Ausserbörsliche Aktien 2015: Kurse entwickeln sich stabil, HBB Holding legt 337% zu – Schweizer Zucker verliert 43%

0
1196
Der OTC-X Premium-Index entwickelte sich 2015 weniger volatil, als der SPI. Quelle: www.money-net.ch
Der OTC-X Premium-Index entwickelte sich 2015 weniger volatil, als der SPI. Quelle: www.otc-x.ch

Der ausserbörsliche Aktienmarkt konnte im Jahr 2015 nicht an die sehr gute Entwicklung des Vorjahres anknüpfen. Allerdings schloss der Grossteil der Indizes der OTC-X-Index-Familie das Jahr wiederum mit einem Plus ab. Lediglich der Subindex OTC-X Bergbahnen musste ein deutliches Minus von 11.1% hinnehmen. Ebenfalls negativ entwickelte sich mit minus 3.2% der OTC-X Transport/Verkehr/Logistik. Diese rückläufige Entwicklung widerspiegelt die schwachen Ergebnisse zahlreicher Transportunternehmen. Nicht ohne Spuren blieb dies auch beim OTC-X-Top-50, der binnen Jahresfrist um 1.6% verlor. Als wertstabil erwies sich indessen der OTC-X Liquidity-Index, der um 0.2% avancierte. Leicht zuzulegen vermochten der OTC-X All Share-Index, der sämtliche der 315 auf OTC-X gehandelten Werte beinhaltet, und der OTC-X Premium-Index mit einem Plus von 1.1% respektive 1.0%.

Der markbreite OTC-X All Share-Index und der Liquidity-Index lagen 2015 leicht im Plus. Quelle: www.money-net.ch
Der marktbreite OTC-X All Share-Index und der Liquidity-Index lagen 2015 leicht im Plus. Quelle: www.otc-x.ch

Wie bereits im Vorjahr verlief die Entwicklung der ausserbörslich gehandelten Papiere in sehr ruhigen Bahnen. Dies im Gegensatz zu den kotierten Werten, die nach der Mitteilung der Schweizerischen Nationalbank am 15. Januar, die Unterstützung des Euros aufzugeben, deutliche Einbrüche erlitten. Trotz der schnellen Gegenbewegung nach oben konnte der die grosskapitaliserten Werte umfassende SMI bis zum Jahresende die Verluste nicht mehr aufholen und schloss mit einem Minus von 1.8% ab. Deutlich besser entwickelte sich der SPI, der nach einem anfänglichen Minus das Jahr mit einem Plus von 2.7% abschloss.

Handelsvolumen rückläufig

Die Umsätze im ausserbörslichen Handel konnten im Jahr 2015 nicht an die Rekordwerte des Vorjahres anknüpfen. Deutlich rückläufig waren vor allem die Abschlusszahlen, die um 19.6% auf 7’039 fielen. Etwas weniger stark fielen die Umsätze mit minus 16.6% auf 119.3 Mio. CHF. Dieser Wert entspricht demjenigen des Jahres 2012, in welchem allerdings nur 6’499 Abschlüsse verzeichnet wurden. Dennoch war es auch im vergangenen Jahr wieder möglich, mit der richtigen Selektion von Titeln eine hervorragende Performance zu erzielen. Als Beispiel kann das von schweizeraktien.net per 6. Januar 2015 gestartete Musterdepot mit ausserbörslichen Aktien herangezogen werden. Dieses konnte bis zum Jahresende 2015 um beachtliche 15.8% zulegen. Über die Performance unserer Musterdepots werden wir in den kommenden Tage noch berichten und allfällige Anpassungen vornehmen.

