Weleda: Wachstumsbeschleunigung, Markenwert und Aussetzung der Dividende

Hohe Marketingaufwendungen schieben Kosmetik-Umsatz kräftig an

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Zur Strategie gehören neu auch Influencerinnen und Celebrities, die mit Social-Media-Kampagnen für Aufmerksamkeit – und Verkaufserfolge sorgen. Bild sorgen: Weleda, Geschäftsbericht 2025

Die von CEO Tina Müller verfolgte Strategie geht auf. Im Geschäftsjahr 2025 stieg der Umsatz mit Kosmetika um 9,2%. Der Gruppenumsatz erhöhte sich um 6,2% auf den Rekordwert von 484.6 Mio. Euro. In Lokalwährungen lag die Wachstumsrate 1,1 Prozentpunkte höher. Die Dividende soll allerdings gestrichen werden.

Der wesentliche Grund für die Aussetzung der Ausschüttung bei Weleda sind die um 22 Mio. Euro höheren Aufwendungen für Markenbildung und Marketing. Das EBIT fiel von 23 Mio. Euro im Vorjahr auf nun 9.5 Mio. Euro. Die Investitionen in Produkteinführungen und Markenbildung zahlen sich offensichtlich aus.

Boom der Kosmetika

Der Kosmetikumsatz stieg auf 401.9 Mio. Euro und sprang damit erstmals über die Marke von 400 Mio. Euro. Das starke Wachstum lag über dem Marktdurchschnitt und wurde von allen Regionen getragen. Der Zuwachs wurde durch die höchste Anzahl von Neueinführungen in der Unternehmensgeschichte beschleunigt. Mit «Booster Drops» für die jüngere Generation wurde eine neue Gesichtspflegeserie erfolgreich lanciert. Mit «Cell Longevity» wird der Premium-Markt erschlossen. Die Premiumisierung ist eines der vier strategischen Kernziele von CEO Müller. In keinem anderen Marktsegment sind die Margen höher.

Schrumpfung im Pharma-Segment

Das Geschäft mit anthroposophischen Pharmazeutika war dagegen erwartungsgemäss weiter rückläufig. Der Umsatz ging um 6,3% auf 82.7 Mio. Euro zurück. Währungsbereinigt lag der Rückgang jedoch bei 4,7%. Die Nachfrage hat sich spürbar abgeschwächt, und der Anteil am Gesamtumsatz ist auf 17% gesunken. Dem wird mit erhöhten Forschungaufwendungen, einer Fokussierung auf ausgewählte Indikationsgebiete, einer Reorganisation der Prozesse und einer Stärkung des Personals entgegengewirkt. Die neue Doppelspitze soll das Pharma-Geschäft gezielt weiterentwickeln. Das Commitment zur Fortführung des Geschäfts mit homöopathischen und anthroposophischen Arzneimitteln wird durch die Investitionsbereitschaft sichtlich untermauert.

Verschuldung steigt, Gewinn fällt

Gruppenweit erhöhte sich die Anzahl der Vollzeitstellen um 3,6% auf 1957. Der Personalaufwand fiel höher aus, und auch der Materialaufwand stieg. Während die Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte mit 23.8 Mio. Euro um 5,6% tiefer als 2024 ausfielen, forderten die nach oben geschraubten Marketingaufwendungen ihren Tribut. Die Nettoverschuldung verdreifachte sich fast auf 34 Mio. Euro. Der Jahresgewinn fiel um 91,1% auf 2 Mio. Euro. Der GV wird deshalb vorgeschlagen, keine Dividende für 2025 auszuschütten.

E-Commerce wächst um 20%

In der Medienmitteilung vertritt CEO Müller ganz bestimmt die Vorwärtsstrategie, die zu beschleunigtem Wachstum, neuen Produkteinführungen und einer Steigerung der Markenwahrnehmung geführt hat. Im Jahresbericht schreibt Verwaltungsratspräsident Thomas Jorberg, dass es der Wandel erfordert, Spannungsfelder wie zwischen Investition und Ertrag auszuhalten. Die Strategie ist transparent in der Umsetzung. Das E-Commerce-Geschäft verzeichnete ein Wachstum von 20%, nicht zuletzt durch die intensivierten Social Media Aktivitäten. Influencerinnen und Celebrities sorgen mit TikTok-Kampagnen für Aufmerksamkeit – und Verkaufserfolge. Die neuen Kosmetika-Linien trugen seit der Markteinführung wesentlich zum Wachstum bei.

