Neue Zürcher Zeitung: 2016 mit deutlicher Gewinnsteigerung, unveränderte Dividende von 200 CHF – Wechsel im Verwaltungsrat

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Die NZZ Mediengruppe konnte 2016 den Gewinn steigern. Bild: Andreas Bodmer

Die NZZ-Gruppe hat das Geschäftsjahr 2016 in ihrem Zahlenwerk erfolgreich abgeschlossen, wie aus einer am 17. März 2017 veröffentlichten Medienmitteilung mit Vorab-Finanzkennzahlen zum abgelaufenen Jahr hervorgeht. Der vollständige Geschäftsbericht 2016 ist zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Blog-Beitrags noch nicht veröffentlicht.

Obwohl sich der betriebliche Gesamtertrag im Sog eines deutlich rückläufigen Geschäfts im Werbemarkt (2016: 176.3 Mio. CHF; -8%), im Lesermarkt (2016: 155.9 Mio. CHF; -2%) sowie beim Druckertrag (37.3 Mio. CHF; -15%) auf zuletzt 442.7 Mio. CHF (Vj.: 456.4 Mio. CHF; -3%) reduziert hat, ist es der NZZ-Gruppe insbesondere dank eines straffen Kostenmanagements und „Optimierungen“ auf verschiedenen Ebenen gelungen, das Betriebsergebnis (EBIT) um optisch eindrückliche 27% auf 27.4 Mio. CHF oder 6.2% vom Umsatz (Vj. 4.7%) zu steigern.

NZZ Mediengruppe schöpft erhebliches Sparpotenzial aus

Während sich der betriebliche Gesamtertrag in absoluten Grössen um knapp 14 Mio. CHF auf 442.7 Mio. CHF reduzierte, ermässigte sich der betriebliche Gesamtaufwand – bei einer praktisch konstanten Mitarbeiteranzahl – noch stärker um 19.6 Mio. CHF auf 415 Mio. CHF. Diese Differenz zwischen Ertragsrückgang einerseits und überproportionaler Reduktion des Betriebsaufwands andererseits mündet schliesslich in dem prozentual wie absolut signifikant gesteigerten EBIT. Der Blick auf die EBIT-Entwicklung der letzten beiden Jahre zeigt, dass es im NZZ-Konzern offenbar noch erhebliches, betriebliches Optimierungspotenzial gegeben hat. Dieses betriebliche „Kostensenkungspotenzial“ in der Gruppe wird nun offenbar sukzessive gehoben, was grundsätzlich zu begrüssen ist.

NZZ Medien profitiert von variablen Druckkosten

Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang ein Blick auf die in der Medieninformation übermittelten Segmentinformationen: Im Segment NZZ Medien – dem „Stammhausgeschäft“ – nahm der Umsatz um 11.8 Mio. CHF auf 164.5 CHF ab. Ursächlich hierfür waren die Entwicklungen im Print-Werbemarkt und die Schliessung des Druckzentrums Schlieren. „Dank der Variabilisierung der Druckkosten sowie weiterer Einsparungen etwa durch Optimierungen beim Einkauf“ – so der Wortlaut der Medienmitteilung – konnte die NZZ-Gruppe den deutlichen Umsatzrückgang überkompensieren und wieder Gewinne erzielen. Positiv zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch, dass laut Mitteilung die Anzahl der zahlenden Kunden angestiegen ist und sich die Lesermarkteinnahmen stabil entwickelt haben. Dies zeigt, dass die NZZ-Leser offenbar bereit sind, für die hochwertigen Inhalte zu bezahlen. Das EBIT im Geschäftsbereich NZZ Medien stieg aufgrund der skizzierten, in erster Linie betriebswirtschaftlichen Massnahmen, deutlich um 9.3 Mio. CHF auf 6.8 Mio. CHF – nach einem operativen Verlust im Vorjahr. Insofern ein deutlicher Erfolg und quasi der betriebswirtschaftliche „Turnaround“ der Sparte.

Regionalmedien mit grösstem Beitrag am Gruppen-EBIT

Bei den im Segment Regionalmedien zusammengefassten Medien der Zentral- und Ostschweiz (u.a. St. Galler Tagblatt, Luzerner Zeitung, diverse Lokalausgaben) führte 2016 vor allem der strukturell rückläufige Print-Werbemarkt zu einem Umsatzrückgang um 7.2 Mio. CHF auf 239.6 Mio. CHF. Aufgrund der Zusammenführung dreier Zeitungen gingen die Lesermarkteinnahmen zurück. Auch die im Vorjahr veräusserte Appenzeller Druckerei trug zu tieferen Einnahmen bei. „Dank verstärkter Zusammenarbeit und verschiedenen Optimierungen“ – eine Analogie zum Stammhausgeschäft im Bereich NZZ Medien (s.o.) – konnten auch die Regionalmedien ihre Kosten deutlich senken und mit 16.7 Mio. CHF ein im Vergleich zum Vorjahr um 1.1 Mio. CHF (+7%) deutlich verbessertes Betriebsergebnis als im Vorjahr erwirtschaften. Auf die Regionalmedien als unverändert stärkste „EBIT-Bastion“ entfielen 2016 damit gut 60% des gesamten Gruppen-EBIT von 27.4 Mio. CHF (vor Minderheiten). 2015 waren es sogar noch über 72% des Gruppen-EBIT, doch ist die Verteilung innerhalb der Segmente mittlerweile etwas ausgewogener balanciert, und der Bereich NZZ Medien stand 2016 – nach dem Verlust im Vorjahr – für etwa 25% vom Gruppen-EBIT.

