Kurt Bobst, CEO Repower: «Wir werden keine Devestition im Sinne eines „Fire Sale“ tätigen.»

Bereits heute werden nachhaltige Geldflüsse im Dienstleistungsgeschäft erzielt und ein kontinuierliches Wachstum wird angestrebt.

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Kurt Bobst, CEO von Repower, baut das Dienstleistungsgeschäft kontinuierlich aus. Dieses hat bereits einen Anteil im unteren zweistelligen Millionen-Bereich zum Halbjahresabschluss beigesteuert. Bild: repower.com

Das bündnerische Energieunternehmen Repower steckt mitten in einem Transformationsprozess. Künftig will sich das Unternehmen ausschliesslich auf Produktion und Verkauf von erneuerbarer Energie fokussieren und das Dienstleistungsgeschäft, insbesondere mit regionalen Energieversorgern, stärken. Allerdings stammten ein grosser Teil des operativen Gewinns im ersten Halbjahr 2017 mit 23 Mio. CHF aus dem Segement „Italien“, wo Repower in Teverola ein Gas-Kombi-Kraftwerk betreibt, während das Segment „Schweiz“ mit minus 2 Mio. CHF defizitär war (siehe Blog-Beitrag vom 1. September).

Am 12. September 2017 kündigte Repower nun an, rückwirkend per Anfang 2017 den Rechnungslegungsstandard von IFRS auf Swiss GAAP FER umzustellen. Im Interview mit schweizeraktien.net äussert sich CEO Kurt Bobst zum Erfolg der neuen Geschäftsbereiche und den Fortschritten bei der Umsetzung der Strategie 2025. Ausserdem geht er auf die Gründe und Folgen der Umstellung bei der Rechnungslegung ein.

Herr Bobst, welche Meilensteine konnten im neuen Geschäftsbereich bereits erreicht werden, und vor welchen Herausforderungen steht Repower im Dienstleistungsgeschäft?

Auch im ersten Halbjahr konnten verschiedene attraktive Aufträge von bestehenden und neuen Kunden gewonnen werden. Neue Produkte und Services sowie Dienstleistungen für Dritte wurden weiterentwickelt und für die Markteinführung vorbereitet. Mit Tools wie beispielsweise dem Asset Monitor wird eine effiziente Bewirtschaftung von Infrastrukturanlagen ermöglicht. Mit Energy Space steht Grosskunden ein neues Handelsportal zur Verfügung, das die Prozesse vereinfacht und die Transparenz erhöht. Da es sich um ein für uns relativ neues Geschäftsfeld handelt, ist «Time-to-Market» unsere grösste Herausforderung. Zusätzlich müssen wir lernen, mit unseren Mitbewerbern aus dem nicht Utility Umfeld umzugehen.

Welchen Umsatzanteil konnte das Dienstleistungsgeschäft bereits zum Halbjahresabschluss beisteuern? Und in welcher Grössenordnung bewegen sich die Investitionen, welche in die neuen Geschäftsbereiche getätigt wurden?

Das Dienstleistungsgeschäft hat einen Anteil im unteren zweistelligen Millionen-Bereich zum Halbjahresabschluss beigesteuert. Da sich unsere neuen Geschäftsbereiche aus dem Kerngeschäft entwickeln und wir Dienstleistungen für Dritte anbieten, sind die Investitionen im Vergleich zum Marktpotenzial tief.

Ab wann ist mit nachhaltigen Geldflüssen aus dem neuen Geschäftsbereich zu rechnen?

Wir können bereits heute schon nachhaltige Geldflüsse verzeichnen und rechnen mit einem kontinuierlichen Wachstum.

Die Kosten für die Energiebeschaffung sind im 1. Semester wieder stark angestiegen. Was sind die Ursachen für diesen Anstieg?

Mit der Kostenzunahme in der Energiebeschaffung hat auch der Nettoumsatz zugenommen. Relevant ist jedoch die Marge.

Muss mit einer weiteren Verknappung der Bruttoenergiemarge gerechnet werden oder wird sich diese stabilisieren?

Dies ist abhängig von den Energiepreisen sowie den Hedgingpositionen. Aufgrund dieser profitieren wir von allfällig steigenden Preisen erst später.

Die weiteren Kostenpositionen konnten teilweise stark reduziert werden. Auf welche Faktoren ist dies zurückzuführen?

