Börsengänge Schweiz/International: Bester IPO-Jahrgang seit 2007 – Schweizer Börse glänzt mit Spitzenvolumen

Anzahl der Neuemissionen steigt kräftig.

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Entwicklung des weltweiten IPO-Marktes seit 2007. Quelle: ey.com

Es war das beste Jahr für die globalen Primärmärkte seit 2007! Sowohl nach Anzahl der IPOs, 1’624 nach 1’093 laut Ernst & Young, als auch nach Emissionserträgen, die von 134,5 Mrd. USD auf 188,8 Mrd. USD anstiegen. Vor allem wegen Galenica und Landis + Gyr rangiert die SIX Swiss Exchange 2017 mit Emissionserträgen von 4,6 Mrd. USD auf Platz 12 der globalen Börsen im alljährlichen Ranking. Aus Europa ist ausserdem nur London auf Rang 4 vertreten.

Gemessen am Emissionsvolumen liegt die SIX Swiss Exchange auf dem 12. Platz der globalen Börsen. Quelle: ey.com

Das Jahr an den Primärmärkten ist in mancherlei Hinsicht bemerkenswert verlaufen. Obwohl die Region Asien-Pazifik mit 935 Börsengängen in 2017 nochmals ein Wachstum von 44% verzeichnete, so stieg doch das Volumen nur mehr um 0,2% auf 73,2 Mrd. USD. Erstmals seit 2014 ist damit der wachsende Weltmarktanteil bei den Emissionserträgen nicht weiter gestiegen, sondern von 54% in 2016 auf 39% in 2017 zurückgegangen. Im Gegenzug stieg der Anteil Amerikas von 17% auf 27%, und derjenige der EMEIA-Region, bestehend aus Europa, Afrika, Nah-Ost und Indien, expandierte von 28% auf 34%.

Zwei Schweizer IPOs unter Top 10

Einer der Gründe dafür ist, dass in China und vielen anderen Ländern keine grossen Staatsbetriebe mehr privatisiert wurden. Ganz generell sah 2017 die Rückkehr der kleinen und mittleren Unternehmen an die Börse; grösstes IPO des Jahres war mit 4 Mrd. USD Snapchat. In der Spitzengruppe folgen bald die IPOs in der Schweiz, Landis + Gyr mit 2,3 Mrd. USD und Galenica mit 1,9 Mrd. USD. Zwischen den beiden im Ranking taucht das grösste IPO des vierten Quartals auf: die Bank BAWAG an der Börse Wien mit 2 Mrd. USD Emissionsertrag. Erwähnenswert ist auch die Rückkehr von Pirelli an die Börse Mailand. Das IPO zu Beginn des vierten Quartals brachte 2,6 Mrd. USD ein, die vollständig an den Eigner ChemChina flossen.

Viele Cross-Border-IPOs in New York

Zu den bemerkenswerten Entwicklungen zählt das starke Comeback von Brasilien. Trotz der diversen Krisen gingen 11 Unternehmen an die Börse Sao Paulo und nahmen 6,7 Mrd. USD ein. Das ist Rang 9 im weltweiten Ranking! Weitere IPOs brasilianischer Emittenten fanden in New York statt. Insgesamt waren 24% der IPOs in New York nach Anzahl und 25% nach Erträgen Cross-Border-Listings, der höchste Wert seit 2010. Daraus lässt sich lesen, dass die Attraktivität eines US-Listings aus verschiedenen Gründen deutlich gestiegen ist. Die drei grössten IPOs des vierten Quartals in New York waren allesamt nicht aus den USA. Loma Negra aus Argentinien brachte 1,1 Mrd. USD, Quodian aus China 1 Mrd. USD und Sea aus Singapur ebenfalls 1 Mrd. USD.  Auch einige Biotech-Unternehmen aus der Schweiz gingen 2016 und 2017 an amerikanische Börsenplätze. EY berichtet von 46 eingereichten Anträgen auf Börsenzulassung an den US-Börsen im vierten Quartal 2017.

Bombay überflügelt Shanghai

Bemerkenswert erscheint ebenfalls, dass die Börse Bombay nun im vierten Quartal 2017 mit Emissionserträgen von 5,5 Mrd. USD sogar Shanghai mit 4,9 Mrd. USD hinter sich lassen konnte. Im Gesamtjahr liegt Shanghai mit 20,2 Mrd. USD hinter der NYSE auf Rang zwei. Bombay liegt auf Position sechs mit 11,2 Mrd. USD. Sowohl das absolute Volumen als auch die um 74% gesteigerte Anzahl der IPOs stellen historische Rekordwerte für Indien dar.

Rekordwerte aus 2007 sind noch nicht erreicht

Die historischen Rekordmarken aus 2007 sind übrigens noch nicht überboten worden. Es waren fast 2’000 Börsengänge weltweit, die Emissionserträge von 388 Mrd. USD brachten. Das ist nun in 2018 durchaus möglich. Die Börsenstimmung bleibt blendend, da eigentlich alle wichtigen Börsenplätze deutliche Avancen verzeichnet haben. Noch sind die Zinsen niedrig, die Nachfrage belebt sich, und das globale Wirtschaftswachstum könnte auf über 4% anziehen. Anleger sitzen auf hohen Gewinnen und sind aufgeschlossen für neue Börsenkandidaten.

Performance der Schweizer IPOs

In der Schweiz fand im vierten Quartal 2017 nur Poenina Holding, ein Spezialist für Gebäudetechnik, den Weg an die Börse. Das IPO brachte 39,1 Mio. CHF ein. Insgesamt fanden 2017 vier echte IPOs an der SIX statt; neben den bereits genannten ging auch die DocMorris Muttergesellschaft Zur Rose an die SIX, nachdem die Aktie zuvor auf OTC-X gehandelt worden war. Die Performancezahlen sind allerdings gemischt. Während Poenina mit 31,2% Kursgewinn seit IPO und Galenica mit 28,3% klar im positiven Bereich liegen, verzeichnen Zur Rose und Landis+Gyr eine negative Performance. Erstere liegt um 6,4% unter Emissionspreis, letztere um 0,5%. Dagegen liegen alle Neuzugänge aus 2016 klar im Plusbereich. Die Immobilienaktien Investis und Varia US Properties gewannen bisher um 23% bzw. 24,8%. Der Starperformer ist jedoch VAT mit 231% Kurszuwachs.

Ausblicke 2018

In ihrer Quartalspublikation zum IPO-Markt errechnet die ZKB für 2018 ein KGV des Schweizer Aktienmarktes von 19,5 und ein Gewinnwachstum von 21,5%, erwartet jedoch eine Abschwächung des Gewinnwachstums für 2019 auf 11,2%. Nach der fulminanten Rally könnte nach Ansicht der ZKB auch schon zu viel Optimismus eingepreist sein. Im zweiten Halbjahr 2018 könnten Zinsängste sich auf die weitere Kursentwicklung auswirken. Für 2018 erwartet die UBS „eine ordentliche Handvoll IPOs“, so Martin Kesselring gegenüber Reuters Ende Dezember. Viele Eigentümer würden darüber nachdenken ihre Firmen an die Börse zu bringen. Die Ampeln würden auf Grün stehen. Der nächste IPO-Kandidat steht, so Reuters, mit der Rückkehr des Bordverpflegers Gategroup bereits in den Startlöchern. Insidern zufolge plane auch der Hersteller von Werkzeugmaschinen United Grinding Group einen Börsengang an der SIX.

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