Rapid Holding: Umsatz und EBIT steigen 2021 kräftig

Integration der beiden Akquisitionen fast abgeschlossen

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Brielmaier-Mäher mit ihren patentierten Stachelwalzen und robuster Technologie bewähren sich auf nassem, sumpfigem Grund. Bild: brielmaier.com

Schon nach dem ersten Geschäftshalbjahr 2021 zeichnete sich ab, dass die Auftriebskräfte nach der Covid-Delle nicht abflauen würden. Mit 55.6 Mio. CHF überraschte der jetzt veröffentlichte Jahresumsatz mit einem Plus von 17% dennoch. Das EBIT schnellte sogar überproportional um 69% auf 4.6 Mio. CHF nach oben.

Zu dem erfolgreichen Jahresabschluss der Rapid Holding trugen verschiedene Faktoren bei. Traditionell ist das erste Halbjahr stärker als das zweite, was wohl auf die Saisonalität in der Berg-Landwirtschaft zurückzuführen ist. Doch 2021 lag das Wachstum mit 17% in beiden Semestern gleichauf. Das kann als guter Indikator für das laufende Geschäftsjahr 2022 interpretiert werden.

«Rapid URI» eröffnet Ära der Elektrifizierung

Ein Höhepunkt im Jahresverlauf war die Markteinführung des ersten vollelektrisch betriebenen Einachsers «Rapid URI». Mit dieser neuen umwelt- und menschenfreundlichen Technologie will Rapid ein neues Geschäftsfeld erschliessen, denn CO2-freie und stark lärmreduzierte Land- und Kommunalmaschinen sind genau das, was der Markt im Einklang mit der Energiewende, den Klimaschutzmassnahmen und nicht zuletzt angesichts der Erfordernisse der Energiebeschaffung seit Beginn des Ukraine-Konflikts verlangt.

Integration der Akquisitionen

Die beiden Akquisitionen des Jahres 2019 sind inzwischen nahezu integriert. KommTek wurde inzwischen in Rapid Technic umbenannt und konzentriert sich nach einer Bereinigung der Produktpalette mit den Kernkompetenzen Funktechnologie und Autonomes Fahren auf den Vertrieb der eigenen Produkte in Deutschland. Die deutsche Tochter beschäftigt 11 Mitarbeitende. Der Umsatzbeitrag zur Rapid-Gruppe belief sich auf 5.8 Mio. CHF nach 5 Mio. CHF im Vorjahr.

Biodiversität im Fokus

Brielmaier mit Standorten in Deutschland und Rumänien beschäftigt 48 Mitarbeitende. Der Umsatz stieg von 11.2 Mio. CHF auf 12.8 Mio. CHF. Trotz zeitweiliger Unsicherheiten über das fortgesetzte EU-Fördermittel-Engagement für die Biodiversität hat sich die Expansion des Experten für Bodenbearbeitung und Feuchtgebiete beschleunigt. Die Produkte von Brielmaier sind für alle EU-Länder interessant, wollen sie ihre Verpflichtungen zur Renaturierung, zur CO2-Reduzierung und zum Artenschutz einhalten.

Engpässe, Kosteninflation, Effizienzsteigerungen und Preiserhöhungen prägen Geschäftsjahr

In der Schweiz beschäftigt die Rapid-Gruppe 123 Mitarbeitende. Der Umsatz stieg markant von 34.7 Mio. CHF auf 41.6 Mio. CHF. Kennzeichnend für das Jahr waren Schwierigkeiten in der Materialbeschaffung sowie Lieferverzögerungen und steigende Transportpreise. Die Rapid-Gruppe steigerte die Effizienz durch ein gruppenweites Informatik-System sowie Bereinigungen und das zentrale Management der operativen Einheiten. Auch Preiserhöhungen konnten durchgesetzt werden.

Contract Manufacturing stösst an Kapazitätsgrenzen

Im Bereich Contract Manufacturing setzte sich der Nachfrageboom fort. Mangels Kapazitäten konnten nicht alle Aufträge abgewickelt werden. Vor allem die Bahnindustrie und die Halbleiterhersteller befinden sich in einem Investitionswettlauf. Hervorzuheben ist, dass auch im zweiten Pandemie-Jahr die üblichen Fachmessen mit persönlichem Kontakt zu den Kunden der Land- und Kommunalwirtschaft ausgefallen sind. Durch hohes Engagement und innovative Kundenbetreuung und -akquisition konnte dennoch ein substanzieller Auftragsbestand erarbeitet werden.

Höhere Kosten

Dass der Jahresgewinn am Ende gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert bei 2.1 Mio. CHF liegt, hat mit steigenden Kosten zu tun. Der Materialaufwand nahm von 19.9 Mio. CHF auf 28.2 Mio. CHF zu, der Personalaufwand erhöhte sich um 2 Mio. CHF auf 17.4 Mio. CHF. Dazu kommen signifikante Bestandesänderungen sowie ein mit -1.6 Mio. CHF negatives Finanzergebnis. Der Gewinn blieb mit 2.1 Mio. CHF nahezu unverändert. Je Aktie errechnen sich 18.51 CHF nach 18.61 CHF in 2020. Die Dividende soll wiederum 15 CHF betragen. Die GV findet am 5. Mai statt.

Ausblick

Trotz weiterhin vorherrschenden Unsicherheiten mit Blick auf die Verfügbarkeit von Rohstoffen und Halbfabrikaten, deren Lieferfristen und Transportkosten sowie die Teuerungstendenzen, insbesondere bei der Energie, zeigt sich im Jahresabschluss 2021, dass die Rapid Holding die Weichen in den Vorjahren gut gestellt hat. Der emissionsfreie Einachser ist eine richtungsweisende Innovation im Land- und Kommunalmaschinenmarkt und dürfte auch in den EU-Ländern auf Nachfrage stossen. Die Akquisitionen tragen bereits erkennbar zum Gruppenwachstum bei. Brielmaier dürfte weiterhin von politisch gewollten Massnahmen zum Schutz von Flora und Fauna profitieren. Und auch im Contract Manufacturing herrscht rege Nachfrage bei den Industriekunden.

Kursverlauf der Rapid-Aktie seit 2014. Chart: otc-x.ch
Fazit

Dass manche Geschäftsbereiche extrem zyklisch sind, wie das Contract Manufacturing, hat sich zu Beginn der Pandemie abermals bestätigt, doch überwiegen eindeutig die langfristigen Auftriebskräfte. Das gilt auch für den Land- und Kommunalmaschinenmarkt. Mit einem KGV von 26 erscheint die Aktie nicht gerade günstig bewertet. Das KBV sieht mit 1.17 besser aus, die Dividendenrendite beträgt immerhin 3,1%. Setzt sich der Trend zu höheren Investitionen in den bedienten Marktsegmenten allerdings fort, wie zu erwarten ist, kann der Spezialist Rapid auch zukünftig höhere Preise durchsetzen. Die Gewinnentwicklung kann in einem solchen Umfeld auch weit überproportional ausfallen. Das KGV kann sich dann schnell relativieren.

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