Sunrise: Ein Sieg für die Aktionärsdemokratie und eine Warnung an überhebliche Verwaltungsräte

Ein Kommentar zur gescheiterten Übernahme von UPC Schweiz.

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Es ist ein Schlag ins Gesicht von Sunrise Verwaltungsratspräsident Peter Kurer und die Ja-Sager, die ihn umgeben. Und es ist ein Sieg für die Aktionärsdemokratie: Sunrise hat die a.o. Generalversammlung abgesagt, an der morgen über eine Kapitalerhöhung zum Kauf von UPC Schweiz entschieden werden sollte. Viel Zeit und auch Geld – notabene das Geld von Sunrise und damit das Geld der Aktionäre – hat der Verwaltungsrat in das Projekt gesteckt. Ein Projekt, das von Anfang an in der Kritik stand. Zu teuer, war eines der Hauptargumente, die gegen den 6.3 Mrd. CHF schweren Deal sprachen. Zu unsicher die Zukunft der Kabeltechnologie, ein weiteres wichtiges Argument. Mit Hilfe von zahlreichen Gutachten versuchte der Sunrise Verwaltungsrat zu untermauern, dass der Deal sinnvoll und der Preis gerechtfertigt sei. Auch Zugeständnisse bei der Finanzierung und die Ankündigung des Verkäufers, Liberty Global, sich mit einer halben Milliarde Franken an der Kapitalerhöhung zu beteiligen, halfen nicht, die Aktionäre zu überzeugen. Offenbar musste der Verwaltungsrat unmittelbar im Vorfeld der für den 23. Oktober angesetzten a.o. Generalversammlung feststellen, dass er die Abstimmung verlieren würde. Daher hat er nun die Notbremse gezogen und die Versammlung abgesagt.

Eine Ohrfeige für den VR mit Ansage

Dabei stand das Vorhaben von Sunrise von Anfang an auf wackeligen Beinen. Denn der grösste Aktionär, die deutsche Freenet AG mit 24,5 %, stand nicht hinter dem Projekt. Deren Vertreter im Verwaltungsrat signalisierten schon, bevor der Kauf publik wurde, dass sie mit der Transaktion in dieser Ausgestaltung nicht einverstanden sind. Wie kann ein verantwortungsbewusster Verwaltungsrat eine solche Haltung im Aktionariat nicht ernst nehmen?

Sinnvoll wäre es an diesem Punkt gewesen, die Transaktion erst aufzugleisen, wenn der gesamte Verwaltungsrat und damit auch der Grossaktionär hinter dem Vorhaben steht. Doch statt hier eine Einigung herbeizuführen oder den Deal aufzuschieben, suchte Peter Kurer in einer arroganten Art und Weise die Konfrontation mit dem Grossaktionär und schloss sogar die zwei Verwaltungsräte von zukünftigen Beratungen aus. Ein Vorgehen, das am Demokratieverständnis des Verwaltungsratspräsidenten zweifeln lässt. Denn Freenet hat nur das getan, was ein verantwortungsbewusster Eigentümer in einer solchen Situation tun muss: Kaufpreis und Finanzierung kritisch hinterfragen. Dies wäre im Übrigen auch Aufgabe des gesamten Verwaltungsrates gewesen.

Doch statt mit den Aktionären und damit mit den Eigentümern einen Konsens herbeizuführen, wurde versucht, den Deal auf Teufel komm raus durchzuziehen. Wie in anderen Fällen in der Schweiz haben der Verwaltungsratspräsident und auch die Geschäftsleitung das Verhältnis Eigentümer zu Unternehmensleitung auf den Kopf gestellt. Anders ausgedrückt: Der Schwanz versuchte, mit dem Hund zu wackeln. In der Wirtschaftswissenschaft wird so etwas auch als «Moral hazard» bezeichnet.

Am Schluss hat die Aktionärsdemokratie in diesem Fall gesiegt. Das Beispiel Sunrise sollte zeigen, dass eine Unternehmensleitung und ein Verwaltungsrats die Aktionäre fair behandeln, deren Kritik ernst nehmen und vor allem den Austausch suchen sollte. Dies stets auf Augenhöhe und nicht in einer überheblichen, arroganten Art. Zurück bleibt in diesem Fall ein grosser Schaden für das Unternehmen und die Aktionäre, der bei einer vorausschauenden Vorgehensweise hätte vermeiden werden können.

Peter Kurer sollte in den Ruhestand gehen

Am Ende sollte Peter Kurer mit seinen 70 Jahren nun endlich in den Ruhestand gehen. Für den Wirtschaftsstandort Schweiz hat der Wirtschaftsanwalt bereits in früheren Jahren erheblichen Schaden angerichtet – er war unter anderem für die verhängnisvollen Akquisitionen der Swissair verantwortlich, die schliesslich zum Grounding führten (siehe auch Paradeplatz Inside).

Heute ist er noch im Verwaltungsrat des IPO-Kandidaten SoftwareOne vertreten. Zudem hat er den Maschinenbauer Klingelnberg gemäss einem Bilanz-Artikel beim Börsengang beraten. Die Aktien der Klingelnberg AG – dies sei nur am Rande bemerkt – sind im Juni 2018 zu einem Preis von 53 CHF an die Börse gegangen. Seither hat der Aktienkurs um fast 50% verloren und die Gesellschaft eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Erfolg sieht anders aus.

Transparenzhinweis: Der Autor hält Aktien der Sunrise Communications Group AG.

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