Florian Kaufmann, Vize-VR Rapid Holding: «Die Synergien werden erst 2021 wirksam.»

Corona-Krise trifft Rapid besonders im Bereich Contract Manufacturing

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Seit fünf Jahren befand sich die Rapid-Gruppe auf der Suche nach passenden Akquisitionsobjekten. 2019 war es schliesslich soweit. Mit den zwei inhabergeführten Unternehmen Brielmaier und KommTek ergänzte sich der Hersteller von handgeführten Einachser-Motormähern nicht nur technologisch, sondern auch geografisch. Doch die Integration und die Frankenstärke hinterliessen ihre Spuren in der 2019er Erfolgsrechnung. Der Umsatz stieg zwar leicht auf 45.8 Mio. CHF. Allerdings gingen EBIT und Reingewinn kräftig auf 1.8 bzw. 1.2 Mio. CHF zurück. Im Interview mit schweizeraktien.net erklärt Verwaltungsrats-Vize Florian Kaufmann, warum die Integration nun länger dauert. Ausserdem zeigt er die mittelfristigen Perspektiven für Rapid auf und spricht über die Folgen der Corona-Krise.

Herr Kaufmann, 2019 konnte die Rapid Gruppe an das gute Vorjahr nicht anknüpfen, obwohl Sie sogar Zukäufe getätigt haben. Woran lag es?

Florian Kaufmann ist seit 2013 Verwaltungsrat der Rapid Holding. 2016 übernahm der Absolvent eines BWL-Studiums an der Uni Bern das Vize-Präsidium. Bild: zvg

Einerseits hat uns der schwache Euro im Exportgeschäft bei den Einachsern und auch im Contract Manufacturing belastet. Andererseits waren wir durch die zwei Akquisitionen stark gefordert. Wir wussten, dass es nicht einfach wird. Doch hätten wir bei der Integration schnellere Fortschritte erwartet.

Die Wechselkursentwicklung war doch absehbar …

Im Contract Manufacturing haben wir darauf reagiert, indem wir die durchschnittliche Produktivität erhöhen konnten. Damit liess sich der Währungsnachteil allerdings nicht vollständig kompensieren. Nach der Übernahme von Brielmaier verfügen wir nun über weitere Produktionsstandorte in Deutschland und Rumänien. Diese Standorte helfen uns in Zukunft, die Währungsrisiken abzufedern. Neue Produktserien und Aufträge im Bereich der Elektromobilität werden für weiteres Wachstum im Bereich CM sorgen.

Es hat nach dem Verkauf der Anlageliegenschaften in Dietikon fünf Jahre gedauert, um die seinerzeit angekündigten Akquisitionen zu tätigen. Warum konnten Sie diesen Prozess nicht beschleunigen?

Es gibt nicht sehr viele Unternehmen, die handgeführte Einachsergeräte für die Landwirtschaft herstellen. Daher war die Auswahl begrenzt. Sie können sicher sein, dass wir schon längerer Zeit mit den zwei Unternehmen in Kontakt standen. Mit Brielmaier hatten wir schon seit 2010 eine OEM-Vertriebspartnerschaft. Aber manche Dinge benötigen eben etwas Zeit.

Zeit brauchen Sie nun auch noch für die Integration der beiden Unternehmen.

2020 wird, auch ohne Corona, ein Übergangsjahr mit einigen Bremsspuren. Die Synergien werden dann im 2021 wirksam. Mit dem Vertriebsnetz von Brielmaier sollten wir den Absatz stärken können. In der Produktion sehen wir ebenfalls mit unserem Plattformkonzept Möglichkeiten für Einsparungen. Auch die Technologie von KommTek im Bereich des autonomen Fahrens wird uns helfen, die Einachser vom Berg in die Fläche zu bringen. Hier sehen wir, ebenso wie in der geografischen Expansion, grosses Potenzial für die Rapid-Gruppe.

