Warum defensive Schweizer Mega-Caps bei UBS und Morgan Stanley Top-Picks für 2018 sind

Währungsgewinner: Nestlé, Novartis und Roche.

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Mega-Caps
Die Aktien von Nestlé sind in diesem Jahr besser gelaufen als der SMI. Chart: moneynet.ch

Über die „Frankenstärke“ wurde am Schweizer Kapitalmarkt viel und lang gejammert und geklagt. Doch der Gewinnhebel für Multis, deren Erträge in jetzt starken Fremdwährungen anfallen, ist in den Kursen bislang nur wenig reflektiert. Ein Grund unter anderen für die grossen internationalen Investmentbanken, um zum Jahreswechsel die Schweizer Mega-Caps zu Top-Picks für 2018 zu küren.

Es liegt in der Natur der Dinge, dass die grossen multinationalen Konzerne nur einen geringen Anteil ihres Geschäfts in der Schweiz und in Franken abwickeln. In Phasen der Frankenstärke ist das eher nachteilig, da die Ergebnisse im Ausland von Euro, USD, Pfund etc. in die Bilanzierungswährung CHF umgerechnet geschmälert und weniger beeindruckend sind. Doch der Mechanismus wirkt in Phasen einer leichteren Tendenz beim Franken auch in die andere Richtung. 2017 hat der Euro gegen den Franken bisher um 9% zugelegt, während der USD zum Franken um rund 3% nachgegeben hat. Der leicht schwächere Trend beim Franken dürfte zunächst erhalten bleiben, da die SNB die QE-Programme sowie die Negativzinspolitik beibehält. Demgegenüber sagen die Signale von Fed und Bank of England, dass die Zeit der Zinswende gekommen ist. Die EZB schaltet ebenfalls einen Gang zurück.

Schweiz attraktiver als EU-Märkte

Der Aufwind von der Währungsseite ist jedoch nur das Sahnehäubchen, denn für die Schweizer Mega-Caps sprechen auch die bekannten defensiven Qualitäten der Schweizer Börse. Morgan Stanley hält Deutschland und Frankreich für überkauft und rät für 2018 ebenso wie bei Österreich und Niederlande zur Untergewichtung. Die Schweizer Aktien würden gemessen an den Gewinn-Multiples und den Buchwerten derzeit mit einer Prämie von 16% zu den anderen europäischen Märkten bewertet, was unter den langjährigen Durchschnittswerten liegt. Zudem spreche für Schweizer Aktien, dass sich das Wirtschaftswachstum in der Alpenrepublik beschleunige und die Gewinnerwartungen für die kotierten Unternehmen sukzessive angehoben werden. Bei Morgan Stanley liegt die Schweiz weltweit auf Rang drei bei den geschätzten Gewinnsteigerungsraten für 2018!

Favoriten der Investmentbanken

Konkret raten die Analysten von Morgan Stanley zur Übergewichtung von Nestlé, Novartis, Richemont sowie den Finanzwerten UBS, Credit Suisse und Swiss Re. Bei UBS wiederum sind die Topempfehlungen Roche und Novartis. Den Analysten der global aktiven Schweizer Bank gefällt, dass die Gewinne in der Schweiz steigen und dass die Dividendenrendite attraktiv bleibt. Darüber hinaus würden Schweizer Aktien einen natürlichen Hedge gegen eine höhere Volatilität an den Weltmärkten bieten.

Neue Zeitrechnung bei Nestlé?

Die Einschätzungen der einflussreichen Investmentbanken decken sich bei Nestlé, Novartis und Roche mit den bereits früher auf schweizeraktien.net veröffentlichten eigenen Einstufungen. Bei Nestlé herrscht inzwischen ein spürbar frischer Wind durch den neuen CEO Mark Schneider. Erst in den letzten Tagen meldete der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern die vierte Übernahme innerhalb von vier Monaten. Für 2,3 Mrd. USD übernimmt Nestlé den kanadischen Hersteller von Vitaminprodukten und weiteren Nahrungsergänzungsmitteln Atrium Innovations. Verkäufer waren Private Equity Investoren, darunter der Lead-Investor Permira Funds. 80% des Geschäfts entfällt auf die USA, die bekannteste Marke ist „Garden of Life“. 2017 liegen die Umsätze bei ca. 700 Mio. USD. Die anderen kleineren Akquisitionen betreffen den Hersteller vegetarischer Produkte Sweet Earth sowie die Anbieter von Kaffeespezialitäten Chameleon Gold-Brew und Blue Bottle. Im Juni 2017 hatte sich der aktivistische US-Investor Dan Loeb mit seinem Hedge Fund Third Point bei Nestlé eingekauft und mehrere Forderungen an das Management erhoben. Anfang Juli war in einem Brennpunkt-Artikel auf schweizeraktien.net eine positive Einschätzung zu der Aktie gegeben worden, weil dem neuen CEO zuzutrauen ist, den Konzern neu auszurichten. Durch die Akquisitionen wird die proklamierte Priorisierung von „Consumer Health“ untermauert. Weiterhin hat Nestlé seit dem Einstieg von Third Point auch ein Margenziel formuliert sowie ein Aktienrückkaufprogramm gestartet. Zwar ist der Kurs seit Anfang Juli nur um ca. 5% gestiegen, allerdings vor dem Hintergrund einer Reduzierung der Indexgewichtung, doch zeigt der Trend nun seit September klar nach oben. Das erste Kursziel für 2018 liegt bei 100 CHF.

