Rapid Holding: Wachstum bei Gegenwind

Jahresabschluss 2022 bestätigt Expansions- und Diversifikationsstrategie

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Joel Wicki
Joel Wicki, der Sörenberger Schwingerkönig 2022, ist seit diesem Jahr Markenbotschafter von Rapid. Bildquelle: joelwicki.ch

Die Saison der Publikation der Jahresabschlüsse ist in vollem Gang. Nicht alle fallen überzeugend oder zumindest im Rahmen der Erwartungen aus. Der plötzliche Teuerungsschub in 2022 und die Störungen der Lieferketten forderten ihren Tribut. Bei der Rapid Holding blieben die negativen Auswirkungen jedoch beschränkt – und die Wachstumsdynamik erhalten.

Trotz Lieferengpässen bei Motoren und Elektronikkomponenten konnte der Umsatz der Rapid-Gruppe im vergangenen Geschäftsjahr um 4% auf 57.7 Mio. CHF gesteigert werden. Die Integration der beiden Akquisitionen im Jahr 2019 ist weitgehend abgeschlossen. Gegenwärtig befindet sich ein unternehmensweites ERP-System im Aufbau. Mit Thomas Trampenau wurde zudem ein COO zur Ergänzung der Gruppenleitung gewonnen. Er bringt 20 Jahre Erfahrung in den relevanten Industrien mit. Die Aufgabe ist klar: Synergien erweitern, internationale Märkte erschliessen und Produkte schaffen, die auf Nachfrage stossen.

Führung durch Innovationen

Dabei ist die Rapid-Gruppe bereits auf gutem Weg. Die nach der Pandemie wieder intensivierten direkten Kundenkontakte und die Präsenz bei Messen bestätigten den eingeschlagenen Kurs. So stösst der elektrisch betriebene Einachser mit seinen vielfältigen Einsatzmöglichkeiten auf reges Interesse. Die Elektrifizierung des Maschinenparks für Landwirtschaft und Kommunalwirtschaft hat sich Rapid auf die Flagge geschrieben. Dabei liegt es eigentlich auf der Hand, dass gerade die Kommunalwirtschaft bei der Dekarbonisierung mit gutem Beispiel vorangehen sollte. Die Reduzierung von Lärm und Abgasen hat zunehmend Priorität, auch in der Landwirtschaft, weswegen innovative Produkte mit solchen Charakteristika auch eine stärker werdende Nachfrage erfahren.

Wachstum jenseits der Alpenregion

Bei den Messen kam auch der neu lancierte Rapid Kipos, der zur Bodenbearbeitung spezifiziert ist, gut an. Erste Aufträge lassen auf ein steigendes Umsatzvolumen in den Folgejahren schliessen. Ziel ist vor allem die Region jenseits der Alpen wie die Flächenländer Frankreich und Deutschland. Gerade für die geplante verstärkte internationale Expansion ist eine einheitliche und schlagkräftige Unternehmensstruktur, -führung und -organisation mit einer Marke wichtig. Die Rapid Holding hat 2022 die restlichen 24% an Brielmaier erworben, die bisher noch im Besitz der Gründer waren. Damit ist Rapid 100% Eigner. Die deutschen Gesellschaften wurden aufeinander verschmolzen.

Boom im Contract Manufacturing

Im Contract Manufacturing hatte sich mit dem ersten Abklingen der Pandemie bereits eine stürmische Nachfrage entwickelt, die auch der Krieg in der Ukraine nicht abwürgen konnte. Vor allem Aufträge aus der Halbleiter-Industrie sowie dem Bahnsektor sorgten für einen rekordhohen Auftragseingang. Weiterhin konnten Kunden aus den Bereichen Elektromobilität, Strom- und Datenübertragung gewonnen werden. Der einzige limitierende Faktor scheint gegenwärtig das nicht im erforderlichen Ausmass vorhandene Fachpersonal zu sein.

Vertikale und horizontale Integration

Zur Erweiterung und Vertiefung des Produktspektrums hat die Rapid Holding die Rechte an den funkgesteuerten Mähraupen von der Niko Maschinenbau GmbH erworben. Zukünftig werden die Raupen in Süddeutschland von der Tochter Rapid Technic kundenspezifischer entwickelt und produziert. Sie sollen das bestehende Einachser-Portfolio nach oben erweitern und neue Kundenkreise jenseits der etablierten Einachser-Kundschaft erschliessen.

