
Die AG für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) hat ihre Nachfolge an der publizistischen Spitze geregelt: Mark Dittli, Mitgründer, Geschäftsführer und früherer Chefredaktor des digitalen Finanzmagazins The Market, wird per 1. Februar 2027 neuer Chefredaktor. Er folgt auf Eric Gujer, der nach zwölf Jahren in dieser Funktion die neu geschaffene Rolle des Herausgebers Deutschland übernimmt.
Mit der Ernennung setzt die NZZ auf einen Journalisten, der Finanz- und Wirtschaftsberichterstattung mit digitalem Unternehmertum verbindet. Verwaltungsratspräsidentin Isabelle Welton verweist in der Medienmitteilung auf Dittlis journalistische Kompetenz, seine Führungserfahrung sowie seine Fähigkeit, neue Medienangebote erfolgreich aufzubauen. CEO Felix Graf betont zudem die Herausforderungen durch künstliche Intelligenz und veränderte Mediennutzung, auf welche die NZZ strategisch reagieren müsse.
Vom CFA zum Medienunternehmer
Der 1974 geborene Mark Dittli verfügt über einen ungewöhnlichen Hintergrund für einen Chefredaktor. Nach einer kaufmännischen Ausbildung studierte er Betriebsökonomie an der HWV Winterthur und erwarb später den renommierten Titel eines Chartered Financial Analyst (CFA). Seine journalistische Karriere begann im Jahr 2000 bei der Wirtschaftszeitung Finanz und Wirtschaft. Dort arbeitete er unter anderem als Korrespondent in New York und führte die Zeitung von 2012 bis 2017 als Chefredaktor.
Besonders prägend für sein Profil als Medienunternehmer war die Gründung des Finanzportals The Market im Jahr 2019. Die NZZ war zunächst Minderheitsaktionärin und übernahm das Unternehmen Ende 2023 vollständig. Unter Dittlis Führung erreichte die Plattform die Gewinnschwelle früh und expandierte später nach Deutschland.
Seine Ernennung kann daher auch als Signal verstanden werden: Die NZZ setzt nicht allein auf publizistische Kontinuität, sondern auf jemanden, der Erfahrung beim Aufbau digitaler Bezahlangebote und bei der Monetarisierung hochwertiger Inhalte mitbringt.
Die NZZ zwischen Qualitätsjournalismus und Beteiligungsstrategie
Die personelle Entscheidung fällt in eine Phase, in der die NZZ-Gruppe wirtschaftlich zwar über eine starke Eigenkapitalbasis verfügt, gleichzeitig aber mit strategischen Herausforderungen konfrontiert ist.
Aufmerksamkeit erregte zuletzt insbesondere die Aufstockung der Beteiligung am Aussenwerbekonzern APG|SGA auf 45%. Die NZZ investierte dafür insgesamt rund 132 Mio. CHF. Das Management begründete den Schritt mit der Diversifikation der Ertragsbasis und der Positionierung im vergleichsweise robusten Aussenwerbemarkt.
Genau diese Strategie wird unter Aktionären kontrovers diskutiert. An der Generalversammlung 2026 herrschte eine spürbare Verunsicherung unter Teilen der Aktionäre. Kritisiert wurden insbesondere die zunehmenden Beteiligungsrisiken sowie die Frage, ob genügend Mittel direkt in den Journalismus investiert werden.
Allerdings konnte die NZZ in den vergangenen Jahren auch ihre digitalen Erlösquellen ausbauen. Dazu trugen insbesondere das Wachstum in Deutschland sowie die Integration von The Market bei.
Fazit
Die NZZ-Aktie wird ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Der zuletzt ausgewiesene Kurs lag bei 4’175 CHF. Seit Jahresbeginn beläuft sich die Performance auf rund minus 12%, nachdem auch schon die Vorjahre eher enttäuschend verliefen. Bei 40’000 ausstehenden Aktien ergibt sich eine Marktkapitalisierung von rund 166 Mio. CHF. Die Dividendenrendite beträgt bei einer gleichbleibenden Dividende von 200 CHF ordentliche 4,8%. Zurzeit wird die Aktie um den Buchwert von 4’200 CHF (per Ende Juni 2026) gehandelt.

Die Kursentwicklung zeigt, dass Investoren zuletzt vor allem die wirtschaftlichen Herausforderungen und die Beteiligungsstrategie bewertet haben. Auch wir verwiesen darauf, dass der Aktienkurs die zunehmende Skepsis der Aktionäre widerspiegelt.
Die Ernennung von Mark Dittli dürfte kurzfristig jedoch positiv aufgenommen werden. Er geniesst in der Schweizer Finanzszene einen guten Ruf und gilt als Vertreter eines analytischen, kapitalmarktnahen und unabhängigen Journalismus. Zudem hat er mit The Market bewiesen, dass er digitale Medienangebote erfolgreich entwickeln und wirtschaftlich tragfähig machen kann.
Für die Entwicklung des Aktienkurses könnte die Personalie daher tendenziell leicht positiv sein. Ein nachhaltiger Kursschub wird allerdings weniger von der neuen Chefredaktion abhängen als von der Fähigkeit der NZZ-Gruppe, ihre digitalen Geschäftsmodelle profitabel auszubauen und die hohen Erwartungen an ihre Beteiligungen zu erfüllen.





