
Trotz geopolitischer Spannungen präsentierte sich das Segment der Schweizer Small- und Mid-Caps im ersten Halbjahr bemerkenswert robust. So legte der Benchmark-Index SPI Extra (SPIEXX) seit Jahresbeginn um 6,08% zu. Zwischenzeitlich verzeichnete der Index jedoch, infolge des Konflikts im Iran, Ende Februar einen – im internationalen Vergleich – moderaten Sell-Off von -9,1%. Trotz dieses kurzzeitigen Rückschlags fand der Markt zu seinem Aufwärtstrend zurück und markierte bis Ende Juni sogar neue Rekordhöhen.

Diese Entwicklung unter den Small- und Mid-Caps bezeichnet Adrian Lechthaler (Peter J. Lehner & Partner) als «überzeugend». Er betont, dass konjunktursensitive Unternehmen bereits einen Aufschwung zeigen. Zudem bleibe das Aufholpotenzial «gross», sofern dies «nicht durch geopolitische Konflikte unterbrochen wird».
SNB hält still
Die konjunkturelle Lage in der Schweiz bleibt stabil: Die SNB liess den Leitzins auch an ihren Sitzungen im März und Juni 2026 unverändert bei 0,0%, während die Inflationsrate von 0,1% auf 0,7% (Stand Juni) anstieg. Die Inflationsrate bewegt sich weiterhin innerhalb des 0- bis 2%-Zielbandes der SNB und zeigt bislang keine Anzeichen eines allgemeinen Preisanstiegs, der durch eine höhere Kundennachfrage angetrieben wird. Zudem hat die SNB klar signalisiert, dass sie bei einer übermässigen Frankenaufwertung bereit wäre, am Devisenmarkt einzugreifen. Hintergrund dieser Bereitschaft ist die Funktion des Frankens als sicherer Hafen: Gerade in Phasen erhöhter Unsicherheit – wie etwa während des Konflikts im Iran zu Jahresbeginn – suchen internationale Investoren vermehrt Zuflucht in Schweizer Franken, was die Währung aufwerten und die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten Schweizer Wirtschaft belasten könnte. Mit dieser wachsamen Wechselkurspolitik dürfte die SNB das Vertrauen der Investoren in den hiesigen Markt zusätzlich stärken.
Gewinnertitel im Fokus: amsOSRAM legt deutlich zu
Marc Possa (Sara Select Fonds, ZVV) empfahl im Januar die amsOSRAM zum Kauf. Seitdem entwickelte sich der Titel zu einem der Top-Performer im SPI Extra-Index und konnte einen Kursgewinn von 123,0% erzielen. Das Licht- und Sensorunternehmen sei «auf dem Weg in Richtung der fundamentalen Bewertung», jedoch immer noch «deutlich» davon entfernt.

OC Oerlikon, eine der Empfehlungen von Patrick Hofer, hat im ersten Halbjahr um 60,0% zugelegt. Einer der Hauptgründe war der Verkauf des Polymer-Verarbeiters Barmag an die schweizerische Rieter. OC Oerlikon verfügte somit über eine überschüssige Liquidität, die das Unternehmen «zum Teil an die Investoren zurückbezahlt» hatte. Als reiner Oberflächenbeschichter betreibt das Unternehmen aktuell ein stabileres und margenstärkeres Geschäft als zuvor.

Belimo und Bachem überzeugen
Der beste Performer von Vinicio Marsiaj (Lakefield Partners) war Belimo. Das Unternehmen konnte von der «anhaltenden Nachfrage nach energieeffizienten Gebäudelösungen, Rechenzentren und Nachrüstungen» profitieren, so Marsiaj. Der Kurs des Gebäudetechnik-Unternehmens ist seit Jahresbeginn um 16,5% gestiegen. Anfang der Woche berichtete Belimo über die Ergebnisse für das erste Halbjahr, welche die Erwartungen übertrafen: Der Umsatz legte um 20,0% zu, das EBIT verzeichnete ein Plus von 19,1%, und der Reingewinn wuchs um 23,3%.

Adrian Lechthaler von Peter J. Lehner & Partner empfahl im Januar das Pharmaunternehmen Bachem. Lechthaler betonte, dass das Wachstum der Firma zunehmend sichtbar werde. Dies spiegelt sich auch im Geschäftsbericht wider, in dem das Unternehmen von einer anhaltend hohen Nachfrage berichtet. Die Ziele sind hochgesteckt: Ein Umsatzwachstum zwischen 35,0% und 45,0% wird erwartet, und die Produktionskapazität sollte mit einer Investition von mehr als 400 Mio. CHF erweitert werden. Der Kurs legte seit Jahresbeginn um 26,3% zu.

