Start Blog Seite 22

Finanzplatz Schweiz: Wachsender Impact durch grenzüberschreitende Interdependenzen

0
Die IPO-Bilanz in der Schweiz ist mager. Der langfristige Durchschnitt liegt bei zwei Börsengängen pro Jahr. Und davon entfallen viele auf Abspaltungen. Bild: Erstellt mit DALL·E, einer KI-gestützten Bildgenerierungsplattform von OpenAI

Mehr als alle anderen Märkte sind die Wertpapierbörsen global vernetzt. Im Reich der Börse geht die Sonne, abgesehen vom handelsfreien Wochenende, tatsächlich nie unter. Die Anleger verarbeiten neue Informationen in Real-Time und agieren international. Die Globalisierung bringt viele Vorteile, legt jedoch auch schonungslos Schwachstellen bloss. So wird für mehr Effizienz an den Kapitalmärkten gesorgt.

Im Alltagsgeschehen an der Börse bestimmen, so scheint es, neue Unternehmensmeldungen oder Auf- und Abstufungen von Aktien oder Sektoren durch Banken, Broker und Research-Boutiquen. Dabei geht es meist um hochkapitalisierte Werte wie UBS und Holcim oder Titel, die durch aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen thematisch in den Vordergrund gerückt werden. Beispiele hierfür sind Lonza als Contract Manufacturer und Bachem als spezialisierter Zulieferer während der Covid-Pandemie.

Herdentrieb auf hohem Niveau

Der intelligente Investor kennt die Marktmechanismen. Wenn plötzlich die «Coverage» bestimmter Small- und Mid-Caps von vielen professionellen Kapitalmarktakteuren gleichzeitig aufgenommen wird und sich dann Kurszielerhöhungen nahtlos aneinanderreihen, ist Vorsicht geboten. Die Kursverläufe von Bachem und DocMorris zeigen beispielhaft warum. Die Aktie des Peptid-Herstellers Bachem lag bei Ausbruch der Epidemie in China Ende 2019 bei 30 CHF, stieg dann jedoch sukzessive bis auf 171 CHF im Oktober 2021, also innert weniger als 2 Jahren. Seitdem kennt die Aktie trotz fortgesetzt positiver Einschätzungen nur die Richtung nach unten, von Erholungsversuchen abgesehen. Der aktuelle Kurs von 56 CHF bewegt sich auf dem Niveau, das erstmals im Juli 2020 überschritten worden war.

Chart Bachem Jan 25
Die Aktie von Bachem kletterte während der Pandemie markant in die Höhe. Chart: six-group.com

Aufstieg und Fall von DocMorris

Ähnlich ist das Muster bei DocMorris, vormals Zur Rose. Nach dem IPO 2017 war der Kurs von 150 CHF auf unter 100 CHF abgebröckelt – bis mit der Pandemie ab Ende 2019 ein Höhenflug einsetzte, der die Aktie bis Anfang 2021 auf über 500 CHF katapultierte. Es folgte ein langer und für die Aktionäre schmerzhafter Korrekturprozess, der auch von externen Faktoren wie der Erhöhung des Zinsniveaus und der Diskontierungssätze der zukünftigen Cashflows, Verzögerungen bei der Einführung des E-Rezeptes in Deutschland und der Wettbewerbsintensivierung geprägt war. Die strategische Vormachtstellung im europäischen Online-Apothekenversandhandel hat DocMorris offensichtlich zwischenzeitlich verloren.

Chart Doc Morris Jan 25
Auch der Titel von Doc Morris spürte starken Auftrieb durch Covid. Chart: six-group.com

Vom Hoffnungsträger zum Micro-Cap

Bis Mitte Dezember 2024 war die Aktie auf 25 CHF abgesunken, das bisherige Tief, das im November 2022 verzeichnet worden war. Doch es sollte nicht halten. Die deutsche Drogeriemarktkette DM verkündete den Einstieg in den Online-Apothekenversandhandel, was die DocMorris-Aktie und auch die des Konkurrenten Redcare Pharmacy abstürzen liess. Während DocMorris nun unter 20 CHF liegt, bewegt sich der Kurs von Redcare trotz der Korrektur um rund 200% über den Post-Covid Tiefständen. Die Market Cap ist mit 2.4 Mrd. Euro noch respektabel, die von DocMorris beträgt knapp 10% davon! Damit ist DocMorris in die Kategorie der Micro-Caps gewechselt.

Das Bemerkenswerte an «Himmelfahrt und Höllensturz» von ZurRose/DocMorris, wie schweizeraktien.net bereits vor 2 Jahren titelte, ist, dass die gesamte weitere Unternehmensentwicklung mit dem Zwangsverkauf der profitablen Schweizer Aktivitäten zur Bilanzsanierung von einem singulären und unkontrollierbaren Ereignis in einem Nachbarland abhängig gemacht wurden. Der jüngste Kursrutsch wegen der DM-Ankündigung ist gewissermassen nur der zuletzt gesetzte i-Punkt. Als ob nicht absehbar gewesen wäre, dass grosse Adressen wie Amazon oder auch DM-Markt mit ihrer logistischen Schlagkraft in den lukrativ werdenden Massenmarkt einsteigen würden. Nun wird eine weitere substanzielle Kapitalerhöhung durch DocMorris am Markt erwartet, obwohl das Management bei einer Investoren-Präsentation Anfang Januar hervorhob, dass keine kurzfristigen Liquiditätsengpässe drohen würden.

Finanzmarkt-Attraktivität

Wachstumsgeschichten, die sich nicht so entwickeln, wie es sich die Marktteilnehmer gewünscht hätten, sind das Eine. Die Gründe können vielfältig sein wie höhere Finanzierungskosten, Managementfehler, verschärfter Wettbewerb oder externe Schocks wie die Pandemie und der Ukrainekrieg. Ein Teil der Kursdebakel ist aber auch auf Zwänge und Versuchungen des Kapitalmarktes zurückzuführen, denen nicht alle KMU gewachsen sind, vor allem wenn sie sich in Phasen der Wachstumsbeschleunigung befinden. Ein attraktiver Finanzplatz braucht aber langfristige Erfolgsgeschichten, die ohne Börse kaum möglich wären. Erfolgsgeschichten wie Straumann, VAT oder Galderma wirken wie Magnete und sollten gerade in einer innovationsfreundlichen Umgebung wie der Schweiz neue Börsenkandidaten anlocken.

Tatsächlich ist die IPO-Bilanz aber mager. Der langfristige Durchschnitt liegt bei gerade zwei Börsengängen pro Jahr. Und davon entfallen viele auf Abspaltungen wie Medmix oder stammen aus dem Besitz der Gründerfamilien wie Klingelnberg und PolyPeptide oder Private Equity Fonds wie SIG Group und Galderma. Es handelt sich fast immer um reife Unternehmen und selten um junge innovative Unternehmen wie etwa in den USA oder an den skandinavischen Börsen. Eine solche Ausnahme ist Sensirion, die 2018 ihr IPO an der SIX vollzog und heute immerhin rund 100% höher liegt, trotz dreijähriger Korrektur.

Zahl der börsenkotierten Unternehmen schrumpft

In Wahrheit schrumpft die Zahl der börsenkotierten Unternehmen sogar. Im vergangenen Jahr fusionierten Tornos und Starrag. In jüngerer Zeit wurde Datacolor vom Hauptaktionär durch ein Taking Private von der Börse genommen. Von Roll und Schaffner Holding wurden dagegen von Industrieadressen aufgekauft. Mit Orascom Holding steht nun ein weiterer Rückzug von der Börse bevor. Auch hier ist Frustration über das mangelnde Interesse zumindest ein Grund für die Re-Privatisierung. Die Bewertung der Assets habe sich nicht im Aktienkurs niedergeschlagen. Gemessen am Emissionspreis liegt der Verlust für Erstzeichner trotz der nun gebotenen optisch hohen Prämie bei 96%.

Chart Orascom Jan 25
Seit zwei Jahren im Sinkflug: die Aktie der Orascom Development Holding. Chart: six-group.com

IPO-Pipeline

Schon für 2024 war die IPO-Pipeline der SIX gut gefüllt. In Fachkreisen wurde über bis zu 15 Kandidaten spekuliert. Vereinzelt wurden in den letzten Jahren auch konkrete Börsengänge angekündigt, jedoch stets, ohne Zeitfenster zu benennen. Ein Beispiel ist das Verteidigungs-, Luft- und Raumfahrtunternehmen RUAG, das den Börsengang seit 2019 avisiert und dann auf 2023 verschoben hat. Bei dem strategisch wichtigen Unternehmen ist die Schweizer Eidgenossenschaft alleiniger Eigentümer. Der Zeitpunkt 2025 wäre für ein IPO bestimmt gut gewählt. Die deutsche Rheinmetall Aktie hat sich in den vergangenen drei Jahren verfünffacht und kommt nun auf eine Börsenkapitalisierung von über 28 Mrd. Euro. Der Pharma-Dienstleister Swixx und der Hersteller von Verpackungsmaschinen Syntecon haben ihre Börsenpläne dagegen erst im vergangenen Jahr öffentlich gemacht. Ohne Zweifel wird die IPO-Pipeline der SIX weiterhin attraktive Börsenkandidaten aufweisen, doch Aebi Schmidt gehört nicht mehr dazu. Der Hersteller von innovativen Kommunalmaschinen ging via Reverse Merger mit der Shyft Group an die US-Technologiebörse Nasdaq. Auch der im Duft- und Aromengeschäft global bedeutsame Familienkonzern Firmenich mit Sitz in der Schweiz wählte einen ähnlichen Weg durch Fusion mit der börsenkotierten niederländischen DSM zu DSM-Firmenich und ist an der Euronext kotiert.

Effiziente Märkte und Marktineffizienzen

Für diese Vorgehensweise spricht die höhere erzielbare Bewertung, die sich am Gesamtmarkt und den Vergleichsunternehmen orientiert. Die Gesamtmarktkapitalisierung der US-Börsen lag Ende Juli 2024 bei 56.2 Billionen USD, die Chinas bei 14.1 Billionen USD und die der Eurozone bei 7.9 Billionen USD. Zum Ende des dritten Quartal 2024 lagen die durchschnittlichen KGVs in den USA bei über 20x, in Europa bei 15x und in China inklusive Hongkong bei unter 12x. Die Market Cap der Schweiz ist mit 2.7 Billionen USD in Europa zwar vergleichsweise hoch, dennoch liegen die Bewertungs-Multiples unter den amerikanischen. Marktkapitalisierung und relatives Bewertungsniveau sind Ausdruck der wirtschaftlichen Dynamik und Stabilität.

