Dividendenstrategie 2020: Favoritenwechsel nach 33% Total Return der Vorjahresauswahl?

Warum Dividenden-Aktien weiterhin besser laufen

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Kurz vor Ende des wiederum guten Börsenjahres 2019 zeigt sich, dass die Indexrekorde in der Schweiz hauptsächlich auf die weithin unerwartete Out-Performance der Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche zurückzuführen sind. Das waren auch vor einem Jahr in der „Dividendenstrategie 2019“ die herausragenden Aktien-Favoriten. Setzt sich deren Lauf fort oder gibt es für 2020 bessere Dividenden-Aktien?

Es hat sich als richtig erwiesen, im November 2018 auf Aktien defensiver und konjunkturresistenter Unternehmen und Industrien zu setzen – und vorschnelle Engagements bei zyklischen Aktien zu vermeiden. Die Eskalation der globalen Handelskriege mit neuen Zöllen auf Waren in Billionenhöhe haben trotz erneuter Öffnung der Liquiditätsschleusen durch die Notenbanken den Welthandel gedämpft, das Wachstumstempo gebremst und die Investitionen vermindert. Gewinnwarnungen und ein Absenken der Prognosen in den zyklischen Industrien prägten über weite Strecken in 2019 trotz der guten Börsenentwicklung den Nachrichtenfluss aus den Unternehmen. Zahlreiche Aktienabstürze waren die Folge – ungeachtet einer vielleicht optisch hoch scheinenden Dividendenrendite.

Schwergewichte outperformen Leichtgewichte

Demgegenüber entwickelten sich die vor einem Jahr favorisierten Dividenden-Aktien von Nestlé und Novartis sowie von Roche ausserordentlich gut. Nestlé hat seit Jahresbeginn um über 30% zugelegt, dazu kommt die Dividende. Bei Novartis sind es 16% Kursanstieg und bei Roche 21%, jeweils plus Dividende. Das ist ein durchschnittlicher Total Return von 25% auf aktueller Kursbasis.

Kursentwicklung der Nestlé-Aktie in den letzten drei Jahren. Quelle: six-group.com

Landis+Gyr steigt um 78% seit Jahresanfang

Noch besser liefen, als Korb betrachtet, die vier anderen Favoriten. Aus dem Healthcare-Bereich sind dies Galenica mit 34% Kursanstieg und BB Biotech mit 9%. Der Dividendenklassiker Swiss Re legte immerhin um 18% zu. Herausragend war die Performance des Börsenneulings Landis+Gyr, der seit Januar um 78% gewann. Im Durchschnitt liegt die Performance bei 35%, zuzüglich über 4% Dividendenrendite. Ein gleichgewichtetes Portfolio mit den sieben Titeln bringt in 2018 soweit 33% Total Return. Keine einzige Aktie liegt im Minus.

Unsicherheiten und die Suche nach „sicheren“ Dividenden

Diese Ergebnisse zeigen, dass eine stabile und steigende Dividende eine starke Wirkung auf die Performance der Aktien haben kann. Das gilt speziell für das laufende Jahr, denn nach und nach ist immer mehr Investoren klar geworden, dass die Favoriten der Vorjahre überbewertet waren und sich zudem die Gewinnhoffnungen immer seltener erfüllen sollten. Insbesondere im dritten Quartal setzte ein breites Re-Rating der Aktienkategorien ein. Sicherheit spielte dabei die wichtigste Rolle, denn Verunsicherung durch den sich zuspitzenden Handelskonflikten zwischen den USA und China, EU, Indien, die Brexit-Deadline 31. Oktober sowie neu aufkeimende geopolitische Konflikte uvm. machte sich breit.

Perspektiven 2020

Die Frage ist nun, an der Schwelle zum kommenden Jahr, ob die genannten und im Vorjahr favorisierten Dividenden-Aktien auch auf dem deutlich erhöhten Kursniveau weiterhin attraktiv sind und bleiben – oder nicht. Und damit zusammenhängend: Gibt es neue Aktien, die vielversprechend erscheinen, sei es wegen der Bewertung, den Dividendenperspektiven oder aus anderen Gründen?

