Beteiligungsgesellschaften: HBM Healthcare und BB Biotech machen ihre Aktionäre glücklich

Aktien der börsenkotierten Biotech-Spezialisten mit vertikalem Kursanstieg

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Die Stimmung an den Börsen bleibt gut, und die wichtigsten Indizes dringen schrittweise weiter nach oben vor. Tatsächlich sorgen an der taktgebenden Wall Street jedoch hauptsächlich die Tech-Indexschwergewichte wie Apple und Amazon sowie der Healthcare-Sektor für die starke Performance. Mit BB Biotech und HBM Healthcare bietet die SIX gleich zwei Aktien von überzeugenden Beteiligungsgesellschaften mit aktivem Management, die von der ungebremsten Hausse der Life-Sciences-Aktien profitieren.

Die Performance von BB Biotech und HBM Healthcare spricht für sich. Die HBM-Healthcare-Aktie stieg seit Jahresanfang um 15,1%, im letzten Jahr um 42,7% und in den letzten drei Jahren um 162%. BB Biotech legte in den entsprechenden Zeiträumen um 22%, respektive 35,8% und 36,4% zu.

Chart HBM Healthcare
Die HBM-Healthcare-Aktie stieg seit Jahresanfang um 15,1%, im letzten Jahr um 42,7% und in den letzten drei Jahren um 162%. Chart: money-net.ch
Gleicher Sektor – unterschiedliche Strategien

Der Gegenstand ist zwar bei beiden Investment-Gesellschaften gleich, doch die Strategie ist unterschiedlich. Innovative Therapien bilden den Schwerpunkt, ergänzt durch Diagnostika sowie neue Technologien wie digitale Analyseverfahren durch künstliche Intelligenz. Gleich ist auch die klare Ausrichtung auf die Biotechnologie sowie die mit rund zwei Dritteln hohe Gewichtung amerikanischer Unternehmen.

Börsenkotierte Biotechs im Fokus von BB Biotech

Unterschiedlich ist jedoch die Investment-Strategie. Schon seit der Gründung 1993 ist BB Biotech auf reifere und damit, gemessen an der Market Cap, grössere Unternehmen fokussiert. Börsenkotierte Unternehmen machen mehr als 90% der Investments aus, bis zu 10% können in nicht kotierte Unternehmen, also Private Equity, investiert werden. Die relative Underperformance der letzten Jahre resultiert im Wesentlichen aus dem langfristig verfolgten Fokus auf die eher etablierten Big Biotechs. Seit 2015 bewegen sich Gilead, Biogen und auch Amgen jedoch eher seitwärts bis leicht abwärts, was nach deren exorbitanten Kursgewinnen in der Zeit davor nicht einmal überraschend ist. Das Portfolio von BB Biotech wurde jedoch während der vergangenen Quartale neu ausgerichtet und dabei planmässig verjüngt – eine sinnvolle Anpassung, wie der rapide Kursgewinn der BB-Biotech-Aktie in den letzten Monaten zeigt.

Erfolgsgeschichte Moderna

Das beste Beispiel ist das Engagement bei Moderna. BB Biotech investierte bereits im ersten Quartal 2018 in das mRNA-Unternehmen, weil diese Technologie vor allem für die Immuno-Onkologie und die Vakzinentwicklung als vielversprechend eingestuft wurde. Es handelt sich um ein Private Equity Investment, denn Moderna ging erst im Dezember 2018 an die Nasdaq. Die ersten Kurse lagen um 19 USD, erst im Januar 2020 stieg die Aktie über 20 USD und notiert aktuell nahe dem Hoch bei 183 USD. Die Market Cap beträgt 73 Mrd. USD. Moderna lieferte den zweiten zugelassenen Covid-Impfstoff nach Biontech. Die Position ist auf 6,7% des Portfolios angewachsen.

