Börsengänge Schweiz/International: Globale Primärmarktaktivität bricht im dritten Quartal ein

SoftwareOne – Börsengang läuft

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Mit 256 IPOs und Emissionserträgen von 40.2 Mrd. USD schwächte sich die Primärmarktaktivität im dritten Quartal weltweit deutlich ab. Der Rückgang belief sich auf 24% nach Anzahl und 22% nach Volumen. In Europa zeigten sich die Emittenten besonders zurückhaltend, obwohl die deutsche TeamViewer mit 2 Mrd. Euro zum drittgrössten IPO weltweit avancierte.

Globale IPO-Aktivität 2019. Quelle: ey.com

Der schwache Trend zieht sich bereits durch die letzten vier Quartale. Das Jahresschlussquartal 2018 war schwach nach einem zuvor hervorragenden Jahresverlauf. Im Auftaktquartal 2019 blieben die Emittenten in der Deckung, erst im zweiten Quartal erholte sich der Primärmarkt mit der starken Erholungsbewegung an den Börsen. Doch im dritten Quartal setzte sich wieder die schwächere Tendenz durch. Nach neun Monaten zeigt die globale IPO-Bilanz 768 Börsengänge und ein Volumen von 114.1 Mrd. USD. Im Vergleich zu den ersten neun Monaten 2018 sind dies Rückgänge um 26% respektive 25%.

Börsen Hongkong und Shanghai an der Spitze

An die Spitze setzten sich im dritten Quartal die Börsenplätze Hongkong und Shanghai mit jeweils 7.8 Mrd. USD Emissionserträgen. In Hongkong fand der grösste Börsengang des dritten Quartals statt. Das IPO von Budweiser Brewing APAC steuerte über 5 Mrd. USD zu den ansonsten etwas abgeschwächten Emissionserträgen in Hongkong bei. Die Zuspitzung des Konflikts zwischen den Bürgern Hongkongs, die auf ihre demokratischen Rechte pochen, und dem Politbüro in Peking, das seinen Machtanspruch notfalls mit Gewalt durchsetzen will, lastet auf der Börse. Anleger und Emittenten warten ab. Nur 24 IPOs fanden in Hongkong statt, 47 in Shanghai. Dort wurde auch das neue Segment STAR für innovative Technologieunternehmen eröffnet, was die Attraktivität steigern soll. An dritter Stelle rangiert die Nasdaq mit 7.4 Mrd. USD Volumen und 25 Börsengängen.

Weiterhin starke Performance der IPOs

Trotz der rückläufigen Tendenz hat sich das IPO-Klima nicht eingetrübt. Der weiterhin starke Appetit der Anleger auf neue Aktien zeigt sich in den hohen Renditen für Erstzeichner. Die durchschnittliche Performance der IPOs am ersten Handelstag lag bei beachtlichen 27%, die Aftermarket-Performance stieg ebenfalls weiter auf 32% an. Die Fachleute von Ernst & Young erwarten daher in ihrem IPO-Report zum dritten Quartal 2019, dass die Qualitätsunternehmen mit der Umsetzung ihrer IPO-Plänen warten, bis sich die aktuellen Störfeuer gelegt haben, darunter die Brexit-Thematik, die Ende Oktober einen Scheidepunkt erreicht, und der Handelskonflikt USA-China. Eine Belebung der Primärmarktaktivität wird im ersten Halbjahr 2020 erwartet – vor den Wahlen in den USA im November 2020.

Halten Unicorn-IPOs, was sie zu versprechen scheinen?

Die Hoffnungen knüpfen sich weiterhin an die Unicorns. 2019 sind 22 Einhörner in den USA an die Börse gegangen, davon acht im dritten Quartal. Allerdings ist zu beachten, dass sich das Klima für hochbewertete Einhörner zuletzt merklich eingetrübt hat. Mehrere IPOs wurden abgesagt, in einigen Fällen erfolgte die Zuteilung zu Preisen, die weit unter den Zielsetzungen gelegen hatten. WeWork beispielsweise blies den Börsengang im September ab, nachdem sich eine IPO-Bewertung von lediglich 15 Mrd. USD abzeichnete. Bei der letzten privaten Finanzierungsrunde lag die Bewertung noch bei 47 Mrd. USD. Die Mega-IPOs von Uber und Slack mit 8.1 Mrd. USD Emissionsertrag respektive 7.4 Mrd. USD zeigten eine schwache Performance im Aftermarket mit Verlusten von über 30%.

