Metall Zug: Brillante Akquisition kreiert vierten Geschäftsbereich

Turnaround der Aktie nach Korrekturphase

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Chart MetallZug
Nach Bekanntgabe der Übernahme von Haag-Streit legte die Metall Zug-Aktie kräftig zu. Chart: moneynet.ch

Kurz vor Weihnachten meldeten Metall Zug und das Medizinaltechnik-Unternehmen Haag-Streit Holding mit Sitz in Köniz eine Übernahme von 70% der Aktien durch die Zuger. Der von rund 160 Jahren in Bern gegründete „Hidden Champion“ wird als eigenständiges Unternehmen weitergeführt. Metall Zug schafft damit einen neuen vierten Geschäftsbereich.

Laut Medienmitteilung erzielte das Familienunternehmen Haag-Streit 2016 rund 200 Mio. CHF Umsatz und ein EBIT von 30 Mio. CHF. Das ist eine beeindruckende EBIT-Marge von 16%. Pro forma errechnet sich für 2016 ein Umsatz des kombinierten Unternehmens von 1’130 Mio. CHF, davon 939 Mio. CHF von Metall Zug. Das gemeinsame EBIT beträgt 120 Mio. CHF, davon 94 Mio. CHF von Metall Zug. Die EBIT-Marge verbessert sich auf 11% von 10% ohne Haag-Streit. Die Cash-Transaktion soll im ersten Quartal 2018 abgeschlossen werden.

High-Tech aus Bern

Das Unternehmen war 1858 gegründet worden und widmete sich zunächst Präzisionsinstrumenten, vor allem für Wettersäulen. 1867 erfolgte der erste internationale Erfolg mit dem Auftrag für Wettermessgeräte durch das Physikalische Zentralobservatorium in St. Petersburg, Russland. Ab 1876 konzentrierte sich das Unternehmen dann auf Geräte für die Augenheilkunde (Ophtalmologie). Die Gesellschaft zog nach Köniz um, wechselte mehrfach den Eigentümer und nannte sich dann 1925 in Haag-Streit um. Die Geräte für die Ophtalmologie wurden gemeinsam mit den Spezialisten des Berner Universitätsspitals entwickelt, das untermauerte die frühe Marktführerschaft.

Internationale Expansion seit 1965

Die erste Auslandstochter wurde 1965 in den USA gegründet. Mit der internationalen Expansion wurde auch das Produktportfolio sukzessive durch gezielte Akquisitionen diversifiziert. Neurologie, Pneumologie, Chirurgie sowie Diagnostik und Laborausstattung kamen hinzu. Heute gibt es acht Tochtergesellschaften mit Produktionsstandorten in der Schweiz, Deutschland, UK und USA. Die Produkte werden über Distributoren in über 150 Ländern vertrieben. 900 Mitarbeiter werden insgesamt beschäftigt. Bisher lagen die Anteile zu 100% bei vier Aktionären. Diese werden zukünftig mit 30% beteiligt bleiben und sind durch einen Vertreter im Verwaltungsrat von Metall Zug repräsentiert.

Medizinal-Software bringt Wettbewerbsvorsprung

Bereits 1992 erfolgte die Übernahme des Medizinal-Software Unternehmens IPRO. Heute stellt Work-Flow Software einen wichtigen Teil der Leistungspalette dar, die sich auch auf Dienstleistungen wie Laboreinrichtungen erstreckt. Die Produktgruppen sind heute in Diagnostik, Chirurgie und Sonstiges gegliedert. Diagnostik ist mit mehreren marktführenden Produkten der Hauptumsatzträger. Die Spaltlampen für die Standard-Augendiagnostik sind weltweit auf Rang eins. Biometer und Perimeter zur Differentialdiagnose bei Katarakten bzw. Glaukom belegen jeweils den zweiten Rang in der globalen Betrachtung. Die Geräte kosten je nach Ausstattung zwischen 9’000 und 50’000 CHF.

