Rapid Holding AG: „Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung unserer industriellen Aktivitäten“

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Philipp Buhofer, VR-Präsident und Mehrheitsaktionär der Rapid-Gruppe. Bild: zvg
Philipp Buhofer, VR-Präsident und Grossaktionär der Rapid-Gruppe. Bild: zvg

Noch vor zwei Monaten propagierte die Rapid Holding ihre zwei Standbeine „Immobilien“ und „Industriegeschäft“. Nun hat das Unternehmen, das in der Tochterfirma Rapid Technic AG u.a. in der Produktion und Vermarktung von Einachsergeräten für die Landwirtschaft tätig ist, überraschend den Verkauf der Liegenschaft „Zypressenhof“ an die IST Sammelstiftung bekannt gegeben. Damit steigt das Unternehmen aus dem Immobiliengeschäft aus, wie Verwaltungsratspräsident Philipp Buhofer im Interview mit schweizeraktien.net erklärte. Einen Teil der flüssigen Mittel in Höhe von 30 Mio. CHF wird die Gesellschaft voraussichtlich an die Aktionäre zurückführen.

Bisher verfolgte Rapid eine duale Strategie, in der das stabile Immobiliengeschäft die Schwankungen im Industriegeschäft ausgleichen sollte. Warum nehmen Sie nun plötzlich einen Strategiewechsel vor?

Die sehr hohe Nachfrage nach Anlageliegenschaften hat den Verwaltungsrat in den letzten Monaten dazu bewogen, eine allfällige Veräusserung zu prüfen. Aufgrund der eingereichten Kaufangebote sind wir zum Schluss gekommen, dass die Vorteile eines Verkaufs für die Rapid Gruppe überwiegen.

Wie sieht Ihre künftige Strategie aus? Im Immobiliengeschäft verbleibt ja nun ausschliesslich die betrieblich genutzte Liegenschaft in Killwangen. Werden Sie an anderen Orten Immobilien kaufen?

Nein, wir konzentrieren uns voll auf die Entwicklung unserer industriellen Aktivitäten in der Rapid Technic AG. Dort ist die DNA der Rapid Gruppe und ihrer Hauptaktionäre.

Der Zypressenhof in Dietikon war voll vermietet, der Standort ideal in einem aufstrebenden Quartier. Warum verkauft man eine solche Perle?

Wie gesagt, wenn der Preis die künftigen Gewinne vieler Jahre vorwegnimmt, muss man sich als nicht auf Immobilien spezialisierte Gesellschaft die Frage stellen, ob man die darin gebundenen Mittel nicht besser einsetzen kann.

Wie hoch war der Buchgewinn?

Abzüglich Steuern und Transaktionskosten mehr als 20 Millionen Franken.

Sie haben angekündigt, über die Verwendung der freien Mittel im Frühjahr zu entscheiden. Wollen Sie eher im Industriegeschäft wachsen oder die Mittel an die Aktionäre zurückführen?

Darüber wollen wir uns im Verwaltungsrat in Ruhe beraten. Wir werden voraussichtlich einen Teil an die Aktionäre zurückführen. Die Rapid Technic ist ja selber mit der Eigenkapitalquote von 57% schon gut kapitalisiert.

Der starke Frankenkurs macht gerade im Industriebereich einigen Unternehmen zu schaffen. Ergeben sich hier nicht auch interessante Übernahmemöglichkeiten?

Das stimmt sicher. Wir wollen bei der Rapid Technic AG aber vorerst unser Margenziel von mehr als 5% EBIT erreichen, bevor wir über grössere Zukäufe nachdenken.

Welche mittelfristigen Ziel hat die Rapid-Gruppe? Stand-alone, also ohne Immobilien, ist Rapid doch eher zu klein, um eigenständig zu bleiben.

Das sehe ich nicht so. Wir wollen und können mit unseren industriellen Aktivitäten wachsen. Es gibt unter anderem viel Potenzial im Ausbau des OEM-Geschäfts mit unseren Einachsern und im Bereich neuer Aufträge im Contract Manufacturing.

Wie sieht die Entwicklung bei Rapid Technic in 2014 aus, und wie sind die Perspektiven für 2015?

2014 war im Bereich des Handels ein schwieriges Jahr, der u.a. zum Ausstieg unserer Vertriebsaktivitäten mit Lindner führte. Im Einachsergeschäft und im Bereich Contract Manufacturing sind wir gut unterwegs, so dass wir auch für 2015 zuversichtlich sind.

Noch im Rahmen unseres Branchentalk „Industrie“ am 29. Oktober hatte sich die Rapid-Holding als Industrie- und Immobiliengruppe präsentiert. Jetzt kommt überraschend die Kehrtwende. Zwar sind die Gründe für den Verkauf der Liegenschaft in Dietikon nachvollziehbar und angesichts der sich abzeichnenden rückläufigen Immobilienpreise auch die letzte Möglichkeit, einen so attraktiven Preis zu erzielen. Allerdings wird ein Aktionär von Rapid künftig wieder stärker den Zyklen im Industriegeschäft ausgesetzt sein und kann nicht mehr, insbesondere bei den Ausschüttungen, auf den „glättenden Effekt“ durch die Mieteinnahmen hoffen. Die Rapid-Gruppe muss daher künftig wieder als „reine“ Industriegesellschaft bewertet werden. Allerdings dürfen die Investoren vorher noch auf die Ausschüttung zumindest eines Teilbetrags der flüssigen Mittel hoffen. Bei rund 30 Mio. CHF Netto-Cashbestand oder 266 CHF pro Aktie könnten die Aktionäre bei einer Ausschüttungssumme von der Hälfte des Netto-Cashbestands mit einem Betrag von 100 bis 150 CHF pro Aktie rechnen.

Die Rapid-Aktie hat nach der Ankündigung des Liegenschafts-Verkaufs auf der Handelsplattform OTC-X bereits einen Kurssprung von über 10% auf 470 CHF gemacht. Damit notiert sie immer noch fast um 20% unter dem Buchwert von 560 CHF pro Aktie, den die Gesellschaft in ihrer Medienmitteilung angegeben hatte. Zwar ist die Aktie auf diesem Niveau nicht teuer. Allerdings werden im ausserbörslichen Markt ähnliche Gesellschaften, wie z.B. die Auto AG Holding, mit einem Abschlag von fast 30% auf den Buchwert gehandelt. Daher dürfte auch die Rapid-Aktie bei Kursen um die 500 CHF vorerst fair bewertet sein. Entscheidend für die künftige Kursentwicklung der Rapid-Aktie wird nun die operative Entwicklung im Industriegeschäft sein. Kann das Unternehmen hier auch in Zukunft überzeugen, sollte mindestens der aktuelle Buchwert von 560 CHF erreichbar sein.

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