schweizeraktien.net – Die Woche | 15. März 2021

0
570

In unserem Newsletter vom 8. März haben wir u.a. über öffentliche Gelder für die Bergbahnen-Branche geschrieben. Und dazu angeregt, den Nutzen dieser Gelder genauer zu hinterfragen. Nun hat in der letzten Woche das Berner Kantonsparlament den Antrag für einen Kredit des Kantons über 9.5 Mio. CHF zur Sanierung der Schynige-Platte-Bahn (SPB) im Berner Oberland zurückgewiesen. Begründet wurde die Rückweisung damit, dass diese Bahn ausschliesslich für touristische Zwecke genutzt werde und der Kanton über seine 34%ige Beteiligung an den Berner Oberland Bahnen (BOB), zu der auch die SPB gehört, nur einer von vier Aktionären der Ausflugsbahn sei. Weitere Aktionäre der BOB sind mit 36% der Bund, mit 12% die Rolly Fly SA Holding und mit 8% die Jungfraubahnen. Auch die anderen Aktionäre sollten einen Beitrag zu der Sanierung leisten, hiess es. Man darf gespannt sein, wie diese nun reagieren. Jungfraubahn-CEO Urs Kessler hat jedenfalls schon mal abgewunken.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Name Rolly Fly SA Holding. Die Gesellschaft des 2019 verstorbenen deutschen Eisenbahnunternehmers Rolf Georg taucht noch bei weiteren Schweizer Bahngesellschaften auf, so etwa bei der BLS und der kleineren Westschweizer Montreux -erner-Oberland-Bahnen (MOB), welche u.a. die sogenannte «GoldenPass Linie» betreibt. Dort war Rolly Fly per Ende 2019 mit 7,8% grösster privater Aktionär nach dem Bund (43,1%) und den Kantonen Bern (18,8%) und Vaud (17,4%).

Wie auch bei der BOB hat Rolf Georg bei der BLS u.a. Dividendenzahlungen gefordert, die unter Hinweis auf die eisenbahngesetzliche Reservenbildung und eine Substanzstärkung mittels Dividendenverzicht regelmässig abgelehnt wurden. Wie es mit der Rolly Fly weitergeht, ist derzeit zumindest öffentlich nicht bekannt. Ein aktueller Eintrag in das Handelsregister verrät jedenfalls, dass Rolly Fly im Dezember 2020 seinen Firmensitz von Chur nach Interlaken verlegt hat. Mit der Sitzverlegung wurden auch die Gremien neu besetzt.

Insgesamt rufen die komplizierten, historisch gewachsenen Besitzverhältnisse – unabhängig von Rolly Fly – bei Bahnen wie BLS, MOB und BOB, die am Ende alle abhängig von Abgeltungen der öffentlichen Hand sind, nach einer Bereinigung. Der Zeitpunkt wäre nach den zu erwartenden Verlusten durch die Corona-Pandemie, die am Ende auch der Steuerzahler trägt, recht günstig. Auch angesichts des Skandals rund um die BLS wäre eine klarere Führungsstruktur begrüssenswert.

Zurzeit läuft die Generalversammlungs-Saison wieder an. Auch in diesem Jahr werden die meisten GVs wohl nach der Covid-Verordnung ohne Präsenz der Aktionäre stattfinden. Nur wenige, gerade kleinere Gesellschaften, warten noch auf die nächsten Lockerungsschritte und hoffen auf eine Präsenz-GV. Dies jedenfalls war das Feedback von den Referenten an unserem Webinar von letzter Woche.

Zurück zur Präsenz-GV heisst es wohl auch im kommenden Jahr. Sofern die Covid-Verordnung nicht nochmals verlängert wird, sind ab 2022 Generalversammlungen wieder als normale Präsenz-Generalversammlungen angesagt. Denn die Aktienrechtsrevision, die eine Durchführung von «virtuellen GVs» möglich macht, tritt wohl erst Anfang 2023 in Kraft. Dies haben Recherchen von schweizeraktien.net ergeben.

An den Börsen bleibt es weiterhin spannend, nachdem die grossen Indizes wie DAX und Dow Jones in der letzten Woche wieder einmal Höchststände erklommen haben. Wie es mit den Schweizer Small- und Mid-Cap-Aktien weitergeht, dazu gibt in der kommenden Woche Fondsmanager Marc Possa in unserem Portfoliotalk Auskunft. Wir sind gespannt.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Woche.

