Repower: Gewinn aus dem Italiengeschäft bricht 2022 massiv ein

Dividende wird um 50 Rappen auf 5 CHF erhöht

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Die Nähe des Firmensitzes in Poschiavo zu Italien reflektiert das Unternehmen. Quelle: Repower AG

Für die Energiebranche war 2022 ein Jahr der Turbulenzen. Auch die Bündner Repower AG war von den Verwerfungen betroffen. Während der Ergebnisbeitrag aus dem Geschäft in Italien massiv einbrach, sorgten Handelserfolge und Sondereffekte für einen Gewinnsprung in der Schweiz. Der Konzerngewinn fiel um 2,3% auf 45.8 Mio. CHF. Die Dividende wird um 50 Rappen auf 5 CHF erhöht.

Strompreise katapultieren Umsatz in neue Höhen

Wie bei den meisten Energieunternehmen erreichten die Nettoerlöse auch bei Repower neue Höchstwerte. Gesamthaft stieg der Umsatz um 46,9% auf 4.7 Mrd. CHF an. Grund für diesen kräftigen Umsatzanstieg sind auch hier die 2022 stark gestiegenen Strompreise. Die verkaufte Menge Strom lag mit 21’413 GWh hingegen sogar ganz leicht unter dem Vorjahreswert. Einen deutlichen Rückgang um 36% verzeichnete der Gasabsatz, wobei dies vor allem auf den geringeren Handel in diesem Bereich zurückzuführen ist.

Aufgrund der Verwerfungen an den Energiemärkten in Folge des Kriegs in der Ukraine erhöhten sich auch die Beschaffungskosten für Strom und Gas um mehr als 50% auf 4.4 Mrd. CHF. Dennoch gelang es, die Energiebruttomarge um 11 Mio. CHF auf 285 Mio. CHF zu verbessern, was auf verschiedene positive Sondereffekte zurückzuführen ist. Dies führte zu einem gegenüber dem Vorjahr nahezu gleich gebliebenen operativen Gewinn (EBIT) von 82.2 Mio. CHF (+ 0,4%) und dem Konzerngewinn von 45.8 Mio. CHF.

Ohne Sondereffekte rutscht Italien ins Minus

Völlig gegensätzlich verlief die Entwicklung in den Marktgebieten Schweiz und Italien. Zwar erhöhten sich die Nettoerlöse sowohl in der Schweiz mit 1’968 Mio. CHF (+ 106,2%) als auch in Italien mit 3’266 Mio. CHF (+ 39,8%). Doch davon blieb in Italien unter dem Strich wenig übrig.

Diese Entwicklung zeichnete sich bereits im 1. Semester 2022 ab. Im Italiengeschäft fehlen insbesondere die Erlöse aus dem Gaskombikaftwerk Teverola, die um 37 Mio. CHF niedriger als im Vorjahr ausfielen. Teverola, das sogenannte Regelenergie zur Stabilisierung des Stromnetzes produziert, war in den vergangenen Jahren immer wieder die Cashcow der Repower Gruppe.

Doch nicht nur die geringere Leistung von Teverola, auch Margeneinbussen im Endkundengeschäft sowie Wertberichtigungen auf Forderungen in Höhe von 16 Mio. CHF (Vorjahr: 5 Mio. CHF) hatten einen Rückgang des EBIT im italienischen Markt auf 12 Mio. CHF zur Folge. Ohne die Auflösung von Rückstellungen und die Wertaufholung auf ein Grundstück hätte im Italiengeschäft sogar ein operativer Verlust von 2 Mio. CHF resultiert.

Im Jahr 2022 schwächelte der Markt Italien, während das Geschäft in der Schweiz florierte. Abb.: repower.com
Starkes operatives Geschäft in der Schweiz

Von einem positiven Sondereffekt profitierte Repower auch im Markt Schweiz. Dank einer Anpassung der Rückstellungen für belastende Beschaffungsverträge in Höhe von 18 Mio. CHF (Vorjahr 5 Mio. CHF) resultierte eine Bruttomarge im Schweizer Geschäft von 169 Mio. CHF (Vorjahr: 112 Mio. CHF). Doch die gute Entwicklung in diesem Marktsegment ist nicht allein dem Sondereffekt zu verdanken, sondern vor allem dem höheren Preisniveau für den Strom und hier den Handelsaktivitäten.

