Regionalbanken Berner Mittelland: Spar- und Leihkasse Gürbetal notiert weit unter Buchwert

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Quelle: Spar- und Leihkasse Gürbetal
Quelle: Spar- und Leihkasse Gürbetal

Im Kanton Bern finden sich zahlreiche Regionalbanken, die aufgrund ihrer engen Verbundenheit mit der lokalen Bevölkerung trotz zunehmender regulatorischer Anforderungen auch weiterhin eigenständig bleiben dürften. Ein Beispiel dafür ist der Versuch der Spar- und Leihkasse Münsingen AG (SLM), mit der von der Bilanzsumme per 30. Juni 2014 leicht grösseren Bernerlandbank AG zu fusionieren. An der eigens für diesen Zweck einberufenen Generalversammlung im November 2012 wurde das zum Zusammenschluss notwendige qualifizierte Mehr nicht erreicht, weswegen die Fusion abgeblasen wurde.

Bei der SLM handelt es sich doch schon um keine ganz kleine Bank mehr, liegt doch die Bilanzsumme bei knapp 1.3 Mrd. CHF. Dank der Grösse konnte das Bankhaus die Vorbereitungskosten für die Fusion ohne markante negative Einflüsse auf die Kennzahlen der Erfolgsrechnung begleichen. Deutlich anders würde sich die Lage bei den kleineren Banken darstellen, die bei einem Scheitern von Fusionsgesprächen zumindest einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Geschäftszahlen oder eine Auflösung von Reserven verbuchen müssten.

Ersparniskasse Affoltern im Emmental – steigendes Geschäftsvolumen

Stark betroffen von solchen Ausgaben wäre etwa die Ersparniskasse Affoltern im Emmental AG (EKA) mit einer Bilanzsumme von lediglich 242 Mio. CHF. Das Geschäftsgebiet der EKA grenzt direkt an das der Bernerlandbank. Dabei stand 2014 bei der EKA im Zeichen der Konsolidierung. Dazu gehört insbesondere die Schliessung der beiden Geschäftsstellen in Dürrenroth und in Walterswil. Dank einer vom Verwaltungsrat mit den Gemeinden vereinbarten Kooperation können die Kunden an den Schaltern der Gemeinde die bisher an den Bankschaltern vorgenommenen Dienstleistungen beziehen. Die Mitarbeiter der Gemeinde werden dabei von den Bankangestellten der EKA unterstützt. Nach Angaben der EKA ist die Zusammenarbeit auch sehr gut angelaufen. Dank der neuen Zweigstellen können die Gemeinden zudem mit zusätzlichen Steuereinnahmen rechnen.

Ansonsten erfreut sich EKA derzeit über steigende Geschäftsvolumina. 2014 gab es nicht nur ein Plus bei den Ausleihungen um 5.8% auf 183.9 Mio. CHF, sondern auch Steigerungen bei den Kundeneinlagen um 5.3% auf 176.3 Mio. CHF. Wegen des kontinuierlichen Rückgangs der Zinsen sank der Erfolg aus dem Zinsdifferenzgeschäft allerdings um 5.8% auf 3.8 Mio. CHF. Auch die übrigen Erträge fielen um knapp 100’000 CHF auf 486’000 CHF zurück, so dass die Gesamteinnahmen um 7.1% auf knapp 4.3 Mio. CHF sanken. Auf der Aufwandseite führte der Wegfall von Projektkosten, die insbesondere im Zusammenhang mit der IT-Migration standen, zu einem Kostenrückgang um 7.8% auf knapp 2.1 Mio. CHF. So gelang es, die tiefe Cost-Income-Ratio nochmals leicht von 49.1% im Vorjahr auf 48.8% zu verbessern. Im Ergebnis resultierte dann aber dennoch ein Rückgang des Bruttogewinns um 6.4% auf 2.2 Mio. CHF. Bei unwesentlich höheren Sachabschreibungen, Wertberichtigungen und Rückstellungen ergab sich ein Zwischenergebnis von 1.5 Mio. CHF nach 1.7 Mio. CHF im Vorjahr. Der Reingewinn erreichte den Vorjahreswert von gut 700’000 CHF. Die Aktionäre sollen eine gegenüber dem Vorjahr unveränderte Dividende von 26 CHF erhalten.

Spar- und Leihkasse Münsingen – Ausleihungen legen deutlich zu

Die SLM konnte im Jahr 2014 ebenfalls eine anhaltend hohe Nachfrage nach Krediten verzeichnen und ein Plus der Kundenvermögen erwirtschaften. Bei den Ausleihungen betrug das Wachstum plus 4.9% auf gut 1.1 Mia. CHF, während die Kundengelder um 2.8% auf 926.4 Mio. CHF zulegten. Der SLM gelang es, zumindest teilweise aus den höheren Volumina Mehrerträge zu generieren. So stieg der Zinserfolg um 1.7% auf 16.5 Mio. CHF an. Federn lassen musste die Bank allerdings im Bereich des Kommissions- und Dienstleistungsgeschäfts. Dort gab es ein Minus um 2.5% auf 2.9 Mio. CHF. Dank eines deutlich höheren übrigen ordentlichen Erfolgs gelang es jedoch, die Einnahmen insgesamt um 2.7% auf 21.5 Mio. CHF zu steigern.