Ursachen und Wirkungen

Dazu kommt aber auch, dass es Markttiefe braucht, d.h. einen grossen und wachsenden Pool von aktiven Investoren sowie eine gewisse Anzahl von Vergleichsunternehmen, um den Markt zu beleben und zu einer effizienten Kursbildung beizutragen. Die Illiquidität und ineffiziente Kursbildung beim Weltmarktführer Schaffner Holding hatte zu einer Unterbewertung geführt, die der Käufer zu nutzen wusste. Biotech-Unternehmen aus der Schweiz gingen in den letzten Jahren verstärkt an die Nasdaq, weil es dort spezialisierte Investoren und Vergleichsunternehmen gibt. Der Vergleich mit den USA ist schwierig. Daher ist die bessere Frage, warum es in den in vielerlei Hinsicht gut vergleichbaren skandinavischen Ländern so gut gelingt, junge und innovative Unternehmen über die Börse zu finanzieren und so Impulse zu setzen, Perspektiven zu schaffen und zum Wachstum des Wohlstands der breiten partizipierenden Bevölkerung beizutragen. Die Schweiz liegt bei Bildung, Einkommen, Gesundheit, Innovation, Wettbewerbsbedingungen und vielen Parametern mehr auf dem gleichen hohen Niveau wie die nordischen Länder.

Michael Sieber, CFO CKW: «Wichtig für das Klima ist, dass wir die Wärmeproduktion dekarbonisieren»

0
Michael Sieber ist seit 2020 Finanzchef und stv. CEO der CKW Gruppe. Zuvor war der Dipl. Betriebsökonom Leiter Controlling Produktion & Netze und Mitglied der Geschäftsleitung der Axpo Power AG. Bild: zvg
Michael Sieber ist seit 2020 Finanzchef und stv. CEO der CKW Gruppe. Zuvor war der Dipl. Betriebsökonom Leiter Controlling Produktion & Netze und Mitglied der Geschäftsleitung der Axpo Power AG. Bild: zvg

Die Preise für Energie haben sich zwar normalisiert, bleiben aber volatil. In diesem schwierigen Umfeld hat CKW im Geschäftsjahr 2023/2024 dennoch eine respektable EBITDA-Marge von 21,6% erreicht. Im Gespräch mit schweizeraktien.net erklärt CFO Michael Sieber, wie CKW am Markt navigiert, um gleichzeitig die hohen Investitionen in die Netze und den Ausbau der erneuerbaren Energien zu stemmen und die Rentabilität hoch zu halten. Er spricht auch Klartext zu verschiedenen Energieformen und was der beschleunigten Dekarbonisierung der Energieversorgung in der Schweiz noch im Weg steht.

Im Geschäftsbericht 23/24 berichten Sie, dass CKW 1000 PV-Anlagen installiert hat oder 20 pro Woche. Ist das nachfragegetrieben, und wie könnte sich das Installationstempo in den nächsten 3-5 Jahren entwickeln?

Die vergangenen rund sechs Jahre waren geprägt von einem enormen Wachstum. CKW Gebäudetechnik hat den Zubau von Solar in dieser Zeit mehr als verzehnfacht. Inzwischen stagniert die Nachfrage in der Schweiz – und auch bei uns – auf hohem Niveau. Der Fachverband Swissolar geht davon aus, dass die Nachfrage ab 2027 wieder steigen wird. Wir teilen diese Einschätzung.

«Knapp 40% der Schweizer Gebäude werden nach wie vor mit Heizöl beheizt»

CKW expandiert kontinuierlich im Bereich nicht fossiler Energieträger. Dazu zählen auch Wärmepumpen, von denen Sie 186 im letzten Geschäftsjahr installiert haben. Wie schätzen Sie das weitere Wachstumspotenzial ein? Gemäss der European Heat Pump Association zählt die Schweiz pro 1000 Haushalte 152 Wärmepumpen, gegenüber 635 beim Spitzenreiter Norwegen, 47 in Deutschland und 15 im UK. Wo könnte oder sollte die Schweiz bis 2030 stehen?

Knapp 40% der Schweizer Gebäude werden nach wie vor mit Heizöl beheizt. Die Dekarbonisierung der Wärme bietet somit ein enormes Einsparpotenzial von schädlichen Treibhausgasemissionen. Die Ablöse kann mit Wärmepumpen erfolgen oder durch den Anschluss an ein Fernwärmenetz. Wir sind in beiden Bereichen tätig und wollen den Ausbau nachhaltiger und CO2-freier Wärmeproduktion vorantreiben.

Worauf führen Sie die zögerliche Adoption der Wärmepumpe in Europa, abgesehen von den skandinavischen Ländern, zurück? Die ökonomischen und ökologischen Vorteile sind doch für rationale Kunden gleichermassen überzeugend. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Aufgrund der Bevölkerungsdichte eignet sich die Schweiz bestimmt besser für Fernwärmeverbünde als die skandinavischen Länder. Wenn uns dieser Ausbau gelingt, müssen wir bei den Wärmepumpen nicht zu den europäischen Spitzenreitern gehören. Wichtig für das Klima ist, dass wir die Wärmeproduktion dekarbonisieren. Weiter dürften Förderregime und das Verhältnis der Strompreise im Vergleich zu Gas- oder Heizölpreisen eine Rolle spielen. Hier bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Ländern.

Eine Wärmepumpe muss keine riesige Investition sein. Das CKW Wärmeabo macht dies möglich: ein neues All-inclusive-Angebot für Wärmepumpen.
Eine Wärmepumpe muss keine riesige Investition sein. Das CKW Wärmeabo macht dies möglich: ein neues All-inclusive-Angebot für Wärmepumpen. Bild: ckw.ch

Sie erwähnen Fernwärme und -kälte, in deren Entwicklung Sie investieren. Wo liegen die Potenziale und Grenzen von CKW?

Wir decken heute in der Schweiz erst rund 8% des Wärmebedarfs mit Fernwärme ab. Potenzial ist damit sicher noch vorhanden. Der Aufbau eines neuen Fernwärmenetzes ist mit grossem baulichem und finanziellem Aufwand verbunden. Deshalb machen wir die Realisierung eines neuen Fernwärmenetzes von genügend Wärmeabsatz abhängig. Zudem muss an zentraler Lage die Wärme produziert werden können, beispielsweise durch ein Holzheizkraftwerk oder ein Seewasserkraftwerk. Einen solchen Standort zu finden, ist oft nicht einfach. Wenn wir bei der Fernwärme auf Wärme-Kraft-Kopplung setzen, bietet dies den grossen Vorteil, dass wir Wärme- und Stromproduktion kombinieren können.

Sogar bei der in der Schweiz als unpopulär und schwierig geltenden onshore Windenergie konnten Sie Fortschritte erreichen. Was begründet Ihren Optimismus, dass die Potenziale in der Schweiz zukünftig stärker erschlossen werden?

Wir arbeiten an mehreren Windprojekten, stehen aber zum Teil auch nach jahrelanger Projektierungsarbeit immer noch am Anfang. Es gibt noch kein bewilligtes Projekt. Hoffnung machen mir die deutliche Annahme des nationalen Stromgesetzes und die Zustimmung der Luzerner Bevölkerung zum neuen kantonalen Plangenehmigungsverfahren. Letzteres unterstützt vor allem den Ausbau der Windkraft. Auch alle Gemeinden, in denen wir Projekte planen, haben zugestimmt.

Welchen Anteil am von CKW erzeugten Energie-Mix könnte denn die Windenergie bestenfalls in 10 Jahren haben?

Im gesamten Mix wird der Anteil Windstrom wohl auch in zehn Jahren leider klein sein. Dies, obwohl die Windkraft in der Schweiz durchaus grosses Potenzial hat. Sie hat den Vorteil, dass sie den Strom zu zwei Dritteln im Winter produziert. Mit ihrem komplementären Produktionsmuster wäre sie eine wichtige und optimale Ergänzung zu Solar. Ein optimaler Mix der beiden Technologien würde die Winterstromlücke verkleinern und zu tieferen Systemkosten führen.

«Im gesamten Mix wird der Anteil Windstrom wohl auch in zehn Jahren leider klein sein»

Was wären die Alternativen?

Geht man von weniger starkem Ausbau der Windkraft aufgrund fehlender Akzeptanz aus, braucht es deutlich mehr Produktion aus Gaskraftwerken und/oder den Langzeitbetrieb eines Kernkraftwerks, um die Versorgung im Winter zu sichern.

Im Segment Gebäudetechnik erzielte CKW in den beiden letzten Geschäftsjahren 12% respektive 19% Wachstum. Der Anteil am Gesamtumsatz entspricht mit 257.4 Mio. CHF nahezu einem Viertel. Auch um Sondereffekte wie die Devestition des letzten Jahres bereinigt, erscheint die EBIT-Marge mager. Zeichnet sich eine Verbesserung ab?

Das Segment Gebäudetechnik hat dank gezielten Massnahmen die Profitabilität im vergangenen Geschäftsjahr um 10 Mio. CHF gesteigert. Das ist sehr erfreulich und bestätigt, dass unser eingeschlagener Weg der richtige ist. In den vergangenen Jahren haben wir stark in die Wachstumsbereiche E-Mobilität, Wärme und Solar investiert. Diese Investitionen sind auf Langfristigkeit ausgelegt. In der ersten Phase ist Wachstum und der Aufbau von neuen Geschäftsfeldern mit Vorleistungen verbunden (Standorte, Prozesse, Aufbau und Integration von neuen Mitarbeitenden, IT, Infrastruktur usw.). Wir sind überzeugt, dass sich die Investitionen in diese zukunftsträchtigen Geschäftsfelder in den nächsten Jahren lohnen werden.

Sie haben je 50% des selbst produzierten Stroms für das laufende und das kommende Geschäftsjahr zu guten Preisen verkauft. Kommt es dadurch zu einer erodierenden Gewinnentwicklung oder können die sonstigen Aktivitäten dies in den Folgejahren kompensieren?

