Dass der Life-Science-Sektor allgemein und Biotech im Besonderen vielversprechend für Anleger sind, ist für Leser von schweizeraktien.net nichts Neues. Umso erfreulicher, wenn die Einschätzungen auch Früchte tragen. Die im August favorisierte Idorsia – das Actelion-Baby – ist seitdem um 45% gestiegen, auch wenn im Sommer vielfach in den Fachpublikationen zu lesen war, dass die Luft raus sei!

Seit dem Spin-off von Actelion ist die Idorsia-Aktie eine Biotech-Erfolgsgeschichte an der Schweizer Börse. Chart: moneynet.ch

Das Jahr 2017 brachte viele Übernahmen mit hohen Prämien! Übernahmespekulation ist lukrativ und verschafft dem Anleger darüber hinaus, im Erfolgsfall, eine tiefe intellektuelle Befriedigung, nämlich im Gegensatz zu anderen das richtige Ziel zur richtigen Zeit gewählt zu haben. Die Schweiz ragte 2017 in vielfacher Hinsicht heraus. Gleich zum Jahresauftakt wurden sich Johnson&Johnson und Actelion über eine Übernahme einig. Der Kaufpreis von 30 Mrd. CHF stellt einen neuen Rekordwert für europäische Biotech-Unternehmen dar. Nach der ersten Bestätigung für Gespräche war Ende November 2016 bei Kursen um 180 CHF auf schweizeraktien.net auf die Anlageopportunität hingewiesen worden. Der Übernahmepreis lag dann im Januar bei 280 CHF.

Biotech-Übernahmen 2017 mit 54% Prämie

Weltweit wurden 2017, so die französische Investment Bank Bryan, Garnier & Co. in einer aktuellen Transaktionsstudie, 1’040 Unternehmensübernahmen oder -fusionen in der Life-Science-Industrie verzeichnet. Darunter auch 132 Transaktionen im Bereich Biotech. Die durchschnittliche Prämie auf den Aktienkurs einen Monat vor Bekanntgabe der Transaktion habe in 2017 mit 54% einen Rekordwert erreicht. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre lag die Prämie bei schon herausragenden 45%. Actelion und Kite Pharmaceuticals, mit 12 Mrd. USD Transaktionsvolumen, in den USA seien die grössten Akquisitionen gewesen, hauptsächlich seien kleinere Unternehmen übernommen worden.

Pharma-Sektor braucht mehr neue Wirkstoffe

Das US-Biotech-Unternehmen Gilead muss auch durch weitere Übernahmen wachsen. Chart: moneynet.ch

Es ist vielsagend, dass die Übernahmeprämien im klassischen Pharmabereich im Kontrast zu Biotech sogar zurückgegangen sind und nur noch 21% betragen haben, also volle 33 Prozentpunkte weniger. Mehr als die Hälfte aller neu zugelassenen Medikamente sind mittlerweile bio-pharmazeutischen Ursprungs. Bei Big Pharma laufen mehr Patente ab als an neuen Zulassungen hinzukommt. Die Pipelines neuer Wirkstoffe sind bei Pharma-Unternehmen inzwischen vielfach dünn geworden. Nicht gerade selten zeigt sich auch im Verlauf der klinischen Versuchsreihen, dass die Wirksamkeit geringer als erwartet bleibt oder gefährliche Nebenwirkungen auftreten. Die weitere Entwicklung wird dann eingestellt, der Aufwand abgeschrieben. Auch Merck, Johnson&Johnson und weitere grosse Namen sind davon betroffen. Da inzwischen mit Amgen, Gilead, Biogen etc. auch gewinnstarke reife Biotech-Unternehmen entstanden sind, nehmen diese auch an der Jagd nach lukrativen Übernahmezielen teil. So ging Kite Pharmaceuticals mit der innovativen CAR-T-Therapie an Gilead Sciences!

Gründe für Biotech-Übernahmen bleiben

Daher ist es für die Pharma-Unternehmen sogar zu einer Überlebensfrage geworden, sich neue vielversprechende Wirkstoffkandidaten mitsamt den Biotech-Unternehmen zu kaufen. So erklären sich die hohen und steigenden Übernahmeprämien im Biotech Bereich. Allerdings sind die involvierten Summen meist in absoluten Zahlen eher niedrig, da es sich überwiegend um kleinere Gesellschaften handelt. Nicht zuletzt wegen der Unternehmenssteuerreform in den USA – Absenkung der Gewinnbesteuerung von 35% auf 21% – ist vor dem Hintergrund boomender Aktienmärkte mit einer Fortsetzung der Übernahmewelle im Biotech Sektor zu rechnen.