Aktuelle Artikel vom schweizeraktien.net-Team




Aktienrechtsrevision: Inkrafttreten nicht vor 2023 zu erwarten

Aktienrechtsrevision: Inkrafttreten nicht vor 2023 zu erwarten

Eigentlich sollten Generalversammlungen ab 2022 nach Inkrafttreten der Aktienrechtsrevision rein «virtuell» möglich sein. Damit wäre ein nahtloser Übergang von der Covid-GV zur «virtuellen GV» ohne Präsenz der Aktionäre gewährleistet. Doch daraus wird nichts, wie Recherchen von schweizeraktien.net ergaben. In unserem Webinar diskutierten wir mit Experten über diese neue Ausgangslage.

Zum Beitrag «Aktienrechtsrevision: Inkrafttreten nicht vor 2023 zu erwarten»


Clientis: Regionalbankengruppe erneuert bis 2022 ihre Serviceplattform

Clientis: Regionalbankengruppe erneuert bis 2022 ihre Serviceplattform

Die 14 Regionalbanken der Clientis-Gruppe sind bisher gut durch die Corona-Krise gekommen. Kundengelder (+14,1%) und Ausleihungen (+4,4%) legten kräftig zu. Der konsolidierte Gewinn lag mit 60.5 Mio. CHF nur knapp unter dem Vorjahreswert. Im Fokus der Bankengruppe steht bis 2022 nun die Erneuerung der Serviceplattform. Mit einer offenen Plattformarchitektur sollen auch weitere Banken für die Dienstleistungen gewonnen werden.

Zum Beitrag «Clientis: Regionalbankengruppe erneuert bis 2022 ihre Serviceplattform»


BLS: Schwere Zeiten für das zweitgrösste Schweizer Bahnunternehmen

BLS: Schwere Zeiten für das zweitgrösste Schweizer Bahnunternehmen

Das Berner Bahnunternehmen BLS hat in den letzten Jahren viele Verfehlungen zu verantworten. Dazu muss die BLS noch die Corona-Krise meistern. In unserem Beitrag im Dezember 2020 haben wir schon die Aktionärsstruktur der Gesellschaft kritisch hinterfragt.

Zum Beitrag «BLS: Schwere Zeiten für das zweitgrösste Schweizer Bahnunternehmen»

sponsored content


Espace Real Estate: Webcast zum Geschäftsjahr 2020

Espace Real Estate: Webcast zum Geschäftsjahr 2020

Die Immobiliengesellschaft Espace Real Estate AG steigerte die Erträge aus Vermietung im 2020 um 7,3% auf 34.6 Mio. CHF. Auch der Gewinn fiel mit 22.0 Mio. CHF ein Drittel höher aus als im Vorjahr. Die Dividende steigt auf 5.25 CHF. Im Webcast nehmen VR-Präsident Dr. Andreas Hauswirth und CEO Lars Egger zum Jahresabschluss 2020 Stellung und geben einen Ausblick.

Zum Beitrag «Espace Real Estate: Webcast zum Geschäftsjahr 2020»

Was uns im Netz sonst noch aufgefallen ist…




Die Erneuerung der Schynige Platte-Bahn ist nicht vom Tisch, sondern wird dringender

Die Erneuerung der Schynige-Platte-Bahn ist nicht vom Tisch, sondern wird dringender

Das Berner Kantonsparlament weist einen Kredit für die Sanierung der Ausflugsbahn zurück. Die Politiker sehen nicht ein, warum der Kanton alleine für die Sanierung zahlen soll und andere Aktionäre wie der Bund und die Jungfraubahn sich nicht beteiligen müssen. In der lokalen «Jungfrauzeitung» nimmt der Berner Verkehrsdirektor Christoph Neuhaus dazu Stellung.

Zum Beitrag «Die Erneuerung der Schynige-Platte-Bahn ist nicht vom Tisch, sondern wird dringender»


Eine Aktie für 30 Rappen – Weshalb die BLS immer noch private Aktionäre hat

Eine Aktie für 30 Rappen – Weshalb die BLS immer noch private Aktionäre hat

Sie ist eine Kuriosität auf der Handelsplattform OTC-X: die Aktie der BLS AG. Wie die Tageszeitung «Der Bund» berichtet, waren Versuche einer Bereinigung des Aktionariats in der Vergangenheit erfolglos. Und sie werden es wohl auch in Zukunft bleiben, weil weder Bund noch Kanton Bern Geld für ein Kaufangebot an die Minderheitsaktionäre in die Hand nehmen werden. (Login notwendig)