Innovationen und Expansion

Die Expansionsstrategie ist durchdacht. 32,8% des Umsatzes in der DACH-Region entfallen inzwischen auf innovative Produkte, was einen Hinweis auf die gesteigerte Innovationseffizienz liefert. Die DACH-Region stellt 50% des Gruppenumsatzes in 2025. Mit der Premium-Linie Cell Longevity ist Weleda auch erstmals in Parfümerien präsent, was eine neue kaufkräftige Kundengruppe erschliesst. Die Markenbotschaften kommen auch an. Das Marktforschungsinstitut YouGov und das SZ Institut der Süddeutschen Zeitung haben fast 1 Mio. Deutsche befragt. Unter 788 Produkten aus 45 Produktkategorien errang Weleda den ersten Platz und ist damit zum «Qualitäts-Champion 2025» geworden.

Nachhaltigkeit in der DNA

Ein wichtiger Grund hierfür ist zweifellos die glaubwürdige nachhaltige Ausrichtung. Die Fortschritte bei der Reduzierung von Emissionen, Verpackung und Müllvermeidung werden im integrierten Nachhaltigkeitsbericht dokumentiert. Beispielsweise sind die Tuben dünner geworden, was weniger Material braucht. Zudem wurde der Recyclinganteil weiter erhöht.

Differenzierte Marktentwicklung

Die Internationalisierung hat für Weleda Priorität. 2025 legten nahezu alle Regionen kräftig zu. In Deutschland lag die Wachstumsrate bei 10,7%, in Australien bei 19,2% und in Korea bei 26,3% jeweils in der Landeswährung. In den USA allerdings war die Zuwachsrate von 1,3% in USD mässig. Um 46,7% rückläufig war der Umsatz in Hongkong, und auch in der Schweiz fiel der Umsatz in CHF um 1,2%. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass im Schweizer Markt 40% der Umsätze von Weleda auf Pharma entfällt. Nur in Argentinien mit 62%, Brasilien mit 77% und Neuseeland mit 42% ist der Pharma-Anteil höher. Der Gesamtumsatz von Weleda in der Schweiz beträgt 45.5 Mio. Euro, der von Argentinien 2.2 Mio. Euro, der von Brasilien 13.7 Mio. Euro und der Neuseelands 3.6 Mio. Euro. Das hat historische Hintergründe, da viele Anthroposophen in den 1930er Jahren dorthin emigrierten. In Australien, zum Vergleich, beträgt der Pharmaanteil nur 2%, in den USA, Spanien und der Ukraine 0%.

Fazit

Die gestrichene Dividende ist zwar nicht erfreulich, doch dafür wurden 2025 die Weichen sichtbar auf Expansion und Wachstum gestellt. Den Markenschatz zu heben, heisst, Weleda ins richtige Licht zu rücken und die zuvor brach liegenden Märkte mit zeitgemässen Mitteln zu erschliessen. Erstmals wird verstärkt die jüngere Generation als Kundinnen und Kunden gewonnen. Mit dem bevorstehenden Markteintritt in Indien, dem bevölkerungsreichsten Land der Welt, wird eine weitere strategische Expansion umgesetzt. Das bringt auch Anpassungen mit sich, die nicht jedem Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft gefallen mögen. CEO Müller kann sich jedoch scheinbar gut durchsetzen und ihre Strategien umsetzen. Innerhalb von zwei Jahren ist ihr gelungen, woran ihre diversen Vorgänger gescheitert sind. Der Dividendenausfall ist zu verschmerzen, da die Auswirkungen der Investitionsinitiative bereits in Form hoher Wachstumsraten erkennbar sind. Das sind gute Vorzeichen für weitere Kursavancen.

Der Namen PS von Weleda zeigt Aufwärtstendenz. Nach Bekanntgabe der Jahreszahlen wurde diese allerdings jäh unterbrochen. Chart: otc-x.ch

Die Namen PS der Weleda werden ausserbörslich auf der OTC-X Plattform gehandelt. Der letztbezahlte Kurs beträgt 5100 CHF.

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