Das ist korrekt. Wir haben einen grösseren Anteil unserer Stromproduktion der kommenden 24 Monate bereits verkauft. Damit sichern wir uns eine gute Ertragslage für die nächsten zwei Jahre, welche über dem langjährigen Mittelwert der Vergangenheit liegt. Bewertungseffekte aufgrund eines Allzeithochs der Energiepreise und einmalige Verkaufsgewinne können wir mit den übrigen Aktivitäten aber nicht kompensieren.

«Wir haben einen grösseren Anteil unserer Stromproduktion der kommenden 24 Monate bereits verkauft»

Die Umsatz- und Gewinnentwicklung verlief in den letzten Jahren erratisch, was wesentlich von externen Faktoren wie der Energiekrise bestimmt wurde. Wie sieht Ihr Weg zu einer stabileren Ergebnisentwicklung für die kommenden Jahre aus?

Unser Geschäftsergebnis ist oft stark geprägt von externen Einflüssen wie zum Beispiel Marktpreisschwankungen, Wertkorrekturen oder auch Sondereffekten. Unser Umfeld können wir nicht beeinflussen, aber wir können uns gut darin positionieren. Denn gerade aufgrund erratischer Energiepreise über die Jahre hinweg haben wir eine Absicherungsstrategie entwickelt, welche Marktpreisrisiken und die Volatilität der Jahresergebnisse reduziert.

Mit einer Eigenkapitalquote von 84,5% und Liquidität von über 500 Mio. CHF scheint CKW überkapitalisiert. Auch unter Berücksichtigung der geplanten hohen Investitionen in Netze und erneuerbare Energien wären höhere Dividenden durchaus möglich. Was sind Ihre Pläne für die zukünftige Ausschüttungspolitik?

Die Höhe der Dividende wird durch den Verwaltungsrat vorgeschlagen und durch die Aktionäre an der Generalversammlung entschieden. Es liegt darum nicht an mir, die Ausschüttungspolitik zu kommentieren.

Zwei Punkte möchte ich aber festhalten: Im vergangenen Jahr wurde die ordentliche Dividende aufgrund des sehr guten Ergebnisses von 6 auf 10 Franken pro Aktie erhöht, an diesen 10 Franken will der Verwaltungsrat auch dieses Jahr festhalten. Die Pay-out-Ratio beträgt damit rund 50% des bereinigten EBIT. Und: Die letzten Jahre haben gezeigt, dass eine solide finanzielle Ausstattung wichtig ist, um auch in einem turbulenten Marktumfeld bestehen zu können.

Inwiefern kann Ihr innovatives Tarifsystem die Effizienz der Infrastruktur steigern, die Preise der Kunden senken und die Rentabilität von CKW erhöhen?

Mit dem neuen Tarifmodell erhöhen wir nicht die Rentabilität von CKW. Vielmehr wollen wir dafür sorgen, dass wir unseren Kundinnen und Kunden auch künftig günstige Stromtarife bieten können. 2025 hat der Kanton Luzern die schweizweit günstigsten Strompreise.

Mit der Abschaffung von Hoch- und Niedertarif und der Einführung eines neues Netz-Leistungstarifs wollen wir Anreize dafür schaffen, dass einerseits Solarstrom besser genutzt wird und andererseits Leistungsspitzen vermindert werden. Wenn wir es alle gemeinsam schaffen, dass die Leistungsspitzen nicht exorbitant zunehmen, können wir einerseits mehr Solaranlagen und Wärmepumpen ins System integrieren und andererseits die Netzkosten weiterhin tief halten.

Was können die Aktionäre vom laufenden Geschäftsjahr 2024/2025 erwarten?

CKW macht keine Angaben zu künftigen Jahresergebnissen. Die Aktionäre dürfen aber wiederum von einer soliden Geschäftsentwicklung im Jahr 2024/25 ausgehen.

Vielen Dank, Herr Sieber, für die informativen Antworten und Erläuterungen.

Aktienkurs CKW
Die Aktien von CKW haben sich in den letzten drei Jahren positiv entwickelt. Chart: otc-x.ch

Die Aktien der CKW AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden 380 CHF für eine Aktie bezahlt. Bei einer Ausschüttung von 10 CHF, die an der Generalversammlung vom 30. Januar 2025 beschlossen werden soll, beträgt die Rendite 2,6%.

Lenzerheide Bergbahnen: CEO verlässt das Unternehmen zum Ende der Wintersaison

0
Die Lenzerheide Bergbahnen und ihr CEO Thomas Küng gehen getrennte Wege. Bild: zvg
Die Lenzerheide Bergbahnen und ihr CEO Thomas Küng gehen getrennte Wege. Bild: zvg

Bei der Lenzerheide Bergbahnen AG (LBB) kommt es noch in diesem Jahr zu einem Wechsel an der Spitze. Wie das Unternehmen mitteilte, wird CEO Thomas Küng die Bündner Bahngesellschaft zum Ende der Wintersaison 2024/25 verlassen.

Thomas Küng habe während seiner Amtszeit massgeblich zum Erfolg der LBB beigetragen, lässt sich VR-Präsident Felix Frei in der Medienmitteilung zitieren. Betreffend Zielen und Führung der LBB für die Zukunft bestünden jedoch unterschiedliche Auffassungen, heisst es weiter.

Trotz der Coronakrise sowie der Energiekrise und einem schneearmen Winter sei es Küng gelungen, dass die LBB die drei besten Jahresergebnisse in der Unternehmensgeschichte erzielten konnte. Die Gesellschaft stehe finanziell gesund da.

Aktienkurs Lenzerheide Bergbahnen
Die Aktie der LBB legte im letzten Jahr deutlich zu. Chart:: otc-x.ch

Die Aktien der Lenzerheide Bergbahnen AG werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Zuletzt wurden 11.50 CHF für eine Aktie bezahlt.

Thermalbäder: Das kalte Winterwetter spielt den Anbietern in die Karten

0
Bad Zurzach investierte im vergangenen Jahr an erster Stelle in den Kinderbereich. Bild: thermezurzach.ch

Winterzeit ist auch in der Schweiz Badezeit, allerdings nicht an Stränden und unter Palmen, sondern in heissem Thermalwasser. Deshalb mögen die Betreiber von Thermalbädern kaltes und nasses Winterwetter. Wie jetzt.

Ganz besonders erfreut zeigt sich Dominik Keller, Geschäftsführer der Thermalbad Zurzach AG, über das Geschäftsjahr 2024 und insbesondere das Winterquartal. Keller berichtet von einem breiten Wachstum in allen Bereichen. Die Besucher gingen vermehrt wieder trainieren, in die Sauna und zur Massage. Das letzte Quartal sei sogar «fantastisch» verlaufen, schwärmt Keller, wobei wir wieder beim Wetter wären.

Im benachbarten Bad Schinznach sind die Besucherfrequenzen etwa auf Vorjahresniveau, sagt Daniel Bieri, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Seit diesem Jahr zählen Schweiz Tourismus und das Bundesamt für Kultur Bad Schinznach zu den «30 wundersamen Orten der Schweiz», das dürfte so manchen zusätzlichen Gast in den Aargau führen. Auch ohne mieses Wetter.

Wegen einer umfassenden Grossrevision blieb die Tamina Therme des Grand Resort Bad Ragaz im Sommer 2024 geschlossen. Deshalb sei ein Vergleich mit dem Sommer des Vorjahres nicht möglich, so Alexandra Ellerkamp, Kommunikationsdirektorin des Grand Resorts. Im Winter 2023/24 seien die Frequenzen mit -1,2% leicht unter der Vor-Corona-Zeit gelegen, was die Stabilität des Angebotes unterstreiche.

Die Schliessung im Sommer habe es jedoch ermöglicht, bedeutende Modernisierungen umzusetzen und das Angebot gezielt weiterzuentwickeln. 5 Mio. CHF wurden in die umfassende Grossrevision investiert. «Diese Investitionen stellen einen wichtigen Meilenstein dar, der uns langfrisitg stärkt», so Ellerkamp. Das Thema der rutschigen Böden, das durch die Presse ging, sei behoben, die Sicherheit und der Komfort für die Gäste seien damit verbessert worden.

Investitionen für jüngeres Publikum

Auch Bad Zurzach hat einiges in die Hand genommen, um das Gesamterlebnis Thermalbad attraktiver zu machen. Alleine 3.4 Mio. CHF wurden in den Kinderbereich investiert, z.B. in eine 61 Meter lange Rutschbahn. Keller möchte nicht von einem Spassbad sprechen, weist aber darauf hin, dass sich durch die Investitionen das Publikum im Durchschnitt verjüngt hat. Es sei wichtig, dass sich Kinder konzentriert an einem Ort austoben könnten, ohne die Erwachsenen, die Erholung und Entspannung suchen, zu stören.

Bedeckt hält man sich in Bad Schinznach. Auf die Frage nach den investierten Mitteln verweist Daniel Bieri auf den Geschäftsbericht 2024, der im Frühling herauskommt. Recht allgemein wird vom stetigen Ausbau und Erhalt der Technik gesprochen.

Hohe Energiekosten machen weiterhin zu schaffen

Weiterhin zu kämpfen haben die die energie-intensiv arbeitenden Thermalbäder mit den hohen Energiekosten. So tut vor allem die Verdopplung des Strompreises weh. In Bad Zurzach, wo man sich von fossilen Energien komplett verabschiedet hat, fällt deshalb der Umstieg auf elektrische Energie besonders ins Gewicht. Die Inflation, so Keller, käme dann noch erschwerend hinzu.

Auch in Bad Ragaz bleiben die hohen Energiepreise eine erhebliche Herausforderung, auch wenn sich die Situation im Vergleich zur Strommangellage in 2022 etwas entspannt habe, so Alexandra Ellerkamp. Bad Ragaz habe Massnahmen ergriffen, um diesen Belastungen zu begegnen. So stehe im Fokus die kontinuierliche Optimierung der Energieeffizienz. Man habe durch den verstärkten Einsatz nachhaltiger Lösungen den Energieverbrauch spürbar senken können.

Es verwundert nicht, dass alle drei Thermalbäder u.a. wegen der hohen Energiekosten ihre Preise erhöht haben. So wurden in Bad Schinzach und Bad Zurzach die Preise zum 1.1.2024 erhöht, Bad Ragaz zog im November 2024 nach Abschluss der umfassenden Sanierungsmassnahmen mit teurerem Eintritt nach. Diese Erhöhung sei notwendig gewesen, um den gestiegenen Betriebskosten, der Erhöhung der Mehrwertsteuer sowie den kontinuierlichen Investitionen in die Modernisierung und Erweiterung der Infrastruktur gerecht zu werden, sagt Ellerkamp.