Die übrigen Positionen wurden einerseits durch Devestitionen gesenkt, andererseits durch ein konsequentes Kostenmanagement.

Repower hat die Prognose für das Geschäftsjahr 2017 leicht angehoben. Was sind die Gründe dafür?

Wir waren im 1. Halbjahr leicht über den Erwartungen. Dies führt dazu, dass wir voraussichtlich auch auf Jahresende leicht über den ursprünglichen Erwartungen liegen werden.

Wie ist der mittelfristige Ausblick für die kommenden zwei bis drei Jahre?

Wir gehen davon aus, dass das wirtschaftliche Umfeld für die Energiewirtschaft weiterhin schwierig und anforderungsreich bleiben wird. Sollten – wie angekündigt – ab 2019 gewisse Produktionskapazitäten vom Netz gehen, sehen wir eine leichte Erholung an der Preisfront.

Repower verfügt über liquide Mittel im Umfang von knapp 450 Mio. CHF. In welchen Bereichen soll diese beträchtliche Summe vor allem investiert werden? Sind Zukäufe geplant?

Konkret sind keine Zukäufe geplant. Im Rahmen der Umsetzung der Strategie schliessen wir Investitionen jedoch nicht aus. Gleichzeitig gilt es, unseren Kraftwerkspark für die Zukunft fit zu halten.

Das Gaskraftwerk in Teverola war im letzten und in diesem Jahr Ihre Cash Cow. Allerdings wollen Sie das Kraftwerk gemäss Ihrer Strategie 2025 verkaufen. Wie weit sind Sie mit diesen Plänen oder hat sich daran etwas geändert?

Aufgrund unserer Strategie haben wir uns dazu entschlossen, in der Produktion auf 100% erneuerbare Energie zu setzen. Wir werden jedoch keine Devestition im Sinne eines «Fire sale» umsetzen und verkaufen erst dann, wenn der angestrebte Marktwert realisierbar ist.

Wie weit sind Sie mit Ihren übrigen Devestitionsplänen, insbesondere im Bereich der Kernenergie?

Es laufen Gespräche, jedoch kann hierzu noch nichts Konkretes gesagt werden.

Repower betreibt unterschiedliche Wasserkraftwerke. In welchem Umfang und in welchen Bereichen kann Repower von den Erleichterungen bzw. Zuschüssen durch die Energiestrategie 2050 profitieren?

Wir gehen davon aus, dass es zwar gewisse finanzielle Erleichterungen geben wird, diese aber die aktuellen Herausforderungen in diesem Bereich nicht lösen werden. Da die Verordnung dazu jedoch noch nicht bekannt ist, können wir dies noch nicht klar beziffern.

Ab wann werden diese Massnahmen zu einer Entlastung der Erfolgsrechnung führen?

Wir nehmen an, dass es ab 2018 zu einer leichten Entlastung der Erfolgsrechnung kommen wird.

Welchen Einfluss hat die mögliche Variabilisierung des Wasserzinses auf die Erfolgsrechnung von Repower?

Momentan liegen wir bei CHF 110/MWh, was ca. 15 Mio. CHF entspricht. Jede Reduktion wäre linear und würde sich somit direkt auf das Ergebnis auswirken.

Sie haben angekündigt, die Rechnungslegung von IFRS auf Swiss GAAP FER umzustellen. Welche Auswirkungen wird dies auf die Abschlüsse haben? Bisher waren diese ja immer wieder geprägt von starken Wertkorrekturen bzw. Aufholungen aufgrund der Impairments auf Ihre Anlagen.

Die Abschlüsse werden auch mit dem neuen Standard nach dem „true and fair view“-Prinzip erstellt. Die Transparenz bleibt entsprechend gewahrt. Sachanlagen werden auch in der Swiss-GAAP-FER-Welt bewertet. Wie bisher liegt den Bewertungen ein Modell zugrunde. Die Vergleichbarkeit der beiden Abschlüsse bzw. Nachvollziehbarkeit des neuen Abschlusses wird mittels einer Überleitungsrechnung per 31.12.2017 sichergestellt.

Die Aktien von Repower wurden ausserbörslich gehandelt. Zuletzt wurden auf der Plattform OTC-X Preise von 57.50 CHF für eine Aktie bezahlt. 

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