CKW: Zentralschweizer Energieunternehmen kann Abhängigkeit vom Strompreis weiter reduzieren

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CKW hat im vergangenen Geschäftsjahr den Umsatz im Bereich Solartechnik um 93% gesteigert. Bild: zvg

In den Jahren 2012 bis 2017 mussten die Schweizer Stromproduzenten, zu denen auch die Centralschweizer Kraftwerke CKW gehören, durch ein Tal der Tränen gehen. Die Grosshandelspreise für Strom erodierten, der in der Schweiz produzierte Strom aus Wasserkraft liess sich nicht mehr gewinnbringend verkaufen. Als Antwort auf diese Situation und die politische Energiewende begannen die Versorger, ihre Strategien zu hinterfragen und setzten auf Diversifikation. Das Ziel: die Abhängigkeit vom Strompreis reduzieren. Neue Geschäftsfelder wie IT und Kommunikation sowie das Installationsgeschäft wurden durch Zukäufe und den Aufbau neuer Unternehmenseinheiten erschlossen. Auch die seit 125 Jahren bestehende CKW Gruppe folgte diesem Trend.

Mit neuen Geschäftsfeldern erfolgreich unterwegs

Die Umsätze aus dem nicht regulierten Bereich haben 2018/19 weiter zugenommen. Abb.: CKW AG

Im Geschäftsergebnis 2018/19 wird diese Entwicklung bereits sichtbar. Der Umsatz ist zwar um 10,2% auf 773.6 Mio. CHF zurückgegangen. Dies ist nach Angaben der Gesellschaft allerdings auf rückläufige Netz- und Gestehungskostentarife zurückzuführen. Denn der Stromabsatz nahm im abgelaufenen Geschäftsjahr sogar um 4,8% auf 6’144 Kwh zu. In den neuen Geschäftsbereichen war CKW erfolgreich unterwegs. «Das Segment Gebäudetechnik erzielte in einem anspruchsvollen Umfeld eine starke Umsatzzunahme von 6 %», schreibt das Unternehmen in seiner Medienmitteilung. Im Geschäftsfeld Wärmetechnik sei man bereits nach einem Jahr in der Gewinnzone angelangt. Und das Geschäftsfeld Solartechnik verzeichnete einen Umsatzsprung von 93%. Aufgrund dieser Zahlen sieht sich das Unternehmen, das sich heute als «diversifizierter Energiedienstleister» bezeichnet, in seiner neuen Strategie bestätigt.

Deutlich wird dieser Wechsel auch bei einer Betrachtung der Umsätze aus den regulierten und nicht regulierten Bereichen (siehe Grafik). Mit einem Anteil von 53,1% lag der Anteil der Umsätze aus dem nicht regulierten Bereich, auf dem der freie Markt und nicht der Regulator die Preise bestimmt, im Geschäftsjahr 2018/19 deutlich über der Hälfte der Umsätze. In absoluten Zahlen stieg der Umsatz um mehr als 20 Mio. CHF auf 410.8 Mio. CHF an. Auch hier kommt das Unternehmen seinem Ziel näher, die Einnahmen aus dem nicht regulierten Bereich zu erhöhen.

Beteiligung an Start-up Oxygen

Dass CKW diesen Weg weiter beschreiten wird, zeigt auch die Beteiligung an dem deutschen Start-up Qxygen Technologies, an dem sich CKW mit 20% beteiligt hat. Die nach Angaben von CKW einzigartige Technologie in Form einer Smart-Energy-Plattform soll in Zukunft Energieanlagen vernetzen, überwachen, steuern und optimieren. CKW werde die Plattform gemeinsam mit Oxygen Technologies für den Schweizer Markt weiterentwickeln und habe sich mit der Beteiligung die schweizweit exklusive Vermarktung dieser innovativen Smart-Energy-Plattform gesichert, gab CKW bekannt. Auch in die Bereiche erneuerbare Energien soll weiter investiert werden. Im Fokus stehen Kleinwasserkraftwerke sowie eine Beteiligung am Windpark Lindenberg.

Einmaleffekte treiben den Gewinn nach oben

Dass der Jahresabschluss immer noch massiv vom Strom- und Netzgeschäft beeinflusst wird, zeigt das Betriebsergebnis (EBIT). Mit 186.8 Mio. CHF stieg es kräftig, was auf Wertaufholungen bei Produktionsanlagen und Rückstellungen für Energiebezugsverträge in der Höhe von 87.7 Mio. CHF zurückzuführen ist. Das operative Betriebsergebnis erreichte knapp 100 Mio. CHF und liegt damit über dem Vorjahr. Im Betriebsergebnis des Vorjahres von 102.6 Mio. CHF waren im Netzsegment Einmaleffekte in der Höhe von 11.4 Mio. CHF enthalten. Unter dem Strich resultierte ein Unternehmensergebnis von 155.6 Mio. CHF oder 25.39 CHF je Aktie. Die Aktionäre erhalten wiederum eine Dividende von 3 CHF pro Aktie.

Fazit

Noch befindet sich die CKW Gruppe inmitten der Transformation vom Stromproduzenten zum Energiedienstleister. Die ersten Erfolge dieser Strategie sind bereits sichtbar. Klar ist aber auch, dass in den nächsten Jahren die Entwicklungen des Strompreises weiterhin starken Einfluss auf das Geschäftsergebnis haben werden. Ebenso sind die neuen Projekte mit Risiken verbunden. Dennoch dürfte CKW seinen Weg der Transformation weiter erfolgreich beschreiten können. Hilfreich dabei ist sicherlich auch die hohe Nettoliquidität von 660 Mio. CHF (per Ende September 2019), mit dem die nächsten Expansionsschritte und notwendige Investitionen finanziert werden können.

Bei Kursen um die 301 CHF, die zuletzt auf OTC-X für die Aktien der CKW Gruppe bezahlt wurden, sind die Papiere mit einem Kurs-/Gewinn-Verhältnis von optisch günstigen 11 bewertet. Darin enthalten sind allerdings die starken Wertaufholungen von 87.7 Mio. CHF. Ohne diese Einmaleffekte würde das KGV bei rund 25 liegen. Ebenso notiert der Titel deutlich über dem Buchwert von 260 CHF je Aktie, was ebenfalls auf eine faire Bewertung schliessen lässt. Die Aktien von Repower werden immer noch mit einem Abschlag auf den Buchwert gehandelt. Dürftig fällt die Dividendenrendite mit nur knapp 1% aus. Hier besteht eindeutig Nachholpotenzial für Verbesserungen. Gerade im Vergleich zu anderen, auch kotierten Energietiteln wie BKW (Rendite: 2,5%), ist die Rendite unterdurchschnittlich. Auch die Hauptaktionäre Axpo (81%) und die öffentliche Hand (9%) sollten eigentlich ein Interesse an höheren Ausschüttungen haben. Solange die Dividende auf dem aktuellen Niveau verbleibt, sprechen wenig Gründe für ein Investment in den Titel. Andere Energieaktien versprechen mehr Potenzial (siehe auch OTC-X Research Energie & Versorger).

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