Ausblick

Alle drei Unternehmen sind zuversichtlich, was den Geschäftsverlauf des Jahres 2025 anbelangt. Rekordhohe Umsätze über Weihnachten und Neujahr konnte Bad Zurzach verzeichnen, der Start ins neue Jahr sei überaus erfolgreich verlaufen, freut sich Keller. In Bad Ragaz ist man davon überzeugt, dass die getätigten Investitionen langfristig positive Effekte haben werden und damit die Marktposition weiter gestärkt werden kann. In Bad Schinznach hingegen birgt das Geschäftsjahr 2025 laut Bieri einige Herausforderungen, auf die nicht näher eingegangen wird. Aber auch hier geht der Vorsitzende der Geschäftsleitung davon aus, dass man die Ergebnisse wieder verbessern könne.

Fazit

Die Thermalbäder an den drei Destinationen bilden nur einen Teil der jeweiligen Unternehmen ab. Hotellerie und Gastronomie sind ein wesentlicher Pfeiler in der Diversifikationsstrategie. Zusätzlich betreiben die Grand Resort Bad Ragaz AG und die Bad Schinznach AG Kliniken und Reha-Institutionen. Bad Ragaz lockt zudem mit Spielcasino und Golfplatz.

Die im Frühjahr 2025 erscheinenden Geschäftsberichte für das abgelaufene Geschäftsjahr werden weitere Aufschlüsse geben, wie die Unternehmen das Jahr gesamthaft wirtschaftlich gemeistert haben. Aber man darf aufgrund der guten Stimmung bei den Verantwortlichen davon ausgehen, dass es keine negativen Überraschungen geben wird.

Zumindest nicht im Bäderbereich bzw. beim Thermalwasser, den Wurzeln aller drei Unternehmen.

Kritische Mineralien: Erfolgs- und Engpass-Faktor für die Schweiz

0
Offener Abbau von Kupfer und anderen Mineralien. Bild: stock.adobe.com
Die Schweiz sowie viele EU-Länder sind arm an kritischen Mineralien. Im Bild der offene Abbau von Kupfer. Bild: stock.adobe.com

Das Rohstoffland Kanada hat schon lange eine «Critical Minerals Strategy», die EU hat seit März 2024 eine Verordnung zu «Kritischen Rohstoffen». Und im Dezember 2024 hat auch der Bundesrat der Schweizerischen Eidgenossenschaft den «Bericht über die Versorgung mit mineralischen Rohstoffen, die für die Energiewende benötigt werden», zur Kenntnis genommen. Alles gut also?

Die unvermittelt erhobenen territorialen Ansprüche der USA mit Blick auf die rohstoffreichen Länder Kanada und Grönland zeigen, dass das bisher Undenkbare schnell Realität werden kann. Gewachsene Partnerschaften zerbrechen, Allianzen können über Nacht zu Gegnerschaften werden. Der Nachbar Kanada soll 230 Jahre nach der Grenzziehung nun als 51. Bundesstaat von den USA geschluckt werden. Frankreich bot dem EU-Partner Dänemark an, ihm in der Verteidigung des seit 600 Jahren zum Staatsgebiet zählenden Grönland gegen Verletzungen der Souveränität von aussen beizustehen.

Rohstoff-Abhängigkeit Europas

Mineralien und Metalle sind für das eher rohstoffarme Europa essenziell, um in Industrie, Technologie, Wissenschaft und Forschung an der Spitze zu bleiben. In der Vergangenheit gab es selten Engpässe in der Versorgung mit Eisenerz, Kupfer, Öl, ausser in Kriegssituationen. Doch in früheren Zeiten sicherten Kolonien und später Abbaukonzessionen den stetig steigenden Bedarf Europas, insbesondere seit Beginn der Industrialisierung.

Rohstoffhunger steigt

Viele der leicht und kostengünstig abbaubaren Ressourcen sind in den letzten 100 Jahren jedoch abgetragen worden. Neue Vorkommen zu finden, wird schwieriger und die Gewinnung teurer. Zudem ändert sich das Nachfrageprofil. Blei ist kaum noch gefragt, Kupfer, Nickel, Kobalt und Germanium dagegen mehr und mehr. Rohstoff ist nicht gleich Rohstoff. Problematisch aus europäischer Sicht ist die Tatsache, dass viele der Ressourcen an kritischen und strategischen Mineralien in einigen wenigen Ländern konzentriert sind. Rund die Hälfte des Kupfers, des Schlüsselmetalls der modernen Zivilisation, kommt beispielsweise aus Chile und Peru. Lithium kommt überwiegend aus Chile, Argentinien, China und Australien auf den Weltmarkt.

Entwicklung des Kupferpreises in den letzten 25 Jahren (in USD). Quelle: tradingeconomics.com

Kritische Mineralien für Zukunftstechnologien unverzichtbar

Kritisch heissen manche Mineralien, weil die Produktion sogar hochgradig konzentriert ist. 98% des Elements Bor wird in der Türkei abgebaut. Kobalt kommt zu 90% aus der Demokratischen Republik Kongo. Bei Germanium, Gallium, Indium, Terbium, Europium und weiteren sogenannten Seltenen Erden kontrolliert China den Grossteil der Ressourcen, aber auch die Technologien zur Förderung, Verarbeitung und Veredlung.

Wenn Mineralien «strategisch» werden

Viele der Seltenen Erden sind unverzichtbar für SmartPhones, Displays, Halbleiter, Datenzentren, Solar- und Windkraftwerke, E-Mobilität und weitere Anwendungen, deren Nachfrage anzieht. Die Exportkontingente werden von China schon seit 2010 restriktiv gehandhabt, in den vergangenen Jahren sogar verschärft. Es ist Teil des Handelskrieges mit den USA. Die Exploration nach alternativen Lagerstätten hat bisher nur bescheidene Erfolge gebracht. Etliche Projekte wurden auch von Bevölkerung oder Regierung abgelehnt oder gekippt. Ein grösseres Vorkommen im Norden Schwedens wird wohl nicht vor 2035 die Förderung aufnehmen.

Rohstoff-Insel Grönland im Visier

Dem Griff Trumps nach Grönland kommt daher eine signalhafte Bedeutung zu. Nur 57’000 Menschen leben auf einem Gebiet, das sieben mal grösser als Deutschland ist. Der grönländische Eisschild taut schnell ab, und die Bevölkerung geniesst weitgehende Autonomie, strebt aber nach vollständiger Unabhängigkeit von Dänemark. U.a. wurden bereits grosse Vorkommen von Kupfer, Nickel, Kobalt und Lithium nachgewiesen, also den Elementen, bei denen die Nachfrage in den nächsten Jahrzehnten am stärksten ansteigt. Laut der EU-Road Map zur Klimaneutralität bis 2050 impliziert diese eine Steigerung der Nachfrage für Kupfer um 1000%, bei Nickel sogar um 2000%. Beiläufig erwähnt: Die USA besetzten Grönland nach der Invasion Dänemarks durch das Deutschen Reich von 1940 bis 1945. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde eine Militärbasis eingerichtet, die bis heute Bestand hat.

Kooperation Schweiz – EU

Die Schweiz ist zwar Sitz von einigen der weltweit grössten Rohstoff-Konzerne wie Glencore und Trafigura, doch bei der Rohstoff-Versorgung verlaufen die Handelsströme überwiegend durch die EU. Im Bericht für den Bundesrat heisst es zur Versorgungslage, dass die Industrie «hauptsächlich Halbfertigprodukte und Komponenten aus der EU verarbeitet». Abnehmer sind u.a. die Industrien Maschinenbau, Elektronik, Pharma, Nahrungsmittel, Chemie, Optik. Bei einigen Mineralien, darunter Kupfer, Graphit, Kobalt, Nickel, besteht eine starke Importkonzentration auf wenige Produktionsländer. Das Gesamtprofil der Schweiz unterscheidet sich kaum von dem der EU-Länder. Auch die Interessen sind gleich.

Im Bericht für den Bundesrat heisst es zur Versorgungslage, dass die Industrie «hauptsächlich Halbfertigprodukte und Komponenten aus der EU verarbeitet». Quelle: Mediendokumentation SECO, Dezember 2024

Diplomatie, Kreislaufwirtschaft und Innovationen durch Forschung

Die Schweiz engagiert sich in der Aussenwirtschaftspolitik u.a. für die Erleichterung von Importen und den Ausbau von Handelsabkommen. Konkret soll die Informationsbasis verbessert und ein periodischer Rohstoffbericht des Bundesrates zur Monitoring- und Steuerungsgrundlage werden. Auf nationaler Ebene sollen der Dialog mit Unternehmen und Verbänden, auch KMU, verbessert und Expertengruppen eingerichtet werden. International sollen die Beziehungen mit der EU weiter vertieft und auch Kooperationen und Investitionen geprüft werden. Kernpunkte beiben für die Schweiz die Fokussierung auf die Recycling-Wirtschaft sowie die Fortführung der Umweltpolitik mit der Förderung nachhaltiger Bewirtschaftung entlang des Lebenszyklus. Von hoher Bedeutung bleibt auch die Stärkung von Forschung & Innovation, beispielsweise die Entwicklung von Alternativmaterialien zur Substitution kritischer Mineralien. Bei vielen Zukunftsindustrien spielen die ETH und ihre Umgebung sowie weitere Forschungszentren global eine führende Rolle.

Kampf um Ressourcen und stabile Versorgung

Das bisher stabile Kanada ist insbesondere seit der russischen Invasion in der Ukraine ein Hoffnungsträger für Europa geworden. Die geo-politische Landkarte hat sich in den letzten Jahren gravierend geändert. China hat selbst einen grossen Rohstoffhunger und limitiert die Ausfuhren kritischer Mineralien zunehmend. China kontrolliert auch viele Minen in Südostasien, Afrika und Lateinamerika. Russland ist zwar sanktioniert, doch die Rohstoffe finden weiterhin ihren Weg zu den Endverbrauchern, auch als Gas im Westen, nur eben jetzt als LNG, da dieses nicht sanktioniert ist. Kanada mit seinen reichen Ressourcen hat sich als zuverlässiger langfristiger Partner bei der Versorgung mit kritischen Mineralien für Europa erwiesen. Der Ausbau der Förderung erfordert allerdings erst einmal Exploration, Planung, Infrastruktur und Finanzierung.

