
Am letzten Tag des Monats sorgen gleich drei Mega-Übernahmen an den Märkten für Überraschung. McCormick und Unilever fusionieren, zwei Biotechs werden mit Prämien von 46% und über 100% durch Eli Lilly und Biogen übernommen. Das gesunkene Kursniveau lädt Investoren mit strategischen Zielen offensichtlich zum Kauf ein.
Der Monatsanfang fällt mit dem Beginn des Iran-Krieges zusammen. Die Unsicherheit für Unternehmen und Investoren war von Anfang an hoch und hat im Monatsverlauf weiter zugenommen. Die Eskalation trieb die Gas- und Ölpreise in die Höhe und löste eine Inflationswelle aus, die bereits jetzt mess- und spürbar hochschwappt. Nach Zinssenkungen sieht es erstmal nicht aus.
Kriegsende in Sicht
Dennoch lässt sich aus den nicht eindeutigen Aussagen der Vertreter der Trump-Administration herauslesen, dass der Krieg in absehbarer Zeit beendet wird. Die primären Ziele wurden erreicht, ein langwieriger und teurer Krieg, bei dem nicht viel zu gewinnen ist, war und bleibt nicht das Interesse der USA. Damit werden die Karten an den Märkten neu gemischt. Wer dauerhaft von den erhöhten Ölpreisen, Lieferengpässen oder -unterbrechungen betroffen ist, wird es schwer haben, die Gunst der Anleger zu gewinnen.
VAT-Auftragseingang steigt weiter
Es kommt natürlich immer auf das Ausmass und die Dauer der Störungen an. VAT meldete gerade, dass der Quartalsumsatz etwas schwächer als noch am Monatsanfang prognostiziert ausfallen wird. Die entsprechenden Umsätze verlagern sich nun ins zweite Quartal. Dafür ist der Auftragseingang stark angestiegen. Die in der Halbleiterbranche wichtige Book-to-Bill Ratio dürfte bei 1.6 liegen. Wegen der ungebrochenen Investitionstätigkeit der Chip-Hersteller ist ein Ende des Booms für VAT nicht erkennbar. Die Aktie ist im März zwar zurückgefallen, die Perspektiven für 2026 und darüber hinaus sind jedoch hervorragend.
Die Entwicklung der Aktie von VAT Group verläuft im letzten Jahr aufwärts. Chart: six-group.comGewinner und Verlierer
Von den 10 Favoritentiteln sind neben VAT drei weitere Titel im März abgerutscht. Dies sind SKAN Holding, Geberit sowie Weleda im ausserbörslichen Bereich. Mit Espace Real Estate ging ein Titel seitwärts, doch fünf Aktien, darunter Bachem und Galderma, konnten den schwierigen Monat mit einem Plus abschliessen. Zum Vergleich: In den Leitindizes SMI, DAX und Dow-Jones liegen auf Monatssicht neun von 10 Aktien im Minus.
Stabilitätsanker OTC-X
Von den auf OTC-X gehandelten Titeln legten Geoterra, Weiss + Appetito sowie SSE Holding im Monatsverlauf leicht zu. Neue Nachrichten gab es nicht. Wie schon in vergangenen Krisenzeiten zeigt sich die Ausserbörse resilient. Seit Anfang Jahr hat sich der OTC-X Liquidity Index zwar bewegt, zeigt zum Quartalsende jedoch eine Performance von 0,0%. Das Marktgeschehen ist etwas gebremst, die Aktienumsätze fielen im März schwächer aus.
Der Kursverlauf von Geoterrra zeigt seit Handelsaufnahme eine steigende Tendenz. Chart: otc-x.chUnternehmenstransaktionen auf OTC-X
Die Berichtssaison zeigt ein insgesamt gemischtes Bild. Eine gesonderte Rolle spielen Unternehmenstransaktionen respektive Eigentümerwechsel. Die Acrevis Bank und die Regiobank Männedorf schliessen sich zusammen, was auch einen Titel weniger auf der Kursliste bedeutet. Bei der Plaston Holding trennt sich der bisherige Hauptaktionär von der Mehrheit der Aktien im Rahmen einer Nachfolgelösung. Der neue Mehrheitseigentümer ist die Grapha Holding. Den Verwaltungsrat von Grapha präsidiert Martin Wipfli, der schon länger auch die Beteiligungsgesellschaft Nebag im Verwaltungsrat von Plaston vertritt.
Bereits im Februar hatte die SSE Holding angekündigt, ihre Sprengstoffaktivitäten in die börsenkotierte französische EPC Groupe einzubringen. Unterschiedliche Branchen, ähnliche Lösungen für Fragestellungen, die grosse und kleine Unternehmen, ob kotiert oder ausserbörslich gehandelt, gleichermassen betreffen. Es könnte noch mehr Transaktionen mit Konsolidierungs- oder Nachfolgemotiv geben. Viele der auf OTC-X gelisteten Unternehmen sind in Familienbesitz und könnten durch Auf- oder Abspaltungen oder Fusionen an Marktwert gewinnen. Es scheint, dass der Marktdruck zunehmend selbst verkrustete Strukturen sprengen kann.
Chancen und Risiken
Der weitere Ausblick auf die Aktienmärkte und was sie im zweiten Quartal und im Rest des Jahres bringen, bleibt von Unsicherheiten überschattet. Sicher erscheint, dass die Unsicherheiten fortbestehen werden. Doch unmissverständlich ist auch der Einklang, der aus Börsenreaktionen und starken Zahlen und Perspektiven entsteht. Manche Trends wie die Sonderkonjunktur der Luxusgüterindustrie oder der SaaS-Boom scheinen für den Moment im Leerlauf zu rotieren, doch ästhetische Kosmetik wie von Galderma geliefert und Mega-Investitionen in neue Halbleiter-Kapazitäten gewinnen eher noch an Momentum. Abhängig vom Anlagehorizont und der Risikotoleranz lassen sich derzeit auf dem ermässigten Kursniveau sowohl an der SIX wie auch an der Ausserbörse vielversprechende Aktien finden.





