SIG Combibloc: Favoriten auf dem Prüfstand

Sustainability Leader bleibt auf Expansionskurs

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So schlimm die Pandemie auch ist, gerade in Krisensituationen zeigt sich, welche Unternehmen eine erfolgreiche langfristige Strategie verfolgen. Der Börsendebütant aus 2018 und schweizeraktien.net-Favorit 2020 – SIG Combibloc – enttäuscht die Anleger auch in der Corona-Pandemie nicht. Die Zahlen des ersten Halbjahres sind überzeugend, der Aktienkurs bewegt sich aus gutem Grund auf Rekordniveau.

Es ist ein fast durchgängiges Muster bei den schweizeraktien.net-Favoriten 2020, dass Management, Investitionen und Innovationen eine zentrale Rolle bei der Auswahl gespielt haben. Nur wirkliche Leader in ihrer Industrie können aus dem gegenwärtigen Strukturwandel und Paradigmenwechsel als Gewinner hervorgehen und somit ihren Aktionären auch langfristig gute Perspektiven bieten. Zudem sind agile und ambitionierte Unternehmen in aller Regel sehr viel besser darauf vorbereitet, sich wandelnden Bedingungen, notfalls auch schnell, anzupassen. Die unerwartete Pandemie ist jedenfalls als reale Belastungsprobe weit besser als jeder von Akademikern ersonnene Stress-Test geeignet, um Gewinner und Verlierer voneinander zu unterscheiden, eben weil die Realität oft sehr weit von Simulationen entfernt sein kann, wie die herausragende Herausforderung des Jahres 2020, Covid-19, täglich neu vor Augen führt.

Kursverlauf der SIG-Comibloc-Aktie seit dem IPO. Quelle: six-group.com
Positive Performance

Auch wenn die Geschichte von SIG Combibloc weit zurückreicht, so hat doch die heutige börsenkotierte Gesellschaft, seit kurzem mit 89,9% Free Float, nahezu nichts mehr mit der ursprünglichen Schweizer Industrie Gesellschaft gemein. Die Verpackungsaktivitäten waren von der kanadischen Private Equity Gesellschaft Onex übernommen, restrukturiert und neu ausgerichtet worden. Erst danach wurde die auf Effizienz getrimmte Gesellschaft 2018 erneut unter dem durchaus klangvollen Namen SIG Combibloc an die SIX gebracht. Zunächst wenig beachtet, hat sich die Aktie zwischenzeitlich zu einem stabilen Performer entwickelt, der seit Jahresbeginn immerhin um 12,8% im Plus liegt – und auch mit einer 12-Monats-Performance von 39,5% glänzt. Auf schweizeraktien.net war die SIG Combibloc Aktie mehrfach bei Kursen ab 12 CHF als vielversprechend eingestuft worden.

Wiederkehrende Einnahmen

Das Geschäftsmodell ist dahingehend optimiert, dass nur 10% der Erträge auf Verkäufe von Maschinen entfallen, 90% jedoch auf die Zulieferung der entsprechenden Verpackungsmaterialien. Dies führt zu hohen wiederkehrenden Einnahmen, womit SIG Combibloc keinesfalls ein zyklischen Kräften unterworfener Maschinenbauer ist, sondern tatsächlich ein Wachstumsunternehmen und eine Cash-Cow – was selten so zusammenkommt. Die Entscheidungen über Getränke- und Nahrungsmittelverpackungen treffen natürlich die entsprechenden Hersteller, und nicht SIG Combibloc. Die innovativen Verpackungsspezialisten liefern jedoch genau das, was Konsumenten und zunehmend auch Gesetzgeber wollen – zertifizierte nachhaltige Materialien, die recyclingfähig sind und möglichst klimaneutral produziert und verwendet werden. Einen guten Überblick zum Geschäftsverlauf zum ersten Halbjahr bietet die Präsentation des Übernehmens.

Schlüsselkennzahlen im ersten Halbjahr 2020 (bis 30.6.). Quelle: sig.biz
Verpackung als Politikum

Konkret geht es um die Vermeidung von Verpackungsmüll und insbesondere Plastikmüll. Das Thema ist in den letzten Jahren verstärkt auf die öffentliche Agenda gerückt, weil die produzierten Mengen von Einmal-Verpackungen aus problematischen Materialien kontinuierlich steigen und diese am Ende in Deponien oder in den Ozeanen landen. Die Gesetzgeber stehen unter Druck, die Konsumenten wollen saubere Lösungen, und die Hersteller und Händler müssen sie liefern. Der Wettbewerb hat sich intensiviert, und hauptsächlich sind Lösungen gefragt, die sowohl komfortabel und aseptisch sind als auch unbedenklich mit Blick auf die Umwelt.