Kontrolle der Arktis

Kanada und auch Grönland sind nicht nur reich an Rohstoffen, sondern auch relativ bevölkerungsarm. Beide Länder liegen in arktischen Regionen und haben damit entsprechende Hohheitsansprüche. Und diese grenzen an die Russlands. Dazu kommt, dass sich das ewige Eis als Folge des Klimawandels schnell zurückzieht. Die Beringstrasse wird somit immer länger eisfrei. Sie verkürzt den Transportweg zwischen den USA und Ostasien um mehr als die Hälfte. Obwohl die Arktis geschützt werden soll, gibt es dort bereits Hunderte von Öl- & Gas-Projekten. Daran sind westliche Majors ebenso wie staatliche Ölgesellschaften beteiligt. Russland ist prominent vertreten und hat schnell in der plötzlich aufgeworfenen Grönland-Frage seine territorialen Ansprüche in der Arktis bekräftigt.

Recycling als Teil-Lösung

Die Welt ist offensichtlich unsicherer geworden, vor allem für Europa. Dies betrifft Lieferketten mit essenziellen Rohstoffen ebenso wie die Verteidigung und die territoriale Integrität. Mit Blick auf den Zugang zu kritischen und strategischen Mineralien ist die Fokussierung auf effiziente Recyclinglösungen, wie in der Schweiz praktiziert, ein wichtiger Weg, um Abhängigkeiten und hohe Kosten zu reduzieren. Ziel der EU ist es, den Anteil von Recyclingmaterial beim Verbrauch von Mineralien bis 2050 auf 25% zu erhöhen.

Treiber der Nachfrage

Ob Digitalisierung, Rechenzentren, KI oder Elektrifizierung der Mobilität – sie alle treiben den Bedarf an kritischen Rohstoffen exponenziell. Beispielsweise benötigen KI-gestützte Datenzentren aufgrund der Energiedichte rund 60% mehr Kupfer. Dazu treten nicht weniger dynamische Nachfragesteigerungen durch die rapide Entwicklung in Ländern wie Indien. Dort liegt der Kupfer-Verbrauch noch bei 0.3 kg pro Jahr und Kopf der Bevölkerung. In China sind es 7.1 kg, in Deutschland 13.7 kg.

Kupfer-Verbrauch pro Jahr und Kopf. Quelle: diverse nationale Institutionen

Die aktuellen und prognostizierten Wachstumsraten in Indien liegen bei fast 7%. Indonesien ist ebenfalls zu einer Lokomotive der Weltwirtschaft geworden. Ein Teil der Wachstumsraten von 5% p.a. ist auf intensivierten Bergbau zurückzuführen. Demgegenüber bewegen sich Europa und die USA bei rund 2% BIP-Wachstum und China bei über 4%.

Fazit

In den hochtechnologisierten modernen Gesellschaften basiert nahezu alles wirtschaftliche Geschehen auf dem Vorhandensein von Kommunikations- und Versorgungsinfrastruktur, Energie, Mobilität sowie ungebremsten Güterströmen. Damit KI, Digitalisierung und Elektrifizierung funktionieren, braucht es in wachsendem Ausmass Investitionen, die zu einer grossen und steigenden Nachfrage nach Mineralien und Metallen führen. Viele davon sind aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften bislang unersetzlich und ausserdem relativ rar auf dem Planeten gesät. Die Versorgung mit diesen kritischen und strategischen Elementen ist für das Florieren der Wirtschaft essenziell. Das Thema rückt durch die aktuellen geopolitischen Krisen und Konflikte auch für die «neutrale» Schweiz umso mehr in den Vordergrund, als nun vom zukünftigen Präsidenten der USA auch offen Verletzungen der territorialen Integrität nicht ausgeschlossen werden.

Schilthornbahn: Bautätigkeit für Projekt 20XX beeinflusst 2024 die Frequenzen

0
Noch bis zum 15. März 2025 ist der Schilthorn-Gipfel wegen der Bautätigkeiten nicht erreichbar. Bild: schilthornbahn20xx.ch
Noch bis zum 15. März 2025 ist der Schilthorn-Gipfel wegen der Bautätigkeiten nicht erreichbar. Bild: schilthornbahn20xx.ch

Das Jahr 2024 war für die Schilthornbahn stark durch den Bau der neuen Luftseilbahnen, das Projekt 20XX, geprägt. Anfang Dezember konnte mit der «steilsten Seilbahn der Welt» auf dem Abschnitt von Stechelberg nach Mürren sowie der neuen Funifor-Bahn bis zur Mittelstation Birg ein wichtiges Teilprojekt abgeschlossen werden.

In einer ersten Bilanz für das Jahr 2024 spricht die Bahn in einer Medienmitteilung davon, dass vor allem die Schliessung des Schilthorn-Gipfels seit dem 13. Oktober 2024 zu tieferen Frequenzen und rückläufigen Umsätzen der Gastronomie- und Shop-Betriebe geführt habe. In den übrigen Betrieben sei die Entwicklung erfreulich. Die Frequenzen im Wintersport verzeichneten per Ende Dezember sogar ein Plus von 24%.

Frequenzen auf den Gipfel nehmen um 5,2% ab

Durch die Schliessung des Schilthorn-Gipfels und des Restaurants Piz Gloria haben die Frequenzen auf der Luftseilbahn gemäss der Medienmitteilung gegenüber dem Vorjahr um 5,2% abgenommen. Während sich die Umsätze im Restaurant bis zur baubedingten Schliessung auf Vorjahresniveau bewegten, konnte das Bistro Birg um 11,0% zulegen. Die Shops litten hingegen und verzeichneten ein Umsatzminus von 19,0%.

In den übrigen Betrieben der Schilthornbahn AG, die nicht von den Bautätigkeiten beeinflusst waren, zeigt sich eine positive Entwicklung. Das Panorama Restaurant Allmendhubel verzeichnete ein Umsatzplus von 10,0%, die Frequenzen der Standseilbahn auf den Ausflugsberg Allmendhubel stiegen gegenüber dem Vorjahr um 5,7%. Das Hotel Alpenruh verzeichnete ein Plus von 17,0%, während das ebenfalls zur Bahnengruppe gehörende Hotel Blumental Zahlen auf Vorjahresniveau erreichte.

Wintersport «klarer Gewinner»

Als «klaren Gewinner per Ende Jahr» bezeichnet die Schilthornbahn in der Medienmitteilung den Wintersport. Auch aufgrund des frühen Saisonstarts würden die Frequenzen bis Ende Dezember bei plus 24,0% liegen.

Aktienkurs Schilthornbahn
Die Aktien der Schilthornbahn könnten 2024 einen Boden gefunden haben. Chart: otc-x.ch

Die Aktien der Schilthornbahn werden ausserbörslich auf OTC-X gehandelt. Im vergangenen Jahr ist der Kurs um knapp 6,0% gefallen. Zuletzt wurden 1’270 CHF für eine Aktie bezahlt.

SGV Holding: Leichter Umsatzrückgang und deutlich verbessertes operatives Ergebnis

0
Die SGV AG erhöht ihre Profitabilität und weist trotz Umsatzrückgang ein deutlich besseres operatives Ergebnis aus. Foto: lakelucerne.ch

Die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) blickt in ihrem Aktionärsbrief auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2024 zurück, wie Verwaltungsrat und Gruppenleitung schreiben. So verzeichneten die Schifffahrt und die Tavolago AG, der Gastrobereich der SGV Gruppe, auf hohem Niveau stabile Gäste-, Umsatz- und Gewinnzahlen, obwohl die meteorologischen Rahmenbedingungen teilweise ungünstig gewesen seien und der Schweizer Tourismusbranche als Ganzem eine gemischte Bilanz bescherten.

Bis Ende 2024 werden rund 3 Mio. Gäste auf dem Vierwaldstättersee erwartet. Das entspreche dem Vorjahreswert, schreibt die SGV. Der konsolidierte Verkehrsertrag werde voraussichtlich bei rund 42 Mio. CHF zu liegen kommen, was einem Anstieg von rund 2% entspreche. Bei mehr Verkehrsertrag und ähnlich hohen Passagierfrequenzen könne somit der Durchschnittsertrag pro Fahrgast in der Schifffahrt leicht gesteigert werden.

Auch die Tavolago AG freue sich über mehr Gäste auf den Schiffen und in den Gastronomiebetrieben. Sie übertreffe in diesen Sparten die Erwartungen. Für das Jahr 2024 rechnet die Tavolago AG mit einem Gesamtumsatz von rund 33 Mio. CHF. Das sei im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Rückgang, der vor allem auf die Schliessung des Betriebs «Stern Luzern» zurückzuführen sei. Trotz dem etwas tieferen Umsatz werde die Rentabilität der Tavolago AG ähnlich hoch wie im Vorjahr ausfallen.

Konflikt mit der CGN gelöst

Die im Schiffbau tätige Shiptec AG konnte im Sommer 2024 die zweite der beiden Personenfähren an den Kunden CGN SA übergeben, schreibt die SGV weiter. Die im Geschäftsbericht 2023 erwähnte aussergerichtliche Konfliktlösung bei den strittigen Punkten und deren Kostenfolge hätte zwischenzeitlich zwischen der Shiptec AG und der CGN SA abgeschlossen werden können. Die Shiptec AG erwartet für 2024 einen Umsatzrückgang auf 24 Mio. CHF (-14%), könne aber im Vergleich zum Vorjahr den Verlust deutlich verkleinern. Gerechnet wird mit einem Umsatz von rund 8.5 Mio. CHF (+2%), der grösstenteils aus Managementleistungen zugunsten der Tochtergesellschaften resultiere.

EBITDA SGV-Gruppe, konsolidiert, 2015 – 2024, in Mio. CHF. Quelle: lakelucerne.ch

Auf Konzernebene erwartet die SGV Gruppe einen Gesamtumsatz von rund 91 Mio. CHF (-6%) und ein gegenüber dem Vorjahr verbessertes operatives Ergebnis (EBITDA) von rund 12,5 Mio. CHF (+23%).

