Daniel Ettlinger, CEO Galledia Group: «Ein lethargisches Verharren in einem strukturell rückläufigen Markt ist keine erfolgreiche Strategie»

Mit externen Übernahmen soll das grösste Fachmedienunternehmen in der Schweiz entstehen

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Seit Februar 2018 führt Daniel Ettlinger als CEO die Galledia Group, die frühere Rheintal-Medien-Gruppe. In 2020 hat das Unternehmen fleissig Übernahmen getätigt, so wurde neben diversen Fachpublikationen z.B. die Multicolor Print AG von CH Media gekauft.

Daniel Ettlinger, CEO der Galledia Group. Bild: zVg

Im Interview mit schweizeraktien.net erläutert Ettlinger die Wachstumsstrategie, welche Synergieeffekte durch die Übernahmen zum Tragen kommen und warum das Unternehmen in 2020 keine Dividende zahlt.

Herr Ettlinger, im Sommer gingen Sie von einem Umsatzrückgang von 25% für 2020 aus. Wie ist Ihre Prognose heute für das laufende Geschäftsjahr?

Im Vergleich zum Vorjahr liegen wir per Ende September 2020 im Umsatz um rund 16,5% zurück. Im Oktober und November verzeichnen wir eine deutlich bessere Auslastung in praktisch allen Geschäftsbereichen. Dennoch gehen wir davon aus, dass wir die bereits verlorenen Umsätze bis Ende Jahr nicht mehr kompensieren können. Wir erwarten, dass die Differenz gegenüber Vorjahr auch Ende Dezember bei rund 15% liegen wird, was einem Umsatzrückgang von knapp 7 Mio. Franken entspricht. Aber selbst Prognosen bis Ende Jahr sind derzeit schwierig, da jede restriktive Massnahme zur Bekämpfung der Pandemie direkt wieder einen negativen Impact auf unsere Performance hat. Ein weiterer Lockdown würde die Geschäftstätigkeit in Teilbereichen wieder praktisch zum Erliegen bringen.

Wie wird sich der Umsatzrückgang auf Ihr Ergebnis 2020 auswirken?

Ein Teil des Umsatzes konnte durch tiefere Direktkosten und die Kurzarbeitsentschädigung aufgefangen werden. Dies wird aber nicht ausreichen, um die Umsatzrückgänge zu kompensieren. Deshalb müssen wir davon ausgehen, dass das Unternehmensergebnis für das Jahr 2020 negativ ausfallen wird.

Ihr laufendes Jahr war geprägt von Übernahmen. So haben Sie rückwirkend zum 1.1.2020 sämtliche Aktien der Multicolor Print von CH Media übernommen. Welche Strategie steht hinter dieser Übernahme in Zeiten, in denen Druckereien keine überzeugenden Margen liefern?

Multicolor Print hat eine sehr ähnliche strategische Ausrichtung wie Galledia Print. Beide Unternehmen fokussieren auf Verbands- und Verlagskunden und bieten für diese Gesamtpakete mit allen verlegerischen Leistungen an. Die Übernahme der Multicolor Print AG bedeutet einen strategischen Fit, mit der die Galledia Group zur grössten Bogenoffsetdruckerei der Schweiz wird. Dies verbessert unsere Wettbewerbsposition spürbar.

Zudem können wir das zusätzliche Umsatzvolumen nur mit wenigen punktuellen personellen Verstärkungen bei den Shared Services wie Finanzen, IT oder HR abwickeln. Damit verteilen sich die zwingend notwendigen Overheadkosten auf zusätzliche Kostenstellen und stehen in einem deutlich besseren Verhältnis zum Gesamtertrag des Unternehmens.

Mit Multicolor Print AG haben wir uns zudem Kompetenzen ins Unternehmen geholt, die bei Galledia noch nicht verfügbar waren. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang Multi Digital mit ihren komplexen Online-Shop-Lösungen oder Maxiprint.ch als eCommerce-Plattform.

Per 1.10.20 haben Sie überdies die Verbandsmedien von CH Media (u.a. Persorama, Schweizer Musikzeitung, Schweizer Optiker) gekauft. Zudem haben Sie sich zur Ergänzung des Portfolios u.a. „Der Bauingenieur“ sowie die BL Verlag AG einverleibt. Was erhoffen Sie sich von diesen Übernahmen?

Unsere Vision ist, das grösste Fachmedienunternehmen in der Schweiz zu werden. Galledia steht für qualifizierte Fachinformationen unabhängig der genutzten Medienkanäle.

Bei den übernommenen Titeln handelt es sich um qualitativ hochstehende Publikationen, die das Portfolio von Galledia thematisch sehr gut ergänzen.  Das erweiterte Portfolio lässt zusätzliche Aktivitäten innerhalb der Zielgruppen zu, sei es in der Weiterentwicklung der digitalen Angebote oder in der Entwicklung von gemeinsamen Events.