Entwicklung der Aktie von Moderna seit dem IPO. Chart: money-net.ch
Portfolio-Verjüngung mit Erfolg

Ein weiterer Highflyer im BB Biotech Portfolio ist Fate Therapeutics. Die Aktie war im ersten Quartal 2020 gekauft worden. Das Pionierunternehmen hat einen revolutionären Ansatz in der Zelltherapie entwickelt. Durch chimäre Antigenrezeptoren soll B-Zellen-Leukämie und anderen Krebsarten eine wirkungsvolle personalisierte Therapie entgegengesetzt werden. Im ersten Quartal 2020 bewegte sich die seit 2013 kotierte Aktie noch zwischen 20 USD und 29 USD, ab dem vierten Quartal 2020 setzte jedoch ein steiler Kursanstieg bis auf 121 USD ein. Aktueller Kurs: 104 USD. Market Cap: 9.5 Mrd. USD. Im Portfolio ist die Position auf über 4% angewachsen.

HBM Healthcare setzt auf optimierte Wertsteigerung

Die Strategie von HBM Healthcare ist anders. Schwerpunktmässig werden Private Equity Investments getätigt, oft über mehrere Finanzierungsrunden. Das Ziel ist, möglichst an der gesamten Wertsteigerung teilzuhaben und die Gewinne bei Börsengängen oder Verkäufen an industrielle Akquisitoren zu realisieren. Derzeit machen zwar die Private-Equity-Beteiligungen nur 15% des Portfolios aus, doch das liegt daran, dass eine grosse Anzahl ehemaliger vorbörslicher Beteiligungen während des laufenden Biotech-Booms profitabel verkauft oder an die Börse gebracht wurde. Die realisierten Gewinne schlagen sich im rapide steigenden Aktienkurs von HBM Healthcare nieder. Bei der Vorstellung auf schweizeraktien.net am 30. September 2019 lag der Kurs noch bei 200 CHF; bei aktuell 350 CHF liegt die 400er Marke bereits in Sicht.

Zahlreiche IPOs erhöhen NAV

Auf börsenkotierte Aktien entfallen derzeit rund 60% des HBM Healthcare Portfolios. Zwei Drittel davon stammen jedoch von Private Equity Investments in Unternehmen, die zwischenzeitlich gereift und an die Börse gegangen sind. Etwa 7% des Portfolios ist in diverse spezialisierte Fonds investiert. Der Hintergrund ist weniger die Diversifikation als vielmehr der frühe Zugang zu vielversprechenden Unternehmen. Ein Beispiel ist der von HBM Healthcare selbst aufgelegte HBM Genomics Fonds. Im besten Fall wird mit den getätigten Investments ein hohes Gewinnmultiple beim Exit erzielt. Das überschaubare Investment in die zwischenzeitlich an die Börse gegangene Biotech-Gesellschaft Seer hatte sich auf 5 Mio. CHF belaufen, beim IPO wurde ein Gewinn von 34 Mio. CHF realisiert.

Erfolgsgeschichte Cathay Biotech

Den höchsten Gewinn in der Geschichte brachte HBM Healthcare aber das Investment in die chinesische Cathay Biotech. Seit 2006 waren insgesamt 37 Mio. CHF investiert worden. Beim IPO im Sommer 2020 lag der Wert der Beteiligung bei 613 Mio. CHF. Zwischenzeitlich ist der Kurs allerdings auf die Hälfte zurückgegangen, was sich aufgrund der Lock-up-Verpflichtungen auch auf HBM Healthcare auswirkt. Zum 31.12.2020 standen noch Cathay-Aktien im Wert von 288 Mio. CHF in den Büchern.