Die auf OTC-X gelistete Aktie der SGV Holding AG notiert derzeit bei 257 CHF. Bei der langfristigen Betrachtung der Performance der Aktie ist ein leichter Aufwärtstrend festzustellen. Allerdings ging die Dynamik im letzten Jahr etwas verloren, womit die SGV leicht unter dem Stand von Anfang 2024 liegt.

Chart SGV Jan 25
Performance der SGV Aktie in den letzten fünf Jahren. Quelle: otc-x.ch

Schweizer Casinos: Am Roulettetisch lichten sich die Reihen

0
Grand Casino Luzern: Bild: wikipedia.org 2022
Das über 125-jährige Grand Casino in Luzern ist Marktführer in der Schweiz. Bild: wikipedia.org

Die Kugel rollt – doch mit nachlassendem Erfolg. An den Spieltischen der Schweizer Casinos wird weniger umgesetzt. Die Anbieter versuchen ihr Geschäft zu diversifizieren – vor allem im Online-Bereich. Dies mit Unterstützung des Gesetzgebers, der ausländische Online-Casinos in der Schweiz nicht zulässt. Ein Teil der potenziellen Kunden spielt jedoch in grenznahen Casinos im Ausland, mit illegalen Online-Angeboten oder in privaten «Spielhöllen». Weitere Einnahmequellen wollen die Casinos aus den Immobilien erwirtschaften – etwa mit Events oder Parkhäusern. Wie geht es der Schweizer Casino-Branche? – Ein Überblick.

Der Bundesrat traf im April 2022 einen Grundsatzentscheid, wie die Casinolandschaft in der Schweiz ab 1. Januar aussehen soll. Das Gebiet der Schweiz ist in 23 Zonen aufgeteilt, und für jede Zone wird eine Konzession über 20 Jahre gewährt. Die insgesamt 23 Konzessionen werden in 10 A- und 13 B-Konzessionen aufgeteilt. Mit dieser «neuen» Ordnung bleibt vieles beim Alten – die Regierung betonte, dass es ihr um Kontinuität und Stabilität geht. Für die Lizenzvergabe folgte der Bundesrat durchgehend den Empfehlungen der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK).

Zwei neue Casinos

Die Casinolandschaft bleibt weitgehend unverändert – in Lausanne und Winterthur kommen ab 2025 zwei neue Spielbanken hinzu. Dagegen wird es in Schaffhausen vorerst kein Casino mehr geben, das Gesuch des dortigen Anbieters war unvollständig. Für Online-Casinos erhöhte sich die Zahl der Konzessionen um zwei auf zwölf. Die Stadtcasino Baden Gruppe erhielt eine Online-Bewilligung für das Casino Locarno, eine ging an das Casino St. Moritz. Dass die Casino-Branche floriert, liegt auch im Interesse des Bundes; für das Jahr 2023 erhielt die öffentliche Hand von den Spielbanken Abgaben in Höhe von 409 Mio. CHF – davon flossen 364 Mio. in den Ausgleichsfonds der AHV (12 Mio. CHF mehr als im Vorjahr).

«Die Veränderungen in der Gesellschaft sowie in der Wirtschaft und Politik haben einen Einfluss auf das Spielverhalten der Casino-Gäste in der Schweiz. Dies wirkt sich auf die Besucherzahlen, aber auch auf den Umsatzfranken pro Casinogast aus», sagt Marcel Tobler, CEO von Swiss Casinos. In den aktuellen Zeiten von Inflation und Krieg in Europa und der Welt löse dies Unsicherheit und Vorsicht aus, dies wiederum wirke sich negativ auf den Besuch im Casino und das Spielverhalten aus.

Rauchverbot, Grenzcasinos und Online-Konkurrenz

Die terrestrische Spielbankenlandschaft sieht sich seit vielen Jahren mit Umsatzrückgängen konfrontiert, die durch verschiedene externe Faktoren verstärkt wurden. Dazu zählen etwa die Einschränkungen durch das Rauchverbot (2009) sowie die Einführung von Online-Casinos (2019). Darüber hinaus sind alle Casinos verpflichtet, ein wirksames Sozialkonzept umzusetzen, um problematisches Spielverhalten frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. In schwerwiegenden Fällen kann dies zu Spielsperren führen. Seit der Legitimation des Glücksspiels im Fürstentum Liechtenstein im Jahr 2017 hat eine weitere Konkurrenz den Markt betreten. Diese wirkte sich etwas in einer deutlich rückläufigen Umsatz- und Ergebnisentwicklung des Casino Bad Ragaz aus.

«Der Wettbewerb durch grenznahe Casinos, insbesondere im Fürstentum Liechtenstein, hat die Marktsituation spürbar geprägt», erklärt Alexandra Ellerkamp, Verantwortliche für Marketing und Kommunikation bei der Grand Resort Bad Ragaz AG. Mit dem Inkrafttreten des Datenaustauschs der Sperrkartei am 7. Januar 2025 zwischen der Schweiz und Liechtenstein werde ein bedeutender Schritt zur effektiven Umsetzung grenzüberschreitender Spielersperren unternommen. «Dies dürfte die Attraktivität eines Ausweichens in liechtensteinische Casinos mindern und zur Stabilisierung der Gästezahlen in der Schweiz beitragen», ist Ellerkamp überzeugt.

Chart Grand Resort Bad Ragaz Jan 25
Nach dem Hoch der Aktie von Grand Resort Bad Ragaz im Februar 2023 begann die umgekehrte Richtung des Kurses. Chart: otc-x.ch

Doch es gibt nicht nur Liechtenstein – auch in anderen Grenzregionen gibt es Konkurrenz. So hat etwa das Casino in Basel mit abwandernden Gästen nach Frankreich zu kämpfen. Das Casino Barrière Blotzheim im Südelsass, rund 10 Kilometer von Basel entfernt, wurde 2008 eröffnet und ist zur Nummer zwei in Frankreich aufgestiegen. Mittlerweile kommen 30% (2023) der Gäste aus der Schweiz. Die Elsässer wiesen im Geschäftsjahr 2023 ein Umsatzplus von 39% auf 66.5 Mio. EUR aus.

Keine Vereinbarungen mit anderen Nachbarn

Die Gefahr der Abwanderung in grenznahe Gebiete ist ein grosses Thema – beispielsweise für das Unternehmen Swiss Casinos mit den aktuellen Standorten in Zürich, Pfäffikon, St. Gallen und Schaffhausen seien die Effekte neben Deutschland und Österreich vor allem mit dem Fürstentum Liechtenstein spürbar. Ausser ab Januar mit Liechtenstein gibt es keinen länderübergreifenden Austausch mit in der Schweiz gesperrten Spielern.

Betroffen sind aber nur die grenznahen Casinos. So sagt Ludwig Nehls, Direktor Grand Casino Kursaal Bern: «Diese Beobachtungen machen wir in Bern nicht. Generell muss man aber feststellen, dass bei unseren Nachbarn im Ausland auf den Spielerschutz weniger Wert gelegt wird als bei uns. Deswegen spielen dort auch oft Menschen, die in der Schweiz gesperrt sind oder die ihre Einkommensverhältnisse nicht offenlegen wollen.»

Chart Kursaal Bern Jan 25
Der Kurs der Aktie der Kursaal Bern AG zeigt einen kontinuierlichen Verlauf. Chart: bxswiss.com

Wie viele Spielstätten braucht es?

Wer in Randzeiten Casinos in Crans Montana, Neuenburg oder im Berner Kursaal besucht und das spärliche Besucheraufkommen sieht, fragt sich, ob es nicht zu viele Glücksspielhallen in der Schweiz gibt – und ob die teuren Installationen – und hohen Abgaben auf die Länge rentieren können. Der Chief Marketing Officer von Swiss Casinos, Adrian Meyer, sieht jedoch sogar noch zusätzlichen Bedarf: «Die Spielbankenkommission und der Bundesrat setzen bei der Vergabe der Konzessionen zu Recht auf Kontinuität in der Casinolandschaft. Wir sind jedoch der Meinung, dass im Mittelland eine Lücke in der Schweizer Casinolandschaft besteht.»

Leider sei das Gesuch von Swiss Casinos für eine Spielbank in Oftringen abgelehnt worden, weil sie im Ausschreibungsgebiet von Basel liege. Das Einzugsgebiet eines Casinos in Oftringen schliesse aber die Lücke in der Casinolandschaft trotz teilweiser Überschneidungen mit den Casinos in Baden, Basel und Luzern. Auch ohne diese Überschneidungen lebten im Einzugsgebiet des Casinos Oftringen 400’000 Menschen. «Wir sind zuversichtlich, dass diese Lücke im Bericht zur Casinolandschaft erkannt wird und die ESBK dem Bundesrat 2028 ein zusätzliches Ausschreibungsgebiet vorschlägt», sagt Meyer.

Tech-Giganten nicht auf Restriktionen ausgerichtet

Am meisten Sorgen machen den Schweizer Glücksspielanbietern nicht die grenznahe Casino-Konkurrenz, sondern illegale Angebote. Eine Studie von KPMG geht davon aus, dass Schweizer Spieler jährlich rund 180 Mio. CHF in Online-Casinos verlieren. Illegale Spielhöllen und vor allem illegale Online-Angebote stellen gemäss Swiss-Casinos-CEO Marcel Tobler eine grosse Konkurrenz dar. «Jährlich wandert rund 40% des gesamten Bruttospielertrages (BSE) in den illegalen Online-Markt. Gerade auf digitalen Kanälen wie Google und Social Media sind illegale Angebote in Vielzahl vorhanden», so der Manager. Leider seien die beiden Tech-Giganten Google und Meta zu wenig auf die Restriktionen ausgerichtet und würden diese Angebote zu wenig explizit unterbinden. Der private Spielbetrieb ist aus Sicht von Tobler unkritisch, sofern sich dieser an die gesetzlichen Vorgaben hält.

Das sieht auch Alexandra Ellerkamp so:«Besonders im Bereich der Online-Casinos ist eine zunehmende Konkurrenz zu beobachten, da diese häufig weniger reguliert sind und in manchen Fällen auch illegale Angebote umfassen. Der wachsende Markt der Online-Casinos hat die Marktlandschaft nachhaltig verändert.» Die Casino Bad Ragaz AG hat bereits vor Jahren die strategische Entscheidung getroffen, keine eigene Online-Casino-Alternative zu entwickeln.