Mit der Übernahme der BL Verlag AG und dem Bauingenieur wird Galledia zum führenden Schweizer Fachinformationsanbieter im prosperierenden Themenbereich Immobilien, Architektur und Bau.

Auch in unseren beiden anderen programmatischen Clustern Mobilität und Management wollen wir das jeweilige Thema umfassend besetzen und mit unseren Angeboten in Publizistik und Services alle Medienkanäle für unsere Kunden bespielen. Je nach Bedürfnis gestalten wir Angebote für Print, Online, Social Media und in der Live Kommunikation.

Im Cluster Immobilien werden wir im Frühling verschiedene Paid-Content-Modelle releasen, da wir in der Schweiz tatsächlich der führende Anbieter von qualifizierten Informationen zu diesem Thema sind.

Wie hoch war der Preis für die Übernahmen der oben genannten Fachpublikationen?

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Ihre Strategie mit diversen Übernahmen scheint in Pandemie-Zeiten sehr mutig. Fachzeitschriften leiden wie Publikumszeitschriften unter schwindenden Anzeigenerträgen. Wo generieren Sie die Margen, die die Übernahmen zu einem gewinnbringenden Engagement machen?

Die Akquisitionen sind ausnahmslos strategisch relevant für unsere bestehenden Geschäftsbereiche. Ziel ist es, mit diesen mittelfristig erfolgreicher sein zu können. Jede Pandemie ist in der Vergangenheit einmal zu Ende gegangen. Dann werden wir uns gut aufgestellt im Markt positioniert haben. Zudem erschliessen sich mit den Zukäufen eine Vielzahl von Synergiemöglichkeiten, in denen grosses Sparpotenzial steckt.

Aus unserer Sicht kann ein Unternehmen in einem rückläufigen Markt entweder zu den Konsolidierern gehören oder konsolidiert werden. Mit unseren Akquisitionen gehören wir klar zur erstgenannten Gruppe. Ein lethargisches Verharren in einem strukturell rückläufigen Markt ist mittel- und langfristig keine erfolgreiche Strategie. Konjunkturelle Einbrüche können vielleicht ausgesessen werden, strukturelle nicht.

Zudem handelt es sich bei Galledia um ein gut kapitalisiertes Unternehmen. In den vergangenen Jahren haben wir gute Ergebnisse erzielt. Das hat es uns ermöglicht, finanzielle Rückstellungen zu bilden. Der Verwaltungsrat bekennt sich zu unseren Geschäftsmodellen und war bereit, Investitionen in die Zukunft des Unternehmens zu tätigen.

Angesichts der Fülle von zu integrierenden neuen Titeln in Ihren Verlag: Wie stemmen Sie den Aufwand, der durch dieses externe Wachstum in Ihrem Haus entsteht?

Bei den akquirierten Geschäftsbereichen wurden jeweils alle Mitarbeitenden übernommen. Somit kann das operative Geschäft mit den bestehenden, erfahrenen Mitarbeitenden weitergeführt werden.

Wir dürfen auf sehr fachkompetente und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen, die sich sehr für die erfolgreiche Integration der zusätzlichen Geschäfte einsetzen.

Zudem haben wir in den vergangenen Jahren digital unterstützt viele Prozesse automatisiert. So haben wir z.B. im letzten Jahr den automatischen Rechnungs- und Belegversand realisiert, der unser Back Office bei den Fach- und Regionalmedien deutlich entlastet. Ressourcen werden so freigesetzt, die uns wieder für andere Aufgaben zur Verfügung stehen.

Gibt es Synergieeffekte zwischen den bestehenden und neu dazugekommenen Titeln? Können Sie dadurch Personal reduzieren?

Die grössten Synergien entstehen durch die gemeinsame Nutzung der Systeme, die effizientere Nutzung des Maschinenparks im Print sowie bei den Management Services wie z.B. Finanzen, Personal, HR, IT.

Bei den übernommenen Geschäftsbereichen handelt es sich um durchoptimierte Bereiche. Die Shared Services wurden bei Multicolor Print AG zuvor durch das Mutterhaus CH Media erbracht. Da diese Dienstleistungen neu durch Galledia erbracht werden, müssen wir das Personal eher leicht aufstocken.

Grosse Teile Ihrer Belegschaft sind in Kurzarbeit. Was bedeutet es für Galledia, wenn diese ausläuft?

Während des Lockdowns im Frühjahr mussten wir aufgrund der geringen Auslastung in allen Bereichen Kurzarbeit anmelden. Seit Ende September arbeiten wir aber in den meisten Bereichen wieder voll.

