
Die Börse überrascht immer wieder. Trotz der anhaltend hohen geopolitischen Unsicherheiten, der Konjunkturverlangsamung und der unübersehbaren Inflationsgefahren konnten die Leitindizes im April ihr Vormonatsniveau halten oder sogar leicht zulegen. Auf der Favoritenliste kletterte VAT in neue Rekordhöhen. Bei den Favoriten überwiegen die Pluszeichen.
Während sich der launische April von seiner Sonnenseite gezeigt hat, blieb das Börsenklima von Wechselduschen nicht verschont. Eskalationen, Drohungen, Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien spiegeln sich im Verlauf des Ölpreises wider. Für Schlagzeilen sorgen knappe Kerosinbestände, die höchsten Preise an den Tankstellen, aber auch Entlassungswellen und Insolvenzen.
Das Dilemma der Notenbanken
Das umreisst auch schon die Problematik für die Notenbanken. Steigende Inflationsraten lassen höhere Leitzinsen erwarten. Doch bislang werden der Golf-Konflikt und die Ölknappheit von den Notenbankern auf beiden Seiten des Atlantiks noch als vorübergehend eingestuft.
Hig-Tech-Aktien im Fokus
An den Kapitalmärkten ist das Bild uneinheitlich. Die Anleiherenditen ziehen weiter an, an den Aktienbörsen ist die Volatilität hoch. Das KI-Thema bestimmt wieder und weiterhin das Börsengeschehen. Eine kleine Gruppe von Aktien, darunter hochkapitalisierte Titel wie Nvidia und Amazon, bestimmen das Geschehen. Nvidia liegt wieder über 5 Billionen USD Market Cap, Amazon über 2.8 Billionen USD. Gleichgewichtete Indizes hinken deutlich hinterher. Das zunehmend irrationale Kursverhalten zeigte sich bei Intel. Die Aktie stieg im April um 88%, davon fast 40% in der laufenden Woche. Damit hat Intel das bisher nicht wieder erreichte historische Hoch aus dem Jahr 2000 eingestellt. Ob dies ein positives oder negatives Marktsignal ist, wird sich bald zeigen.
VAT im Höhenflug
An der Schweizer Börse überwogen die Gewinner im April. Sieben der 20 SMI-Valoren zeigen ein negatives Vorzeichen. Darunter ist mit 1% Minus auch Geberit. Die vier anderen Titel im kotierten Bereich zeigen dagegen zum Teil kräftige Avancen. VAT stieg auf Monatssicht um über 20%, Bachem um fast 10%, und Galderma sowie SKAN Holding stiegen um jeweils rund 7%. Dahinter stehen Unternehmensmeldungen wie bei Galderma. Im ersten Quartal 2026 nahm der Umsatz in Lokalwährungen um 25,5% auf nahezu 1.5 Mrd. USD zu. Insbesondere glänzte der Bereich Therapeutische Dermatologie mit 71,3% Wachstum. Für das Gesamtjahr wird mit einer Zuwachsrate von 17% bis 20% und einer Kern-EBITDA-Marge von 26% gerechnet.

VAT erhöht Dividende
Bei VAT ging zwar der Umsatz im ersten Quartal wegen lieferkettenbestimmten Verzögerungen leicht zurück, doch der Auftragseingang stieg um 17% zum Vorquartal und um 47% zum Vorjahresquartal. Der Aussblick ist positiv. Die Dividende für 2025 wird um 12% auf 7 CHF je Aktie angehoben.
Weiss+Appetito setzt Wachstumskurs fort
Die Berichtssaison hat auch im ausserbörslichen Bereich begonnen. Weiss+Appetito steigerte den Umsatz um 3% auf 173.2 Mio. CHF, das EBITDA fiel aufgrund höherer Aufwendungen allerdings um 12,7% auf 11.7 Mio. CHF. Der Nettogewinn ging um 0.8 Mio. CHF auf 4.9 Mio. CHF zurück. Die Dividende soll unverändert bei 8 CHF je Aktie liegen.
Weleda wächst – Dividende wird gestrichen
Auch Weleda berichtete über das Geschäftsjahr 2025. Der Umsatz kletterte um 6,2% auf 484.6 Mio. Euro. Während der Kosmetikumsatz um 9,2% zulegte, fiel der Pharmaumsatz um weitere 6,3% zurück. Kosmetik steuert mittlerweile über 80% zum Umsatz bei. Aufgrund höherer Marketingaufwendungen und Investitionen in den Markenauftritt sowie innovative Produkte verminderte sich das operative Ergebnis um 13.5 Mio. Euro auf 9.5 Mio. Euro. Um mehr als 22 Mio. Euro wurde das Budget für Markenbildung und Marketing erhöht. Die Dividende soll dagegen ausfallen. Dafür ist Weleda omnipräsent und erreicht, wie beabsichtigt, neue Zielgruppen. Die werden auch gebraucht, soll der Umsatz in den kommenden Jahren verdoppelt werden, wie angekündigt. Hierzu liegt der Schwerpunkt auf skalierfähige Märkte wie den E-Commerce, aber auch Regionen wie Osteuropa und neu Indien, wo der Markteintritt in Vorbereitung ist. Der Weleda N-PS gab am Monatsende deutlich bis auf 5000 CHF nach, den tiefsten Stand seit 11 Monaten.

Geoterra Holding erhöht Dividende
Geoterra wird erst seit vergangenem Sommer ausserbörslich gehandelt. Der erste Jahresabschluss als Publikumsgesellschaft zeigt eine Fortsetzung des profitablen Wachstumskurses. Der Umsatz stieg um 11,9% auf 103 Mio. CHF. Das EBITDA erhöhte sich um 14,9% auf 16 Mio. CHF. Die Dividende soll von 109 CHF je Aktie auf 115 CHF angehoben werden.
Im April sind somit acht der 10 Valoren gestiegen. Lediglich Geberit und Weleda verloren. Die Performance der Favoriten zeigt, dass sich hohe Wachstumsraten und Gewinnspannen auch in der Kursentwicklung niederschlagen, und dies umso mehr, wenn die Flut nicht mehr alle Schiffe anhebt.