EBIT bei den Business Medien geht drastisch zurück

Dagegen präsentiert sich die Situation im jüngsten Segment Business Medien mit zahlreichen Fachpublikationen, Veranstaltungen und digitalen Informationsdiensten – aus der Aussenperspektive ein Sammelsurium verschiedenster Projekte – trotz einer bemerkenswert hohen Aktivität und Umtriebigkeit heute noch eher unübersichtlich mit unklaren Signalen. Ein klarer Fokus ist hier – vielleicht sogar ganz bewusst – noch nicht erkennbar. Das finanzielle Bild, das dieses kleinste Segment abgibt, ist heute – von aussen betrachtet – noch etwas diffus und im Zahlenwerk wenig greifbar. Hinter diesem Segment steht heute vor allem die Vision, das rückläufige Kerngeschäft künftig zu stärken und auch operativ eine tragende Rolle in der inhaltlichen und vom Marktauftritt „verjüngten“ NZZ-Gruppe einzunehmen. Die „grossen Erfolge“ in den Finanzkennzahlen müssen sich nach allen Investitionen der jüngeren Vergangenheit aber erst noch einstellen. Der Umsatz des Geschäftsbereichs Business Medien konnte 2016 immerhin – vor allem akquisitionsbedingt – um 9.1 Mio. CHF oder über 22% auf 49.9 Mio. CHF gesteigert werden. Dieses Umsatzwachstum ist hauptsächlich auf Akquisitionen in den Bereichen Veranstaltungen und Informationsdienste zurückzuführen. Zur Unterstützung des Wachstums in diesem „jungen“ Geschäftsbereich wurden auch 2016 wieder Investitionen getätigt und „Organisationsanpassungen vorgenommen“. Das Segment-EBIT war in dieser Ausgangslage jedoch um hohe 4.5 Mio. CHF (-54%) auf noch 3.9 Mio. CHF rückläufig.

Gruppenergebnis steigt um 7% auf 23.8 Mio. CHF

Aus Sicht zumindest der Aktionäre ist es ein kleiner Wermutstropfen, dass das Gruppenergebnis nicht im gleichen Umfang wie das EBIT steigt. Dies ist ein Hinweis auf deutlich höhere Finanzierungskosten – oder höhere Steuern! Das Gruppenergebnis der NZZ-Gruppe – inklusive Minderheitenanteile – kletterte gemäss Medienmitteilung vom 17. Mär 2017 um „nur“ 7% auf 23.8 Mio. CHF (Vj. 22.2 Mio. CHF). Das Ergebnis nach Minderheiten und der anteilige Gewinn je Aktie sind zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrags nicht bekannt. Der Geschäftsbericht 2016 wird hier nach Veröffentlichung für mehr Klarheit sorgen. Der kommenden Generalversammlung vom 22. April 2017 wird eine im Vergleich zum Vorjahr unveränderte Dividende von 200 CHF vorgeschlagen, so dass die Bruttorendite auf Basis der zuletzt auf OTC-X bezahlten Preise von 6’050 CHF (Kurs vom 15. März 2017) attraktive 3.3% beträgt.

Änderungen im Verwaltungsrat

Anlässlich dieser Generalversammlung scheidet der amtierende Verwaltungsrat Joachim Schoss aus persönlichen Gründen aus dem Verwaltungsrat aus. Als Nachfolgerin schlägt der Verwaltungsrat der Generalversammlung Prof. Lucy Küng vor. Lucy Küng, Jahrgang 1959, ist Professorin für Medieninnovationen an der Universität Oslo und Google Digital News Senior Research Fellow am Reuters Institute for the Study of Journalism der Universität Oxford. Ihr Forschungsgebiet liegt in der Strategie- und Organisationsentwicklung mit dem Schwerpunkt Innovation von Geschäftsmodellen. Sie verfügt nach Angaben von Unternehmensseite über „fundierte Erfahrungen in der Medienindustrie, besonders im Zusammenhang mit der digitalen Transformation“.

Nach den bisher bekannten Eckdaten zum Geschäftsjahr 2016 waren es offenbar weniger die neuen Produkte und die neuen Ideen, die 2016 wirtschaftlich „durchschlugen“, sondern insbesondere betriebswirtschaftliche Basisarbeit und ein effizientes Kostenmanagement. Aus Aktionärssicht ist es erfreulich, dass sich die Verwaltung dieses – insbesondere in „gewachsenen Strukturen“ – gerne vernachlässigten und bisweilen auch unbeliebten Themas annimmt und hier bei der „Alten Tante“ offenbar noch erhebliche brachliegende Potenziale schlummerten bzw. noch schlummern. Ohne striktes Kostenmanagement keine operativen Erfolge.