HBB Holding, Bank von Roll und Rigi Bahnen bilden Spitzentrio

Bildquelle: HBB Holding AG
Bildquelle: HBB Holding AG

Wie in den Vorjahren haben wir wiederum nur Titel in die Tabelle mit den Gewinnern und Verlierern aufgenommen, die im Berichtsjahr Umsätze von mindestens 100’000 CHF erreichten. Die absolute Spitzenperformance erreichten die Aktien der HBB Holding mit einem Kursplus von 337.5% im vergangenen Jahr. Die Gesellschaft befand sich in einer nahezu auswegslosen Lage und konnte nur dank einer Umwandlung von Schulden in Eigenkapital überleben. Wir berichteten in einem Blogbeitrag, der hier nachgelesen werden kann, über die Situation bei der HBB. Auch nach der erfolgreichen Durchführung der Kapitalerhöhung befindet sich das Unternehmen in einer schwierigen Lage. Operativ ist HBB hingegen gut unterwegs, weswegen es nicht ganz unwahrscheinlich ist, dass die finanziellen Schwierigkeiten gelöst werden können und die Fima auf den Erfolgspfad einbiegt. Der Kursanstieg spiegelt die Hoffnungen der Investoren auf eine erfolgreiche Zukunft der Gesellschaft wider. An zweiter Stelle der Spitzenreiter taucht die wohl nur wenigen Anlegern bekannte Bank von Roll mit einem Kursplus von 81.8% auf. Der Kursanstieg geht auf das Konto eines Übernahmeangebots des aus Deutschland stammenden Investors August François von Finck für die wenigen im Publikum verbleibenden Aktien des von der Familie von Finck beherrschten Finanzhauses. Ebenfalls stark gesucht waren im vergangenen Jahr die Papiere der Rigi Bahnen AG. Nach einem Rekordjahr 2014 setzten die Aktien zu einem wahren Höhenflug an. Auch für das Jahr 2015 wird trotz der sehr schwierigen Situation, in der sich die Tourismusbranche befindet, ein Rekordergebnis erwartet. Die Gesellschaft plant einerseits grössere Investitionen und will andererseits für 2015 eine Dividende ausschütten. Für das laufende Jahr steht eine Kapitalerhöhung auf der Agenda. Wir berichteten wiederholt im Blog über die Gesellschaft, letztmalig hier.

Parkresort Rheinfelden und Menzi Muck-Gruppe stark im Plus

Ein grosses Interesse bei den Investoren fanden auch die Aktien der Parkresort Rheinfelden AG. Den regelmässigen Lesern unseres Blogs sind die Aktien als ein Titel, der in unserem Musterdepot enthalten ist, bekannt. Die Investoren kamen bei diesem Papier in den Genuss eines Kursanstiegs von 38.5%. Zusätzlich erhielten sie noch eine ansehnliche Bardividende von 30 CHF pro Aktie.

Wie im Vorjahr waren die Titel der Beteiligungsgesellschaft Menzi Muck Gruppe (vormals Rheintal Assets) im Fokus der Anleger. Nachdem die Aktien im Vorjahr unter den Verlieren zu finden waren, wendete sich im 2015 das Blatt. Mit einem Kursplus von 33.9% legten die Titel deutlich zu. Der Grossteil der Kursentwicklung war wie im Vorjahr in den letzten Monaten des Jahres zu beobachten. Das Plus verlief allerdings weniger spektakulär als der Rückgang im Vorjahr. Stattdessen stiegen die Kurse im letzten Quartal bei hohen Umsätzen an. Über die genauen Gründe ist wenig bekannt, da die Gesellschaft bisher nicht mit Transparenz glänzte.

Schweizer Zucker führt Verliererliste an

An erster Stelle der Verlierer des Jahres 2015 stehen die Titel der Schweizer Zucker AG mit einem Kursminus von 43.3%. Wie wir in unserem Blog mehrfach berichteten, leidet die Gesellschaft unter dem sehr schwierigen Marktumfeld der gesamten Zuckerbranche. Weltweit sind die Preise für Zucker wegen der Überproduktion auf einem sehr tiefen Niveau, woran sich auch so schnell nichts ändern dürfte. Es besteht das Risiko, dass die sehr hohen Rückstellungen, welche die Gesellschaft besitzt, eingesetzt werden, um die Zuckerproduktion weiterhin aufrechtzuerhalten.

Ebenfalls zu den Verlierern gehören die Titel des Luzerner Medienhauses LZ Medien mit einem Minus von 38.3%. Die Aktien beendeten das Jahr bei sehr geringen Umsätzen im Dezember auf Tiefstkursen. Das Unternehmen leidet unter der allgemeinen Schwäche der gesamten Medienbranche, die auch vor der Zentralschweiz nicht Halt macht. So verzeichneten auch die Printprodukte der LZ Medien Rückgänge bei der Auflage und tiefere Werbeeinnahmen.

Kongresshaus-Aktie leidet aufgrund bevorstehender Sanierung

Deutliche Kursrückgänge mussten auch die Besitzer der Aktien des Kongresshauses Zürich verzeichnen. Der Kursrücksetzer von 30% kann mit der Sondersituation der Gesellschaft begründet werden. Die Gesellschaft ist lediglich Betreiberin des Kongresshauses in Zürich und besitzt nur sehr rudimentäre Sachanlagen. Das Haus in Zürich muss saniert werden, was nur mit einer Schliessung möglich ist. Anstelle des von der Gesellschaft erhofften temporären Umzugs in ein Provisorium wird während der Sanierungsphase, die rund drei Jahre andauern soll, die Geschäftstätigkeit nahezu komplett eingestellt. Dies bedeutet erhebliche finanzielle Einbussen, die sich im Aktienkurs niederschlugen.