Mit Blick auf die Schweizer Börse sind allerdings jedoch keine augenscheinlichen Ziele auszumachen. Die attraktiven Unternehmen wie Idorsia und Molecular Partners haben Grossaktionäre, die zu diesem Zeitpunkt im Unternehmenslebenszyklus, vor Realisierung der Upside, wohl kaum abgabewillig wären. Die Kursentwicklung bei Idorsia zeigt aber, dass die Aktien wirklich vielversprechender Biotech Unternehmen auch ohne Übernahmefantasie deutlich zweistellige Avancen erzielen können.

Hohe Prämien bei Medizintechnik-Übernahmen

Auch im Medizintechnik-Sektor gab es weltweit zahlreiche Übernahmen, die eine durchschnittliche Übernahmeprämie von 44% aufweisen. Aber auch in diesem attraktiven Sektor sind die an der SIX kotierten Aktien entweder mehrheitlich in fester Hand oder trotz deutlicher Korrekturen wie bei Ypsomed und Sonova sehr ambitioniert bewertet und damit für potenzielle Übernehmer zu teuer. Transaktionen sind eher wie bei Metall Zug und Haag-Streit bei privat gehaltenen Unternehmen zu erwarten.

Fazit

Aus Anlegersicht bleibt der Life-Sciences-Sektor auch 2018 interessant. Allerdings nicht, wie vielleicht bisher, mit passiven Investments in die Branche oder Indizes. Der Markt wird selektiver, auch weil die Bewertungen teilweise irrational divergierend sind. So sind hochprofitable reife Biotechs wie Amgen und Gilead mit atypisch niedrigen Gewinn-Multiples bewertet, während stagnierende Big-Pharma-Vertreter atypisch hohe Multiples aufweisen. Darauf war in einem Beitrag im Sommer aufmerksam gemacht worden.

Aussichtsreich erscheinen für das vor uns liegende Jahr Aktien aus dem Life-Science- Sektor, die in drei Kategorien fallen.

  1. Mega-Caps. Roche und Novartis sind im Vergleich zu amerikanischen Big Pharma Aktien günstig bewertet und werfen attraktive Dividendenrenditen von jeweils 3.3% ab. Die Pipelines sind vergleichsweise voll, die Kassen auch, so dass weiterhin mit Akquisitionen zu rechnen ist wie zuletzt bei Roche mit der Übernahme von Ignyta für 1.7 Mrd. USD, was einer Prämie von 74% entspricht. Zudem könnten einzelne Bereiche auch veräussert werden oder an die Börse kommen, was den intrinsischen Wert der Mega-Caps mehr Anlegern eindrücklich vor Augen führen wird.
  2. Amerikanische reife Biotechs. Vor allem Amgen und Gilead ragen als attraktiv heraus. Nicht nur wegen den Bewertungen, sondern auch wegen der ungebrochenen langfristigen Erfolgsgeschichten mit weiterhin intakten Wachstums- und Ertragsperspektiven.
  3. Unter den börsenkotierten Schweizer Biotechs bleiben Idorsia trotz des signifikanten Kursanstiegs sowie Molecular Partners klare Favoriten für langfristig disponierende Investoren. Details zu Molecular Partners finden sich hier. Am 3. Januar 2018 gab das Unternehmen auch bekannt, dass der US-Konzern Allergan die Option für zwei Produktekandidaten gezogen hat.
Aussichtsreiche Life Sciences-Aktien für 2018
Wertpapier Kurs 30.12.17 MarketCap in Mrd. Div.-Rendite ’17 KGV ’17 Performance 2017
Roche GS 246.5 214.8 CHF 3.3% 17.9 6.0%
Novartis 82.7 215.7 CHF 3.1% 26.9 11.2%
Idorsia 25.7 3.1 CHF n.a. n.a. 76.1%
Molecular Partners 26.3 0.549 CHF n.a. n.a. 6.0%
Amgen 177 128.6 USD 2.7% 13.4 20%
Gilead 71.64 96.8 USD 2.8% 11 -3.4%

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