Es deutet sich zunehmend an, dass der vom Management um CEO Veit Dengler und von dem amtierenden Verwaltungsrat angestossene Umbau der NZZ-Gruppe zu einer gewissen „Ökonomisierung“ des altehrwürdigen Verlags geführt hat und keine Schönheitspreise mehr vergeben werden. „Es muss sich rechnen„, so scheint die Devise – zumindest im angestammten Stammgeschäft. „Kostenmanagement“ ist als zentrales Verlagselement neben die Publizistik getreten. Das eigentliche Stammgeschäft bleibt auf Umsatzbasis „schwierig“ bzw. zuletzt weiter deutlich rückläufig, und insbesondere das skizzierte effektive Kostenmanagement in diesen Geschäftsfeldern führte hier zu Verbesserungen der Rentabilitätskennziffern auf Stufe EBIT – nicht aber die Situation bei den Erträgen.

Eine von uns vermutete Gratwanderung zwischen publizistischem Anspruch einerseits und ökonomischer Realität im Verlag andererseits – gerade auch mit Blick auf das heute für Aussenstehende noch etwas diffuse Geschäftsfeld „Business Medien“ – erscheint im vielstimmigen Kanon der breit gefächerten „NZZ-Wertegemeinschaft“ – Verlag, Leser, Management, Politik, Aktionäre, Öffentlichkeit – dabei als ein äusserst sensibler Prozess, den das NZZ-Management mit Feingefühl, strategischem und finanziellem Weitblick und auch Fantasie zu meistern hat.

Im jüngsten Bereich Business Medien hat die NZZ-Gruppe bis heute (noch) nicht den finalen Beweis antreten können, dass der neue, im Vergleich zum Wettbewerb eher spät eingeschlagene Kurs und die bisherigen Investitionen in die mediale Vielfalt nicht nur einen publizistischen, sondern auch einen ökonomischen Mehrwert liefern können. Deutlichen Umsatzsteigerungen standen 2016 rückläufige Betriebsergebnisse auf zuletzt noch 3.9 Mio. CHF (-54%) gegenüber. Gerade die im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung stehenden Business Medien einer verjüngten „Alten Tante“ trugen 2016 – verteilt auf quasi 22 singuläre Konzepte/Geschäftsmodelle (Stand: 18.03.2017 gemäss www.nzz.ch) – nur noch 14.2% zum Gruppen-EBIT bei nach fast 39% im Vorjahr 2015. Auf Stufe Umsatz waren es jetzt immerhin gut 11% nach 9% im Vorjahr. Eine nachhaltig tragende Säule ist dieser jüngste – vermeintlich innovativste – Bereich im Vergleich zum augenscheinlich dank Kostenmassnahmen stabilisierten Kerngeschäft noch nicht, auch wenn das Segment erst noch „in Entwicklung“ ist und eine finale Beurteilung der neuen Strategie deshalb erst in einigen Jahren erfolgen sollte.

Insgesamt überwiegt bei den bisher bekannten Eckdaten zum Jahresabschluss 2016 das Licht den Schatten – und dies sehr deutlich. Die NZZ-Gruppe hat operativ in einem für die Medienindustrie auch 2016 nicht einfachen Jahr wieder Tritt gefasst und eine positive Entwicklung vollzogen, auch wenn diese zuletzt insbesondere „nur“ durch erfolgreiche Massnahmen auf der Kostenseite und weniger durch innovative neue Geschäftsmodelle über eine verbesserte Ertragssituation erfolgte. Der Idealfall wären operative Fortschritte sowohl über die Kostenseite als auch über wieder steigende Gesamterträge auf Gruppenebene, doch ist die NZZ-Gruppe aufgrund der Dominanz des klassischen Mediengeschäfts und der zuletzt auf Stufe EBIT sogar wieder rückläufigen Bedeutung der neuen Geschäftsfelder zumindest von Letzterem noch etwas entfernt.

Um die angestossene „Transformation“ der NZZ langfristig zum Erfolg zu führen, wird Kosteneffizienz alleine nicht reichen – aber sie ist eine unverzichtbare Grundlage auf dem Weg dahin. Die NZZ-Gruppe mit der Strahlkraft ihrer starken Marke steht dabei weiterhin auf einem sehr soliden bilanziellen Fundament, auch wenn das Eigenkapital inklusive Minderheitenanteile aufgrund von Goodwill-Verrechnungen aus Akquisitionen und Dividendenausschüttungen um 12.9 Mio. CHF auf 280.3 Mio. CHF rückläufig gewesen ist.

Die diesjährige Generalversammlung findet, wie erwähnt, am 22. April 2017 statt. Das Management dürfte hier weitere Einblicke in die künftige NZZ-Strategie gewähren. Zuletzt wurden die NZZ-Aktien auf OTC-X zu 6’050 CHF (Kurs vom 15. März 2017) umgesetzt.

Transparenzhinweis: Dem Autor nahestehende Personen halten Aktien der Gesellschaft.

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