Strukturelle Unterschiede

Abgesehen von der unterschiedlichen Strategie gibt es weitere markante Differenzierungsmerkmale. BB Biotech beschränkt sich im Portfolio auf 20 bis 25 Positionen, von denen 5 bis 8 als Kernpositionen höher gewichtet sind. HBM Healthcare ist dagegen an sehr viel mehr Unternehmen, auch indirekt, beteiligt. Dass eine Position wie Cathay Biotech zeitweilig über 20% des Portfoliowertes ausmacht, ist eher eine Ausnahme. Während bei BB Biotech der Schwerpunkt auf börsenkotierte Unternehmen, hauptsächlich im therapeutischen Bereich, liegt, die zudem vorwiegend im late-stage-Stadium sind, hält HBM Healthcare auch Diagnostik- und Medizintechnik-Aktien. Auch hier liegt die Fokussierung auf der Kommerzialisierung von Forschung und Entwicklung, doch ein Drittel der Beteiligungen entfällt auf Unternehmen in der Präklinik oder den Phasen I/II.

Grafik HBM Healthcare
Bei HBM liegt der Fokus auf Kommerzialisierung von Forschung und Entwicklung. Quelle: Quartalsbericht Dezember 2020 HBM Healthcare Investments
Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Unterschiede gibt es trotz vieler Gemeinsamkeiten ferner bei den Indikationsgebieten. Onkologie und Immunologie sind ebenso wie Erkrankungen des Zentralen Nervensystems und Seltene Krankheiten Schwerpunkte. Doch während Infektionskrankheiten bei HBM Healthcare nur 1% ausmachen, ist die Gewichtung bei BB Biotech vor allem durch das erfolgreiche Moderna-Engagement deutlich höher. Ähnlich verhält es sich bei Stoffwechselkrankheiten. Unschärfen lassen sich bei solchen Betrachtungen jedoch kaum vermeiden. So entfallen bei HBM Healthcare 27% auf die Position Übrige. Nicht wenige Unternehmen sind in verschiedenen Indikationsgebieten tätig, wobei die Kategorisierung für die Übersicht in der Regel anhand des Lead-Kandidaten in der Entwicklungs-Pipeline des Unternehmens vorgenommen wird.

Ausblick

Beide Investment-Gesellschaften bewegen sich hauptsächlich im Biotech-Sektor, und die Investments sind zu zwei Dritteln in Nordamerika angesiedelt. Das starke Wachstum des globalen Biotech-Sektors mit einer Verdoppelung des Umsatzes auf geschätzt 190 Mrd. USD in 2020 innerhalb von 10 Jahren beflügelt beide Beteiligungsgesellschaften. Schon lange stammen mehr als 50% der jährlichen Neuzulassungen von Arzneimitteln aus den Laboren der Biotech-Unternehmen. Zudem zahlt sich die Forschung aus, indem mehr Anträge auf Neuzulassungen gestellt und bewilligt werden – inzwischen durchschnittlich mehr als 50 pro Jahr, gegenüber nur 20 bis 30 vor einem Jahrzehnt. Ebenfalls wichtig für die weitere Performance des Sektors und der Aktienkurse der beiden Schweizer Beteiligungsgesellschaften ist das IPO- und M&A-Klima. Biotech-Unternehmen stellen einen substanziellen Anteil der Börsengänge dar, die Performance des Biotech-Sektors ist nicht zuletzt wegen der Pandemie für Anleger bestechend. Verfügbarkeit von Kapital und hohe Aktienbewertungen heizen auch die Übernahmeaktivität an. Zwar ist das Hoch von 2015 mit einem M&A-Volumen im Bio-Pharma-Sektor von 262 Mrd. USD noch nicht erreicht, aber mit 241 Mrd. USD in 2020 doch in greifbarer Nähe.

Altersbedingter Anstieg diverser Krankheiten. Quelle: BB Biotech
Fazit

Einstweilen bleiben alle Werttreiber im Biotech-Sektor intakt. Korrekturphasen mag es nach steilen Kursanstiegen bei einzelnen Aktien und Subsegmenten durchaus geben, doch die ungebrochene Wachstumsdynamik sowie die forschungsgetriebene Wissensexplosion werden zweifellos neue medizinische Innovationen vorbringen, die Lebensqualität und Heilungschancen verbessern. Investoren bleiben aus aktueller Sicht bei beiden Aktien gut aufgehoben. Auch die Perspektiven für weiter steigende Dividenden sind gut.

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