Es liegt im Auge des Betrachters, wie er die weitere Wirtschaftsentwicklung sieht. Davon hängt auch die persönliche Börsenprognose ab. Wie vor einem Jahr geht die Mehrzahl der Anleger scheinbar immer noch davon aus, dass es die Notenbanken schon richten werden und es mit Wachstum und Aktien weiterhin aufwärts geht. Das Problem mit dieser Sichtweise ist heute noch mehr als schon vor einem Jahr, dass die Fakten dagegensprechen. In China, dem Motor des globalen Wachstums seit Jahrzehnten, ist die Wachstumsrate unter 6% abgerutscht, die tiefste seit dreissig Jahren. Der bevorstehende Brexit dämpft jegliche ökonomische Aktivität auf den britischen Inseln. Trotz brummender Börse in den USA sind dennoch die Unternehmensgewinne, nicht zuletzt wegen den Zöllen, schon zwei Quartale geschrumpft, wenn auch nur gering. Dennoch sind die Signale aus der Wirtschaft nicht unbedingt inspirierend für Investoren.

Non-Cyclicals bleiben in der Favoritenrolle

An den Börsen sind diesseits und jenseits des Atlantiks die Aktien konjunkturresistenter Unternehmen wie Novartis und Merck oder Nestlé und Procter & Gamble stetig gestiegen und haben zumeist Rekordbewertungen erreicht. Der Grund ist, dass die genannten und ähnliche Unternehmen eine stabile Geschäftsentwicklung verzeichnen, die nicht vom konjunkturellen Auf und Ab bestimmt wird, während Anlagenbauer, Automobilzulieferer und viele weitere Industrien immer im Schatten des Konjunkturzyklus stehen.

Da die Stimulierung durch die Notenbankpolitik nach den vielen Jahren verschlissen ist und kaum noch Wirkungen zeitigt, ist davon auszugehen, dass der wirtschaftliche Zyklus seinen Lauf nehmen wird. Die Nachfrageschwäche hat bereits viele Industrien und Regionen erfasst. Trotz oder gerade wegen der guten Performance und der erreichten höheren Bewertungen der konjunkturresistenten Aktien ist davon auszugehen, dass sich die Umschichtungen aus zyklischen Industrien in Nestlé, Novarts & Co. weiter fortsetzen. Solange jedenfalls, bis der nächste breite Aufschwung beginnt und konjunkturabhängige Industrien wieder eine bessere Auftragslage sehen.

Haltepositionen

Sowohl die drei Schwergewichte als auch die anderen Dividenden-Favoriten bleiben im gegenwärtigen Umfeld gute Halte-Positionen, auch wenn es zu gelegentlichen Rückschlägen durch Gewinnmitnahmen kommt. Die Bewertungen, gemessen am KGV, sind nicht mehr unbedingt wirklich günstig, doch angesichts der steigenden Gewinnentwicklung wirken sie gegenüber den sinkenden Gewinnen, und damit steigenden KGVs, in den konjunkturreagiblen Industrien trotzdem „relativ“ attraktiv und auch einigermassen sicher. Dies bezieht die Dividenden ein. Allein Nestlé als grösster Dividendenzahler des Landes schüttete dieses Jahr 7.3 Mrd. CHF an die Aktionäre aus.

Dividendenstarke MidCaps

Kursverlauf der Galenica-Aktie in den letzten zwei Jahren. Quelle: six-group.com

Galenica erscheint auch nach der Kletterpartie mit einem KGV 2018 von 19 und einer aktuellen Dividendenrendite von 2,9% weiterhin als attraktiv, wenngleich sich die Erwartungen nicht an der Performance in 2019 orientieren sollten.