Novartis in Bewegung

Mitte August war in einem Artikel zur Sektorenrotation in Pharma-Aktien auf die relative Unterbewertung von Novartis und Roche und die Arbitrage zu den US-Pharmawerten Merck und Pfizer hingewiesen worden. Der Kerngedanke war richtig. Während auf CHF-Basis Novartis um 5% stieg und Roche per Saldo unverändert steht, gab Merck in USD mittlerweile um 13% nach, Pfizer stieg um 6%. Novartis hat gerade ein öffentliches Übernahmeangebot in Höhe von 3,9 Mrd. USD für das an der Nasdaq kotierte französische Unternehmen Advanced Accelerator Applications (AAA) unterbreitet. Die Annahmefrist läuft bis 19. Januar 2018. AAA ist auf molekulare Nuklearmedizin spezialisiert und setzte im letzten Jahr 109 Mio. Euro um. Novartis verstärkt damit die Onkologiesparte weiter. Für Schlagzeilen sorgten auch Gespräche der Generika-Tochter Sandoz mit Amazon. Die Ambitionen des E-Commerce-Marktführers könnten somit weit über die reine Distribution im Online-Pharmahandel hinausgehen. Weitere News könnten die Entwicklung der Novartis-Aktie 2018 durchaus positiv beeinflussen. Ebenfalls positiv ist zu werten, dass Alcon, die Sparte Augenheilkunde, durch neue Produkteinführungen im dritten Quartal ein um 7% auf 1,5 Mrd. USD beschleunigtes Umsatzwachstum verbuchte. Noch zum Jahresbeginn wurde ein Verkauf erwogen, jetzt will man bis wenigstens zum erste Halbjahr 2019 warten, um einen besseren Preis nach erfolgtem Turnaround zu realisieren. Insgesamt hat Novartis 51,6 Mrd. USD für Alcon bezahlt. Gute Nachrichten von Alcon könnten die Kursentwicklung ebenfalls stimulieren.

Imposante Pipeline bei Roche

Bei Roche laufen gleich bei drei Bestsellern die Patente ab oder sind schon abgelaufen. Das hat die Kursentwicklung gedämpft. Avastin, Herceptin und Rituxan brachten 20 Mrd. USD Jahresumsatz, der nun durch neue Medikamente möglichst schnell ersetzt werden soll. Die Wirkstoff-Pipeline bei Roche ist sehr lang, und viele Zulassungen sind bereits für 2018 und 2019 zu erwarten. Nicht unwesentlich sind aber auch Indikationsausweitungen. So zeigte eine Studie zum bereits seit 2016 eingeführten für Blasenkrebs zugelassenen Medikament Tecentriq bei Lungenkrebspatienten, dass eine damit erweiterte Wirkstoffkombination das Fortschreiten der Krankheit in 38% der Fälle aufzuhalten vermag und die Überlebensraten signifikant erhöht. Bis in fünf Jahren soll Tecentriq für Roche bis zu 5 Mrd. USD Jahresumsatz bringen. Die Therapie kostet je Patient 150’000 USD p.a.

Der Timing-Faktor bei Mega-Caps

Während viele europäische Aktienmärkte nach der starken Performance 2017 anfällig für Korrekturen sind, erscheint der Schweizer Aktienmarkt aufgrund kontinuierlicher Gewinnsteigerungen der Unternehmen trotz der ebenfalls beachtlichen Performance immer noch attraktiv bewertet. Allerdings sind viele Sektoren heiss gelaufen und nehmen zu viel der erwarteten Entwicklung bereits vorweg. Für die eher enttäuschend gelaufenen Mega-Caps Nestlé, Novartis und Roche gilt jedoch, dass ihre hohen defensiven Qualitäten von den internationalen Investoren genau dann wiederentdeckt werden, wenn die Rotation aus zyklischen in konjunkturunabhängige Sektoren an Fahrt gewinnt.

Kurs 08.12. MarketCap
in Mrd. CHF
Kurs 07.07. (NESN), 18.08. (RO/NOVN) Dividenden-
rendite
Nestlé N 85.35 266.1 81.85 2.7%
Novartis N 83.10 217.5 79.75 3.3%
Roche I 242.50 207.5 244.50 3.4%

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