Auch die Aktien des Edelmetallverarbeiters Cendres+Métaux sind mit einem Kursrückgang von 27.1% unter den Verlierern des Jahres 2015 zu finden. Die Gesellschaft ist von verschiedenen Seiten unter Druck: Ein hoher Margendruck in der Medizinaltechnologie gepaart mit einem Paradigmenwechsel bei den Materialien (weg vom Metall hin zu Kunststoffen) und das Ende der Wachstumsphase der Luxusbranche drücken auf die Einnahmen. Hinzu kommt die seit dem 15. Januar 2015 bestehende ungünstige Wechselkurssituation beim Euro. Allerdings fielen die Zahlen für das Geschäftsjahr 2014/15 dank Restrukturierungs- und Optimierungsmassnahmen weniger schlecht aus als befürchtet, wie wir vor wenigen Wochen in unserem Blog hier berichteten.

AZ Medien ebenfalls unter Druck

Mit den Titeln der AZ Medien-Gruppe findet sich ein weiteres Unternehmen der Medienbranche auf der Verliererliste. Die Aktien verloren im Jahresverlauf um 18.4%. Nach der Publikation tiefroter Zahlen für das Jahr 2014, über die wir hier berichteten, fielen die Kurse der Aktien deutlich. Neben den schwachen Zahlen mussten die Anteilseigner auch erstmalig seit langem auf eine Dividende verzichten. Das Unternehmen trieb in der Vergangenheit zahlreiche kostenintensive Expansionsprojekte voran, die auch weiterhin nur wenig Erträge abwerfen dürften. Zu nennen ist hier die Newsplattform Watson, die im 2014 lanciert wurde.

Für das laufende Jahr 2016 erwarten wir eine leicht positive Entwicklung der Aktienmärkte. Zwar sind die Risiken angesichts der teilweise hohen Bewertungen deutlich angestiegen, was auch die Reaktion der Märkte auf die Aufgabe der Euro-Unterstützung durch die schweizerische Nationalbank im Januar zeigte, aber gleichzeitig bestehen für die Anleger keine valablen Anlage-Alternativen zu Aktien. Im letzten Jahr wurde auch wieder deutlich, dass die nicht kotierten Aktien weniger stark auf derartige einschneidende Nachrichten reagieren. Der Grossteil der Titel erwies sich als sicherer Hafen für Investoren.

Anleger sollten sich bei der Auswahl nicht kotierter Aktien weiterhin auf Papiere mit einer hohen und nachhaltigen Dividendenrendite fokussieren. Ebenfalls ein wichtiges Auswahlkriterium wird der Substanzwert der Unternehmen und die Solidität der Bilanzen sein. Gerade unter den ausserbörslichen Aktien finden sich hier einige sehr interessante Papiere, die diesen Kriterien perfekt entsprechen. Wir werden in den nächsten Tagen ein Update zu unserem Musterdepot publizieren, in dem unsere Favoriten für 2016 enthalten sein werden. Ebenfalls werden wir unser SPI-Musterdepot mit kotierten Titeln weiterführen. Anlegern wünschen wir schon jetzt viel Erfolg bei ihren Investments im neuen Jahr.

Gewinner und Verlierer 2015 – Ausserbörsliche Aktien
Valoren-Nr. Titel Bid CHF Last 2014 Bid CHF Last 2015 Performance
Gewinner
2312421 HBB Holding AG 11.5 8.00 29.5 35.00 337.50%
4958812 Bank von Roll AG 550 550.00 950 1’000.00 81.82%
1629001 Rigi Bahnen AG, Goldau 4.25 4.50 6.6 7.20 60.00%
199228 Parkresort Rheinfelden Holding AG, Rheinfelden 650 650.00 850 900.00 38.46%
1406921 Menzi Muck Gruppe AG 110 130.00 174 174.00 33.85%
Verlierer
623401 Schweizer Zucker AG 30 30.00 17 17.00 -43.33%
205500 LZ Medien Holding AG, Luzern 2005 2’350.00 1350 1’450.00 -38.30%
151450 Kongresshaus Zürich AG, Zürich 2500 2’700.00 1717 1’890.00 -30.00%
157936 Cendres+Métaux Holdg. SA, Biel 8500 8’500.00 6100 6’200.00 -27.06%
3088868 AZ Medien AG, Aarau 1950 1’900.00 1450 1’550.00 -18.42%
Quelle: www.otc-x.ch

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here