Kursverlauf der Aktie von Landis+Gyr seit dem Börsengang 2017. Quelle: six-group.com

Landis+Gyr ist ein Paradebeispiel für Marktineffizienzen, die der Investor zu seinem Vorteil nutzen kann. Kurz nach dem IPO fand die Aktie wenig Freunde, und auch von Banken und Medien war kaum etwas Ermutigendes zu hören. Es war jedoch absehbar, dass das konjunkturunabhängige Geschäftsfeld und -modell mit seinen zuverlässig prognostizierbaren Cashflows eher früher als später von der breiten Anlegerschafft entdeckt werden würde. Gegenüber dem Tief hat sich die Aktie fast verdoppelt. Aktuell liegt das KGV 2018 bei 25, die Dividendenrendite beträgt 3,3%. Die defensiven Qualitäten dürften weiterhin geschätzt werden. Das jeweilige KGV 2020, das nun relevant ist, dürfte um 10% bis 20% tiefer liegen. Trotzdem spricht nichts gegen eine (Teil-)Realisierung der schnellen Gewinne.

Börsenneuling SIG Combibloc mit guter Dividendenprognose

Mit SIG Combibloc gibt es einen weiteren Börsendebütanten, der für Dividenden-Investoren alles mitbringt, vor allem wiederkehrende und wachsende Einnahmen. Nach der Reduzierung der Verschuldung und erfolgreichen Expansionsschritten zeichnet sich eine solide Gewinnentwicklung für die kommenden Jahre ab. Davon werden auch die Aktionäre durch steigende Dividenden profitieren. Das Kursmuster nach dem IPO war ähnlich wie bei Landis+Gyr, die Aktie sackte zunächst ab. Inzwischen wird SIG Combibloc jedoch an der Börse wegen der defensiven Qualitäten entdeckt. Die aktuelle Dividendenrendite beträgt 2,5%, ist jedoch langfristig steigerungsfähig. Mehr zu SIG Combibloc findet sich hier und in diesem Beitrag. 

Kursverlauf der SIG Combibloc-Aktie seit dem Börsengang. Quelle: six-group.com

Beteiligungsgesellschaft HBM Healthcare mit 3,8% Dividendenrendite

Auch BB Biotech bleibt aus den im Vorjahr genannten Gründen eine gute Halteposition. Aufgrund der unterschiedlichen Fokussierung erscheint im gegenwärtigen Umfeld jedoch die Aktie der Beteiligungsgesellschaft HBM Healthcare vielversprechender. Das Portfolio ist stark auf late-stage ausgerichtet, was zu zahlreichen IPOs und entsprechenden Bewertungsgewinnen führt. Mehr zu HBM Healthcare findet sich hier.

Swiss Re überrascht positiv

Swiss Re hat als Dividenden-Aktie ebenfalls weit besser performt als von den meisten Marktteilnehmern erwartet. Auf dem erhöhten Kursniveau bleibt es eine Halteposition, die Dividendenrendite liegt immer noch über 5%. Aufgrund des Klimawandels haben Naturkatastrophen wie Überflutungen, Brände und Stürme in den letzten Jahren stark zugenommen, die Schadenssummen sind explodiert. Allerdings sind auch manche Risiken in gefährdeten Regionen gar nicht mehr versicherbar. Unkalkulierbare Risiken sind eben nicht versicherungsfähig.

Fazit

Die Aktienfavoriten wechseln im Lauf des Konjunkturzyklus. Während im Aufschwung hohe Gewinne bei zyklischen Industrien winken, erscheinen bei Stagnation und Abschwung den Investoren plötzlich die stabilen Gewinn- und Dividendenreihen der „langweiligen“ konjunkturunabhängigen und stetigen Vertreter aus Pharma, Nahrungsmittel, Kosmetik, usw. höchst begehrenswert. Dies ist ein Prozess, der bei kurzen Wirtschaftszyklen nur wenige Monate dauern kann. Nach über 10 Jahren Wachstum, vieles davon mit QE erkauft, wird der Prozess der Outperformance von non-cyclicals vs. cyclicals jedoch mehr Zeit in Anspruch nehmen. Die zahlreichen wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten, die derzeit die Schlagzeilen prägen, lassen erwarten, dass Novartis & Co weiterhin das Kapital an den Aktienbörsen magnetisch anziehen werden.

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