Auf der Aufwandseite verzeichnete die SLM einen leicht unterdurchschnittlichen Kostenanstieg um 2.6% auf 11.8 Mio. CHF und konnte so den Bruttogewinn um 2.7% auf 9.8 Mio. CHF ausbauen. Die Cost-Income-Ratio verharrte dabei auf dem Vorjahresniveau von 54.6%. Das gute Ergebnis erlaube eine grosszügige Dotierung der Reserven und Rückstellungen, schreibt die Gesellschaft. Unter dem Strich resultiert ein Plus des Reingewinns von 1.6% auf 3.3 Mio. CHF. Wegen des besseren Ergebnisses soll die Dividende von 27 auf 28 CHF pro Aktie steigen.

Spar- und Leihkasse Gürbetal – Dividende bleibt konstant

Ebenfalls im Berner Mittelland domiziliert ist die Spar- und Leihkasse Gürbetal AG (SLG), die bereits den kompletten Geschäftsbericht für 2014 publizierte. Das mit einer Bilanzsumme von 364.7 Mio. CHF doch eher kleine Haus konnte wie die beiden anderen Institute von einer hohen Nachfrage nach Ausleihungen profitieren. Diese legten um 6.3% auf 334.7 Mio. CHF zu, während die Kundengelder um 5.5% auf 254.5 Mio. CHF anwuchsen. Allerdings gelang es der SLG nicht, aus den höheren Volumina steigende Einnahmen zu generieren. So musste das Bankhaus im Zinsdifferenzgeschäft einen leichten Rückgang um 0.4% auf 6.9 Mio. CHF verbuchen. Auch beim für die SLG wenig bedeutenden zinsindifferenten Geschäft verzeichnete das Institut einen leichten Rückgang in Höhe von 0.6%. Gesamthaft sanken die Umsätze um 0.4% auf 5.4 Mio. CHF.

Auf der Aufwandseite schlugen sich dagegen höhere Fremdkosten negativ nieder. Insbesondere machten die neuen regulatorischen Anforderungen eine Anpassung der IT-Infrastruktur notwendig. Gab es bei den Personalkosten einen Rückgang um gut 130’000 CHF auf 1.6 Mio. CHF, so kletterten die  Sachkosten um gut 150’000 CHF auf 1.5 Mio. CHF. Insgesamt stiegen die Geschäftsaufwendungen um 0.6% auf gut 3.1 Mio. CHF an. Hieraus resultierten ein Minus des Bruttogewinns um 1.7% auf 2.3 Mio. CHF sowie eine leichte Verschlechterung der Cost-Income-Ratio von 57.1% im Vorjahr auf 57.7%. Die Sachabschreibungen betrugen gut 300’000 CHF nach gut 150’000 CHF im Vorjahr. Wie die Gesellschaft im Jahresbericht mitteilt, sind im Berichtsjahr sämtliche Möglichkeiten der Abschreibungen vollständig ausgeschöpft worden. Bei nur wenig veränderten Wertberichtigungen und Rückstellungen resultierte ein Zwischenergebnis von 1.46 Mio. CHF nach 1.61 Mio. CHF im Vorjahr. Bei Steuern in Vorjahreshöhe von knapp 290’000 CHF und einer um 80’000 CHF tieferen Dotierung der Reserven für allgemeine Bankrisiken erzielte die SLG einen um 8% auf 1 Mio. CHF gefallenen Jahresgewinn. Die Dividende soll unverändert bei 105 CHF liegen.

Anhaltender Druck auf die Margen

Die Geschäftszahlen der Regionalbanken des Berner Mittellands sind wie diejenigen der Banken des Berner Oberlands geprägt vom anhaltenden Druck auf die Zinsmargen gepaart mit einem stetigen Anstieg der regulatorischen Anforderungen. Daher verwundert es wenig, dass einzig die etwas grössere SLM ihre Einnahmen steigern konnte. Um das zu erreichen, wurde allerdings der Mitarbeiterstab erweitert, was sich im Anstieg der Personalkosten um fast 7% zeigt.

Die Aktien der SLM werden wie die Papiere der anderen hier vorgestellten Häuser auf der ausserbörslichen Handelsplattform OTC-X der Berner Kantonalbank (BEKB) gehandelt. Auf der Basis des letztbezahlten Kurses von 1’435 CHF weist der Titel eine Rendite von 2.0% auf. Die von der Gesellschaft ausgewiesenen anrechenbaren Eigenmittel erlauben es, einen Substanzwert von knapp 1’800 CHF pro Aktie zu errechnen.

Bei der Ersparniskasse Affoltern beträgt die Dividendenrendite auf der Basis des letzten Kurses von 1’750 CHF lediglich 1.5%. Bislang nicht erhältlich sind detaillierte Zahlen zum aktuellen Substanzwert der Papiere. Es ist allerdings zu erwarten, dass die Eigenmittel keinesfalls unter dem Vorjahreswert von gut 2’700 CHF liegen. Die EKA glänzt mit einer sehr tiefen Cost-Income-Ratio, die sich auch in Zukunft nicht deutlich verschlechtern sollte. Die Auslagerung des Filialgeschäfts an Gemeindeschalter zu deutlich reduzierten Kosten dürfte zu einer weiterhin ansehnlichen Marge beitragen.

Bei den Papieren der SLG beträgt die Rendite auf der Basis der letzten Kurse von 4’800 CHF 2.2%. Die aus der Bilanz ermittelbaren Eigenmittel betragen 8’700 CHF pro Aktie, was eine klare Unterbewertung der Aktie aufzeigt. Allerdings weist die SLG eine vergleichsweise ungünstige Cost-Income-Ratio aus, die sich in Zukunft kaum verbessern wird. Eine weitere Senkung der Personalkosten dürfte kaum mehr möglich sein, ohne die Angebotspalette einzuschränken. Unter Berücksichtigung vor allem des Kurs-Substanzwert-Verhältnisses bleiben die Titel im Vergleich aber erste Wahl.

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