rdv AG: Tochter Galledia wächst mit UD Print-Kunden

0
2215

Die Druck- und Verlagsbranche leidet unter sinkenden Umsätzen und Überkapazitäten. Jüngstes Opfer dieser Entwicklung ist die Luzerner UD Medien-Gruppe. Das Unternehmen kündigte zu Beginn dieser Woche an, dass es nach einer gescheiterten Kapitalerhöhung das Print-Geschäft schrittweise aufgeben wird (siehe Luzerner Zeitung vom 17. September). Die Bereiche Vertrieb, Druckvorstufe und Digitaldruck werden in der neu gegründeten UD Medien AG am Standort Luzern weitergeführt. Die UD Medien ist eine 100%ige Tochter der Ostschweizer Galledia-Gruppe. In der UD Medien Holding verbleibt nach der Transaktion das Firmengebäude in Luzern, dessen Hauptmieter künftig die UD Medien AG sein wird, sowie die Kalender+Werbe AG.

Die Galledia AG gehört zu 50% der Rheintaler Druckerei und Verlag AG (rdv), deren Aktien ausserbörslich gehandelt werden, und zu 50% der Druckerei Flawil AG. Die rdv AG hatte im vergangenen Jahr proaktiv auf die Branchenkrise reagiert und ihre Druckproduktion mit derjenigen der Druckerei Flawil in der Galledia AG zusammengeführt. Am Standort Berneck wird die Produktion schrittweise eingestellt. Gedruckt wird dann nur noch in Flawil. Für das eigene Produktionsgebäude in Berneck sucht die Gesellschaft derzeit Mieter (siehe Bild). Neben dem Druckbereich gehört das Fachverlagsgeschäft mit 22 Fachzeitschriften zur Galledia AG. Bei der rdv AG verbleibt die Regionalzeitung „Der Rheintaler“, welche in der 82%igen Tochter Rheintaler Verlag AG zusammengefasst ist. 2012 setzte die rdv-Gruppe konsolidiert 30.9 Mio. CHF um und erzielte mit 2.6 Mio. CHF ein Rekordergebnis. Im 1. Semester 2013 entwickelte sich das Geschäft nach Angaben von René Wuffli, dem VR-Delegierten der rdv AG, zufriedenstellend. Zwar sei der Gesamtertrag aufgrund eines markanten Anzeigenrückgangs bei den Tageszeitungen „Der Rheintaler“ und der „Rheintalischen Volkszeitung“ um 8% gesunken. Dank geringerer Kosten habe man das EBITDA jedoch um 22% steigern können. „Wir gehen davon aus, dass wir das Vorjahresergebnis wieder erreichen“, so Wuffli. Über die neu gegründete UD Medien AG sollen die Kunden weiterhin am Standort Luzern betreut werden. Die Produktion in Luzern wird in den nächsten sechs Monaten schrittweise heruntergefahren.

Die Übernahme der Print-Aktivitäten der unter finanziellen Schwierigkeiten leidenden UD Medien-Gruppe ist für die Galledia AG ein geschickter Schachzug. Und er war für die UD Medien Holding offenbar die letzte Möglichkeit, eine Insolvenz zu vermeiden. Denn die an der Generalversammlung beschlossene Kapitalerhöhung brachte nicht den gewünschten Erfolg. Galledia wird für die Transaktion, angesichts der prekären Lage bei UD Medien, sicherlich einen attraktiven Preis gezahlt haben. Durch die Präsenz in der Zentralschweiz erweitert das Ostschweizer Unternehmen seinen Einzugsbereich und sichert sich zusätzliche Umsätze in Höhe von rund 15 Mio. CHF in einem schrumpfenden Markt. Mittelfristig dürfte die gesamte Produktion von Luzern nach Flawil verlagert werden, so dass die zugekauften Umsätze auch positive Effekte auf das Jahresergebnis der Galledia AG haben dürften. Die rdv AG zeigt damit einmal mehr, dass auch kleine Verlagsunternehmen mit einer vorausschauenden Strategie in dem schwierigen Umfeld erfolgreich sein können. Für 2013 ist angesichts der erfreulichen Geschäftsentwicklung wieder mit einem Ergebnis in Höhe des Vorjahres von 330 CHF je Aktie zu rechnen. Damit ist die Aktie bei Kursen um die 2’199 CHF mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von knapp 7 bewertet. Sofern die Dividendenzahlung in Höhe von 125 CHF aufrecht erhalten wird, rentiert der Titel mit 5.6%. Obwohl Medienaktien insgesamt sehr niedrig bewertet sind, weist die rdv-Aktie eine der attraktivsten Bewertungen auf. Mittelfristig bleibt jedoch auch für die rdv die zunehmende Digitalisierung des Geschäfts eine grosse Herausforderung.

Kommentar verfassen