Mit den Zukäufen setzen Sie bei Rapid Technic auf Wachstum. Wie sieht Ihre Strategie für CM aus? Sind in diesem Geschäftsbereich auch Zukäufe zu erwarten oder steht dieser zum Verkauf?

Wir halten an beiden Bereichen fest. Bei CM verfügen wir über ein einzigartiges Know-how. Das setzen wir für unsere eigenen Produkte und für Drittkunden ein. Im letzten Jahr haben wir im Bereich der Elektromobilität weitere Kunden gewonnen. In der Bahnindustrie konnten wir den Kundenstamm erweitern und neue Produkte entwickeln. Wir sind mit diesen Erfolgen zufrieden und wollen so organisch weiterwachsen.

Wie ist die Rapid-Gruppe in das laufende Geschäftsjahr gestartet, und mit welchen Auswirkungen rechnen Sie aufgrund der Corona-Krise?

Wir sind mit einem niedrigen Auftragsbestand ins 2020 gestartet, was sowohl saisonal als auch corona-bedingt war. Im Einachsergeschäft hat sich der Auftragseingang zu Beginn des 2. Quartals im Markt Schweiz sehr gut entwickelt. Im Export liegen wir allerdings hinter dem Budget. In der Schweizer Landwirtschaft beobachten wir seit Anfang April einen Weg zurück zur Normalität. Viel deutlicher spüren wir die Corona-Krise im Contract Manufacturing. Neue Projekte haben sich verzögert. Die Kurzarbeit bei unseren Kunden und teilweise Werksschliessungen wirken sich auch auf unseren Auftragsbestand negativ aus.

Welche Massnahmen haben Sie ergriffen, um die Folgen der Corona-Krise abzufedern?

Zu Beginn des Lockdown wurden zwei Wochen Betriebsferien angeordnet. So konnten wir auf die Situation reagieren, ohne Kurarbeit zu beantragen. Seither fliegen wir sozusagen auf Sicht. Kurzarbeit ist zu einem späteren Zeitpunkt auch eine Option. Die konkreten Auswirkungen der Corona-Krise auf unser Geschäftsjahr können wir daher noch nicht abschätzen. Da 2020 ohnehin ein Übergangsjahr geworden wäre, setzen wir nun alles daran, dass wir gestärkt aus der Krise hervorgehen können.

Im vergangenen Jahr wurde viel über den Klimaschutz und die Landwirtschaft gesprochen. Auch wenn diese Diskussion derzeit etwas in den Hintergrund gerückt ist: Wie wird sich Rapid Technic auf diese Entwicklung einstellen?

Wir setzen beim Gewicht der Geräte und bei der Mähtechnik an. So wollen wir den CO2-Ausstoss reduzieren. Ausserdem setzt auch Rapid auf Elektromobilität. Die Zukunft von unserem Geschäft wird daher von autonom gesteuerten Geräten mit elektrischem Antrieb geprägt sein.

Sie vertreten im Verwaltungsrat Ihre Familie, die mit knapp 60% Mehrheitsaktionär von Rapid ist. Wie sieht Ihre Eigentümerstrategie aus, und was planen Sie mit Ihrem Investment?

Wir stehen weiterhin voll hinter dem Unternehmen und streben einen langfristigen Erfolg an. Auch wenn die Integration von Brielmaier und KommTek einige Zeit benötigt, wird sich die Strategie für alle Aktionäre auszahlen. Für uns war es daher auch sinnvoller, das Geld in diese beiden Firmen zu investieren, als weiterhin Kapital auszuschütten. Aufgrund unserer Dividendenpolitik planen wir, auch in Zukunft eine Dividende aus den operativ erarbeiteten Gewinnen auszuschütten.

Herr Kaufmann, vielen Dank für das Gespräch.

Seit Bekanntgabe des Jahresabschluss für 2019 ist der Aktienkurs um rund 10% zurückgegangen. Chart: www.otc-x.ch

Die Aktien der Rapid Holding AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden 475 CHF je Aktie bezahlt.

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