SKAN Group: Noch ein vielversprechendes Healthcare-IPO!

Weltmarktführer mit Wachstumsraten von 30% auf Börsenkurs

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Der nächste Börsengang an der SIX steht bevor. Die bisher an der BX Swiss gehandelten Aktien der BV Holding werden dekotiert. Nach einem Namenswechsel in SKAN Group und einem IPO werden dann die SKAN-Aktien den Handel an der SIX aufnehmen. Hinter SKAN steht eine lupenreine Wachstumsgeschichte. Das Unternehmen ist Weltmarktführer bei Isolatoren, wie sie für die aseptische Abfüllung beispielsweise der Covid-Impfstoffe benötigt wird. Der weitere Ausblick bleibt von überproportionalen Wachstumsraten geprägt.

Um bei der aseptischen Abfüllung ein Höchstmass an Sicherheit zu gewährleisten, setzt SKAN Robotertechnik ein, die manuelle Eingriffe auf ein Minimum begrenzt. Bild: skan.com

Die Pandemie und die Folgen haben das Interesse der Anleger am Healthcare-Sektor nochmals kräftig gesteigert. Das betrifft nicht nur die bereits kotierten Branchenvertreter, sondern zeigt sich auch am Klima für Börsengänge. Neben Technologie ist der Healthcare-Sektor mit 18% der IPO-Erträge dieses Jahr extrem heiss geworden. Das ist ein Glück für den Schweizer Aktienmarkt, der nicht unbedingt als Technologie-Börse Bekanntheit erlangt hat, aber dafür umso mehr als grösste europäische Börse für Healthcare-Unternehmen. Nach den Neuzugängen medmix und SKAN Group umfasst der Life-Science-Index der SIX dann 29 Aktien.

Vorgeschichte

Die BV Holding war 1997 als Bern Venture Ltd. gegründet worden. 2001 folgte die Umwandlung in eine AG nach Schweizer Recht und der erste Namenswechsel. 2007 ging das Unternehmen an die Berne Exchange, heute BX Swiss. Vom anfänglichen Frühphasenfinanzierer wandelte sich die Gesellschaft zuerst in eine börsenkotierte Beteiligungs-Holding, und nun in eine operative Gesellschaft. Die Strategie wurde angepasst. Hauptaktionär ist der bekannte Schweizer Unternehmer und Mäzen Willy Michel, der u.a. Ypsomed gründete. Mehrere Beteiligungen der BV Holding wurden bereits in der Vergangenheit veräussert. Stand 2017 entfielen schon rund drei Viertel des Net Asset Value von BV Holding auf SKAN. Die Erlöse der Beteiligungsverkäufe werden jeweils an die Aktionäre ausgeschüttet. So soll auch mit den restlichen zwei Beteiligungen verfahren werden, wie der Verwaltungsrat gemäss einer Medienmitteilung vom April 2021 beschlossen hat.

Kursverlauf der Aktie der SKAN Group (ehemals BV Holding). Chart: money-net.ch
SKAN Group Profil

Anfänglich wurden von der 1968 gegründeten SKAN als Handelsgesellschaft Gesundheitsprodukte aus Skandinavien in die Schweiz importiert – daher der Name. Doch inzwischen ist das Unternehmen zum globalen Markt- und Innovationsführer im Bereich der Isolatoren, Reinraumgeräte und Dekontaminationsverfahren für die aseptische Abfüllung biopharmazeutischer Produkte geworden. Der Weltmarktanteil liegt bei 20% bis 25%, im Premium-Segment sogar bei 35%. In den letzten drei Jahren betrug das Umsatzwachstum durchschnittlich 30,5% p.a. Mit eigenen Standorten ist SKAN in der Schweiz, Deutschland, Belgien, USA und Japan vertreten.

Wachstumsfaktoren

Für den Bio-Pharma-Markt erwartet die Beratungsgesellschaft LEK ein jährliches Wachstum bis 2025 von rund 5%. Die Wachstumstreiber sind: der demografische Wandel, der medizinische Fortschritt und steigende Ausgaben im Gesundheits-Sektor. Doch für den Markt der aseptischen Abfüllung von Wirkstoffen wird ein Marktwachstum von 11% jährlich auf 2.5 Mrd. CHF bis 2026 prognostiziert. Die Gründe sind vor allem im Trend hin zu injektionsfähigen Wirkstoff-Therapien zu finden. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die hohen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung haben zu neuartigen Zell- und Gentherapien geführt, die vornehmlich injiziert werden. Auch der allgemeine Trend zur Kostensenkung im Gesundheitswesen spielt SKAN in die Hände. Pens und Auto-Injektoren ersparen Arzt- und Klinikbesuche und senken die Therapiekosten. Für sogenannte «Injectables» wird daher das Marktwachstum bei rund 9% jährlich gesehen.