2000 Websites stillgelegt

«Trotz der Sperren durch die Spielbankenkommission ist dieser illegale Online-Markt zurzeit fast gleich gross wie der legale», sagt Ludwig Nehls, Direktor Grand Casino Kursaal Bern. Laut der ESBK wurden 2023 rund 2000 Websites von illegalen Online-Casinos gesperrt, und das sei nur die Spitze des Eisbergs. Diese illegalen Anbieter sind ein Problem, sie bieten nur einen mangelhaften Spielerschutz und zahlen weder Steuern noch die Spielbankenabgabe, die zu grossen Teilen an die AHV gehen würde. Private Spielbetriebe und kleine illegale «Spielhöllen» werden gemäss Nehls immer wieder aufgedeckt, fallen aber daneben nicht ins Gewicht.

Die Sorgen der Schweizer Anbieter bezüglich illegaler Online-Casinos ist verständlich, denn Online soll das wegfallende terrestrische Geschäft ersetzen und bestenfalls gar Wachstum bringen. «Der Markt wächst im Moment noch knapp im zweistelligen Prozentbereich», kommentiert der Direktor des Grand Casino Kursaal Bern das Online-Geschäft.

Das Grand Casino Luzern sieht in der Kombination von offline- und online-Angeboten sowie in Kooperationen und Promotionspartnerschaften zusätzliche Wachstumschancen. Philipp Albrecht, Marketing-Chef des Grand Casino Luzern, betont, dass es Synergien gebe: «Kombinierte Angebote ermöglichen zusätzliche Erlebnisse, die sowohl von den klassischen Gästen wie auch von den Online-affinen Spielenden geschätzt werden.» Künstliche Intelligenz komme in allen Bereichen zunehmend zum Einsatz und werde es dem Casino Luzern ermöglichen, online wie offline die Spielerlebnisse zu steigern, die Angebote zu personalisieren und die Abläufe zu optimieren.

Der Marktführer aus der Innerschweiz

Das Online-Casino der Luzerner, mit Namen mycasino, ist Marktführer und erwirtschaftet mittlerweile einen Drittel aller legalen Online-Spielumsätze in der Schweiz. Mycasino habe sich seit dem Start im Jahr 2019 erfreulich entwickelt und sei bereits profitabel. Die Marktführung soll gemäss Albrecht weiter ausgebaut wende. Kürzlich sei die Website neu gestaltet, die Benutzerfreundlichkeit verbessert und das Spielangebot auf über 3000 Spiele erweitert worden. Das Grand Casino Luzern erzielte im Geschäftsjahr 2023 einen rekordhohen Bruttospielbetrag. Dieser stieg um 9.5% auf über 122 Mio. CHF. Das Grand Casino, das seit über 125 Jahren besteht, ist heute die grösste Spielbank der Schweiz.

Aktienkurs Kursaal Casino AG Luzern
Die rege gehandelten Namenaktien der Kursaal-Casino AG Luzern bewegen sich in einem Band zwischen 360 und 420 CHF. Chart: otc-x.ch

Zu einem gewissen Grad sehen die Anbieter auch im Ausbau des terrestrischen Angebots Wachstumschancen. Alexandra Ellerkamp erklärt, die Casino Bad Ragaz AG habe eine Vorwärtsstrategie initiiert, die unter anderem die kürzlich erfolgte umfassende Erneuerung des Casinos beinhaltet. «Zusätzlich setzt das Unternehmen auf die verstärkte Nutzung von Synergien im Konzernverbund mit dem Grand Resort Bad Ragaz und eine gezielte Neugästeakquise. Langfristig soll zudem ein Members Club etabliert werden, dessen Mitglieder exklusive Incentives geniessen, um so neue Zielgruppen anzusprechen und nachhaltiges Umsatzwachstum zu fördern», führt die Casino-Managerin aus.

Das Stadtcasino Baden nimmt über die nächsten Jahre mehrere Ausbauprojekte ins Visier – in Baden, aber auch in Locarno wird in Umbau- und Erweiterungsprojekte investiert. Bereits 2024 begann die Erneuerung des Casino-Parkhauses in Baden. Neue Bewirtschaftungssysteme sollen die Annehmlichkeit für die Benutzer des Parkhauses erhöhen. Im Anschluss an die Sanierung des Parkhauses werden die Gebäude des Grand Casino Baden umgebaut; die Arbeiten, die rund 18 Monate dauern, sollen die ursprüngliche Architektur des Kursaalgebäudes wieder vermehrt sichtbar machen. Auch das Casino Locarno wird um- und teilweise sogar neu gebaut. Die Ausgangslage in Locarno ist jedoch komplex, da die Stadt Locarno grösste Aktionärin der Kursaal Locarno SA ist.

Nachhaltigkeitsstrategie am Vierwaldstättersee

«Wir werden in den kommenden Jahren weiter in die Casinos investieren, um die Standorte als attraktive Ausgehorte und Casinos zum Verweilen zu etablieren», sagt auch der Marketing-Chef der Swiss Casinos Holding. Pläne, in welcher Form dies stattfindet, sind noch in der Entstehung. Die Grand Casino Luzern Gruppe investiert gemäss eigenen Angaben laufend, sowohl in das landbasierte Casino am Vierwaldstättersee wie auch in ihr Online-Casino mycasino. Im November 2024 wurde etwa eine grosse Photovoltaikanlage auf dem Hauptgebäude installiert, welche die CO2-Belastung in der Stadt Luzern um jährlich 23 Tonnen senken werde. «Diese Anlage ist ein Meilenstein in unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Weitere Investitionsprojekte sind in Bearbeitung», sagt Philipp Albrecht.

Swiss Casinos will wegen sinkendem terrestrischem Spielumsatz das Gästeangebot zukünftig neu ausrichten – respektive erweitern. Im Swiss Casino Winterthur werden mit einer eigenen Eventhalle neue Eventformate und -möglichkeiten angeboten. Keine Investitionen sind vorerst in Bern vorgesehen. «Das All-In-One-Angebot mit dem Kursaal Bern sowie die dazugehörigen Dienstleistungen sind attraktiv und auf einem guten Stand, grössere Investitionen sind zurzeit nicht geplant», sagt Ludwig Nehls.

Jeder baut eine eigene Online-Welt

Aufwendig erscheint auch, dass jede Gruppe ein eigenes Online-Angebot aufbaut. Es muss sich zeigen, ob sich das für die «Zuspätgekommenen» auszahlen wird. Denn das Online-Angebot der Berner lässt sich auch im Tessin nutzen, jenes von Baden in der Westschweiz. Wenn man Spiele entwickelt, könnte man diese auch an Konkurrenten verkaufen. Dies versuchen momentan einzig die Betreiber des Stadtcasinos Baden – mit bescheidenem Erfolg: Die Spielsoftware-Entwicklungstochter Gamanza schreibt rote Zahlen. «Es fehlen da ganz klar geplante Umsätze. Wir haben aber mit der Entwicklung von Gamanza ein tolles Produkt am Markt und sehen da grosse Wachstumschancen, insbesondere auch im internationalen Markt», sagt CFO Christian Stegemann.

Chart Stadtcasino Baden Jan 25
Der Kurs der Aktie der Stadtcasino Baden befindet sich auf einem Allzeittief. Chart: otc-x.ch

Die meisten Anbieter sehen in der Spieleentwicklung für Konkurrenten keine Chancen. Adrian Meyer, Marketingchef von Swiss Casinos, meint dazu: «Der Verkauf von Software könnte für ein Unternehmen interessant sein. Ob sich der Business Case rechnen lässt, ist von vielen Faktoren abhängig.» Grundsätzlich werde die Casino-Branche immer mehr digitalisiert, und dies könne ein durchaus spannender Markt sein. Die Vorgaben und Einschränkungen sind aber relativ hoch, und alle Änderungen in Kernsysteme oder Plattformen sind strengen Zertifizierungsrichtlinien unterstellt.

Aktien haben wenig Potenzial

Der Marketingchef der Grand Casino Luzern fasst die Aussichten der Glückspielbranche zusammen: «Die Nachfrage nach vielfältigen Angeboten in ungezwungener Atmosphäre, nach Veranstaltungen und nach echten sozialen Treffpunkten ist stark. Die Kombination von attraktivem Spielangebot, guter Gastronomie und unterhaltenden Veranstaltungen bleibt ein Erfolgsfaktor». Entsprechend blicke das Grand Casino Luzern optimistisch in die Zukunft. Das Online-Casino werde stärker wachsen als das landbasierte Casino. Der Bruttospielertrag im landbasierten Casino werde sich mittelfristig im Rahmen des Wirtschaftswachstums entwickeln.

In den Aktienkursen spiegelt sich der verhaltene Ausblick der Branche. Das Casino in Bad Ragaz ist nur ein Teil der Grand Resort Bad Ragaz. Im Jahr 2023 stieg die Besucherzahl im Casino um 10%. Die Kursaal-Casino AG Luzern konnte zwar den Bruttospielertrag 2023 um 9,5% auf 122.4 Mio. CHF erhöhen. Weil der Bundesrat das Konzessionsgesuch für Sion ablehnte und dem bestehenden Casino Crans-Montana den Vorzug gab, kam es jedoch zu einem Abschreiber von 2.3 Mio. CHF, der das Gesamtresultat rot färbte. Das Geschäft der Stadtcasino Baden Gruppe stagniert, im Geschäftsjahr 2023 erwirtschaftete das Unternehmen einen um 7,8% höheren Bruttoumsatz von 127.9 Mio. CHF. Der Reingewinn verharrte auf tiefem Niveau bei 253’000 CHF. Die an der BX Swiss kotierte Kursaal-Bern-Gruppe erreichte im Jahr 2023 die Gewinnschwelle und erzielt ein Umsatzplus von 2.7 auf 77.5 Mio. CHF. Im ersten Halbjahr 2024 setzte sich die Belebung des Geschäfts fort. Die Aktien bewegen sich seit Jahren seitwärts – auf dem Niveau des IPO im Jahr 2021.

Bergbahnen Sörenberg: Stefan Ryser wird neuer Direktor

0
Bringt zwanzig Jahre Berufserfahrung im Tourismus mit: der neue Direktor der Bergbahnen Sörenberg AG. Bild: zVg.

Der Verwaltungsrat der Bergbahnen Sörenberg AG (BBS AG) hat Stefan Ryser per 1. Juli 2025 zum neuen Direktor gewählt. Ryser folgt auf René Koller, der Ende Juni 2025 seine ordentliche Pension antritt.