Kursverlauf der Slack-Aktie seit Erstnotierung in CHF. Quelle: finanzen.ch

Sino-amerikanischer Handelskrieg trifft US-Börsen

Die US-Börse ist auch ganz direkt von der präsidialen Konfliktpolitik mit China betroffen. Allein im dritten Quartal gingen 17 chinesische Unternehmen in den USA an die Börse. Sie generierten Einnahmen von 2.9 Mrd. USD. Insgesamt fanden im dritten Quartal 39 IPOs an US-Börsen statt, die Eträge von 11.9 Mrd. USD verbuchten. Sollte es Trump gelingen, chinesischen Unternehmen den Zugang zum US-Kapitalmarkt zu versperren, hätte dies beträchtliche Auswirkungen auf Nasdaq und NYSE.

SIX-CEO Jos Dijsselhof bei der Unterzeichnung des Memorandum of Understanding mit der Börse Shenzhen. Bild: six-group.com

Prompt, aber unabhängig davon, verkündeten die SIX und die Börse Shenzen am 10. Oktober, dass sie ein Memorandum of Understanding unterzeichnet hätten, um Anlegergemeinden und Unternehmen beider Länder besser zu vernetzen und die Kapitalbildung zu fördern.

Der IPO-Boom in China setzt sich voraussichtlich fort. 456 IPO-Kandidaten befinden sich laut EY in der regulatorischen Pipeline der chinesischen Behörden, 220 haben in Hongkong den Antrag auf Börsenzulassung gestellt.

Europäische Börsen mit gedämpfter Primärmarktaktivität

In Europa fanden im dritten Quartal nur 22 IPOs statt, ein Minus von 41% zum Vorjahresquartal. Die Erträge summierten sich auf 3.5 Mrd. USD, nur 1% unter dem Vorjahreswert. Daran hat das IPO von TeamViewer in Frankfurt mit über der Hälfte der Erträge den grössten Anteil. Auch dieses IPO fand ohne Kapitalerhöhung statt. Alle Aktien stammten aus dem Besitz der Beteiligungsgesellschaft Permira, die TeamViewer 2014 für 870 Mio. Euro erwarb und sich nun über eine IPO-Bewertung von 5.3 Mrd. Euro freuen konnte. Post-IPO bleibt Permira mit 58% weiterhin Hauptaktionär. Im Aftermarket hat die Aktie allerdings bisher um 17% verloren. Das zweitgrösste IPO in Europa absolvierte die schwedische Beteiligungsgesellschaft EQT, die Aktien im Wert von 1.3 Mrd. USD platzierte. Die EQT-Aktie gewann um über 20%. Etwas abgeschlagen auf Rang drei folgt das IPO der Addiko Bank mit Erträgen von 176 Mio. USD an der Börse Wien. In London, üblicherweise die aktivste Börse in Europa, fand nur ein IPO im Volumen von gerade 69 Mio. USD statt. Das zeigt die paralysierende Wirkung des unendlichen Brexit-Debakels auf Wirtschaft und Börse.

SoftwareOne – IPO Nr. 4 in der Schweiz in den Startlöchern

An der SIX ruhte die Primärmarktaktivität im dritten Quartal. Wie die ZKB in ihrem vierteljährlichen IPO-Newsletter schreibt, ist das dritte Quartal historisch betrachtet das schwächste in der Schweizer IPO-Statistik. Nur 14% der Börsengänge finden im dritten Quartal statt, jedoch 27% im vierten.

Am letzten Tag im September kündigte nun SoftwareOne Holding den Börsengang an. Seit 14. Oktober läuft bereits die Zeichnungsfrist, die voraussichtlich bis 24.Oktober dauert. schweizeraktien.net veröffentlicht kurzfristig eine Evaluierung des IPOs. Die ZKB berichtet auch über einen neuen Börsenkandidaten, das Cyber-Security-Unternehmen Acronis aus Schaffhausen. Bei der Auswertung der jüngeren IPOs in der Schweiz hat sich durch die starke Performance von Stadler Rail und SIG Combibloc die Tabelle mit den fünf besten IPOs nach annualisierter Rendite gewandelt. Mit 36%, respektive 24% haben sich die beiden IPOs der jüngeren Vergangenheit auf Spitzenpositionen gehievt.

IPO-Performance an der SIX seit 2018

Quelle: IPO-Newsletter der Zürcher Kantonalbank

 

 

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