Bank Linth: Bestes Semesterergebnis in der Firmengeschichte

Deutlich weniger Blanko-Kredite an Firmenkunden.

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David Sarasin und Luc Schuurmans erläutern das Semesterergebnis der Bank Linth. Bild: schweizeraktien.net

«Das ist der beste Halbjahresabschluss in der Geschichte der Bank Linth», fasste CEO David Sarasin die Entwicklung der Regionalbank an einem Mediengespräch zusammen. Die am oberen Zürichseeufer und in den Städten Winterthur und Frauenfeld tätige Regionalbank verdiente von Januar bis Juni 12.2 Mio. CHF, ein Plus von 12,8% gegenüber dem Vorjahr. Noch besser ist der bei Banken wichtige Geschäftserfolg mit 18.1 Mio. CHF (+ 40,6%) ausgefallen. Ein Grund für den starken Zuwachs ist die Auflösung von Rückstellungen und Wertberichtigungen. Konkret waren die Kreditausfälle geringer als erwartet. Zudem wurden vorsorglich für die Asbest-Sanierung im Bankgebäude Rapperswil getätigte Rückstellungen nicht vollständig benötigt. Doch dass das gute Ergebnis nur auf Sonderfaktoren zurückzuführen ist, wäre zu kurz gedacht. «Unser Ertragswachstum war breit abgestützt», erklärt Sarasin die Entwicklung. Ein Blick in die Erfolgsrechnung bestätigt diese Aussage: Der Netto-Erfolg aus dem Zinsengeschäft stieg um 2,2% auf 33.8 Mio. CHF. Auch lieferte das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft mit 9.9 Mio. CHF einen höheren Ergebnisbeitrag als im Vorjahr. Und selbst das Handelsgeschäft lag mit 7,2% im Plus. «Unsere Kunden waren trotz des schwierigen Börsenumfelds sehr interessiert am Anlagegeschäft», so der Chef der Bank Linth.

Erfolgsstory Bank Linth Invest

Luc Schuurmans, Leiter des Anlagebereichs, ergänzt, dass sich im Vermögensverwaltungsgeschäft nun das vor zwei Jahren gestartete Angebot Bank Linth Invest zu einer Erfolgsstory entwickle. Ein weiterer Ausbau des Vermögensverwaltungsgeschäfts sowie neue, digitale Produkte in diesem Bereich befinden sich in der Planung. Neben dem Ertragswachstum in allen Bereichen nannte CEO David Sarasin auch die gesteigerte operative Effizienz als einen Grund für das gute Abschneiden der Bank Linth im 1. Semester. So ging der Geschäftsaufwand um 2,6% auf 29.8 Mio. CHF zurück, wobei die Sachkosten im Vergleich zum Vorjahr sogar um 5,3% tiefer ausgefallen sind. 2017 fielen allerdings Zusatzkosten im Zusammenhang mit dem Umbau des Hauptsitzes in Uznach und der Sanierung des Gebäudes in Rapperswil an. Die wichtige Kennzahl zur Messung der operativen Effizienz, die Cost/Income-Ratio, ging von 66,8 auf 62,7 zurück.

Bei Hypotheken auf der Bremse

Im letzte Jahr gab die Bank Linth noch richtig Gas bei der Vergabe von Hypotheken. Die Hypothekarforderungen legten 2017 noch um 5,1% zu. Doch im 1. Semester nahm die Regionalbank den Fuss vom Gas. Nur noch um 1,0% nahmen die Kredite für Häuser und Eigentumswohnungen zu. Sarasin begründet das unter dem Markt liegende Hypothekarwachstum mit der restriktiven Kreditpolitik der Bank. Auf Geschäfte mit einer geringen Marge habe man bewusst verzichtet. Im Geschäft mit den kommerziellen Krediten musste die Bank Linth sogar einen Rückgang um 11,7% hinnehmen. Finanz- und Risikochef Urs Isenrich begründet dies vor allem mit der geringeren Nachfrage. Gerade bei kleineren und mittleren Unternehmen in der Region liefen die Geschäfte nicht mehr so gut wie im letzten Jahr, was zu einer gewissen Vorsicht bei Investitionen geführt habe. Bei den grösseren Unternehmen sei die hohe Liquidität eine Herausforderung für die Banken. Statt mit Fremdkapital würden Investitionen aus den vorhanden Eigenmitteln finanziert, so Isenrich. Die Kundengelder legten hingegen leicht stärker um 1,5% auf 4.65 Mrd. CHF zu. Beim Netto-Neugeld verzeichnete die Bank ebenfalls ein Wachstum um 108.7 Mio. CHF.