Die weitere Entwicklung wird von der Dauer der Coronakrise abhängen. Wird ein zweiter Lockdown notwendig werden, werden voraussichtlich auch die Auslastung und der Buchungsbestand wieder markant abnehmen. Dann werden wir prüfen, ob wir nochmals einen Antrag auf Kurzarbeitsentschädigung stellen wollen.

Sollte aufgrund der Pandemie längerfristig keine geordnete Geschäftsentwicklung möglich werden und das Instrument der Kurzarbeit nicht mehr zur Verfügung stehen, werden wohl Entlassungen nicht zu verhindern sein.

Sie haben ja auch Tageszeitungen in Ihrem Portfolio. Die Abonnenten nehmen ab, der Anzeigenschwund ist dramatisch. Wie wird sich eine herkömmliche Zeitung in Zukunft finanzieren können?

Unsere Tageszeitungen der „Rheintaler“ und „Rheintalische Volkszeitung“ geniessen eine sehr starke lokale Verankerung. Deshalb sind wir deutlich weniger stark von den Aborückläufigkeiten betroffen, wie dies bei anderen Medienhäusern der Fall ist. Auch im lokalen Werbemarkt verfügen wir über eine hohe Akzeptanz bei Handel und Gewerbe.

Ausserdem haben wir einen starken Online-Auftritt.

Ziel ist es, dass wir die Rückläufigkeiten bei den Print-Abonnenten mit Online-Abos kompensieren können. Rheintaler.ch ist die Informationsplattform über lokale Informationen aus dem Rheintal. Diesen Online-Auftritt bauen wir laufend aus, indem wir zum Beispiel mit Rheintaler Life im letzten Jahr einen Channel speziell für die jüngere Zielgruppe entwickelt haben.

Wir wollen die Informationsplattform im Rheintal sein. Finanzieren werden wir uns wie in der Vergangenheit aus Werbeeinnahmen und zahlenden Lesern. Dabei erarbeiten wir analoge und digitale Angebote, die sich auf die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe ausrichten.

Für 2019 haben Sie eine Dividende von 8 CHF bezahlt. Wie hoch wird die Dividende für 2020 ausfallen? Oder haben Sie sich von einer Ausschüttung bereits verbschiedet?

2019 haben wir die Dividende reduziert, weil dies in Anbetracht der damals geltenden ausserordentlichen Lage und des Lockdowns ein Gebot der Vorsicht war, um die Liquidität hinsichtlich einer sehr unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung schonen zu können.

Für das Jahr 2020 wird keine Dividende möglich sein, da wir bei den Regionalmedien vom Nothilfepaket des Bundes profitieren. Zudem scheint es uns nicht angezeigt, Dividenden auszubezahlen, wenn von einer Kurzarbeitszeitentschädigung profitiert worden ist. Wir gehen auch davon aus, dass das Ergebnis per Ende 2020 sowieso keine Dividende zulassen wird.

Ab 2021 planen wir wieder, Dividenden mindestens in der Höhe der Vorjahre auszubezahlen. Die zukunftsgerichteten Akquisitionen sollen sich für die Aktionäre schliesslich bezahlt machen.

Kursperformance (Geldkurs) der Galledia-Aktie in den letzten drei Jahren. Quelle: otc-x.ch

In diesem Jahr hat die Galledia-Aktie um fast 30% verloren. Sie notiert um 300 CHF, nachdem sie die Jahre zuvor stabil über 400 CHF lag. Wie wollen Sie diesen Abwärtstrend aufhalten?

Mit starken Resultaten in den kommenden Jahren. Dafür haben wir uns mit den in diesem Jahr getätigten Akquisitionen aufgestellt.

Mit welcher Perspektive gehen Sie ins Jahr 2021?

Es wird ein herausforderndes Jahr. Dessen Entwicklung hängt massiv von der pandemischen Situation ab.

Unsere Hauptfokus liegt darauf, möglichst rasch die Integrationsprojekte der strategischen Akquisitionen erfolgreich abzuschliessen und die sich daraus ergebenden Chancen in der Marktbearbeitung und in der Zusammenführung der Prozesse gewinnbringend zu nutzen. Wir verfügen über starke Verkaufsteams in allen Bereichen, die darauf brennen, mit ihren Kunden ein gutes 2021 zu gestalten.

Deshalb sind wir zuversichtlich, dass es uns im nächsten Jahr gelingen wird, gegenüber dem schwierigen 2020 ein deutlich besseres Resultat liefern zu können.

Herr Ettlinger, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

Die Galledia Aktie wird auf OTC-X der BEKB gehandelt. Der Geldkurs lag zuletzt bei 300 CHF. 

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