Wachstumstreiber Mikro-Chirurgie

Zwar stellt Haag-Streit nach eigenen Angaben mit 230 Jahren Historie bis heute chirurgische Instrumente wie Scheren und Nadelhalter her, doch das Wachstum kommt durch neue hochtechnologische Entwicklungen wie Operationsmikroskope, die vor allem in der Mikro-Chirurgie zum Einsatz kommen, und diese sogar erst ermöglichen. Hier belegt das Unternehmen weltweit Rang drei. Die Geräte können bis zu 360’000 CHF kosten. Innovationen, wie der kurz vor der Markteinführung stehende iOCT (intraoperative Optical Coherence Tomography), untermauern die Marktführerschaft vor allem in der Ophtalmologie- und Mikro-Chirurgie.

iOCT Haag-Streit
Das Live-iOCT-Bild in HD kann als Overlay in die Live-Ansicht in den Okularen eingeblendet werden. Bild: www.haag-streit.com

Den globalen Markt für Ophtalmologiegeräte beziffert das Unternehmen mit mehr als 3 Mrd. CHF im Jahr 2017. Bis 2022 wird ein jährliches Wachstum von rund 4% erwartet, was dann einem Marktvolumen von 4 Mrd. CHF entsprechen soll. Davon definiert Haag-Streit 1,2 Mrd. CHF als „Addressable Market“. Davon wiederum entfallen 35% allein auf Operationsmikroskope.

Smarte Übernahme für Metall Zug

Aus Sicht von Metall Zug stellt die Akquisition eine weitere Diversifizierung und die Schaffung einer vierten Einheit dar. Zudem erfüllt Haag-Streit alle Kriterien für ein Investment, darunter die marktführende Position, die Historie von Profitabilität und exzellentem Management sowie nicht zuletzt die gut zueinander passenden Wertesysteme von Familienunternehmen.

Die Diversifikation der Metall Zug Holding nimmt mit der Akquisition sowohl geografisch als auch nach Industrien nennenswert zu. Die Geschäftsfelder von Haag-Streit sind zudem durch eine hohe Fragmentierung und viele privat gehaltene Unternehmen gekennzeichnet, so dass reichlich Potenzial für weitere Akquisitionen besteht. In der pro-forma-Bilanz der kombinierten Unternehmen per 31.12.2016 ergibt sich eine Netto-Liquidität von 250 Mio. CHF. Die Eigenkapitalquote stellt sich auf komfortable 65%. Nicht zuletzt wird die Ergebnisentwicklung der neuen Metall Zug Holding durch den Beitrag von Haag-Streit geglättet, da deren Geschäftsgang nicht zyklisch oder konjunkturabhängig ist.

Fazit

Auch wenn über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart wurde: Die Transaktion macht Sinn, stärkt die Ertragskraft der Metall Zug Holding und stellt eine industrielle Expansion in den Bereich Life Sciences dar. Dieser Sektor zeichnet sich durch Innovationskraft, stabile Wachstumsraten sowie hohe Gewinnmargen aus. Zudem zeichnet sich Haag-Streit dadurch aus, dass durchweg marktführende Positionen eingenommen werden, die hohe Markteintrittsbarrieren aufweisen. Zugleich sind die Märkte von Haag-Streit hochgradig fragmentiert, was interessante Möglichkeiten für Zukäufe bringt.

An der SIX legte die Metall Zug Aktie nach Bekanntgabe der Akquisition kurz vor Weihnachten kräftig auf 3’700 CHF per Jahresende 2017 zu. Davor allerdings war die Aktie nach einem jahrelangen Aufwärtstrend jäh nach Bekanntgabe der reduzierten Erwartungen für 2017 am 3. November gefallen – von 3’800 CHF bis auf 3’155 CHF. Das Jahreshoch hatte im Juli bei 4’295 CHF gelegen. Auch die ausserbörslich auf OTC-X gehandelte Namenaktie A stieg kräftig auf zuletzt 368 CHF.

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