«Der Verwaltungsrat hat Stefan Ryser einstimmig gewählt. Der ausgewiesene Tourismusfachmann ist hervorragend qualifiziert für die anspruchsvollen, herausfordernden Aufgaben dieser Position. Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit», sagt Theo Schnider, Verwaltungsratspräsident der BBS AG.

Ryser absolvierte die Tourismusfachschule in Sierre und verfügt über einen EMBA in Strategic Management sowie einen Master in Brand & Marketing Management. Neben seinen betriebswirtschaftlichen Kenntnissen bringt er über 20 Jahre Berufserfahrung im Tourismus mit – darunter Führungserfahrung als Vizedirektor von Interlaken Tourismus und Geschäftsführer der Erlebnisregion Mythen.

Zuletzt leitete er das Projekt «Wiege der Schweiz» als Gesamtprojektleiter und baute ein Netzwerk im Zentralschweizer Tourismus auf. Seine Expertise teilt er zudem als Dozent an den Höheren Fachschulen für Tourismus in Luzern und Thun.

Die Aktie der Bergbahnen Sörenberg ist auf OTC-X gelistet und kostete zuletzt 101 CHF. Quelle: otc-x.ch

Börsengänge Schweiz / International: Wird der IPO-Markt 2025 zu neuem Leben erwachen?

0
Neues Jahr, neues Glück? Die Perspektiven für die IPO-Märkte bleiben 2025 weiterhin gemischt. Wirtschaftliche Herausforderungen und Chancen wirken sich auch 2025 auf Finanzmärkte und Börsengeschehen aus. Bild: stock.adobe.com

Wie sich schon abgezeichnet hatte, fielen 2024 sowohl die Anzahl der gobalen Börsengänge wie auch die Emissionsvolumina. Während Indien, Europa und die USA aufdrehten, setzte sich die IPO-Malaise in China beschleunigt fort. Wie ist der Ausblick auf 2025?

Die Perspektiven für die IPO-Märkte bleiben 2025 weiterhin gemischt. Obwohl die Erwartungen für Börsengänge an der SIX am letzten Jahreswechsel hoch waren, hat sich am Ende doch nur das IPO von Galderma tatsächlich materialisiert. Die «zahlreichen Kandidaten in der Pipeline» der SIX hielten sich im Jahresverlauf bedeckt. Dennoch gab es zum Jahresende hin mit dem Spin-off des Swisscom-Wettbewerbers Sunrise einen weiteren Neuzugang an der SIX. In der globalen Jahresbilanz nimmt Galderma eine herausragende Position ein. Mit einem Emissionserlös von 2.6 Mrd. USD kommt das Schweizer Unternehmen auf Rang 5.

Top 5 IPOs des Jahres

Höhere Emissionserträge erzielten nur die Immobiliengesellschaft Lineage in den USA mit 5.1 Mrd. USD, die in den Bereichen Klimaanlagen, Automation und Robotik tätige Minea Group in China mit 4.6 Mrd. USD, Hyundai Motor India mit 3.3 Mrd. USD und das Modemarken-Unternehmen Puig in Spanien mit 2.9 Mrd. USD. Die Galderma-Performance für Erstzeichner ist mit 89,9% brillant. Gemessen am ersten bezahlten Kurs von 61 CHF beträgt die Performance 65%.

Chart Galderma Jan 25
Die Performance von Galderma seit dem IPO ist mit 65% beachtlich. Chart: six-group.com

Globalstatistik 2024

Diese kurze Liste der Top 5 IPOs des Jahres zeigt schon, wie sich die Schwerpunkte nach Branchen wie auch nach Regionen verlagern. Gegenüber dem Vorjahr ging die Anzahl der IPOs laut dem EY IPO-Report um 10% auf 1215 zurück. Das Volumen sank nur um 4% auf 121.2 Mrd. USD. Ein gutes Zeichen im vierten Quartal ist, dass das Emissionsvolumen um 70% auf 43 Mrd. USD geklettert ist, während die Anzahl der IPOs mit 343 um nochmals 7% tiefer ausfiel.

Emissionsvolumen in Europa höher

In Europa fiel im Gesamtjahr 2024 zwar die Zahl der Börsengänge von 148 auf 125, doch das Volumen erhöhte sich um 41% auf 19.1 Mrd. USD. In Deutschland gab es nur sieben Börsengänge, von denen Douglas mit 1 Mrd. USD Emissionsvolumen der grösste war und der Fachverlag Springer Nature mit 0.67 Mrd. USD der zweitgrösste.

Starker IPO-Trend an der Wall Street

In den USA florierten die Börsengänge, nicht zuletzt, weil eine feste Börsentendenz das richtige Klima dafür bot. Nach 127 IPOs in 2023 stieg die Zahl auf 183. Die Emissionserträge erhöhten sich ebenfalls kräftig von 22.2 Mrd. USD im Vorjahr auf nun 32.7 Mrd. USD.

Boom-Markt Indien

Auch in Indien entwickelte sich das IPO-Geschäft prächtig. Mit 330 Börsengängen lag der Wert um 36% über dem Vorjahr. Noch stärker stieg das Volumen, das mit fast 20 Mrd. USD um 150% höher als im Vorjahr ausfiel – und inzwischen auch höher als das chinesische Emissionsvolumen ist.

Chinesisches Emissionsvolumen rückläufig

Ein ganz anderes Bild zeigt sich an den Primärmärkten in China. An den vier chinesischen Börsenplätzen inklusive Hongkong fanden 2024 noch 170 IPOs statt, im Vorjahr waren es 387 Börsengänge gewesen. Das Emissionsvolumen sackte von 57,2 Mrd. USD auf 19.8 Mrd. USD ab.

Deflationsgefahr in China

Der weitere Ausblick bleibt gemischt. Bisher konnten die umfangreichen Stimulierungsmassnahmen in China noch keine Trendwende an den Primärmärkten bewirken. Die andauernden Schwierigkeiten im Immobilien-Sektor drücken auf die Laune der Konsumenten und Investoren. Die Arbeitslosigkeit ist besonders bei jungen in den Arbeitsmarkt eintretenden Arbeitskräften hoch und steigend. Seit kurzem wird die Arbeitslosenquote der Jugend in der offiziellen Statistik zum Arbeitsmarkt gar nicht mehr gesondert ausgewiesen. Viele Experten sehen die wachsende Gefahr einer Deflation, was auch in der mittlerweile schrumpfenden Bevölkerungszahl begründet ist. 2023 wurden über 14’000 Kindergärten geschlossen.

Kann Europa die Struktur-Krise überwinden?

In Europa sind die wirtschaftlichen Perspektiven gedämpft. Die Industrie schwächelt insbesondere in Deutschland, wohl, weil sie zu stark auf Automobile, Stahl, Chemie ausgerichtet ist und zunehmend an internationaler Wettbewerbsfähigkeit einbüsst. Die Umsätze und Gewinne der 100 grössten börsenkotierten deutschen Unternehmen sind 2024 deutlich rückläufig. Auch die politische Entscheidungsfähigkeit in der EU scheint kompromittiert, die Einigkeit der EU-Länder droht in vielen zentralen Punkten auseinanderzufallen. Mit dem Draghi-Plan ist zwar die richtige Richtung für eine Investitionsinitiative zur Bewahrung respektive Wiederherstellung von Autarkie sowie wirtschaftlicher und militärischer Stärke gewiesen, doch konkrete Schritte lassen auf sich warten.

Europäische Primärmarktaktivität unter Potenzial

So ist es auch nicht verwunderlich, dass die europäischen Börsen 2024 kaum voran kamen, was zu einer nur beschränkten Anzahl von Börsengängen führte. In der Schweiz waren bis zu 15 IPO-Kandidaten in der Pipeline – nur eines fand statt. Positiv mit Blick auf 2025 ist, dass mit weiteren Zinssenkungen durch SNB und EZB gerechnet wird. Da die Bewertungen an den europäischen Börsen vergleichsweise tief sind, besteht durchaus Potenzial für Avancen an den Aktienmärkten sowie für mehr Interesse an Börsengängen. Glaubt man den Dienstleistern des IPO-Marktes, sind die Pipelines gefüllt. Für die Schweiz werden hinter vorgehaltener Hand rund sechs IPOs erwartet. Zu bedenken ist, dass seit 2019 nur 11 echte IPOs an der SIX stattfanden, davon fünf in 2021 und drei in 2019. Für Deutschland beziffert EY das Potenzial auf bis zu 10 Börsengänge in 2025.

Aebi Schmidt geht nicht an die SIX

Allerdings gibt es stets auch Alternativen. So ging der heiss erwartete Schweizer Börsenkandidat Aebi Schmidt kurz vor Weihnachten auf dem Weg eines Reverse Mergers mit der Shyft Group an die Nasdaq. Mehrere Anwaltskanzleien prüfen nun, ob die Transaktion zu fairen Bedingungen für die Shyft-Aktionäre durchgeführt wird oder Sammelklagen eingereicht werden sollen. Die Aebi-Schmidt-Aktionäre sollen nach vollzogenem Merger 52% am neuen Unternehmen halten. Peter Spuhler wird ca. 35% der Aktien halten.

Chaft SHYFT Group Jan 25
Kursverlauf der Aktie der Shyft Group in den letzten 3 Monaten. Chart: nasdaq.com

Die zweite Ära Trump

Mit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Trump am 20. Januar beginnt eine neue Zeitrechnung. Die angekündigten Zölle für Importe werfen ihre Schatten schon voraus. So kalkuliert die Fed nun mit inflationärem Druck, was den Spielraum bei den weiteren Zinssenkungen einschränkt. Andererseits werden die geplanten Steuersenkungen die Entwicklung der US-Unternehmensgewinne positiv beeinflussen. Die vorgesehene weitere Deregulierung im Finanzwesen dürfte das M&A-Geschäft stimulieren und sich auch positiv auf die IPO-Märkte in den USA auswirken. Die Entwicklung der Staatsfinanzen ist jedoch kritisch. Ob und wie lange sich die aktuell überschwängliche Stimmung an den US-Börsen fortsetzen wird, bleibt abzuwarten. Ebenso, ob sie auf die europäischen Märkte überschwappt.

GV-Termine und Veranstaltungen