Säntis-Schwebebahn AG: Erfolgreichstes Geschäftsjahr der Geschichte

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Die Säntis-Schwebebahn hoch über dem Appenzellerland soll nach der Lawinen-Beschädigung eines Stützpfeilers im Januar dieses Jahres im Juni wieder in Betrieb gehen. Bild: zVg.

«Das Wetter» hat die Säntis-Schwebebahn AG (Säntisbahn) für den diesjährigen Jahresbericht als roten Faden gewählt. Denn dieses Jahr wird auf dem Säntis die neue Erlebnisinstallation zum Thema «Säntis – das Wetter» eröffnet werden.

Es sei deshalb fast schon Ironie, dass das Unternehmen Anfang des Jahres 2019 im Wetter seinen Meister gefunden habe, schreibt Bruno Vattioni, CEO der Gesellschaft, im Geschäftsbericht 2018. 

Vattioni bezieht sich auf die Ereignissen am 10. und 13. Januar 2019, als die Natur zweimal hintereinander zuschlug. Zunächst verschüttete eine Lawine teilweise das Hotel „Säntis“ auf der Schwägalp, das der Säntis-Schwebebahn AG gehört. Ein paar Tage später erwischte es dann die Schwebebahn: Eine weitere Lawine beschädigte einen Stützpfeiler so schwer, dass der Betrieb bis auf weiteres eingestellt werden musste und noch immer nicht wieder aufgenommen werden konnte.

Reparaturarbeiten am Hotel abgeschlossen

Die Säntis-Schwebebahn bewältige die Folgen des Lawinenereignisses vom Januar Schritt für Schritt, so Vattioni gegenüber schweizeraktien.net. Langsam zeichne sich die Normalisierung der ausserordentlichen Lage ab. «Die Reparaturarbeiten in den beschädigten Räumen im «Säntis- das Hotel» konnten in diesen Tagen abgeschlossen werden. Der Grund für den langen Betriebsunterbruch war die lange Lieferfrist der Spezialfenster. Nun stehen aber alle Räume und Angebote für die Hotelgäste wieder zur Verfügung», so Vattioni.

Wiedereröffnung der Schwebebahn im Juni

Die Instandsetzungsarbeiten an der 54 Meter hohen Schwebebahnstütze verliefen planmässig, obwohl das Wetter bzw. der heftige Wintereinbruch am vergangenen Wochenende für eine Verzögerung gesorgt habe, so Vattioni weiter. Zum jetzigen Zeitpunkt gehe er davon aus, dass die Schwebebahn im Juni wieder fährt. Somit sei auch die Durchführung der ordentliche Generalversammlung vom 28. Juni 2019 auf Säntis und Schwägalp gesichert.

Rekordergebnis verblasst vor dem Hintergrund der Naturgewalten

Vor diesem Hintergrund verblasst etwas, dass das Geschäftsjahr 2018 das bisher erfolgreichste in der Geschichte der Säntis-Schwebebahn AG war. Der wunderschöne, fast nicht zu Ende gehende Sommer habe dem Unternehmen eine einzigartige Ausgangslage geschenkt und trotz den von Jahr zu Jahr zunehmenden Sturmtagen, an denen der Schwebebahnbetrieb eingestellt bleiben musste, hätte erstmals ein Bruttoumsatz von über 20 Mio. Franken erwirtschaftet werden können, schreibt Vattioni im Geschäftsbericht.

Etappenweise Investitionen auf dem Säntis

Unternehmensstrategisch seien verschiedene Massnahmen und Projekte bearbeitet worden, so Verwaltungsratspräsident Hansruedi Laich. So konnte die Renovation des Restaurants Passhöhe als Teil des neuen Gastronomiekonzeptes im Juni 2018 abgeschlossen werden. Nachdem das Tourismusunternehmen auf der Schwägalp nun gut positioniert sei, wolle man in den nächsten Jahren auf dem Säntis Veränderungen vornehmen und insgesamt rund 8 Mio. CHF etappenweise investieren. Die geplanten Schritte würden in einzelne Module aufgeteilt, damit einerseits jährlich ein neues, spannendes Thema angeboten werden könne. Anderseits ermögliche es die Staffelung der Investitionen dem Unternehmen, die Finanzierung aus erarbeiteten Mitteln vorzunehmen.

Alle Geschäftsfelder mit Umsatzzuwächsen

Zum Nettoertrag von 19.4 Mio. CHF (+12% zum Vorjahr) haben alle vier Geschäftsfelder beigetragen. So legte der Verkehrsertrag der Schwebebahn um 20% auf 6.1 Mio. CHF zu, der Hotelbetrieb um 9% auf 7.7 Mio., die Gastronomie um etwas über 3% auf 3.8 Mio. sowie der Detailhandel um 12% auf 1.1 Mio. CHF.

Der neue Hotelbetrieb hat in seinem dritten Betriebsjahr die Zimmerauslastung auf 65% steigern können. Die Erfahrungen der letzten Jahren würden damit die Wichtigkeit des unternehmerischen Bestrebens bestätigen, die Attraktivität des Säntis bei Schlechtwettertagen zu verbessern. Dies sei der richtige Weg, um die Ertragslage
der Schwebebahn und des Gastronomiebetriebes auf dem Säntis zu stärken.

Analog zu den Einnahmen stiegen auch die Betriebsausgaben um 12% an. Den Betriebsaufwand beziffert das Unternehmen mit 15.7 Mio. CHF.  Der Investitionsaufwand wurde mit 2.3 Mio. CHF gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt, um Anlagen und die Infrastruktur auf einem zeitgemässen Stand halten zu können, wie das Unternehmen schreibt.

Höhere Abschreibungen als notwendig

Der Geschäftserfolg auf Ebene EBITDA von 3.6 Mio. Franken ermögliche es dem Unternehmen, Abschreibungen von 3.5 Mio. CHF vorzunehmen, welche höher als betriebsnotwendig seien. Das sei sehr wichtig für das Unternehmen, wird VR-Präsident Hansruedi Laich zitiert. Damit weist die Säntisbahn AG mit 4’000 CHF einen Reingewinn von nahe 0 aus. Nicht unbedingt zur Freude der Aktionäre, die ein weiteres Mal leer ausgehen und keine Dividende erhalten. Die sich aber umso mehr über eine pünktlich zur GV wieder instand gesetzte Schwebebahn freuen dürften, womit die traditionelle Naturaldividende in Form einer Gratisfahrt auf den Säntis samt Verpflegung gesichert ist, was einen echten geldwerten Vorteil darstellt.

Noch keine Angaben macht das Unternehmen dazu, wie sich der vier Monate lange Unterbruch der Schwebebahn sowie die Reparaturarbeiten am Hotel auf das Ergebnis 2019 auswirken werden.

Die Aktien der Gesellschaft werden auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 880 CHF weisen die Papiere ein Agio von 50% gegenüber dem Buchwert per 31. Dezember 2018 auf. Auch auf der Basis der Kennzahlen der Erfolgsrechnung erscheinen die Titel mit einem KGV, das sinnvollerweise wegen den sehr hohen Abschreibungen auf der Basis des EBITDA ermittelt wird, mit einem Wert von gut 11 als nicht günstig bewertet.

Hinweis in eigener Sache: Am 17. September 2019 findet in Andermatt der nächste Branchentalk Tourismus statt. Im Fokus stehen Erfolgsfaktoren für touristische Grossprojekte in der Schweiz. Mit dabei sind neben Samih Sawiris, VR-Präsident der Orascom, unter anderen Urs Kessler von den Jungfraubahnen und Norbert Patt von Titlis Rotair. 

 

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