Innovationsführung

Der Innovationsführer SIG Combibloc hat als erster Hersteller einen Ersatz aus Papier für die nun verbotenen Plastik-Trinkhalme entwickelt und an den Markt gebracht. Die preisgekrönten Verpackungen von SIG Combibloc und dem dominierenden Player TetraPak sind aber am Ende auch nur so gut für die Umwelt, wie die sachgerechte Rückführung in den Recycling-Kreislauf gewährleistet ist. In der Schweiz mit der höchsten Recyclingquote in Europa ist die Problematik geringer, doch in vielen anderen Ländern landen auch recycling-fähige Verpackungen in der Landschaft oder in den Gewässern. Eine gute, weil nachhaltige Lösung für dieses Problem ist die Verwendung von biologischen Polymeren anstatt Plastik aus Erdöl, denn Bio-Polymere sind biologisch abbaubar und verschmutzen somit die Gewässer nicht und stellen auch kein Risiko für die Nahrungskette dar. SIG Combibloc ist ein Vorreiter in der Entwicklung solcher Materialien.

Fremdkapitalkosten gesenkt

Innovativ ist auch die Herangehensweise an die veränderten Finanzierungsbedingungen. Die bisherige Struktur des Fremdkapitals wurde geändert, was die Zinsbelastung von 2,1% auf 1,7% reduziert. Daran hat auch das Platinum-Rating von EcoVis Anteil. SIG Combibloc ist unter den über 50’000 gerateten Unternehmen unter den Top 1%. Die gesunkenen Fremdkapitalkosten helfen dabei, die steigenden Investitionen zu schultern. Die Investitionen in Sachanlagen sind im ersten Halbjahr auf 9,3% des Umsatzes von 7,6% im ersten Halbjahr 2019 gestiegen.

Net Positivity

Mit der Net Positive Philosophie ist der Nachhaltigkeitsvorreiter SIG Combibloc noch einen Schritt weiter gegangen. Die Idee ist einfach: das Gute und das Schlechte messen, um dann Verbesserungen innerhalb und ausserhalb des Unternehmens zu bewirken, so dass am Ende das Gute das Schlechte überwiegt. Dem Unternehmen ist klar, dass Entwicklungen Zeit brauchen. Nur nach und nach stellen die Hersteller ihre Produktion um. SIG Combibloc will erreichen, dass die gesamte Lieferkette der Verpackungsmaterialien umweltverträglich ist. Zur Kompensation für die noch nicht vermiedenen Emissionen werden mehr Bäume gepflanzt als verbraucht werden. Die verwendete Energie ist zu 100% klimaneutral. Insbesondere werden die Betriebsgebäude mit Solarpanelen bestückt. Wo CO2-freie Energie nicht zur Verfügung steht, werden Ausgleichsmassnahmen getroffen. Die Zulieferer werden überprüft, und bei schwerwiegenden Verstössen gegen die Richtlinien wird die Geschäftsbeziehung auch eingestellt. SIG Combibloc rapportiert ausführlich im Nachhaltigkeitsbericht über Massnahmen, Ziele und Projekte.

Fazit

Die Definition und Messung der relevanten Parameter basiert auf wissenschaftlichen Methoden und Zielsetzungen, was im Detail sehr technisch ist und daher nicht einfach zu verstehen. Bisher hat der wissenschaftliche Beirat das Ziel einer maximalen Erwärmung der Temperatur auf der Erde um 2 Grad Celsius, wie in der Pariser Klimakonferenz 2015 festgelegt, als Gradmesser verwendet. In einem ambitionierten Schritt wurde dieses Ziel von SIG Combibloc nun auf maximal 1,5 Grad Celsius abgesenkt. Im Durchschnitt entspricht jedoch ein typisches Schweizer Wertschriften-Portfolio einer globalen Temperaturerwärmung von 4-6 Grad Celsius. Wird der von Axa und anderen institutionellen Investoren zunehmend verwendete „Temperature Score“ von mehr Asset Managern berücksichtigt, wie es derzeit zu beobachten ist, werden zwangsläufig Aktien von Unternehmen mit einem tiefen Score im Portfolio höher gewichtet werden. Das wird, abgesehen von der positiven operativen Entwicklung, der Aktie weiterhin und wohl auch auf lange Sicht Auftrieb verleihen.

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