Optimistischer Ausblick

Ende Mai eröffnete die Bank Linth ihren Standort in Frauenfeld. Bild: zvg

Für das Gesamtjahr zeichnete David Sarasin ein positives Bild. Die Entwicklung des ersten Halbjahres soll sich weiter fortsetzen. Im Bereich der Hypothekarkredite will die Bank Linth wieder etwas stärker wachsen. Mit der Expansion nach Winterthur und Frauenfeld ist das Bankinstitut bisher zufrieden. Sarasin kann sich vorstellen, mit weiteren Niederlassungen entlang des rechten Zürichseeufers und in grösseren Städten in der Ostschweiz zu wachsen. Allerdings gibt er auch zu bedenken, dass in dieser Region der Wettbewerb besonders stark und die Margen im Hypothekargeschäft daher im schweizweiten Vergleich am niedrigsten sind. Eine Übernahme der restlichen freien Aktien durch die Liechtensteinische Landesbank, die 74,2% an der Bank Linth hält, ist nach Aussagen von David Sarasin derzeit kein Thema.

Fazit

Der Semesterabschluss der Bank Linth ist grundsolide. Wie wir bereits zu einen früheren Zeitpunkt geschrieben haben, zahlt sich die Investition in neue Geschäftsstellen, die Expansion mit reinen Niederlassungen ohne Schalter und die Lancierung der sogenannten «hybriden» Beratungsmodelle im Private Banking für das regionale Bankhaus aus. Angesichts der guten Ergebnisse ist eine Erhöhung der Ausschüttung für 2018 auch nicht auszuschliessen. Allerdings wartet in den kommenden Jahren eine grosse Herausforderung auf die Bank Linth: die Frage, wie weiteres Wachstum möglich ist. Gerade im Hypothekargeschäft dürfte es nicht einfacher werden, selbst wenn neue Niederlassungen Neugeschäft beisteuern können. Auch im Private Banking wird der Wettbewerb härter. Bisher hat es die Geschäftsleitung allerdings geschafft, mit neuen Konzepten und frischen Ideen einen erfolgreichen Weg in dem schwierigen Umfeld zu gehen.

Entgegen der guten Entwicklung ging der Aktienkurs der SIX-kotierten Bank Linth-Aktie seit Jahresbeginn um fast 14% auf zuletzt 440 CHF zurück. Bei einer gleichbleibenden Dividende von 9 CHF je Aktie würde der Titel mit knapp 2% rentieren. Trotz der Verbesserung der Cost/Income-Ratio gehört die Bank im Branchenvergleich noch nicht zu den effizientesten Instituten. Hier besteht noch Optimierungspotenzial. Bei Kursen um die 440 CHF wird die Aktie mit einem Abschlag auf den ausgewiesenen Buchwert von rund 10% gehandelt. Addiert man die Reserven für allgemeine Bankrisiken zum Eigenkapital hinzu, so beträgt der Discount 22%. Allerdings zeigt das aktuell lancierte Übernahmeangebot der Basler Kantonalbank für die Aktien der Bank Cler, dass angesichts der grossen Herausforderungen für Retailbanken bei der Unternehmensbewertung auch mit einem Abschlag auf den Buchwert gerechnet werden muss. Die Aktien bleiben daher auch auf dem ermässigten Kursniveau ein Titel für Investoren mit einem Bezug zur Bank.

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