl orientiert sich an repräsentativen Indizes wie EuroStoxx 50, Nikkei-225, Nasdaq 100, S&P 500 und den relevanten MSCI-Indizes.
Hohe Gewichtung von Nvidia, Amazon & Co.
Trotz des breiten Anlagespektrums entfallen allein 45 Mrd. USD – und damit mehr als ein Viertel – auf die fünf Positionen Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon und Alphabet. Diese Positionen bestehen schon lange und wurden im ersten Quartal des Jahres jeweils noch einmal signifikant aufgestockt. Dagegen wurden etliche prominente Valoren mit Verkaufserlösen zwischen 400 Mio. CHF und 700 Mio. USD vollständig veräussert. Die grössten dieser Titel sind Salesforce, American Express, Disney, Intuitive Surgical, Intuit, Qualcomm und Boeing.
| Unternehmen | Wert |
| Nvidia | 12437.3 Mrd. USD |
| Apple | 10947.22 Mrd. USD |
| Microsoft | 7670.55 Mrd. USD |
| Amazon | 5880.71 Mrd. USD |
| Alphabet | 4911.47 Mrd. USD |
| Broadcom | 4091.35 Mrd. USD |
Quelle: danielscrivner.com
Leichte Gewichtungsanhebung defensiver Aktien
Interessant für Investoren sind aber auch die Titel jenseits der hochgewichteten und hochliquiden Mega-Caps. 1.2 Mrd. USD flossen in die einzige bedeutende neue Position Astra-Zeneca. Der Pharmatitel überzeugt mit kontinuierlichen Gewinnsteigerungen und einer interessanten Pipeline. Im Kontext mit anderen Feinjustierungen wie der Erhöhung der Beteiligung an den Telecom-Unternemen AT&T und Verizon sowie am Einzelhandelsriesen Walmart ergibt sich eine etwas stärkere Gewichtung defensiver Aktien.
Richtiges Gespür
Aufgestockt wurden im ersten Quartal auch Broadcom und Intel, just bevor diese zu einem Höhenflug ansetzten. Seit Beginn des zweiten Quartals stieg der Aktienkurs von Intel von 48 USD auf 123 USD. Broadcom legte seit Anfang April von 310 USD auf 425 USD zu. Und auch die Tech-Mega-Caps waren seit April Zugpferde der Hausse an den US-Börsen. Nvidia kletterte von 175 USD auf 215 USD.
Halbleiter Hausse
Hier zeigt sich, dass die Asset Manager der SNB richtig liegen mit der Einschätzung, dass sich der KI-getriebene Ausbau der Infrastruktur ungebrochen fortsetzt. Eine der Folgen ist, dass die fortgeschrittenen Chip-Produzenten sich nun ganz auf die KI-Halbleiter konzentrieren, um die wachsende Nachfrage bedienen zu können. Diese Kapazitäten fehlen nun bei den bisher als Commodity-Chips eingestuften Memory-Chips, weshalb Aktien wie Intel und Infineon in den letzten Wochen zu den stärksten Performern an den Börsen zählten. Da nun auch Speicher-Chips knapp werden, stiegen die Preise, was zu exorbitanten Gewinnsteigerungen führt. Vor diesem Hintergrund haben die koreanischen Titel Samsung Electronics und SK Hynix gerade die Schwelle von 1 Billion USD bei der Marktkapitalisierung übersprungen. Beide Titel finden sich im SNB Portfolio.
Indexnahe Investments
Trotz dem offensichtlichen Marktgespür, investiert die SNB doch indexnah, vorwiegend in liquide Titel, um beim eigentlichen Zweck der Sache, dem Währungsmanagement, uneingeschränkt handeln zu können. Die weitaus meisten gehaltenen Aktien sind gering gewichtet und stellen in der Regel kein Politikum dar. Überwiegend im Kohlebergbau aktive Minengesellschaften sind beispielsweise kategorisch ausgeschlossen. Das gilt aber nicht für Aktien von Unternehmen in den relevanten Indizes, die Edelmetalle oder Basismetalle fördern wie Hecla Mining, Newmont oder Barrick Gold. Diese Valoren hält die SNB, aber nicht unbedingt mit hohen Gewichtungen. Anders ist es bei Tesla, der neuntgrössten Position, und Eli Lilly auf Rang 10. Auch Berkshire Hathaway zählt mit zwei Mrd. USD zu den grösseren Positionen im SNB-Portfolio.
Wachstumstrends
Obwohl der Investment-Ansatz passiv ist, so gelingt es der SNB doch, die wesentlichen Wachstumstrends in der Wirtschaft diversifiziert abzubilden. Im Bereich der Erneuerbaren Energien ist die SNB u.a. an First Solar und NextEra Energy beteiligt. Letztere ist weltweit der nach Market Cap grösste Energieerzeuger aus Windkraft und Photovoltaik. Mit Caterpillar ist die SNB im Bereich Bau von Fabriken, Datenzentren und Infrastruktur sowie im Bergbau engagiert.
Investments in Japan
In Japan setzt sich das Portfolio aus Indexschwergewichten wie Toyota, Sony und Hitachi zusammen, zu den Top-Positionen zählt aber auch der High-Tech Titel Tokyo Electron, ein Hersteller von Investitionsgütern für die Halbleiterindustrie. Über Positionen wie Mitsubishi Financial, Mitsui und Itochu, die den fünf grossen Handelshäusern zuzurechnen sind, ist die japanische Wirtschaft in ihrer ganzen Breite im SNB-Portfolio repräsentiert.
Investments in Europa
Auch der Blick auf die europäischen Aktien ist aufschlussreich. Zu den gössten Positionen zählen ASML, SAP, Siemens und Schneider Electric – Profiteure des Ausbaus der KI-Infrastruktur. Weitere Aktien sind LVMH, L´Oréal und Sanofi. Diese Titel sind in den Indizes hoch gewichtet, an denen sich die Anlagepolitik der SNB ausrichtet.
Anlageziele
Das Management der Währungsreserven der SNB folgt zwei Maximen. Die Anlagen müssen jederzeit zu geldpolitischen Zwecken eingesetzt werden können, also stets hochliquide Aktiva umfassen. Andererseits wird ein langfristiger Werterhalt der Währungsreserven angestrebt. Deshalb spielen Zins- und Dividendeneinnahmen durchaus eine Rolle.
Anlageprozess
Die Bestimmung und Umsetzung der Anlagepolitik ist auf mehreren Ebenen angesiedelt. Das Direktorium entscheidet in der Regel einmal jährlich über die Asset Allocation nach Währungen, Anlageklassen und Laufzeiten. Die Umsetzung erfolgt durch das Anlagekomitee und umfasst taktische Anpassungen innerhalb der gesetzten Bandbreiten. Das interne Asset Management bewirtschaftet die Portfolien selbst. Externe Mandate werden erteilt, sofern es die Effizienz erhöht. Weiterhin dienen externe Asset Manager als Messlatte zum Vergleich.
Fazit
Solche Vergleiche sind zur Verbesserung der Rendite auch für private Anleger aufschlussreich. Bei der SNB bilden Anleihen, aber eben auch Aktien, Instrumente des Währungsmanagements. Die Anlage erfolgt weitgehend passiv und orientiert sich an den Leitindizes. Kursgewinne sind nicht Ziel der Anlage. Dennoch dürfte die Performance des Aktien Portfolios oberhalb der der meisten Vergleichsindizes liegen, und wohl auch höher als die vieler Asset Manager ausfallen.





