
Der Mai blieb an der Börse überraschend. Halbleiter-Aktien schossen trotz der vorangegangenen Hausse weiter in die Höhe. Die US-Börsen, aber auch die Märkte in Japan und Korea setzten neue Rekordmarken. An den europäischen Börsen konnten nur wenige Titel wie VAT vom laufenden High-Tech Boom profitieren.
Die europäischen Aktienmärkte legten zwar im Mai etwas zu, der SMI und der DAX gewannen je 3%, doch in der Betrachtung seit Jahresbeginn ist die Bilanz ernüchternd. Während der Nasdaq 16% höher steht, und der Nikkei sogar 32%, ist die Performance von SMI und DAX mit gerade einmal 2% äusserst bescheiden. Der EuroStoxx 600 liegt zwar mit 5,8% ytd besser, doch die Diskrepanz sollte doch zu denken geben.
Europäische Defizite
Europa fehlt ein Thema, das die Börsen beflügeln könnte, so jedenfalls bewerten viele institutionelle Investoren die Under-Performance. Durch den Investitionsboom rund um KI und Datencenter findet an den Börsen ein Favoritenwechsel statt, der die Hausse befeuert. Es handelt sich um eine neue Welle der Re-Industrialisierung. Halbleiter sind knapp geworden, weshalb auch viele Valoren aus der zweiten und dritten Reihe Gewinnexplosionen melden, was die Kurse in die Höhe katapultiert.
Änderungen im Ranking nach Market Cap
Das hat Auswirkungen auf gesamte Volkswirtschaften. Beispielsweise sind Samsung Electronics und SK Hynix nun jeweils über 1 Billion USD wert. Der koreanische Kospi-Index ist mit einem Anstieg von 101% in diesem Jahr der weltweit führende Performer. Die Marktkapitalisierung der beiden Chip-Aktien allein entspricht der gesamten Schweizer Inlandsmarktkapitalisierung von aktuell ca. 2.2 Billionen USD, wie von CEIC errechnet. Die Schweiz liegt in Europa nach dieser vergleichbaren Messgrösse an vierter Stelle nach UK mit 3.9 Billionen USD, Frankreich mit 3.6 Billionen USD und Deutschland mit 2.9 Billionen USD. Die Inlandsmarktkapitalisierung von Korea hat im April erstmals die von UK und Kanada überflügelt und beträgt 4.7 Billionen USD. Sie liegt damit auch erstmals über dem Wert vor Taiwan, der 4.2 Billionen USD beträgt. Im globalen Ranking liegt Korea damit auf Rang sechs.
Wenig High-Tech in Europa
Im EuroStoxx 50 sind Infineon mit 45% Monatsperformance und ASML mit 16% die Spitzenreiter. Der Technologietitel Siemens stieg um immerhin 9%. In der Schweiz zählten die Halbleiterzulieferer Comet mit 19% Monatsperformance und Inficon mit 9% zu den Profiteuren. VAT legte um 5% zu, ABB um fast 7%. Der Vergleich zu den US-Börsen wäre beschämend. Die Aktie von Dell stieg am letzten Handelstag allein um 40%, Intel in den letzten 12 Monaten um 480%. Da High-Tech einen grossen Teil der US-Marktkapitalisierung ausmacht, steigen auch die marktbreiten Indizes entsprechend an.
Favoriten ziehen weiter an
In Europa aber nicht, da die wenigen genannten Technologie-Titel in den Indizes kaum Gewicht haben. Trotz der Gegenwinde aus Inflationsängsten, steigenden Anleiherenditen und geopolitischen Unsicherheiten legten vier der fünf börsengehandelten Favoriten von schweizeraktien.net im Mai weiter zu. Neben VAT sind dies Bachem, Galderma und SKAN Holding. Leicht abwärts ging es für Geberit, den einzigen SMI-Titel unter den Favoriten. Die Aktie wird von vielen Marktteilnehmern als Bauzulieferer kategorisiert und bei anziehenden Zinsen verkauft.
Die Aktien von SKAN scheinen einen Boden gefunden zu haben. Chart: six-group.comKonsolidierung an der Ausserbörse
Umgekehrt gaben alle fünf auf OTC-X gehandelten Valoren im Mai leicht nach. Wirkliche kursbewegende Nachrichten gab es nicht. Weleda hatte den Jahresabschluss für 2025 vorgelegt, die Eckdaten waren bereits im letzten Monatsbericht zu den Favoriten genannt worden. Zwischenzeitlich wurde Weleda umfassender unter die Lupe genommen.
Der Weleda-PS hat nach dem Gewinneinruch im 2025 korrigiert. Chart: otc-x.chErkenntnisse an der Weleda-GV
Am 30. Mai fand dann die GV statt. Kernaussagen waren, dass die Strategien greifen. Bis Ende April ist der Kosmetika-Umsatz im laufenden Jahr um 7,5% gestiegen. Beim Pharma-Umsatz ist der Schrumpfungsprozess mit minus 0,9% fast zum Stillstand gekommen. Einige Wettbewerber in der sogenannten Komplementärmedizin verzeichneten kräftigere Rückgänge. Weleda arbeitet an der Verbesserung der internen Prozesse, investiert viel und sieht sich auf dem richtigen Kurs. 83% der Umsätze entfielen 2025 auf das Kosmetika-Segment, das Wachstum war besser als der Marktdurchschnitt.
Im Mai wurden in geringen Stückzahlen die Weleda N-PS abgegeben, der tiefste Kurs lag bei 5000 CHF. Doch mehr Umsatz als in den sonstigen Monaten gab es nicht zu beobachten. Der Kurs hat das Tief hinter sich gelassen. Die gewinnbezogenen Kennzahlen sehen zwar wenig attraktiv aus, doch das KBV ist nahezu unverändert bei 0.88.