Zum Beitrag «Eine Aktie für 30 Rappen – Weshalb die BLS immer noch private Aktionäre hat»


Geschäftsbericht 2020 - Hof Weissbad AG erzielt gutes Jahresergebnis

Geschäftsbericht 2020 – Hof Weissbad AG erzielt gutes Jahresergebnis

Das OTC-X gelistete Hotel «Hof Weissbad» im Kanton AI ist eines der erfolgreichsten Hotels der Ostschweiz, obwohl (oder weil?) nur 3% der Gäste aus dem Ausland stammen. Dieser überdurchschnittlich hohe Anteil an Inlandgästen hat geholfen, den coronabedingten Schaden einzudämmen. Nach 19 Jahren im Amt tritt zudem Sepp Breitenmoser anlässlich der GV vom 9. April 2021 als VRP zurück und übergibt das Amt an Thomas Rechsteiner…

Zum Beitrag «Geschäftsbericht 2020 – Hof Weissbad AG erzielt gutes Jahresergebnis»


Säntis Schwebebahn AG: Auf Bruno Vattioni folgt Martin Sturzenegger

Säntis Schwebebahn AG: Auf Bruno Vattioni folgt Martin Sturzenegger

Martin Sturzenegger wird ab dem 1. Januar 2022 neuer Geschäftsführer der auf OTC-X gelisteten Säntis-Schwebebahn AG und damit Nachfolger von Bruno Vattioni, der ab dem kommenden Jahr nach 20 Jahren Säntis-Schwebebahn AG pensioniert wird. Eine interessante Personalie, die aufhorchen lässt – hat Martin Sturzenegger bei Zürich Tourismus in seiner achtjährigen Amtszeit doch einiges angestossen. Nun steht aber der Wechsel von der Stadt aufs Land bevor… Anlässlich dieser Personalie hat das Online-Portal «Die Ostschweiz» Kurzinterviews mit Martin Sturzenegger und dem amtierenden VRP Michael Auer publiziert.

Zum Beitrag «Säntis Schwebebahn AG: Auf Bruno Vattioni folgt Martin Sturzenegger»


Kommt jetzt der grosse Boom?

Kommt jetzt der grosse Boom?

watson.ch fragt sich, ob mit dem US-amerikanischen Corona-Hilfspaket der Startschuss für eine kräftige Erholung der Weltwirtschaft gefallen ist – ohne am Ende eine Antwort darauf liefern zu können. Alles ist möglich. Klar scheint – auch uns – nur: Die systemischen Risiken werden nicht geringer…oder nach einem alten Sprichwort: «Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.» Anleger sind gut beraten, nicht alles auf den «grossen Boom» zu setzen…

Zum Beitrag «Kommt jetzt der grosse Boom?»


Spac-Boom: Die SIX fällt zurück

Spac-Boom: Die SIX fällt zurück

nzz.ch berichtet, dass die Schweizer Börse um neue attraktive Unternehmen kämpft – bisher allerdings eher auf verlorenem Posten. Im vergangenen Jahr gab es kein «richtiges» IPO, lediglich zwei Abspaltungen mit INA Invest und V-ZUG. Die Schweiz steht im grossen «Spac-Spiel» bis jetzt nur an der Seitenlinie. Gregor Greber von der Beteiligungsgesellschaft Veraison und Mitstreiter aus dem Umfeld der börsenkotierten VAT Group AG stehen nun allerdings in den Startlöchern für den ersten Schweizer Spac… (Login notwendig)

Zum Beitrag «Spac-Boom: Die SIX fällt zurück»


Digital-Künstler flippt nach Auktion aus – Kunstmarkt spielt verrückt: 69 Millionen für ein Pixel-Bild

Digital-Künstler flippt nach Auktion aus – Kunstmarkt spielt verrückt: 69 Millionen für ein Pixel-Bild

Ohne Worte… Vielleicht sind wir aber auch nur zu «alt», um diesen «Wahnsinn» zu verstehen…Wer, um Himmels Willen, zahlt so viel Geld für eine – zumindest in der Bildbetrachtung – beliebig kopierbare «digi­ta­le Besitz­an­zei­ge in einer Daten­bank» (F.A.Z.)?

Zum Beitrag «Digital-Künstler flippt nach Auktion aus – Kunstmarkt spielt verrückt: 69 Millionen für ein Pixel-Bild»

Kommentar verfassen