Die Eigenproduktion aus Wasserkraft in der Schweiz soll ab 2023 wieder zunehmen. Abb.: repower.com

Etwas gebremst wurde die positive Entwicklung durch den Rückgang der Eigenproduktion aus Wasserkraft. Einerseits konnte wegen der geplanten Abschaltung des Kraftwerks Robbia, das derzeit gesamterneuert wird, weniger Energie produziert werden. Andererseits sorgten die geringen Niederschläge und das Zurückhalten von Wassermengen für die Wasserkraftreserve des Bundes von 24 GWh bis Mai 2023 für eine geringere Eigenproduktion. Das EBIT erreichte im Markt Schweiz 71 Mio. CHF (Vorjahr: 37 Mio. CHF); auch ohne die Sondereffekte wäre das EBIT um 46 Mio. CHF auf 53 Mio. CHF gestiegen.

Investitionen in erneuerbare Energien

Im Ausblick verweist das Unternehmen auf eine Vielzahl an Investitionsprojekten in der Schweiz und Italien. Allein die Tochterfirma Repower Renewable, die zu 65% der Repower Italia und zu 35% der Beteiligungsgesellschaft Omnes gehört, erwartet bis Ende 2023 die Genehmigungen für 11 Photovoltaik-Anlagen, 4 Windkraftprojekte und ein Wasserkraftprojekt.

Mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr zeigt sich Repower trotz der unsicheren Lage an den Energiemärkten zuversichtlich. Zwar bleiben die hohe Volatilität an den Energiemärkten für den Handel und die geringen Niederschläge und der damit verbundene Wassermangel zentrale Herausforderungen. Jedoch weist das Unternehmen darauf hin, dass im vergangenen Jahr die Eigenproduktion zu hohen Preisen auf Termin verkauft werden konnte. Daher wird für 2023 mit einem höheren Ergebnis auf Stufe EBIT gerechnet.

Fazit

Der Jahresabschluss 2022 ist von zahlreichen Sondereffekten geprägt. Ein genauerer Blick zeigt, dass vor allem das gute Handelsgeschäft der Treiber für das gute Abschneiden des Energieunternehmens im letzten Jahr war. Hier zahlte sich das gute Risikomanagement aus. Operativ offenbart der Jahresabschluss mehrere Schwächen: Die Cashcow Teverola lieferte nicht mehr ihre gewohnt hohen Ergebnisbeiträge, die hohen Strompreise haben in Italien zu Forderungsausfällen geführt, und die geringen Niederschläge limitierten die Eigenproduktion in der Schweiz. Diese Punkte zeigen die Risiken, stellen aber gleichzeitig auch die Chancen für Repower dar. Sollte Teverola wieder Regelenergie zu Spitzenpreisen verkaufen können, wird sich dies sofort sehr positiv auf die Ergebnissituation auswirken. Ebenso führen höhere Niederschläge zu steigenden Erträgen aus der Eigenproduktion.

Schon in diesem Jahr dürften sich die auslaufenden Absicherungen und höher dotierten Lieferverträge positiv auf die Erfolgsrechnung auswirken. Hinzu kommen die Erträge aus der Wasserkraftreserve für den Bund und ab 2024 mit Wiederinbetriebnahme des Kraftwerks Robbia eine Zunahme der produzierten Menge. Mittelfristig sollten auch die zahlreichen Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien, insbesondere in Italien, sowie Initiativen wie die E-Mobilitätslösungen Plug’n roll ihren Beitrag zur Erfolgsrechnung beisteuern.

Aktienkurs Repower
Die Repower-Aktie bewegt sich nahe der Höchstkurse. Chart: www.otc-x.ch

Ausgehend von den 2022er Zahlen errechnet sich bei Kursen um 164.50 CHF, die zuletzt auf OTC-X für eine Repower-Aktie bezahlt wurden, ein KGV von 27. Der ausgewiesene Buchwert liegt bei 118.50 CHF, was einem Kurs-/Buchwert-Verhältnis von 1.4 entspricht. Die Dividendenrendite beträgt 3%.

Aufgrund der positiven Aussichten für das laufende und die kommenden Jahre ist der Titel auf diesem Niveau nicht zu teuer. Auch die Bilanzkennzahlen haben sich wieder verbessert. Daher bleibt Repower weiterhin eine solide Investition in ein Energieunternehmen, das sich ganz dem Ausbau der erneuerbaren Energien verschrieben hat. Sofern die Erträge in diesem und in den kommenden Jahren wie erwartet ansteigen, ist auch mit einer weiteren Erhöhung der Ausschüttungen zu rechnen.

Positiv zu erwähnen ist zudem der erstmals vorgelegt Nachhaltigkeitsbericht, der nach dem GRI-Standard erstellt wurde.

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