Steigender Materialaufwand

Kennzeichnend für das Zahlenwerk ist der überproportionale Anstieg der Materialpreise einerseits und die Ausweitung der Lagerhaltung andererseits. In der Erfolgsrechnung stieg der Materialaufwand von 28.2 Mio. CHF auf nun 33 Mio. CHF an. Die Position Vorräte wird in der Bilanz mit 23.4 Mio. CHF ausgewiesen, im Vorjahr lag der Wert bei 17.5 Mio. CHF. Auch wenn sonst Kostendisziplin geübt wurde, das EBIT ging um 0.6 Mio. CHF auf 4 Mio. CHF zurück. Mehr als ausgleichend verbesserte sich jedoch das Finanzergebnis von -1.7 Mio. CHF auf -0.4 Mio. CHF. Im Vorjahr waren eigene Aktien mit Verlust veräussert worden, was über den Finanzaufwand verbucht wurde. Das Resultat ist ein Reingewinn von 3.3 Mio. CHF in 2022, gegenüber 2.1 Mio. CHF in 2021. Die Dividende soll dennoch unverändert bei 15 CHF je Aktie bleiben. Durch die vollständige Übernahme von Brielmaier fällt der Jahresgewinn der Unternehmen der Rapid-Gruppe jetzt ohne Minoritäten ganz der Holding zu.

Internationalisierung

Interessant ist, wie weit die Rapid Holding bei der Internationalisierung inzwischen gekommen ist, nicht zuletzt durch die Akquisitionen von 2019 und deren Integration. 2022 stieg der Umsatz in der Schweiz um 2.8 Mio. CHF auf 27.6 Mio. CHF, in Österreich, dem zweitgrössten Absatzmarkt, um 0.7 Mio. CHF auf 11.4 Mio. CHF und in Deutschland geringfügig auf 8 Mio. CHF. Demgegenüber fiel der Umsatz in Italien von 4.9 Mio. CHF auf 3.9 Mio. CHF und in den übrigen Ländern von 7.3 Mio. CHF auf 6.9 Mio. CHF.

Ausblick

Die Zeichen der Zeit erkennend, plant die Rapid Holding sowohl den Anschluss ans Fernwärmenetz wie auch die Installation einer PV-Anlage. Ziel ist, unabhängiger von externen Energielieferanten und den Energiepreisschwankungen und -kostensteigerungen zu werden. Für die kommenden Monate erwartet die Gesellschaft eine Dämpfung der Konjunktur mit entsprechend rückläufigen Preisen für Rohstoffe und Materialien sowie einer Entschärfung der Situation bei der Materialbeschaffung. Dies würde einen Lagerabbau ermöglichen und die Liquidität wieder erhöhen. Im Segment Contract Manufacturing wird mit einer Abschwächung der Nachfrage aus der Halbleiterindustrie gerechnet, da die Prognosen für die Industrie für 2023 mehrfach gesenkt wurden. Im Bahnbereich wird dagegen eine weiter anziehende Nachfrage erwartet. Insgesamt wird für die Rapid Gruppe mit weiterhin stabilen Märkten und solidem Wachstumspotenzial in ganz Europa gerechnet.

Fazit

Der relativ gute Geschäftsverlauf in 2022 zeigt, dass die strategischen Weichenstellungen der Vorjahre richtig waren. Mit den Krisenszenarien seit 2020 ist die Gesellschaft gut zurechtgekommen und hat darüber hinaus zwei Akquisitionen erfolgreich integriert. Damit sind die Voraussetzungen für die weitere Expansion in Europa gut, zumal sowohl Fertigungskapazitäten in der EU vorhanden sind als auch neue Kundenkreise mit dem erweiterten Produktportfolio gewonnen werden. Der Jahresabschluss 2022 ist von Besonderheiten geprägt. Die Marktverwerfungen liessen die Kosten steigen und machten eine erweiterte Lagerhaltung erforderlich. Das schlägt sich in rückläufigen EBITDA- und EBIT-Margen nieder. Der Gewinn je Aktie ist dagegen um fast 50% auf 29 CHF geklettert und das KGV dadurch auf 15 gesunken. Die Bewertung erscheint unter Berücksichtigung weiterer Bewertungskennzahlen angemessen. Kursfantasie entsteht aus der beschleunigten Internationalisierung sowie dem verbreiterten, spezifizierten sowie innovationsgetriebenen Produkt-Portfolio. Symbolisch passend zur Verfassung der Rapid Holding wurde der aktive Schwingerkönig Joel Wicki als Werbeträger gewonnen.

Positiv zu werten ist auch, dass 2022 die Praxis, mit eigenen Aktien zu handeln, eingestellt wurde. Im Vorjahr hatte die Gesellschaft über 7’500 Aktien aus dem zuvor aufgebauten Aktienbestand mit Verlust verkauft. Wird diese Grössenordnung mit dem Aktien-Jahresumsatz auf OTC-X in 2021 ins Verhältnis gesetzt, entspricht dies rund 85%. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass es im ausserbörslichen Aktienmarkt durchaus üblich ist und sinnvoll sein kann, grössere an den Markt kommende Aktienpakete zeitweilig selbst zu übernehmen, um Marktverzerrungen zu vermeiden.

Seit Anfang 2023 hat sich der Kurs der Rapid-Aktie wieder erholt. Chart: otc-x.ch

Die Aktie der Rapid Holding wird auf OTC-X gehandelt. Seit Jahresbeginn gewann der Kurs 5,4% auf 479.50 CHF.

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