Schwierigkeiten bei Interroll
Interroll lag im ersten Halbjahr deutlich im Minus im Vergleich zu anderen Peers an der SIX. Dabei hatte das Unternehmen im Frühling zwar von einem verbesserten Marktumfeld gesprochen, musste aber dennoch einen Kursverlust von 42,1% hinnehmen. Grund dafür waren schwächere Auftragseingänge im ersten Halbjahr sowie Projektverzögerungen und eine allgemeine Investitionsmüdigkeit in den Kernmärkten. Nichtsdestotrotz ist die Bilanz stabil und ermöglichte zwei Akquisitionen im 1. Halbjahr 2026: die Royal Apollo Group und die Interroll AS – der ehemaliger unabhängige Distributor für Interroll in Norwegen. Wie sich diese Zukäufe kurzfristig auf die Zahlen des Halbjahresberichts auswirken, bleibt abzuwarten.

Ausblick
Die befragten Portfoliomanager bleiben grundsätzlich positiv für das zweite Halbjahr. Einige Risiken sind aber immer noch im Hinterkopf zu behalten. Wie sich diese Risiken auf Schweizer Titel auswirken, dürfte sich wahrscheinlich auf Mikro-Ebene abspielen, sagt Vinicio Marsiaj. Konkret könnten die Unterschiede zwischen der geografischen Umsatzverteilung, der Kostenbasis und der Absicherungspolitik der Unternehmen dazu führen, dass sich die Spreu vom Weizen trennt und einzelne Titel deutlich besser abschneiden als andere Wie stark sich die Unterschiede zwischen den Titeln niederschlagen oder ob sich die Marktbreite doch verbessert, bleibt eine zentrale Frage für das zweite Halbjahr.
Ein weiteres Risiko orten Portfoliomanager in den Wachstumsindustrien, die von der KI-Wende profitiert haben. Einigkeit besteht darüber, dass diese Titel eine Blasenbildung aufweisen und daher ein hohes Risiko für Anleger bestehen dürfte. An Rüstungs-, Chip-, Speicherchip- sowie Softwaretiteln zeige sich laut Marc Possa besonders deutlich, wie stark kurzfristige Faktoren eine enorme Volatilität auslösen können. Grund dafür seien die erwarteten, «fast ins Unendliche» reichenden Wachstumsraten. Possa halte es für unwahrscheinlich, dass die tatsächlichen Investitionen der nächsten Jahrzehnte, insbesondere bei Datenzentren, zuverlässig vorauszusehen sind. Stattdessen sei es schlauer, aus tieferer Überzeugung in das Management, die Strategie und die Alleinstellungsmerkmale (USPs) einer Gesellschaft zu investieren.
Positive Vorlaufindikatoren
Auf makroökonomischer Ebene bleibt das Bild derweil unterstützend. Patrick Hofer und Marcel Weiss vom AWEA-Fonds stützten ihren Optimismus für das zweite Halbjahr unter anderem auf die positive Entwicklung in den konjunkturellen Vorlaufindikatoren wie im PMI – ein Frühindikator, der zeigt, ob die Wirtschaft wächst oder schrumpft. Erst seit März dieses Jahres liegt der Industrie-PMI über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Der PMI im Dienstleistungssektor erreichte im Juni einen neuen Höchstwert seit März 2022, mit 59,8 Punkten.
Vor diesem konjunkturellen Hintergrund sehen Portfoliomanager auch auf Branchenebene differenzierte Chancen. Im Rahmen der hohen Bewertungen der KI-Profiteure sieht Adrian Lechthaler «zunehmend mehr Potenzial bei tieferen Risiken» und attraktivere Bewertungen bei Industrie- und Medtech-Titeln. Auch im Immobilienbereich sieht Patrick Hofer vom AWEA-Fonds dank der stabilen Konjunkturlage in der Schweiz Potenzial für starke Erträge. Die Chancen für Neubewertungsgewinne aufgrund tieferer Zinsen werden jedoch als gering erachtet.
Hinweise für den Leser:
Die Aktienkurse sowie deren prozentuale Kursveränderungen beziehen sich auf den Stand vom 6. Juli 2026.
Birgitte Olsen (Bellevue Asset Management) und Thomas Kühne (LLB) konnten sich ferienbedingt nicht zu ihren Empfehlungen äussern. Ihre Kommentare und Einschätzungen werden in der Berichterstattung auf schweizeraktien.net folgen.