Blue-Chip-Kundenliste

Die führenden Pharma- und Biotech-Unternehmen sowie die Contract Manufacturer sind stets an innovativen Technologien interessiert, die dazu beitragen, Wirkstoffe in der richtigen Menge an den gewünschten Ort zu transportieren. Injizierbare Wirkstoffe müssen aber vor allem unter aseptischen oder aseptisch-toxischen Bedingungen verpackt und abgefüllt werden. Dazu wird Reinraum-Technik in höchster Qualität verlangt. Die strikten Vorschriften dienen der Sicherheit der Produkte wie auch der damit beschäftigten Mitarbeitenden. Die Markteintrittsbarrieren sind hoch. Die Zulassungsbehörden bestehen auf Einhaltung der Good Manufacturing Practises (GMP) sowie der GAMP, die sich auf die automatische Produktion beziehen.

Globale Ambitionen

Tatsächlich wird beispielsweise ein substanzieller Teil der Covid-Vakzine durch Roboter mittels der patentierten „Crystal Closed Vial Technology“ abgefüllt. Hier zählen auch die involvierten Contract Manufacturer zu den Abnehmern. Insgesamt zählt SKAN ca. 1’000 Unternehmen der Life-Sciences-Industrie zu seinen Kunden. Die Loyalität ist hoch. 86% der Top-50-Kunden der letzten neun Jahre erteilen Folgeaufträge. Selbst die US-Zulassungsbehörde FDA verweist in ihren „Aseptic Guidelines“ auf die SKAN-Prozeduren. Die Kunden sind hauptsächlich aus den USA, Europa, Japan und Südkorea. 46% der Umsätze entfielen 2020 auf Europa, 43,5% auf Amerika und 8,8% auf Asien. Zukunftsmärkte entstehen in Indien, China und Brasilien. Auch dort domizilierte Bio-Pharma-Unternehmen müssen die Industrie-Standards der entwickelten Länder erfüllen, wollen sie dorthin exportieren.

Markteintrittsbarrieren

Die regulatorischen Anforderungen durch FDA und deren Äquivalente führen im Wettbewerb auch dazu, dass es neue Konkurrenten schwer haben. Selbst wenn sie die regulatorischen Anforderungen erfüllen, bleiben die hohen Kosten eines Wechsels des System-Anbieters für Kunden ein Hindernis. Zudem ist ein Know-how erforderlich, das Mikro-Biologie, chemische Reinigungsprozesse, Automation, Airflow-Modelling und Software beinhaltet. Ein Geschäft für Spezialisten also, welches sehr spezifische Voraussetzungen erfordert, die nur von wenigen Wettbewerbern erfüllt werden. Darin begründet ist auch eine weiterhin hohe Gewinn-Marge zu erwarten.

Wachstum und Profitabilität

Das Wachstum in den letzten drei Jahren lag mit 30,5% deutlich über dem Markt-Wachstum. Der Umsatz in 2020 belief sich auf 207.3 Mio. CHF, das um Sonderfaktoren bereinigte EBITDA wird mit 34.4 Mio. CHF angegeben. Die Marge beträgt 16,6%. Zum 30. Juni 2021 lag der Auftragsbestand bei 220.8 Mio. CHF, der Auftragseingang lag um 33% über dem Vorjahreswert bei 156.8 Mio. CHF. Da sich eine Rekordzahl neuer Therapien in fortgeschrittener Entwicklung befindet, ist weiterhin mit beschleunigten Investitionen der bio-pharmazeutischen Industrie in Reinraumtechnik zu rechnen. Das Unternehmen stellt eine zukünftige Dividende in Höhe von 30% des Gewinns in Aussicht.

Strategie

Konkret nennt SKAN vier Säulen der Unternehmensstrategie. Die Kapazitäten sollen durch Investitionen erweitert werden und die Innovation zunehmen. 9% des Umsatzes sind 2020 in F&E investiert worden. Durch den Ausbau der roboterisierten Abfüllung mittels der Crystal Closed Vial Technologie erfüllt SKAN die Bedürfnisse aller Kunden und etabliert sich somit als One-Stop-Shop in einer bisher fragmentierten Landschaft. Bislang entfallen 77% der Umsätze auf Equipment und Solutions, d.h. Standard-Isolatoren. 23% steuert der Bereich Services und Consumables bei. Durch das Angebot von Pay-Per-Use-Modellen erzielte das Segment in den letzten drei Jahren ein jährliches Wachstum von 50%. Das soll ausgebaut werden. Weiterhin bietet die digitale Transformation neue Wachstumsimpulse wie Remote Training und Remote Testing. Dadurch werden Zeit und Geld eingespart, die Effizienz steigt. Künstliche Intelligenz soll die Predictive Maintenance signifikant verbessern.

Neuemission

Die meisten Details bleiben noch abzuwarten, Bekannt ist jedoch, dass die Kapitalerhöhung im Rahmen des IPOs 80 Mio. CHF einbringen soll. Dazu kommen Aktien der Altaktionäre. Das Emissionsvolumen könnte 200 Mio. CHF und bis zu 25% des Aktienkapitals betragen. Der Free-Float kann bis zu 50% reichen. M&G Investments hat eine Tranche von 37,5 Mio. CHF gezeichnet. Verwaltungsräte und Altaktionäre unterwerfen sich Lock-up-Verpflichtungen von 12 respektive 18 Monaten. Mehr zum Börsengang der SKAN-Group in Kürze.

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